Es war mir lange nicht klar, aber sehr oft produziert das Gehirn einfach nur nicht hilfreichen Müll. Mein bester Freund Johann den ich schon lange kenne lebt mit dem Tourette Syndrom. Aus heiterem Himmel sagt er Dinge wie „Ach ich will ein Nazi sein, ich bin eine Erbse“, „ach ich bin Genozid“. Und was mich immer wieder beeindruckt, es macht ihm überhaupt nichts aus! Im Gegenteil. Johann ist für mich ein Vorbild an Gelassenheit und Lebensfreude. Manchmal sitzen wir nur schweigend auf dem Balkon und wenn er mal ein Tourette hat dann lachen wir gemeinsam darüber. Johann erschrickt sich nicht und er schämt sich nicht, er weiß dass es einfach nur seine Ticks sind die nichts über seinen Charakter aussagen und sie schränken ihn in seinem Leben nicht ein. Und seine Mitmenschen wissen das auch. Das ist das Entscheidende. Andere Menschen würden vor Scham jedesmal tausend Tode sterben und sich völlig zurückziehen und verkriechen. Nicht so, Johann. Er lebt damit als sei es das normalste auf der Welt. Warum soll ich dann nicht mit meinem geistigen Müll umgehen können?
Müllgedanken, schockierende, unsinnige Gedanken, Zufallsprodukte des Geistes sind menschlich und völlig normal! Wir haben 60.000 Gedanken am Tag. Und viele davon sind überhaupt nicht hilfreich.
Unser Gehirn ist nicht darauf programmiert dass wir uns immer gut fühlen und glücklich sind sondern darauf zu überleben. So analysiert, vergleicht, plant, bewertet das Gehirn pausenlos und erzeugt dabei Müll. Wie Sägespäne beim Hobeln. Das muss uns überhaupt nicht beeindrucken (wie Johann und seine Ticks).
Der „negativity bias“ besagt dass wir zudem zu negativen Gedanken tendieren weil das für unser Überleben als Steinzeitmenschen förderlicher war. Wenn ich ein Rascheln im Gebüsch höre bekomme ich vielleicht Angst obwohl es nur eine Maus war, aber wenn es doch ein Tiger gewesen wäre, wäre ich jetzt vielleicht seine nächste Mahlzeit geworden.
Manchmal spielen wir schockierende Szenarien durch und halten uns für psychisch krank. „Was wenn ich jetzt das Lenkrad herumreiße und in die Gegenspur fahre?“, „was ist wenn ich jetzt aus diesem Fenster springe?“ Das Gehirn spielt solche Szenarien durch um sie zu bewerten und einzuordnen. Wir würden nichts davon tun, die Tatsache dass wir vor solchen Gedanken erschrecken ist völlig gesund! Es entspricht nicht unseren Werten solche Dinge zu tun und es sagt nichts über unseren Charakter aus. Etwas anderes würde gelten wenn wir über den Gedanken jemandem Schaden zuzufügen mit Vorfreude oder gar Erregung reagieren würden.
Viele Mütter haben Angst mit ihrem Baby und einem Messer in einem Raum zu sein, weil sie den Impuls haben ihr Neugeborenes zu erstechen. Es ist das letzte was diese Mütter tun würden.
Der empfindliche Flughafenscanner
Problematisch wird es, wenn man wie ich, sehr auf sein Innenleben fixiert ist. Der Vorteil ist, dass ich sehr reflektiert bin und meine Gefühle benennen und ausdrücken kann, was mir beim Schreiben sehr von Vorteil ist. Zudem, wenn man mit Wahngedanken zu tun hat, braucht man einen Warnblinker; wir müssen über das Denken nachdenken – das nennt man auch „Metakognition“.
Ich persönlich übertreibe es damit leider ganz gerne. Ich bin sehr darauf bedacht, mich non-stop zu beobachten und kranke Gedanken zu erkennen und vermeiden zu wollen. Es ist, als wäre in meinem Seelenflughafen ein teurer, hochleistungsfähiger Gepäckscanner installiert, der einfach nur viel zu empfindlich eingestellt ist. Jede harmlose Deo-Dose im Rucksack wird sofort als Sprengsatz gemeldet und die Sirene heult auf. Wenn mein Gefahrenscanner ein vermeintliches „gefährliches Gepäckstück“ entdeckt, schlägt er Alarm: „Aha, da ist eine sexuelle Perversion!“ – und dieser Gedanke führt unweigerlich zu dem Schluss: „Aha, ich bin immer noch nicht gesund.“
Das Gute ist: Ich muss das teure Gerät nicht wegwerfen. Es war damals zudem überlebensnotwendig, um meine Wahngedanken einzuordnen, und hat mir den Arsch gerettet. Aber heute ist es zu einer Last geworden. Ich muss es nicht verschrotten, (es ist ein high-tech Gerät und war sehr teuer)sondern eine feinfühlige Neukalibrierung durchführen. Auch hier hilft uns wieder die Neuroplastizität: Die eingeschliffenen Muster brauchen Zeit, um sich aufzulösen, aber Schritt für Schritt lernen wir, den Empfindlichkeitsregler wieder herunterzudrehen.
Die Amygdala lernt nicht durch logische Argumente („Es ist doch gar kein Tiger da!“), sondern durch Erfahrung. Sie muss hundertmal erleben: „Der blöde Gedanke kam, ich habe nichts dagegen unternommen, und rat mal was – wir sind immer noch nicht gestorben.“ Erst nach der hundertsten Wiederholung speichert das System ab: Okay, das ist keine echte Bedrohung mehr, wir können die Sensitivität senken.
Zusammengefasst: Das Gehirn ist eine wunderbare Maschine, die uns das Überleben sichert, produziert dabei aber manchmal nicht hilfreichen Müll. Das ist einfach nur menschlich und an sich noch kein Zeichen von psychischer Krankheit (da kommen noch weitere Faktoren hinzu). Wie bei Johann und seinem Tourette haben wir gesehen, es ist die Bewertung eines Gedankens der den Schmerz verursacht. Wir können solche Gedanken bedenkenlos akzeptieren und loslassen, sie sagen nichts über unseren Charakter aus.
Ich liebe Katzen und hatte ein paar davon bei mir in meiner Wohnung bis ich umzog und sie zu klein wurde. Katzen sind wunderbare Haustiere, man kann mit ihnen kuscheln und spielen, sie sind anmutig und eigensinnig und haben ihren eigenen Kopf.
Eine meiner Katzen, der Miki wurde irgendwann schwer krank. Er hatte sog. Harngrieß in seiner Blase und konnte kein Wasser lassen. Unzählige male sind wir mit ihm zur Tierklinik, wo mit einem Katheter die Blase gespült wurde, er hat sehr gelitten und wollte nichts mehr fressen. Er wäre mehrmals fast gestorben und musste notoperiert werden. Irgendwann ging mir das Geld aus und ich war verzweifelt, müssen wir Miki einschläfern lassen? Ich liebte meine Katze doch so sehr. Es ging ihm sehr schlecht.
Dann hat mir die Tierärztin die so für ihn gekämpft hat ihn mir abgenommen und alle weiteren OPs aus eigener Tasche bezahlt. Als hätte sie der Himmel geschickt.
Später wurde Miki gesund und durfte sogar nach draußen. Die Tierärztin schickte mir ein Foto mit seiner ersten selbst gefangenen Maus. Obwohl es finster und ausweglos aussah hat Miki überlebt. Letzten Monat ist er zwar gestorben aber er hatte noch viele glückliche Katzenjahre bei meiner Tierärztin und ihren Hund als beste Freundin.
Meine Katze Miki
Meine Katzen haben auch etwas mit meiner mentalen Gesundheit und meinem Seelenleben zu tun. Ich habe ein sehr intensives Traumleben und träume oft von meinen Stubentigern.
Meine Träume sind oft beunruhigend und diese 3 Tagebucheinträge möchte ich mit dir teilen:
Oktober 2026
Ich träume ich sprühe eine Babykatze mit Gift ein. Ich sprühe noch etwas mehr damit sie nicht leidet. Die Katze atmet gerade noch und überlebt knapp.
Oktober 2026
Ich träume von einer Babykatze die mit einer großen Spinne kämpft. Ich stecke beide in meinen Rucksack und sie kämpfen dort weiter.
Oktober 2026
Heute träumte ich wieder von meinen Katzen Miki und Johnny. Eine war etwas eingestaubt die andere beobachte ich beim Fressen und es geht ihnen gut.
Hier sieht man eine starke Entwicklung, die sich auch in meinem Gefühlsleben im Alltag widerspiegelt, ich habe zur Zeit eine ganz gute Phase (bin aber nicht enttäuscht wenn es wieder schwieriger wird).
Meine Babykatze im Traum kann mehrere Bedeutungen haben, es könnte für meine Seele stehen, die nicht kaputtzukriegen ist, die mit der Angst (Spinne) kämpft, ein ungelöster Konflikt den ich mit mir rumtrage und verstecke (der Rucksack), mein Kontrollversuch mit dem Gift, die Tatsache dass ich meine Seele selbst quäle. Es ist der Versuch den Schmerz abzuschneiden weil man ihn nicht ertragen kann und zeigt die innere Härte und Grausamkeit mit der ich meinen verletzlichen inneren Anteil behandle. Der Gedanke „damit sie nicht leidet“ ist besonders bitter. Ein weiterer Aspekt könnte mein hoher Zigarettenkonsum sein mit dem ich auch oft Schmerz betäuben will.
Die Katze kann auch Lebensfreude bedeuten, für meine Emotionen stehen oder auch mein inneres Kind.
Bedeutungsvoll finde ich dass trotz des vielen Giftes und der Kämpfe mit der Angst, die Babykatze nicht stirbt sondern überlebt, egal wie sehr ich sie versuche zu betäuben oder sterben zu lassen. Und mit so einem Traum ist nicht das Ende gekommen, sondern im Laufe der Entwicklung kann sich die Seelenkatze regenerieren und erholen. Genau so wie Miki.
Da ist ein Kern der Seele der weitermacht, egal wie geschunden sie wurde und das Potenzial hat gesund zu werden. In meinem dritten Traum beobachte ich dass die Katzen nun wieder fressen (positive Gedanken und Aktivitäten als Nahrung), dass sie gepflegt sind (Psychohygiene) und das es ihnen gut geht und sie wieder zu Kräften kommen. Manchmal braucht es auch einen rettenden Impuls von außen (wie bei meiner Tierärztin).
Mit diesem schönen Traumbild beginne ich nun meinen Sonntag und freue mich über das restliche Wochenende.
Hast du auch ein Seelentier oder ein Haustier? Wie gehst du mit deinen verletzlichen Anteilen um?
Schreibe es gerne in die Kommentare oder schicke mir eine E-Mail.
Warum führen wir manchmal nicht das Leben das wir gerne führen würden? Um ein gutes, werteorientiertes Leben zu führen brauchen wir positive Gewohnheiten. Aber warum ist es so schwer sich zu verändern und diese zu entwickeln? Warum melden wir uns im Fitnesstudio an und statt hinzugehen versumpfen wir auf der Couch obwohl wir wissen das Training gut für uns ist?
Hier sind die 11 Feinde nachhaltiger Entwicklung
1) Angst zu scheitern
Nehmen wir an wir liegen mal wieder im Bett und denken „Eine Runde Singen würde mir jetzt gut tun“. Aber da ist eine Sperre, eine Barriere die uns daran hindert so dass wir lieber liegen bleiben. Das Gehirn bevorzugt altes und Bekanntes auch wenn der Zustand unbefriedigend ist. Es scheut das Risiko.
Da ist das diffuse Gefühl „was wenn es keinen Spaß macht und ich abbreche? Dann bin ich enttäuscht von mir und es geht mir noch schlechter als jetzt. Rein logisch ist es Unsinn so zu denken, wenn wir scheitern und tatsächlich nach 3 Minuten aufhören zu singen dann sind wir genau so weit wie vorher, hätten es aber wenigstens versucht. Wir verpassen die Chance dass es uns vielleicht doch eine halbe Stunde Freude gemacht hätte. Der Erste Schritt ist der schwerste und wenn man ihn wagt ist es oft doch besser als gedacht. Gehe das Risiko ein scheitern zu dürfen. Im Improvisationstheater ist die Erlaubnis zu scheitern ein Kerngedanke. „Scheiter heiter“ sagen wir im Impro denn im Risiko liegt die besondere Chance das etwas großartiges gelingt. Zum Beispiel eine super gelungene Gesangseinlage bei der spontan gereimt wird und großartige Szenen entstehen. Kein Risiko (wir bleiben auf Nummer sicher) – keine Belohnung. Und wenn es krachend schief geht, na und? Es passiert nichts schlimmes! Sich einmal auf der Bühne knochentief zu blamieren hat etwas sehr befreiendes. Die Angst davor ist nur in unseren Köpfen.
Ein guter Improspieler geht spontan Risiken ein weil er auf sein Talent vertraut und das ist die große Kunst die die Zuschauer beeindruckt. „Was der sich traut, das könnte ich nie“. So habe ich als Zuschauer früher auch oft gedacht, dann gründete ich irgendwann eine Improgruppe und stand oft auf der Bühne. Auch wenn ich vor jedem Auftritt gestorben bin vor Lampenfieber. Ich habe gelernt mir und meinen Mitspielern zu vertrauen und zu liefern. Wer nicht wagt der nicht gewinnt
2) Schlechtes Gewissen
Manche Menschen haben einfach keine Energie um irgendwas zu tun. Manchmal nicht mal Zähne putzen am abend, oder die Wäsche oder den Einkauf machen. Das hat nichts mit Faulsein zu tun, es gibt solche Situationen und die kenne ich sehr gut aus meinem Leben. Das Schlimme, wir versumpfen auf der Couch und verachten uns dafür auch noch, als wäre die Passivität nicht schon schlimm genug. Sie denken „Ach ich sollte und müsste dies oder jenes und ich schaffe es nicht“. Daraus folgt schließlich der Gedanke „Ich bin ein Versager, der nichts auf die Reihe bekommt. Dieser Feind der Veränderung ist besonders tückisch. Denn wir blockieren die Energie die wir eigentlich bräuchten um in die Aktivität zu kommen. Mein Tipp: Ruhe ist auch mal ok. Wenn du schon liegen musst dann genieße es wenigstens. Verabschiede dich vom schlechten Gewissen und nutze die Spielräume wenn es dir mal ein bisschen besser geht.
3) Unrealistische Ziele
Jeder hat irgendwann mal den Gedanken „Das geht so nicht weiter, ab morgen krempel ich mein Leben komplett um“. „Ich gehe jeden Tag 2 Stunden intensiv trainieren und bekomme einen Traumkörper, dann werde ich glücklich sein“. Das funktioniert einfach nicht, wer unrealistische Ziele hat und allein auf Willenskraft setzt dessen Enttäuschung ist vorprogrammiert. Selbst wenn man das selbstauferlegte Pensum einen Tag durchhält, schnell fällt man wieder in das gewohnte Muster und es ändert sich langfristig: überhaupt nichts. Setze dir minimale erreichbare Ziele, wie, ich nehme täglich 10 Minuten die Gitarre in die Hand, danach mach ich etwas anderes. Nur 10 Minuten, aber dafür jeden Tag. Wenn es Spaß macht darf ich die Zeit verlängern. Die Kontinuität ist der Schlüssel. Lieber 10 Minuten/Tag bewusstes üben statt einen 2 Stunden Gewaltakt ein mal die Woche. Das wird dir jeder Gitarrenlehrer bestätigen. Und so ist es mit allen Aktivitäten und Gewohnheiten
4) Unkonkrete Ziele
Wünsche gibt es viele, aber unkonkrete Ziele gehören zu den häufigsten Ursachen für Stillstand, weil sie dem Gehirn keinen klaren Handlungsauftrag geben. Formulierungen wie „Ich will mich gesünder ernähren“ oder „Ich möchte mehr Sport machen“ klingen zwar gut, bleiben aber schwammig und unverbindlich. Ohne klare Parameter – was genau, wann, wie oft und wo getan werden soll – fehlt der konkrete Reiz zur Umsetzung. Sobald der Alltag stressig wird schlägt die Gewohnheit zu und wir verhalten uns so wie wir uns immer verhalten haben. Denn das Gehirn liebt es Energie zu sparen, so ist es konstruiert. Mache konkrete Ziele, zum Beispiel ich mache mir jeden morgen ein Müsli aus Haferflocken mit Beeren und Nüssen für die nächste Woche.
5) Perfektionismus
Mein Perfektionismus und Leistungsdruck hat mich in meinem Leben in große Schwierigkeiten gebracht und dazu geführt dass ich im Studium und beruflich immer wieder in die Überforderung gerannt bin. Der Gedanke „ich muss es perfekt machen und funktionieren“ führt dazu dass wir über unsere Grenzen gehen und die Ressourcen für Stabilität verbrannt werden. Wer sich nachhaltig verändern will muss nicht perfekt sein, sehr gut ist völlig ausreichend. Perfektionismus hat oft damit zu tun dass wir den anderen etwas beweisen wollen. Ein mangelndes Selbstwertgefühl ist die Keimzelle. Wer langfristig sich verändern will (hinsichtlich mentaler Stabilität) muss lernen auf die Bremse zu treten. Auch das Aufmachen zu vieler Baustellen auf einmal, sich Termine reinknallen und Projekte zu verfolgen sobald es einem ein bisschen besser geht ist sehr problematisch und kann dazu führen dass das Kartenhaus schnell wieder in sich zusammenfällt. Das Ziel ist nachhaltige Veränderung des Verhaltens.
6) Alles oder nichts Denken
Ein Beispiel aus meinem Leben: Ich bin seit 3 Monaten in Heilbronn zur Langzeittherapie und hatte mir vorgenommen noch ein mal neu Gitarre zu lernen, denn obwohl ich seit 20 Jahren spiele ist meine Technik schlampig. Ich sehe die großen Vorbilder auf Youtube die mühelos die krassesten Soli und Riffs abliefern. Ich hingegen dümple auf einem sehr durschnittlichen Niveau vor mich hin und werde nie so gut sein wie meine Idole, das tötet sofort jegliche Motivation zum Üben. Gitarrenlehrer sagten mir ich sei gut und solle auf keinen Fall mit Gitarre aufhören, aber das alles oder nichts denken ist mir im Weg mich zu entwickeln und zu einem passablen Gitarristen zu werden. Immerhin kann ich ganz anständig Blues improvisieren, nichts großartiges, aber wenn ich es tue macht es Spaß. Warum glaube ich dass ich absoluter Profi sein muss und wenn ich dass nicht erreiche es lieber ganz bleiben lasse? Alles-oder-nichts-denken, das die Freude am Spiel zunichte macht.
Bei einer anderen Gelegenheit wollte ich an meine Improerfahrung anknüpfen und hatte den Gedanken ich MUSS mein sehr gutes Spielniveau wieder erreichen und so gut performen wie früher! Dadurch konnte ich kleine Erfolge und schöne Interaktionen gar nicht wertschätzen und hatte den Gedanken: „Ich habe abgebaut und werde nie wieder so sein wie früher“, ein klassischer Fall von alles-oder-nichts-denken
7) Das „Ich bin halt so“ Denken
„Ich bin einfach ein Sportmuffel“, „Ich kann nicht zeichnen“, „ich kann nicht singen“ „ich kann nicht vor Leuten sprechen“ „Ich bin halt ein Angsthase“. „Ich war schon immer ein Loser“. Mit solchen Glaubenssätzen ersticken wir jegliche Veränderung im Keim. Und die stecken sehr tief in unserem System.
Diese Glaubenssätze wirken wie ein innerer Schutzschild, der uns vor Enttäuschungen bewahren soll, uns aber gleichzeitig komplett lähmt. Indem wir ein negatives Verhalten als festen Teil unserer Identität abstempeln, geben wir die Verantwortung ab und verweigern uns selbst die Chance, uns überhaupt zu entwickeln. Wir deuten dann jeden Rückschlag nicht als normalen Lernprozess, sondern als endgültigen Beweis für unsere Unfähigkeit. Wenn wir unsere Festlegungen – das starre „Ich bin halt so“ – nicht aufweichen und durch ein offeneres „Ich kann das noch nicht“ ersetzen, bleibt jeder Wunsch nach Veränderung nur ein theoretischer Gedanke.
8) Fokus auf Motivation statt System
Wenn ich darauf warte dass ich mal Lust/Motivation auf Sport oder bessere Ernährung warte, kann ich ewig warten. Die wird nicht kommen oder wenn dann nicht nachhaltig. Stattdessen sollten wir uns auf ein System fokussieren. Die art und weise welche Regeln in unserem Leben herrschen. Ein Fokus auf Motivation bedeutet zu fragen „Habe ich heute Lust auf joggen“, Ein „System“ ist die Regel Montag, Mittwoch und Freitag um 15 Uhr gehe ich ins Fitness und mache mein Minimalziel von 15 Minuten Laufband. Danach mache ich Feierabend und gehe nach hause, wenn ich mehr machen will darf ich mehr machen. Aber Hauptsache ich gehe hin. Das ist ein „System“ und dass ist viel effektiver als dass wir einfach hoffen irgendwann fühle ich mich danach.
9) Sofortbelohnungen bevorzugen
Das Gehirn ist süchtig nach Dopamin, dem Belohnungsbotenstoff. Ein gutes Computerspiel oder ein süchtig machender Glücksspielautomat, oder Instagram Reels sind so gebaut dass sie dem Gehirn möglichst viele Dopaminkicks liefern. Schon die Chat Nachrichten einer KI liefert kleine Dosen Dopamin und das ist auch der Grund warum wir immer mehr davon haben wollen. Man nennt dass auch Instant Gratification. Unser modernes Leben ist vollgestopft mit hochgezüchteten Belohnungssystemen die unsere Aufmerksamkeit haben wollen.
Im Gegensatz dazu: Wenn ich studiere und für meine Prüfungen büffeln und auswendig lernen muss dann macht das keinen Spaß (kein oder wenig Dopaminausschüttung). Wenn ich aber einen Abschluss haben will weil ich im Leben voran kommen möchte dann habe ich eine „nachgelagerte Belohnung“. Ich bekomme sie erst Monate oder Jahre später! Doch der Fakt ist: ein Uni Abschluss ist für unsere Entwicklung und unser Leben sehr viel wertvoller als 10 Minuten TikTok oder Nachrichten zu scrollen. Es spricht nichts dagegen hin und wieder social media zu scrollen. Aber echte Veränderung (und damit Lebensfreude) gewinnen wir nur wenn wir auf langfristige Belohnungen setzen. Geduld und Frustrationstoleranz sind hier gefragt.
10) Mangelnde Fantasie
In Punkt 3 habe ich über unrealistische Ziele gesprochen. Gleichzeitig ist es jedoch essenziell, eine konkrete Vision für das eigene Leben zuzulassen. Was würde ich tun, wenn Geld keine Rolle spielte? Wie sähe mein Leben aus, wenn es richtig klasse wäre? Ein solcher übergeordneter Kompass treibt uns an und hilft dabei, im Alltag die richtigen Entscheidungen zu treffen, um dieser Vision Schritt für Schritt näherzukommen und daraus realistische Teilziele abzuleiten. Ohne die Vorstellungskraft davon, wie unser Leben aussehen soll, fehlt uns schlichtweg die Orientierung für unser tägliches Verhalten.
11) Chronische Unzufriedenheit
Wer vergleicht verliert sagt der Volksmund, wenn wir ständig den Fokus auf das haben was uns fehlt werden wir unglücklich. Das Leben der anderen scheint perfekt zu sein. Die Gesellschaft und die Werbung gaukeln uns vor dass was wir brauchen um glücklich zu sein sind ein tolles Haus, ein schickes Auto, den perfekten Körper, tolle Urlaubsziele und vieles mehr.
Erstens raubt uns der Fokus auf das Mangelnde die Energie zum Handeln. Wer permanent darauf starrt, was im eigenen Leben im Vergleich zu den polierten Fassaden anderer fehlt, landet schnell in einer Haltung der Hilfosigkeit oder dem Gefühl, ohnehin nie „genug“ zu sein. Wenn das Ziel (der perfekte Körper, das Traumhaus) unerreichbar scheint, gibt man oft auf, bevor man überhaupt angefangen hat.
Zweitens führt chronische Unzufriedenheit dazu, dass wir den Blick für den eigenen Ist-Zustand und die kleinen, realen Fortschritte verlieren. Entwicklung passiert nicht durch einen riesigen Sprung ins Perfekte, sondern durch viele kleine Schritte. Wer Erfolge nicht schätzen kann, weil sie im Vergleich zum Ideal immer noch zu klein wirken, entzieht sich selbst die Motivation, weiterzugehen. Statt aus eigener Überzeugung und eigenen Werten heraus zu wachsen, rennt man fremden Maßstäben hinterher – und verliert dabei die Orientierung für den eigenen Weg.
Fazit und Lösung
Veränderung scheitert selten am mangelnden Wollen, sondern meist an den unsichtbaren Hürden, die unser Gehirn, unsere Gewohnheiten und gesellschaftliche Prägungen uns in den Weg legen. Ob unkonkrete Ziele, die Angst vor dem Scheitern, der Sog der Sofortbelohnung oder der ständige Vergleich mit anderen – all diese Faktoren halten uns in alten Mustern fest und rauben uns die Energie für das, was uns wirklich wichtig ist.
Was wirklich Erfolg bringt, ist die Macht der Babyschritte. Kleine, minimale Veränderungen und Verbesserungen in Systemen statt überfordernder Großprojekte. Kleine, sicher erreichbare Ziele. Den ersten Schritt wagen und feststellen, dass es meist leichter ist als gedacht – und selbst kleinste Fortschritte wertschätzen. Genau so, wie man ein kleines Kind ermutigt und lobt, wenn es die ersten Schritte macht, selbst wenn es nur ein einziger wackliger Schritt war.
Wenn wir uns der Feinde der nachhaltigen Entwicklung bewusst sind und sie umgehen, kann es gelingen echte Veränderung anzustreben und auch zu erreichen.
Was ist dein persönlicher Feind deiner Entwicklung? Schreibe es gerne in die Kommentare.
Viele Jahre lang habe ich mich mit Händen und Füßen gegen meine Diagnose Schizophrenie gewehrt und wollte einfach nicht wahrhaben, dass ich nicht so belastbar bin wie andere Menschen. Ich hatte den Gedanken ich MUSS gesund werden und arbeiten! Wieder der Perfektionismus. Der führte die letzten Jahre dazu, dass ich immer wieder beruflich und in der Reha in die Überforderung gerannt und gescheitert bin. Ich war frustriert und enttäuscht dass es einfach nicht so läuft in meinem Leben wie ICH das gerne hätte.
Früher hatte ich große Erfolge mit meinem Impro und als Sänger und schaffe es (noch) nicht, diese wieder aufleben zu lassen und wieder auf mein altes Spielniveau zu kommen. Vielleicht werden diese Zeiten „nie“ wieder kommen? Schwer zu sagen. Es hilft nicht, sich unter Druck zu setzen.
Nun bin ich seit 3 Monaten im Therapeutikum in Heilbronn zur Langzeittherapie und arbeite in einem sicheren Rahmen Schritt für Schritt an meiner Belastbarkeit und habe gute Erfolge vorzuweisen. Aber: Ich sehe auch ein dass ich eine chronische psychische Erkrankung habe. Ich habe immernoch starke Ängste und Krisen alle 5 bis 6 Tage. Das geht nun seit Jahren so und geht vielleicht nie wieder weg. Zwar bleibe ich von schweren psychotischen Episoden verschont und bin „einigermaßen“ stabil, aber Unwohlsein und schlechte Gedanken begleiten mich jeden Tag. Das muss ich einfach akzeptieren.
Bis auf die Ängste läuft es eigentlich ganz gut. Ich habe in der Arbeitstherapie meinen Laptop dabei, mache Webdesign, neue Dokumente und schaue mir Videokurse an. Die letzte Stunde in der AT mache ich etwas handwerkliches zur Abwechslung, zur Zeit bastle ich eine Schachtel. Ich halte mich handwerklich für sehr unbegabt aber es macht trotzdem Spaß! Es ist eine schöne Ergänzung zu meinen digitalen Themen.
Ich habe eine gute Perspektive. Die Arbeitszeit wird schrittweise in einem angenehmen Tempo erhöht und ich habe die Zusage dass meine medizinische Phase um 3 Monate verlängert wird und danach eine berufliche Phase kommt. Dafür habe ich schon viele, konkrete und realistische Ideen. Auch mit der Freizeitgestaltung läuft es etwas besser. Ich mache jeden Tag meine Mental Health Stunde oder gehe 3 mal die Woche ins Fitness. Diese Woche war ein Mitpatient dabei mit dem ich mich angefreundet habe und vielleicht trainieren wir jetzt gemeinsam. Freitags machen wir Spieleabende mit meinem Lieblingskartenspiel „Munchkin“, wir sind eine lustige Runde und haben viel Spaß zusammen.
In der WG wird gemeinsam gekocht und gegrillt und diese Woche am Sonntag gehen wir ins Kino. Mit singen, Gitarre, Serien und Lesen habe ich weitere schöne Beschäftigungen.
Ich bin morgens sehr entspannt und motiviert und fahre gemütlich ins Thera. Dort ist immer der Start etwas holprig und ich muss manchmal etwas kämpfen und die Zähne zusammenbeißen damit ich den Tag schaffe. Ich bin dabei mich immer wieder trotz des Unwohlseins ins hier und jetzt zurückzuholen.
Das ist einerseits sehr unangenehm, aber gleichzeitig weiß ich, das nichts schlimmes passiert! Ich darf jederzeit in den Ruheraum, ich darf jederzeit mein Bedarfsmedikament nehmen, ich darf jederzeit nach hause, ich darf jederzeit in die Psychiatrie nach Weinsberg wenn es mir mal richtig schlecht gehen sollte. Das sind meine „Verteidigungslinien“.
Das ich ins Krankenhaus komme ist sehr unwahrscheinlich, ich habe die letzten 14 Wochen jeden Theratag gemeistert, kann immer gut schlafen auch wenn ich mal eine Krise habe und die Wahrscheinlichkeit ist hoch dass es weiter so laufen wird. Meine Ärzte und Betreuer sind angetan von meinen Plänen und Fortschritten und im Großen und Ganzen sitze ich fest im Sattel, trotz meines Ringens um Stabilität.
Da läuft trotz aller Erfolge immer (seit Jahren) ein Film mit, das Gefühl dass sich das Gehirn bedroht fühlt obwohl objektiv alles in Ordnung ist und es keine Gefahr für Leib und Leben gibt (ich nenne es „Abgrundgefühle“). In meinem Alltag habe ich ein sehr positives Selbstgespräch entwickelt dass mich zuverlässig durch den Thera-Alltag und meine Freizeit trägt. Blöde Gedanken, Gefühle und Ängste sind aber immer noch da. Und die werden auch nicht so schnell weg gehen. Ich habe Zeit!
Früher war es so, dass ich mir in guten Phasen sobald es etwas besser lief mir Termine reingeknallt habe und diese und jene große Idee verfolgte bis der nächste Dämpfer in Form einer Krise kam. Hier habe ich dazugelernt und weiß die „Thera-Basics“ und meine Alltagsstabilität haben Vorrang vor großen Träumen und Ideen. Meine Psychologin sagte immer „Lieber langsam und sicher, statt schnell und riskant“. Das möchte ich in Zukunft beherzigen.
Werde ich wieder ganz gesund (mein Motto lautet ja „Die Seele will gesund werden“)? Vielleicht nein! Aber das ist überhaupt nicht schlimm, denn das Leben ist immernoch lebenswert, auch MIT einer chronischen, psychischen Erkrankung. Ich genieße meinen Morgenkaffee mit Zigarette, habe Freude am Webdesign und Texte schreiben (wie diesen Blog), das gute Essen in der Kantine, das Training, das Lesen schöner Bücher, ich bin schmerzfrei, ich habe essen und trinken. Ich habe meinen Glauben, meine zuverlässige Technik und genug Geld auf dem Konto! Ich habe tolle Freunde im Thera gefunden und ich bin gut in die Patientengemeinschaft eingebunden. Ich habe eine berufliche Perspektive mit Webdesign oder dem Schreiben meiner Texte.
Alles Gründe sich zu freuen. Schizophrenie und Ängste hin oder her. Ich kann nicht alles machen was ich gerne würde und vielleicht muss ich noch eine ganze Weile mit Einschränkungen leben. Das ist OK! Mein Leben ist gut so wie es ist und ich finde es einfach „geil“ am Leben zu sein, noch lange auf dieser perfekten Erde leben und mich entfalten zu dürfen. Ich bin zuversichtlich und habe Vertrauen ins Leben.
Mein Ziel ist jetzt nicht mehr „100% gesund werden“ sondern „stabil bleiben“ und Freude am Leben haben! Dafür habe ich noch viel Zeit und werde jeden Tag besser – in meinem Tempo und ohne Druck. Genau darum geht es beim Begriff „Recovery“.
Wie steht es mit deiner Krankheitsakzeptanz? Ich freue mich über E-Mails und Kommentare.
ich bin nun in der 12. Woche meiner Langzeittherapie in Heilbronn und stelle seit einer Weile eine deutliche Verbesserung meiner mentalen Gesundheit fest. Seit längerer Zeit hatte ich keine Krise mehr – fast schon ungewohnt, aber eine sehr erfreuliche Abwechslung. Auch Außentermine wie Restaurantbesuche mit Freunden und der WG klappen weitestgehend ohne die Ängste, die ich von früher kenne.
Ein großer Baustein dafür ist positives „Denkfutter“ in meinem Kopf. Ich ertappe mich immer öfter dabei, wie ich Sätze denke wie:
Kein Stress, keine Gefahr.
Ich bin in Sicherheit.
In der Ruhe liegt die Kraft.
Alles ist gut, wie es ist.
Realität ist gut, wie sie ist.
Durch Neuroplastizität haben sich diese guten Gedanken mit der Zeit eingeschliffen und kommen immer öfter wie von selbst in mein Bewusstsein. Das Gehirn will schließlich ständig etwas denken – warum also nicht etwas Erbauliches? Auch das Summen oder Denken von Lieblingssongs ist eine tolle Strategie, um den Kopf auf sanfte Art zu beschäftigen.
Wenn du selbst in einem Umbau deiner Verfassung steckst, gilt: Hab Geduld! Es dauert ein paar Monate, bis die Gefühlswelt nachzieht. Bleib dran, langfristig spürst du eine Veränderung.
Die Ängste sind zwar noch nicht ganz weg, aber ich kann sie viel besser akzeptieren und mich stattdessen um meine Aufgaben kümmern.
Ich sitze oft in der Arbeitstherapie und denke „Ok, hier bin ich richtig um an mir zu arbeiten“, „Ich bin hier in Heilbronn auf der Erde und das ist gut so“, „was ist jetzt?“, „was kann ich sehen und anfassen?“. Ich versuche den Fokus weg von der Innenwelt zu bekommen und nach außen zu richten: „Ah, da ist der blaue Himmel“, „Da ist ein Auto“, „Aha, da ist ein anderer Mensch, wie sehen seine Schuhe aus?“. Auf dem Weg ins Thera sitze ich im Bus und denke „Ok, stinknormaler Alltag auf der perfekten Erde. Was brauche ich heute, damit es mir gut geht?“. Manchmal höre ich dazu meine Lieblingsmusik.
Oft führe ich einen kleinen Plausch mit meinen Mitpatienten, alle sind super nett. Der Vormittag ist strukturiert, ich mache jeden morgen meine Morgenroutine mit duschen, Frühsport, beten, frühstücken und fahre gemütlich mit dem Bus 10 Minuten ins Therapeutikum. Dort angekommen habe ich noch etwas Freizeit bis Therapiebeginn und sitze draußen im Café und trinke einen Kaffee und rauche eine Zigarette.
Der Start ist manchmal etwas holprig und die alten Ängste klopfen wieder an die Tür. Aber kein Problem, ich lebe damit und konzentriere mich auf meine Aufgaben, Schritt für Schritt! Meine Maßnahme dauert bis 15.11.26 aber es kommt vielleicht danach eine berufliche Phase. Dann wird es Zeit für Praktika und die Gelegenheit meine Belastbarkeit in einem realen Setting auszutesten.
Der Gamechanger: Eine sinnvolle Beschäftigung. Dieser Punkt ist für die langfristige Genesung extrem wichtig! In meinem Fall habe ich das Webdesign wiederentdeckt, das mir früher so viel Freude bereitet hat. Letzte Woche war ich im absoluten Designrausch und habe drei Webdesigns erstellt. Ich kann mich darauf hochfokussiert einlassen, die Zeit in der Arbeitstherapie vergeht wie im Fluge, und es ist eine super Übung für ein späteres Praktikum. Mein Tag füllt sich mit sinnvoller Arbeit, Sorgen treten in den Hintergrund.
Eine RPK (Rehabilitation psychisch Kranker) wird von der Rentenversicherung finanziert um psychisch kranke Menschen einen Weg zurück auf den ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Viele Menschen haben bemerkenswerte Fähigkeiten kommen aber mit Arbeit nicht mehr zu recht und kämpfen mit ihren Symptomen. Diese Form der Langzeittherapie ist für solche Menschen geeignet. Ich finde es großartig und bin dankbar dass die Rentenversicherung so viel Geld in mich investiert. Wenn du mit deinen Symptomen in einer Sackgasse steckst, gerne wieder arbeiten würdest aber noch nicht so leistungsfähig bist wie früher, vielleicht wäre so eine Maßnahme auch etwas für dich?
Ich für meinen Teil fühle mich hier sehr wohl und mache deutliche Fortschritte. Die vielen sozialen Kontakte in Thera und WG tun mir auch sehr gut. Wir sind eine gute Patientengemeinschaft, kochen viel zusammen und unternehmen etwas in unserer Freizeit.
Ein weiterer Anker ist die Achtsamkeit durch kleine Micro-Awareness-Inseln im Alltag:
„Ah, das ist der Boden, der mich trägt.“
„Wie schmecken eigentlich meine Haferflocken?“
„Da ist der blaue Himmel.“
Meine Reha ist nun zu etwa einem Drittel vorbei, und mein Protokoll belegt die Fortschritte: Seit zwei Wochen keine nennenswerte Krise und kein Diazepam nötig.
Wie ist es bei dir? Vielleicht passt eine Teilzeitarbeit aktuell nicht in deine Lebenssituation. Aber was könnte stattdessen deine Beschäftigung sein? Die Möglichkeiten sind vielfältig:
Origamis falten und auf Instagram stellen: Schult die Feinmotorik, bringt Ruhe durch repetitive Handgriffe und sorgt für kleine Erfolgserlebnisse.
Mandalas ausmalen oder Zeichnen: Senkt den Stresspegel und bietet sichtbare Ergebnisse ganz ohne Leistungsdruck.
Mini-Kräutergarten anlegen: Gibt eine sanfte, tägliche Struktur und erdet durch den Kontakt mit der Natur.
Gitarre spielen: Spricht andere Hirnareale an und vermittelt durch das Erlernen kleiner Passagen schnelle Fortschritte.
Strategie- und Aufbauspiele: Fordern das logische Denken und erlauben kreatives Gestalten in geschützter Umgebung.
Was hilft dir in schwierigen Phasen oder beim Abschalten? Schreib es mir gerne in die Kommentare!
Der Moment ist gekommen und vor 2 Wochen bin ich nach Heilbronn zur Langzeittherapie gefahren und bin die nächsten 6 Monate hier. Ich wohne mit 10 weiteren Mitpatienten zusammen, ich bin auf dem 3. Stock. In der WG gibt es meistens 2 Betreuer die das WG-Leben organisieren. Es gibt einen schönen Garten mit Grill und eine Top-ausgestattete und moderne Küche. Die Mitpatienten sind sehr ruhig aber alle nett.
Morgens stehe ich wie gehabt um 5 Auf und hab das Haus für mich alleine. An jedem Werktag fahre ich mit dem Bus ins Therapeutikum. Ich finde meinen Weg mittlerweile ohne Navi und bin täglich 3 Stunden in der Arbeitstherapie. Am Anfang habe ich einfach nur in meinem Malbuch gemalt gestern habe ich angefangen einen Korb zu flechten. Macht Spaß!
Meine Tage und mein Befinden waren die letzten 2 Wochen gemischt, morgens habe ich noch leichte Ängste und fühle mich in der AT etwas psychisch unter Druck, die üblichen Tagesschwankungen. Die Kantine ist ziemlich gut!
Ich habe eine freundliche Psychologin und einen hervorragenden Chefarzt als Psychiater.
Am Donnerstag hatte ich eine kleine Krise und habe es mit Mühe und Not in die WG zurückgeschafft. Ich konnte mich aber, ohne Notfallmedikament, regulieren mit chatten und Krisentagebuch. Der Tag danach, der Freitag war wieder deutlich besser und der beste Tag bisher.
Ich denke dass ich hier am richtigen Ort um langfristig gesund zu werden und mich fit für mein „new business“ zu machen. Die vielen sozialen Kontakte tun mir sehr gut, muss mich aber erst mal wieder daran gewöhnen, ich war die letzten Jahre sehr viel alleine.
Hier kann ich 6 Monate aushalten und stabil werden. Ein neuer Lebensabschnitt hat begonnen.
Seit vielen Jahren, vielleicht schon mein ganzes Leben bin, ich sehr auf meine Innenwelt fixiert. Das hatte auch einen Sinn. Da ich schwere Psychosen in meinem Leben bewältigt habe, musste ich mich immer wieder fragen: „Ist dieser Gedanke normal oder psychotisch?“ und „wie geht es mir gerade?“ Das nennt man auch Meta-Kognition, das Denken über das Denken.
Ich bin manchmal im Optimierungswahn. Ich möchte mich psychischen Schmerzen entziehen und mental gesund werden, das ist zutiefst menschlich und verständlich. Aber das Problem ist: Ich bin dabei total auf mich selbst und meine Innenwelt fixiert. Ich denke über neuronale Bahnen nach, wundere mich über das Denken an sich, bewerte meine Gedanken und frage mich permanent wie es mir geht. Das Leben zieht währenddessen an mir vorbei. Ich habe Hyperreflexivität. Es ist der Versuch die Innenwelt zu reparieren, zu optimieren und letzten Endes zu kontrollieren. Der Wunsch nach Kontrolle ist die Triebfeder vieler psychischer Krankheitssymptome, so auch Zwang und Angst.
Meine trügerischen Lieblingsgedanken
Ich denke oft:
„Ich bin in Sicherheit“, „Mir kann nichts passieren“, „Ich bin ganz ruhig, entspannt und locker“, „mein Leben ist angenehm und schön“, „Ich kann jederzeit in die Notaufnahme“, „Ich bin nicht in Gefahr“.
Positive Gedanken sind sinnvoll und lebensnotwendig, man muss aber etwas genauer hinschauen.
Glaube ich diese Sätze auch wirklich oder versuche ich gerade nur meine unangenehmen Emotionen und Gedanken wegzudrücken, damit es mir besser geht? Denn leider ist „positives Grübeln“ immer noch Grübeln! Charakteristisch für das Grübeln ist, dass es zu keinem produktiven Ergebnis führt. Wir verschwenden Zeit, die wir für etwas Schönes aufwenden könnten. Zum Beispiel ein gutes Buch lesen, etwas Musik machen oder einem Freund eine wertschätzende Nachricht schreiben.
Ich analysiere jede Regung meiner Seele und versuche, die Gesundheit durch reines Nachdenken zu erzwingen. Ich habe den Glaubenssatz, dass man durch Selbstoptimierung, Willenskraft und positives Denken automatisch gesund wird. Es ist nicht so einfach und man muss es differenzierter betrachten.
Wenn ich mich permanent frage wie es mir geht, habe ich den Fokus immer noch auf die Angst und die Krankheitssymptome. Es gab eine Zeit wo das sinnvoll da, denn während meiner Psychosen „musste“ ich meine Gedanken analysieren, damit ich normale von psychotischen Gedanken unterscheiden und zurück in die Realität kommen konnte. Eine wichtiger Schritt zur Genesung. Nun stecke ich aber in der Hyperreflexivität und der Selbstbeobachtung und fühle mich oft (kein Wunder) erschöpft und kraftlos vom vielen Denken. Ich lebe nicht mein Leben, ich „denke“ mein Leben. Das kostet viel Kraft und Energie. Ich denke „dieser positive Gedanke ist erlaubt, dieser ist schlecht und verboten“. Die Bewertung ist das Problem.
Die Lösung: Vom Denken ins Tun
Wie kommen wir aus der zwanghaften Selbstanalyse in eine leichte und schöne Lebensrealität? Dafür schenke ich Ihnen diesen Powersatz, der mir in letzter Zeit viel geholfen hat. Er lautet: „Was ist JETZT?„. Grübeln findet in der Vergangenheit (was ist schief gelaufen?) und der Zukunft (was wenn ich die Miete nicht zahlen kann?) statt. Denken sie so oft wie möglich: Was ist jetzt? „Ah, da sind Menschen.“ „Da ist ein Auto.“ „Hallo, Baum.“ „Die Sonne scheint mir auf das Gesicht.“ „Da ist mein heißer Morgenkaffee der mir die Kehle hinunterläuft.“ „Da ist eine grüne Farbe in meinem Malbuch.“ „Da sind meine Schritte auf dem Boden, der mich trägt, wenn ich spazieren gehe.“
Das Leben findet im Moment und in der Welt statt nicht im Kopf. „Was ist real?“, Was kann ich anfassen?“, statt „wie geht’s mir?“ und „warum denke ich das gerade?“. Achtsamkeit ist ein sehr häufig gehörtes „Buzz-Word“ und wird oft angepriesen, allerdings zurecht, denn sie funktioniert um sich langfristig besser zu fühlen. Wenn wir uns immer wieder auf das hier und jetzt, die Gegenwart fokussieren können wir es schaffen die Grübelschleifen (auch wenn sie positiv sind!) zu unterbrechen und einfach zu SEIN. Je öfter wir uns für die Realität und gegen die Grübelschleife entscheiden, desto leiser wird das Rauschen im Kopf. Das Gehirn ist plastisch und kann sich den Rest unseres Lebens zum positiven hin verändern, damit wir glücklich und selbstbestimmt leben können.
Achtsamkeit ist ein mächtiges Werkzeug, um Grübelschleifen zu unterbrechen, aber sie ist kein magischer Schalter für Dauerglück. Die Übertreibung liegt darin, sie als rein nach innen gerichtete Analyse zu verkaufen. Zu viel Innenschau kann kontraproduktiv für Menschen mit Schizophrenie sein!
Für uns ist die Achtsamkeit im Außen – das einfache Wahrnehmen der Welt, ohne sie zu bewerten – viel wertvoller. Wahre Achtsamkeit bedeutet manchmal einfach, den Abwasch zu machen und dabei nur das Wasser an den Händen zu spüren, statt darüber nachzudenken, wie sich das Wasser auf die eigene Heilung auswirkt.
Positive Psychologie
Positive Psychologie ist sinnvoll. Es geht aber dabei nicht um das Leugnen und „nicht wahr haben wollen“ schlechter Gefühle, das Diktat sich wohlfühlen zu „müssen“, das erzeugt Druck und Schuldgefühle, sondern um den Fokus weg von Defizit hin zu den Ressourcen und Lösungen zu legen.
Die positive Psychologie wurde 1998 entwickelt. Der Hauptbegründer ist Martin Seligman. Er nutzte seine Eröffnungsrede einer Konferenz, um das gesamte Fachgebiet dazu aufzufordern, nicht mehr nur zu fragen „Was macht Menschen krank?“, sondern „Was macht sie stark?“
Der entscheidende Unterschied liegt nicht darin, was wir denken, sondern wie wir es nutzen. Während das positive Grübeln ein erschöpfender Kreisverkehr im Kopf ist, bei dem wir uns ständig selbst beobachten und versuchen, Heilung durch erzwungenen Optimismus zu „managen“, fungiert die Positive Psychologie als Wegweiser nach draußen in die echte Welt. Positives Grübeln bleibt Teil der Hyperreflexivität – es ist die anstrengende Arbeit, das eigene Befinden permanent kontrollieren zu wollen. Die Positive Psychologie hingegen will uns entlasten; sie regt uns dazu an, unsere Stärken und Ressourcen einfach zu nutzen, um wieder am Leben teilzunehmen, anstatt es nur zu analysieren. Es geht darum ins Handeln zu kommen.
Die Positive Psychologie funktioniert nicht durch das Ignorieren von Problemen, sondern durch die gezielte Nutzung der Neuroplastizität. Indem wir unseren Fokus auf Stärken und Momente der Sicherheit lenken, trainieren wir unser Gehirn um und bauen die „Autobahnen“ des Grübelns langsam ab. Wissenschaftliche Konzepte wie die „Broaden-and-Build“-Theorie zeigen, dass positive Impulse unseren Blickwinkel weiten und uns helfen, neue Kraftreserven aufzubauen, die uns in Krisenzeiten stabiler tragen. Es ist letztlich ein biologisches Training: Wir lehren unser Nervensystem, dass es neben der Analyse der Gefahr auch einen Raum für Erholung und echte Handlungsfähigkeit gibt. Das geht ganz mechanisch. Wir programmieren unser Gehirn und legen neue Nervenbahnen an die uns durch schwierige Zeiten tragen.
Die Forscherin Barbara Fredrickson hat herausgefunden, dass positive Emotionen (wie Freude, Neugier oder Dankbarkeit) unseren geistigen Horizont erweitern (broaden). Während Angst unseren Blick verengt (Tunnelblick), öffnen positive Gefühle unseren Geist. Wir sehen plötzlich mehr Handlungsmöglichkeiten, werden kreativer und bauen dadurch langfristig neue persönliche Ressourcen (build) auf – wie soziale Kontakte oder neue Fähigkeiten.
Übung
Eine der wirksamsten Übungen der Positiven Psychologie ist die Methode der „Drei guten Dinge“, die Ihren Fokus ganz ohne Druck von der inneren Analyse auf die äußere Realität lenkt. Das nennt man manchmal auch das „Erfolgstagebuch“
Dabei notieren Sie sich am Ende des Tages drei konkrete Momente, die gelungen sind – egal wie klein sie waren – und fragen sich kurz, was Ihr eigener Beitrag zu diesem Moment war. Das Entscheidende hierbei ist: Sie suchen nicht nach tiefgreifenden psychologischen Erkenntnissen, sondern sammeln schlichtweg Beweise für das Gelingende in Ihrem Alltag, wie den Geschmack eines guten Kaffees oder die wohltuende Sonne beim Spaziergang. Indem Sie diese Fakten der Außenwelt festhalten, trainieren Sie Ihr Gehirn darauf, den „Gefahren-Scanner“ mal kurz ruhen zu lassen und stattdessen die tatsächliche Lebensqualität wahrzunehmen, die jenseits der Grübelschleifen existiert.
Mein Fazit: Leben statt Grübeln
Wir können uns nicht gesund „denken“, auch nicht mit noch so viel positivem Aufwand. Die Hyperreflexivität ist eine Sackgasse: Während wir im Kopf nach dem Schalter für die Heilung suchen, zieht das echte Leben draußen an uns vorbei. Ich habe gelernt, dass die Frage „Wie geht es mir?“ oft nur Kraft raubt, während „Was ist jetzt?“ mich zurück in die Welt holt.
Die Positive Psychologie ist für mich deshalb kein bloßes Konzept, sondern ein biologisches Training. Wir nutzen die Neuroplastizität unseres Gehirns ganz mechanisch, indem wir den Fokus mutig auf unsere Stärken und das reale Tun richten. Heilung bedeutet nicht, dass die negativen Gedanken verschwinden, sondern dass wir aufhören, sie wie ein Objekt unter dem Mikroskop zu bewachen. Fangen wir an zu leben – nicht im Kopf, sondern hier und jetzt.
Viel Erfolg auf Ihrem Weg in die mentale Gesundheit mit weniger Hyperreflexivität.
Zwei Frösche fielen in einen tiefen Brunnen. Von oben riefen die anderen Frösche hinab: „Es ist zu tief! Da kommt ihr nie wieder raus. Gebt auf, ihr schafft das niemals!“
Der erste Frosch hörte auf die Rufe, verlor den Mut und blieb resigniert im Schlamm liegen. Der zweite Frosch jedoch sprang immer weiter, mit aller Kraft, so gut er konnte. Er kletterte unbeirrt weiter und weiter. Die Menge oben schrie immer lauter: „Hör auf! Akzeptiere dein Schicksal! Du bist zu schwach! Das ist zu schwierig!“
Doch der Frosch sprang ein letztes Mal besonders hoch und erreichte den Rand. Als er oben ankam, fragten ihn die anderen erstaunt: „Hast du uns nicht gehört? Wir sagten, es ist unmöglich!“
Da stellte sich heraus: Der Frosch war taub. Er dachte die ganze Zeit, die anderen würden ihn enthusiastisch anfeuern.
Eine schwierige berufliche Reha
2024 war ich zum dritten mal in einer beruflichen Reha nach einer längeren Krankheitspause. Das Ziel war, mich wieder fit für den Beruf zu machen. Die „First-Steps“-Maßnahme dauerte 3 Monate und war eine Überforderung. Zwar konnte ich meine Aufgaben sehr schnell und zuverlässig erledigen, rutschte aber immer wieder in die Überlastung, starrte blockiert auf den Monitor, bekam schlechte Gedanken und musste oft früher nach hause und mein Notfallmedikament Diazepam nehmen bis es mir nach einer guten Nacht wieder besser ging.
So quälte ich mich durch die Maßnahme bis die 3 Monate rum waren. Ich erledigte meine Aufgaben blitzschnell und ich wurde mehrmals ermahnt auf die Bremse zu treten. Das fiel mir schwer, denn wenn ich durch Arbeit abgelenkt bin haben die nervösen Gedanken und Ängste Pause. Ich bin sehr auf Erfolg und Leistung getrimmt. Das kenne ich gut von mir. Ich bin Perfektionist und teilweise mache ich meinen Selbstwert an meinen Leistungen fest, was mich sehr antreibt starke Ergebnisse zu liefern. Das war auch schon in meinem Studium so und trotz schwerer Krisen und Psychosen schaffte ich 2011 meinen Abschluss.
Ein Platz in der Behindertenwerkstatt?
Mit meinen Betreuern entschied ich dass ich für die 1-jährige Folgemaßnahme mit betrieblichen Praktika nicht geeignet bin. In der beruflichen Therapie äußerte ich meine Berufswünsche: Schreiben, Workshops geben und Genesungscoaching machen. Meine Trainerin traute es mir nicht zu. Es ging sogar soweit dass mich meine Betreuer in eine Behindertenwerkstatt stecken wollten. Meine Ärztin von der PIA äußerte sich ähnlich und wollte mich animieren in die Theodor-Lorch-Werkstätten in Ludwigsburg zu gehen. Wenig Verantwortung und viel Struktur. Sie dachten, dort wäre ich mit meiner chronischen Erkrankung am Besten aufgehoben.
Ich habe mich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt. Aus heutiger Sicht zu recht! Ich habe „high functioning mental illness“. Jeden morgen stehe ich gegen 5 Uhr auf und bin 3 Stunden hochleistungsfähig. Ich habe 2025 ein Buchmanuskript, 5 Fachartikel für Zeitungen und Magazine und viele weitere Blog Artikel wie diesen geschrieben. Dazu habe ich Medis, essen, schlafen, Tagesstruktur, Wohnung und Papierkram fest im Griff. Ich habe mir Gedanken über mein „new business“ gemacht und einen Businessplan geschrieben.
Ich habe immer noch psychische Einschränkungen, aber ich mache das beste daraus und kann immer noch viel Leistung abliefern und intellektuell anspruchsvolle Probleme lösen. So habe ich es als Medieninformatiker (B.Sc) gelernt. Auch Web Entwicklungsaufgaben, wenn ich mal einen Auftrag habe, erledige ich kompetent und sorgfältig.
Was zur Hölle soll ich in einer Behindertenwerkstatt? Das ist sicher eine gute Maßnahme für manche kranke Menschen, aber mein Verstand funktioniert (mit Einschränkungen) hervorragend und ich kann durch meine Texte etwas in dieser Welt bewegen. In so einer Einrichtung wäre ich komplett unterfordert. Meine neue Arbeit: Interviews geben, Webseiten bauen, schreiben, Buchmarketing machen – macht mir einen Riesenspaß. Ich habe meine Berufung gefunden! Ich bin wie der taube Frosch aus der Geschichte. Ich höre nicht auf das ‚Das schaffst du nicht‘, sondern auf mein Herz und meinen Verstand. Ich gehe meinen Weg – so gut ich kann.
Meine Perspektive und Berufung
Ich bin auf einem guten Weg: Dieses Jahr mache ich eine 6-monatige medizinische Reha im Therapeutikum in Heilbronn. Das sind 6 Monate intensives Training meiner Belastbarkeit – so werde ich fit für meine neuen Geschäftsfelder: Coaching, Workshops, Seminare, Schreiben und vieles mehr. „Die Seele will gesund werden“ ist dabei meine Brand (Marke) und wenn es gut läuft gründe ich vielleicht sogar eine Firma (gUG / gemeinnützige Unternehmergesellschaft).
Wenn ich arbeite bin ich in einem Hyperfokus und sehr konzentriert, das hat auch eine Schattenseite – denn ich neige dazu , wie schon in der Reha, mich zu überlasten. Wenn ich aber bei meinem 3-Stunden Arbeitslimit pro Tag bleibe und weiter prophylaktisch meine Pausen, Tagesstruktur, Ablenkung und Mental Health Stunde mache ist die Chance groß dass ich langfristig stabil bleiben und in meinem „neuen Beruf“ arbeiten kann. Ich will psychisch kranken Menschen helfen und davon Leben können. Der Bedarf ist riesig. Da gibt es zig-tausend kranke Menschen da draußen die von meinen intensiven Erfahrungen profitieren können. Viel unnötiges Leid lässt sich mit dem richtigen Wissen und viel Geduld vermeiden und in jeder Krise steckt eine Chance. Die Seele will gesund werden. Das ist meine Message.
Meine Krankheit; mein Trainingslager
Ich sehe meine aktuellen Herausforderungen dabei als Trainingslager: ich bin das Versuchskaninchen, ich lerne wie man mit einer pychischen Erkrankung umgeht und welche Tools wirklich langfristig funktionieren, damit ich anderen Menschen helfen kann. Wenn etwas schief geht ist dass kein Versagen sondern ein neuer Data Point in meinem experimentellen Labor für mentale Gesundheit. Ich propagiere nur Gedanken und Werkzeuge die ich selbst ausprobiert und für gut befunden habe. 2026 habe ich eine starke Entwicklung gemacht und der Blick aufs Stimmungsprotokoll verrät, dass ich auf dem richtigen Weg bin (siehe Artikel Das Stimmungsprotokoll). Im Februar hatte ich bisher nur 3 psychische Krisen die ich gut gemeistert habe und die nicht so schlimm waren wie früher. Meine Methoden funktionieren. Dabei akzeptiere ich, dass ich eine chronische, psychische Krankheit habe und es nicht immer so läuft wie ich es gerne hätte.
Das ist mein Weg in eine erfolgreiche Zukunft. So Gott will.
Wo kommen wir her, wo gehen wir hin? Was passiert nach unserem Tod? Was soll das alles? Warum ist Realität so wie sie ist?
Diese Fragen beschäftigen Menschen seit es sie gibt. Im Laufe der Geschichte gab es etwa 100.000 religiöse Überzeugungen. Aktuell ist das Thema Religion in unserer Gesellschaft auf dem Rückzug. Mittlerweile gehört weniger als die Hälfte (45%) der Deutschen einer der beiden großen Kirchen an. Die Zahl der Menschen die sich als religiös „aktiv“ bezeichnen und zum Beispiel regelmäßig in eine Kirche gehen liegt nur noch bei 6%.
Transzendenz
Aber: Transzendenz ist ein menschliches Grundbedürfniss und nicht verschwunden.
Transzendenz bedeutet wörtlich „Übersteigen“. Es ist der Drang des Menschen, über das eigene „Ich“, über den eigenen Körper und den banalen Alltag hinaus nach einem Sinn zu suchen.
Maslows Sicht: Er setzte Transzendenz sogar über die Selbstverwirklichung. Er glaubte, dass der Mensch erst dann ganz heil ist, wenn er sich mit etwas verbindet, das größer ist als er selbst (Gott, die Menschheit, die Natur, die Kunst).
Frankls Sicht: Er nannte das den „Willen zum Sinn“. Er beobachtete, dass Menschen selbst unter schrecklichsten Bedingungen (wie im KZ) überlebten, wenn sie einen transzendenten Sinn hatten.
Viele Menschen lehnen das christliche Dogma ab und suchen nach Alternativen. Diese finden sie zum Beispiel im Buddhismus, dem Islam, dem Zen, oder modernen Hexenbewegungen wie dem Wicca. Das Bedürfnis nach Gemeinschaft ist immer noch groß: So gibt es mittlerweile viele „alternative“ Strukturen, welche religiösen Charakter haben, aber ohne Gott auskommen. Wie ist das zu bewerten?
Von schwazem Eyeliner zum gläubigen Christen
Ich selbst habe geistlich gesehen eine tiefgreifende Entwicklung gemacht. Während ich als Kind den Kommunionsunterricht und die schönen Geschichten mochte, meine Familie war katholisch, habe ich mir wenig Gedanken über Gott gemacht. Als Jugendlicher mit 15 habe ich harte Rockmusik, wie Rammstein, entdeckt. Zu dieser Musik gehört es oft zur Subkultur dazu jegliche Religion abzulehnen. Da habe ich mitgemacht. Ein mal druckte ich mit einem Freund T-Shirts mit dem Spruch „Atheists rule – I don’t believe“. Damit gingen wir auf den Kirchentag um zu provozieren und uns über die „Jesus-Freaks“ lustig zu machen.
Die Musik, die Poster in meinem Zimmer und meine T-Shirts wurden immer düsterer. Ich klebte mir „Satan“ Sticker auf meine Bassgitarre, begann Black- und Death Metal wie „Dimmu Borgir“, „Cradle of Filth“ und „Hypocrisy“ zu hören.
Ich färbte mir die Haare schwarz, lackierte mir schwarz die Fingernägel und trug schwarzen Eyeliner auf. Ich rutschte in den philosophischen Satanismus und beteiligte mich in düsteren Foren und debattierte in einer Sprach Chat App (Firetalk) mit Christen und versuchte sie zu überzeugen das Religion und insbesondere Christentum purer Blödsinn sind. Es machte mir Spaß über diese philosophischen Themen zu reden und zu diskutieren. Satan, dass bedeutete für mich, so dachte ich damals, die ultimative Freiheit. Das Motto: „Werde dein eigener Gott“. Aber latent hatte ich auch die Angst für meinen Lebensstil irgendwann in die Hölle zu kommen.
Manchmal las ich in der Bahn ausliegende „Chick Comics“, christliche Traktate über die Bekehrung gescheiterter Menschen zum Christentum. Manchmal traf ich Menschen auf der Straße die mich missionieren wollten. Das lehnte ich ab, aber eine innere Stimme hatte ich die mir zurief: „Was wenn da doch was dran ist an diesem Jesus?“
In meiner Krankheitsgeschichte mit Schizophrenie machte ich viele spirituelle und leider auch wahnhafte Erfahrungen. Irgendwann kam die Wende. Ich war 2018 in einer Psychiatrie und ich fühlte mich schlecht und verloren, es war ein trostloses Umfeld. Aber: Ein mal die Woche kam ein Pfarrer mit seiner Gitarre auf die Station und es wurde Lobpreis gesungen. Da ich damals schon hobbymäßiger Sänger war und der Pfarrer mich für meine Stimme lobte, war diese halbe Stunde die Woche wie eine Insel der Freude in einem trostlosen Psychiatrie-Alltag. Da ist etwas in mir passiert und Schritt für Schritt fand ich, durch viele weitere spirituelle Erlebnisse zum Glauben.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
(Psalm 23, 4)
Mein Glauben Heute
Der Glaube an eine höhere Macht ist ein Pfeiler meiner mentalen Gesundheit. Ich gehe Sonntags in die Kirche, ich bete jeden Tag und freue mich über die Gemeinschaft und die schönen Lobpreislieder von denen ich schon viele kenne und die treue Freunde in schwierigen Zeiten für mich sind. Manchmal singe ich auch in der Kirchenband.
Aber: Der Glaube hat auch eine Schattenseite, wie ich schmerzlich erfahren musste. Der Glaube an Hölle und Teufel ist für Schizophreniekranke Menschen nicht gut. Einmal schaute ich in einer labilen Phase eine evangelikale Predigt und es wurde propagiert dass der Satan wie ein Feind in unserem Kopf lauert, uns verführen will, und Gedanken eingibt. Uns schaden und vernichten will. Es war von einem „spirituellen Krieg“ und „geistlichen Kampf“ die Rede, der manche Menschen in den Wahnsinn und in die Psychiatrie treibt. Das hat mich sehr beunruhigt. Allein schon ein Nummernschild oder eine Unterschrift (ich dachte an einen Vertrag mit dem Teufel) lösten große Ängste aus. Manchmal hatte ich den Gedanken: „Satan, ich fordere dich heraus!“, es war wie ein Zwang, der Gedanke machte mir große Angst und prompt kam eine Reaktion mit heftigen Bildern und Zwangsgedanken die mich in die Verzweiflung stürzten. Ich habe viel mitgemacht.
Mittlerweile habe ich einen besseren Umgang mit „Hölle und Teufel“ gefunden. Die Dämonen haben jetzt Pause. Den Gedanken eines unsichtbaren Feindes in unseren Köpfen lehne ich ab. Es ist nicht gut für Menschen mit Paranoia sowas zu glauben. Der Glaube und unsere Weltanschauung sollten uns helfen uns auf dieser Erde zurecht zu finden und uns nicht schaden. Die schlimmen Gedanken sind einfach ein Ausdruck meiner „paranoiden Schizophrenie“. Sie sind nur das: meine eigenen, blöden Gedanken und mein Seelenheil ist nicht in Gefahr. Ich kann nichts dafür.
Die Frage ob ich die „richtige“ Religion gewählt habe, beschäftigt mich noch heute. Vielleicht für den Rest meines Lebens auf dieser Erde. Oft war die Triebfeder meines Glaubens früher die Höllenangst, die viele Menschen haben. Was ist wenn ich bestraft werde? Das Entscheidende: ich will lieber aus Freude glauben. Ich konzentriere mich auf Jesus, auf das Gebot der Nächstenliebe und auf die göttlichen Verheißungen. Manchmal lese ich in der Bibel. Ich vertraue auf die göttliche Versorgung und ein Leben nach dem Tod. Es hilft mir mit meinen Sorgen im Alltag, die Verantwortung und die Kontrolle an eine höhere Macht abzugeben und ihr zu vertrauen. Ich glaube dass Gott einen guten Plan für mich hat und mich zu meinen Texten inspiriert, damit ich ein Licht in der Welt sein kann. Ich will Jesus Beispiel folgen.
Der Glaube hilft mir, empathisch, wertschätzend und selbstbewusst zu leben. Ich habe einen tief sitzenden Respekt vor dem Leben und staune über die perfekte Erde und die Natur und über mein eigenes Leben. Es ist der Gedanke, dass ich, so wie ich bin, mit all meinen Erfolgen und Fehlern, geliebt und angenommen bin. Einfach nur weil ich am Leben bin. Mein Wert als Mensch hängt nicht von meinem Erfolg ab. Ich bekomme diesen Wert und diese Liebe geschenkt. Einfach so. Einfach nur weil ich da bin. Ich muss nichts dafür leisten! Ist das nicht wunderbar? Ich bin Gottes geliebtes Kind und keine Macht der Welt kann mich seiner siegreichen Hand entreißen. Ich bin geschützt und geborgen und habe die Gewissheit: Am Ende wird alles gut.
Ich versuche andere Überzeugungen und Weltbilder zu respektieren, habe aber für mich persönlich meine Heimat im Christentum gefunden. Ich kann alle Menschen nur ermutigen, wenn es mal so richtig finster im Leben wird und alles ausweglos scheint, dann bietet Jesus einen Rettungsanker und spendet Hoffnung wo es keine mehr zu geben scheint.
Ich harrte des Herrn, und er neigte sich zu mir und hörte mein Schreien. Er zog mich aus der grausigen Grube, aus lauter Schlamm und Morast, und stellte meine Füße auf einen Fels, dass ich sicher treten kann.