
Liebe/r Leser/in,
ich bin nun die 12. Woche in meiner Langzeittherapie in Heilbronn und habe seit einer Weile eine deutliche Verbesserung meiner mentalen Gesundheit festgestellt. Seit längerem hatte ich keine Krise mehr, die ich fast schon gewohnt war und ich wundere mich wo sie bleibt. Auch Außentermine wie Restaurantbesuche mit Freunden klappt weitestgehend ohne die Ängste die ich von früher kenne.
Zum einen habe ich in meinem Kopf zunehmend positives Denkfutter, ich denke oft Sätze wie
- Kein Stress, keine Gefahr
- ich bin in Sicherheit
- In der Ruhe liegt die Kraft
- alles ist gut wie es ist
- Ein guter Tag auf der stinknormalen Erde
- Realität ist gut wie sie ist
Diese guten Gedanken haben sich mit der Zeit eingeschliffen (Neuroplastizität) und kommen automatisch immer öfter in mein Bewusstseit. Die Gedanken machen mich stark.
Das Gehirn will ständig etwas denken, wenn das so ist warum sollten wir nicht etwas erbauliches denken? Eine weitere gute Strategie ist das denken von der liebsten Songs und Melodien, Hauptsache das Gehirn ist beschäftigt.
Es dauert eine Weile bis die Gefühlswelt nachzieht, wenn du selbst in einem Umbau deiner Verfassung stehst: Hab Geduld! Der Prozess dauert ein paar Monate, bleib dran und langfristig wirst du eine Veränderung spüren.
Die Ängste sind (noch) nicht ganz weg, aber ich kann sie viel besser akzeptieren als früher und mich um meine Aufgaben kümmern. Der Gamechanger für mich war das Finden einer sinnvollen Beschäftigung. Dieser Punkt ist für die langfristige Genesung schizophrener Menschen sehr wichtig!
In meinem Fall habe ich das Webdesign neu entdeckt, was mir früher so viel Freude gemacht hat. Letzte Woche war ich im Designrausch und habe 3 webdesigns erstellt.



Ich kann mich hochfokussiert mit meinen Designs beschäftigen und die Zeit in der Arbeitstherapie vergeht wie im Fluge. Das ist auch eine super Übung für ein späteres Praktikum! Mein Tag füllt sich mit sinnvoller Arbeit und das ist einfach gut für mich und meine Gesundheit. Ängste und Sorgen treten zunehmend in den Hintergrund.
Ein weiterer Baustein meiner Stabilität ist die „Achtsamkeit“. Ich versuche „Micro-Awareness“ zu betreiben. Kleine Achtsamkeitsinseln im Alltag:
- „Ah, das ist der Boden der mich trägt“
- „Wie schmecken meine Haferflocken?“
- „Da ist der blaue Himmel auf der perfekten Erde“
- „Da sind Autos, Schilder und andere Menschen“
- „Was ist jetzt!?“
Meine Reha ist nun zu etwa ein Drittel vorbei und ich mache starke Fortschritte, das Protokoll belegt es. 2 Wochen keine nennenswerte Krise und kein Diazepam gebraucht.
Am Besten wäre natürlich eine Arbeit (z.Bsp. 4 Stunden Teilzeit) in deinem gelernten Beruf oder etwas anderes. Vielleicht passt das aber aktuell nicht zu deiner Lebenssituation.
Was könnte stattdessen deine sinnvolle Beschäftigung sein? Die Möglichkeiten sind vielfältig. Ein paar Beispiele
- Origamis machen und auf Instagram: Schult die Feinmotorik, bringt Ruhe durch repetitive Handgriffe und sorgt durch das Präsentieren für kleine Erfolgserlebnisse.
- Mandalas ausmalen oder Zeichnen: Senkt den Stresspegel, erfordert keine Vorkenntnisse und bietet sichtbare Ergebnisse ohne Leistungsdruck.
- Mini-Kräutergarten anlegen: Gibt eine sanfte, tägliche Struktur, erdet durch den Kontakt mit der Natur und sorgt für sichtbares Wachstum.
- Gitarre spielen: Sprich andere Hirnareale an, lenkt ab und vermittelt durch das Erlernen kleiner Passagen schnelle Fortschritte.
- Strategie- und Aufbauspiele: Fordern das logische Denken, erlauben kreatives Gestalten in geschützter Umgebung und lenken angenehm vom Alltag ab.