Du bist gesünder als du denkst

Es war mir lange nicht klar, aber sehr oft produziert das Gehirn einfach nur nicht hilfreichen Müll. Mein bester Freund Johann den ich schon lange kenne lebt mit dem Tourette Syndrom. Aus heiterem Himmel sagt er Dinge wie „Ach ich will ein Nazi sein, ich bin eine Erbse“, „ach ich bin Genozid“. Und was mich immer wieder beeindruckt, es macht ihm überhaupt nichts aus! Im Gegenteil. Johann ist für mich ein Vorbild an Gelassenheit und Lebensfreude. Manchmal sitzen wir nur schweigend auf dem Balkon und wenn er mal ein Tourette hat dann lachen wir gemeinsam darüber. Johann erschrickt sich nicht und er schämt sich nicht, er weiß dass es einfach nur seine Ticks sind die nichts über seinen Charakter aussagen und sie schränken ihn in seinem Leben nicht ein. Und seine Mitmenschen wissen das auch. Das ist das Entscheidende. Andere Menschen würden vor Scham jedesmal tausend Tode sterben und sich völlig zurückziehen und verkriechen. Nicht so, Johann. Er lebt damit als sei es das normalste auf der Welt. Warum soll ich dann nicht mit meinem geistigen Müll umgehen können?

Müllgedanken, schockierende, unsinnige Gedanken, Zufallsprodukte des Geistes sind menschlich und völlig normal! Wir haben 60.000 Gedanken am Tag. Und viele davon sind überhaupt nicht hilfreich.

Unser Gehirn ist nicht darauf programmiert dass wir uns immer gut fühlen und glücklich sind sondern darauf zu überleben. So analysiert, vergleicht, plant, bewertet das Gehirn pausenlos und erzeugt dabei Müll. Wie Sägespäne beim Hobeln. Das muss uns überhaupt nicht beeindrucken (wie Johann und seine Ticks).

Der „negativity bias“ besagt dass wir zudem zu negativen Gedanken tendieren weil das für unser Überleben als Steinzeitmenschen förderlicher war. Wenn ich ein Rascheln im Gebüsch höre bekomme ich vielleicht Angst obwohl es nur eine Maus war, aber wenn es doch ein Tiger gewesen wäre, wäre ich jetzt vielleicht seine nächste Mahlzeit geworden.

Manchmal spielen wir schockierende Szenarien durch und halten uns für psychisch krank. „Was wenn ich jetzt das Lenkrad herumreiße und in die Gegenspur fahre?“, „was ist wenn ich jetzt aus diesem Fenster springe?“ Das Gehirn spielt solche Szenarien durch um sie zu bewerten und einzuordnen. Wir würden nichts davon tun, die Tatsache dass wir vor solchen Gedanken erschrecken ist völlig gesund! Es entspricht nicht unseren Werten solche Dinge zu tun und es sagt nichts über unseren Charakter aus. Etwas anderes würde gelten wenn wir über den Gedanken jemandem Schaden zuzufügen mit Vorfreude oder gar Erregung reagieren würden.

Viele Mütter haben Angst mit ihrem Baby und einem Messer in einem Raum zu sein, weil sie den Impuls haben ihr Neugeborenes zu erstechen. Es ist das letzte was diese Mütter tun würden.

Der empfindliche Flughafenscanner

Problematisch wird es, wenn man wie ich, sehr auf sein Innenleben fixiert ist. Der Vorteil ist, dass ich sehr reflektiert bin und meine Gefühle benennen und ausdrücken kann, was mir beim Schreiben sehr von Vorteil ist. Zudem, wenn man mit Wahngedanken zu tun hat, braucht man einen Warnblinker; wir müssen über das Denken nachdenken – das nennt man auch „Metakognition“.

Ich persönlich übertreibe es damit leider ganz gerne. Ich bin sehr darauf bedacht, mich non-stop zu beobachten und kranke Gedanken zu erkennen und vermeiden zu wollen. Es ist, als wäre in meinem Seelenflughafen ein teurer, hochleistungsfähiger Gepäckscanner installiert, der einfach nur viel zu empfindlich eingestellt ist. Jede harmlose Deo-Dose im Rucksack wird sofort als Sprengsatz gemeldet und die Sirene heult auf. Wenn mein Gefahrenscanner ein vermeintliches „gefährliches Gepäckstück“ entdeckt, schlägt er Alarm: „Aha, da ist eine sexuelle Perversion!“ – und dieser Gedanke führt unweigerlich zu dem Schluss: „Aha, ich bin immer noch nicht gesund.“

Das Gute ist: Ich muss das teure Gerät nicht wegwerfen. Es war damals zudem überlebensnotwendig, um meine Wahngedanken einzuordnen, und hat mir den Arsch gerettet. Aber heute ist es zu einer Last geworden. Ich muss es nicht verschrotten, (es ist ein high-tech Gerät und war sehr teuer)sondern eine feinfühlige Neukalibrierung durchführen. Auch hier hilft uns wieder die Neuroplastizität: Die eingeschliffenen Muster brauchen Zeit, um sich aufzulösen, aber Schritt für Schritt lernen wir, den Empfindlichkeitsregler wieder herunterzudrehen.

Die Amygdala lernt nicht durch logische Argumente („Es ist doch gar kein Tiger da!“), sondern durch Erfahrung. Sie muss hundertmal erleben: „Der blöde Gedanke kam, ich habe nichts dagegen unternommen, und rat mal was – wir sind immer noch nicht gestorben.“ Erst nach der hundertsten Wiederholung speichert das System ab: Okay, das ist keine echte Bedrohung mehr, wir können die Sensitivität senken.

Zusammengefasst: Das Gehirn ist eine wunderbare Maschine, die uns das Überleben sichert, produziert dabei aber manchmal nicht hilfreichen Müll. Das ist einfach nur menschlich und an sich noch kein Zeichen von psychischer Krankheit (da kommen noch weitere Faktoren hinzu). Wie bei Johann und seinem Tourette haben wir gesehen, es ist die Bewertung eines Gedankens der den Schmerz verursacht. Wir können solche Gedanken bedenkenlos akzeptieren und loslassen, sie sagen nichts über unseren Charakter aus.

Du bist vielleicht gesünder als du denkst.

Meine Seelenkatze

Ich liebe Katzen und hatte ein paar davon bei mir in meiner Wohnung bis ich umzog und sie zu klein wurde. Katzen sind wunderbare Haustiere, man kann mit ihnen kuscheln und spielen, sie sind anmutig und eigensinnig und haben ihren eigenen Kopf.

Eine meiner Katzen, der Miki wurde irgendwann schwer krank. Er hatte sog. Harngrieß in seiner Blase und konnte kein Wasser lassen. Unzählige male sind wir mit ihm zur Tierklinik, wo mit einem Katheter die Blase gespült wurde, er hat sehr gelitten und wollte nichts mehr fressen. Er wäre mehrmals fast gestorben und musste notoperiert werden. Irgendwann ging mir das Geld aus und ich war verzweifelt, müssen wir Miki einschläfern lassen? Ich liebte meine Katze doch so sehr. Es ging ihm sehr schlecht.

Dann hat mir die Tierärztin die so für ihn gekämpft hat ihn mir abgenommen und alle weiteren OPs aus eigener Tasche bezahlt. Als hätte sie der Himmel geschickt.

Später wurde Miki gesund und durfte sogar nach draußen. Die Tierärztin schickte mir ein Foto mit seiner ersten selbst gefangenen Maus. Obwohl es finster und ausweglos aussah hat Miki überlebt. Letzten Monat ist er zwar gestorben aber er hatte noch viele glückliche Katzenjahre bei meiner Tierärztin und ihren Hund als beste Freundin.

Meine Katze Miki

Meine Katzen haben auch etwas mit meiner mentalen Gesundheit und meinem Seelenleben zu tun. Ich habe ein sehr intensives Traumleben und träume oft von meinen Stubentigern.

Meine Träume sind oft beunruhigend und diese 3 Tagebucheinträge möchte ich mit dir teilen:

Oktober 2026

Ich träume ich sprühe eine Babykatze mit Gift ein. Ich sprühe noch etwas mehr damit sie nicht leidet. Die Katze atmet gerade noch und überlebt knapp.

Oktober 2026

Ich träume von einer Babykatze die mit einer großen Spinne kämpft. Ich stecke beide in meinen Rucksack und sie kämpfen dort weiter.

Oktober 2026

Heute träumte ich wieder von meinen Katzen Miki und Johnny. Eine war etwas eingestaubt die andere beobachte ich beim Fressen und es geht ihnen gut.


Hier sieht man eine starke Entwicklung, die sich auch in meinem Gefühlsleben im Alltag widerspiegelt, ich habe zur Zeit eine ganz gute Phase (bin aber nicht enttäuscht wenn es wieder schwieriger wird).

Meine Babykatze im Traum kann mehrere Bedeutungen haben, es könnte für meine Seele stehen, die nicht kaputtzukriegen ist, die mit der Angst (Spinne) kämpft, ein ungelöster Konflikt den ich mit mir rumtrage und verstecke (der Rucksack), mein Kontrollversuch mit dem Gift, die Tatsache dass ich meine Seele selbst quäle. Es ist der Versuch den Schmerz abzuschneiden weil man ihn nicht ertragen kann und zeigt die innere Härte und Grausamkeit mit der ich meinen verletzlichen inneren Anteil behandle. Der Gedanke „damit sie nicht leidet“ ist besonders bitter. Ein weiterer Aspekt könnte mein hoher Zigarettenkonsum sein mit dem ich auch oft Schmerz betäuben will.

Die Katze kann auch Lebensfreude bedeuten, für meine Emotionen stehen oder auch mein inneres Kind.

Bedeutungsvoll finde ich dass trotz des vielen Giftes und der Kämpfe mit der Angst, die Babykatze nicht stirbt sondern überlebt, egal wie sehr ich sie versuche zu betäuben oder sterben zu lassen. Und mit so einem Traum ist nicht das Ende gekommen, sondern im Laufe der Entwicklung kann sich die Seelenkatze regenerieren und erholen. Genau so wie Miki.

Da ist ein Kern der Seele der weitermacht, egal wie geschunden sie wurde und das Potenzial hat gesund zu werden. In meinem dritten Traum beobachte ich dass die Katzen nun wieder fressen (positive Gedanken und Aktivitäten als Nahrung), dass sie gepflegt sind (Psychohygiene) und das es ihnen gut geht und sie wieder zu Kräften kommen. Manchmal braucht es auch einen rettenden Impuls von außen (wie bei meiner Tierärztin).

Mit diesem schönen Traumbild beginne ich nun meinen Sonntag und freue mich über das restliche Wochenende.

Hast du auch ein Seelentier oder ein Haustier? Wie gehst du mit deinen verletzlichen Anteilen um?

Schreibe es gerne in die Kommentare oder schicke mir eine E-Mail.

Das Leben auf hohem Schwierigkeitsgrad

Meine gaming-affine Ex-Freundin Susi sagte immer ganz treffend „Niko, du spielst das Leben auf hohem Schwierigkeitsgrad durch“. Das hat mich heute zum Nachdenken gebracht. Welchen Grund gibt es für Spieler einen hohen Schwierigkeitsgrad für ihr Spiel zu wählen?

Wer in diesem Spiel des Lebens ohne größere Widerstände durchkommt, der verpasst etwas. Die tiefgründige Erforschung des Lebens in all seinen Facetten. Wo kein Schatten da auch kein Licht. Die intensiven Psychoseerfahrungen haben mich viel über mich, die Krankheit und die Welt gelehrt.

Ich rege mich nicht über Kleinigkeiten oder andere Leute auf. Ich vertraue auf eine tiefe, innere Kraft und Kreativität in mir, die wie ein großer Schatz in mir verborgen liegt und darauf wartet entdeckt zu werden und ans Licht zu kommen. Ohne die Krisen hätte ich nicht zum Glauben gefunden, ich hätte mein Schreibtalent nicht entdeckt und wäre nie auf die Idee gekommen kranken Menschen helfen zu wollen.

Der hoher Schwierigkeitsgrad verlangt mir ab die Gesetze der Realität tief zu erfahren und zu durchdringen, immer wieder zu scheitern und etwas daraus zu lernen. Der Lohn dafür ist Lebenserfahrung und Weisheit über die Natur der Realität, die ich anderen Menschen weitergeben darf. Meine Mini-Bosse/Krisen bringen mich immer wieder an meine Grenzen und immer wieder darf ich erfahren dass ich gestärkt aus diesen Bosskämpfen herauskomme und wieder etwas gelernt habe.

Ein hoher Schwierigkeitsgrad ist stressig und anstrengend, aber die Belohnungen (die Beute) sind umso wertvoller je mehr ich sie mir erarbeiten muss.

Wer alles auf easy spielt wird nie die ganze Tiefe dieser Welt erleben und ein oberflächliches Leben führen (auch wenn das erstrebenswert sein könnte?)

Auf welchem Schwierigkeitsgrad spielst du dein Leben?

Krisen sind erlaubt!

Krisen sind erlaubt!

Bevor ich einen besseren Umgang mit meinen Gedanken gefunden habe, habe ich mich (unbewusst) gegen diese gewehrt und wenn es wieder „losging“ dachte ich „oh, nein nicht schon wieder eine Krise, das halte ich nicht aus. Ich kann das nicht mehr, was wenn ich mich wieder schütteln oder schreien muss?! Was ist, wenn ich nicht einschlafe und für Wochen oder Monate ins Krankenhaus muss?“. Ich wusste: Es ist nur in meinem Kopf, aber ich war machtlos.

Ich wusste schon seit Jahren, dass ich Gedanken akzeptieren und bereit sein soll alles zu fühlen, aber in der Praxis klappte es einfach nicht! Denn: Ich habe mich (durch die Hintertür) immer noch gegen diese Gedanken gewehrt und wollte sie einfach loswerden. Ich war immer noch am Kämpfen und optimieren statt zu akzeptieren und einfach loszulassen. Man sagt sich „Ich akzeptiere das jetzt“, meint aber eigentlich „Ich mache diese Übung, damit die blöden Gedanken endlich verschwinden“. Das ist kein Akzeptieren, sondern getarnte Kontrolle – und das Gehirn merkt diesen Betrug sofort.

Das gleiche Muster

Seit Jahren immer das gleiche Muster. Ich fühlte mich 2,3 Tage gut und dachte „Ja, jetzt habe ich es geschafft!“ Dann kam Stress, große Pläne und Belastung und ich fiel wieder in ein tiefes Loch mit heftigen Zwangsgedanken und den schockierendsten Inhalten die sich das Gehirn nur ausmalen kann. Ich hatte sogar Gedanken „Was würde dem Niko jetzt am meisten Angst machen? Es geht schon wieder los, diesmal kommst du da nicht mehr raus! Du weißt ja was dir jetzt blüht“, alte kranke Muster wurden aktiviert die ich schon längst dachte dass ich sie hinter mir habe. Die Enttäuschung und Frustration waren groß.

Dann habe ich (mit der Zeit) die Erfahrung gemacht dass ich doch jedes mal wieder eingeschlafen bin (manchmal mit Diazepam) und am nächsten Tag war es dann wieder besser. Diese Erkenntnis ist der erste Schritt zur Genesung. Zu wissen: Ja, es ist schlimm aber es geht vorbei. Diese Erfahrung habe ich hunderte male gemacht bis mein Gehirn endlich verstanden hat: „Keine Gefahr! Du packst das auch wenn es sich furchtbar anfühlt“.

Wie erreicht man nun „echte“ Akzeptanz? Durch Übung!

Heute habe ich immernoch solche (Mini)-Krisen. Aber: Es macht mir nicht mehr so viel aus und ich rechne mit ihnen!

Mein Gefahrenscanner (die Amygdala) wird aktiv und sucht nach Katastrofen (was ist wenn mir das Geld ausgeht? Was ist wenn ich ins Krankenhaus muss?) Ich merke „aha, ich bin überlastet, mein Gehirn möchte mal wieder verrückt spielen“. Der Scheinwerfer richtet sich nach innen und sucht aktiv die Gefahr. Aber da ist nichts! Nur Stille und Gelassenheit. Ich lasse ein paar blöde Gedanken über mich ergehen und bald darauf ist Ruhe da oben. Es kommt und es geht. Das ist Akzeptanz und Recovery. Wenn die Gedanken doch hartnäckig sind und nicht weggehen, darf ich ohne schlechtes Gewissen mein Notfallmedikament nehmen. Dafür ist es da.

Wie ich das gemacht habe?

Die ehrliche Antwort ist: Das war kein spontanes Wunder und auch keine plötzliche Erleuchtung. Es war das direkte Resultat meines täglichen, oft ganz unspektakulären Trainings. Mein Gehirn hatte durch stetige Wiederholung, der Summe aus den positiven Mosaiksteinen meines neuen Lebens, schlichtweg gelernt, den Alarmknopf nicht mehr bei jedem Unwohlsein reflexartig durchzudrücken. Ein paar konkrete Werkzeuge haben in dieser Zeit wie Zahnräder ineinandergegriffen und mein Nervensystem Stück für Stück umprogrammiert – und genau diese Werkzeuge kannst auch du für deinen Weg nutzen. Arbeite prophylaktisch und übe nicht erst wenn es dir schlecht geht.

Ich habe diese Tools schon ausführlich beschrieben. Hier noch mal die wichtigsten Punkte zusammengefasst, die (für mich persönlich) diesen Shift in meinem Kopf ermöglicht und begünstigt haben. Es dürfen auch deine Mosaik-Steine eines neuen Lebens für dich sein.

1. Die Sitzmeditation und Micro-Awareness (Das Nervensystem regulieren) Durch das tägliche Stillsitzen habe ich gezielt meinen Parasympathikus – unseren „Ruhenerv“ – trainiert. Früher schrillten bei blöden Gedanken oder äußeren Reizen sofort die Notfall-Sirenen. Durch die Meditation hat mein Nervensystem gelernt, dass solche Reize keine akute Lebensgefahr bedeuten. Der Scheinwerfer leuchtet die Situation zwar noch aus, aber das Gehirn schlägt keinen Feueralarm mehr. Ich übe, dass Gedanken kommen und gehen und ich sie nicht bewerte. Das nicht-bewerten ist der Schlüssel. Sitzen und atmen ist ein ganz konkretes Training von gedanklicher Defusion im Sinne von ACT (Acceptance Commitment Therapy). Dazu suche ich mir Achtsamkeitsinseln im Alltag. Ein paar Beispiele

  • wie fühlt sicher gerade der Boden an der mich trägt?
  • Wie schmeckt mein Kaffee?
  • Wie fühlt sich der Wind auf meiner Haut an?
  • Wie sieht dieser Mensch im Bus aus?

Verbinde dich neu mit deinen sensorischen Erfahrungen und siehe die Welt wie sie wirklich ist! Wie sie sich jeden Moment neu entfaltet, ohne quälende Misserfolge der Vergangenheit oder lähmende, imaginierte Gefahren auf die Zukunft bezogen.

2. Kognitives Umdenken (Die Illusion durchschauen) Ansätze wie Allen Carrs Easyway to Mindfulness haben mir gezeigt, wie ich das ständige Bewerten und Kämpfen aufgeben kann. Ich habe verinnerlicht: Gedanken sind nur Gedanken, und Gefühle sind erst einmal nur körperliche Empfindungen. Als ich in einer hektischen WG-Situation nach innen spürte, habe ich den Reiz zwar wahrgenommen, aber die gewohnte Bewertung („Das ist schrecklich, ich verliere die Kontrolle“) einfach weggelassen. Ohne den Kampf verliert die Angst ihre Macht.

3. Kalligrafie (Aktive Achtsamkeit im Hier und Jetzt) Beim Schreiben – etwa der historischen Karolingischen Minuskel – muss ich extrem im Moment verankert sein. Den Federwinkel halten, den Tintentransport auf dem Papier beobachten, den präzisen Schwung ausführen. Das ist aktives Achtsamkeitstraining für das Gehirn. Es stärkt den rationalen Frontallappen und beruhigt das überaktive Angstzentrum (die Amygdala). Man lernt dadurch, seinen Scheinwerfer ganz bewusst und ruhig zu führen, anstatt sich von inneren Impulsen herumreißen zu lassen. Ich hatte in meiner Arbeitstherapie in der Rehamaßnahme einige Tage intensiv Kalligrafie geübt und die Tage gingen im Handumdrehen vorbei. Das ist Flow und dieser ist für unsere mentale Gesundheit sehr wertvoll

4. Sport (meine neue Kraftquelle)

Ich habe mir angewöhnt 3 mal die Woche in den Sport zu gehen und mein Minimalziel zu schaffen, manchmal gehe ich mit einem Reha-Kumpel ins Fitness und gemeinsam macht es noch mehr Spaß. Ich habe mich einige male überwunden auch zu gehen wenn ich mich unwohl fühle. Das war früher unmöglich, ich dachte es würde mir schlecht dort gehen und ich müsse abbrechen. Aber, es tut so gut! Mein Gehirn hat gelernt: „Sport ist gut für dich! Du willst mehr davon“. Sport ist zu meiner neuen Kraftquelle geworden und dass darf sie auch in deinem Leben sein.

5. Gitarre und Singen (Hobbies reaktivieren)

Gitarre und Singen haben mir früher große Freude gemacht, aber ich habe es viele Monate schleifen lassen. Mit der Kraft der Babyschritte habe ich diese schönen Aktivitäten reaktivieren können (ok, ich singe 5 Minuten und dann mach ich was anderes. Ok, ich mache 10 Minuten Gitarre und schaue ob es Spaß macht, ich darf jederzeit aufhören). Aus den 5 Minuten wurden dann dann 10, dann 20, dann eine halbe und dann eine ganze Stunde. Weitere Flow Aktivitäten die gesund fürs Gehirn sind.

Wie bleibt diese Gelassenheit nachhaltig?

Damit dieser Zustand nicht nur ein zufälliger, flüchtiger Glücksmoment bleibt, sondern zu einem stabilen Fundament für den Alltag wird, halte ich mich an vier eiserne Grundregeln:

  • Routinen niemals schleifen lassen: Der größte Fehler im Recovery-Prozess ist es, mit den Übungen aufzuhören und große Pläne zu schmieden, sobald es einem besser geht. Die 20 Minuten Meditation oder die Zeit an der Feder sind keine Medizin für den Notfall, sondern die tägliche Wartung für das Nervensystem. Bleib auf der Bremse und baue dein tragfähiges Fundament.
  • Den nächsten „Rückschlag“ einkalkulieren: Es wird unweigerlich Tage geben, an denen der Scheinwerfer doch wieder etwas findet und die Unruhe zuschlägt. Das ist kein Scheitern, sondern normal. Nachhaltigkeit bedeutet nicht, nie wieder Angst zu haben. Es bedeutet zu wissen: Selbst wenn die Welle kommt, kenne ich jetzt den Weg zurück in die Gelassenheit.
  • Eigene Beweise sammeln: Ich dokumentiere genau diese Erfolgserlebnisse. Wenn die Zeiten wieder rauer werden, lese ich meine eigenen Einträge schwarz auf weiß und erinnere mein Gehirn daran: „Ich habe es damals geschafft, also überstehe ich das auch heute.“
  • Das Gelernte weitergeben: Indem ich diese Erfahrungen aufschreibe, teile oder als Genesungsbegleiter nutze, verankere ich diese neue Haltung doppelt so tief in meinem eigenen Unterbewusstsein. Was wir anderen erklären, begreifen wir selbst am besten.

Zwischen Komfortzone und Überforderung

Damit ein guter Umgang mit Krisen und Gedanken gelingt, ist es wichtig gut auf die eigenen Grenzen zu achten und sich nicht massiv zu überlasten. Es ist gut seine Grenzen auszutesten, aber man muss rechtzeitig stopp sagen wenn man merkt es wird gerade zu viel. Oft ist es so dass wir in sozialen Situationen funktionieren und aushalten wollen um niemanden zu enttäuschen. Oder wenn wir uns auf etwas gefreut haben, wie einen schönen Restaurantbesuch.

Gehe das Risiko ein jemanden vor den Kopf zu stoßen, wenn du die Situation verlässt. Hier darf ich um ehrlich zu sein noch an mir arbeiten. Ich war vor kurzem in einem Gesellschaftsspiel mit meinen RPK-Freunden und fühlte mich unwohl, dabei hatte ich mich so auf das Spiel gefreut! Ich hatte mir eigentlich vorgenommen das Spiel jederzeit beenden zu können, aber in der Situation dachte ich dann „nur noch ein bisschen“, ich will es aushalten vielleicht wird es besser, ich will das alle Spaß haben.

Wer eine Angststörung hat dem wird von Ärzten oft geraten in einer belastenden Situation zu bleiben und auszuhalten, bis dass Gefühl von alleine verschwindet. Dann redet man von „Habituation“.

Wer aber wie ich eine psychiatrische Komponente in seinem Erleben hat, bei dem funktioniert diese Taktik nicht. Denn der Stress steigert sich immer weiter bis man die Situation verlässt und Reizarmut hat und versucht sich so gut es geht zu regulieren. Wenn man die Situation, wie ich oft, aushalten will um jeden Preis gelingt das Regulieren nicht mehr. Da hilft dann Ruhe und Notfallmedikament und eine Nacht gut schlafen in der Regel.

Sei nicht böse mit dir oder enttäuscht, wenn das passiert. Das nächste Mal kannst du lernen rechtzeitig Stopp zu sagen. Das ist wahre Selbstfürsorge. Deine Freunde dürfen enttäuscht sein. Dein mentales Wohlbefinden hat oberste Priorität.

Wie ich mich zum Sport motiviere

Viele Menschen möchten gern mehr Sport machen. Die Vorteile liegen auf der Hand. Mehr Gesundheit, Fitness und nachgewiesen positive Effekte auf die mentale Gesundheit. Sport ist gut für die Psyche. Das weiß jedes Kind.

Manchmal sehen wir Menschen mit durchtrainiertem Körper und denken „Wow, den hätte ich auch gerne!“

Aber oft liegen wir lieber auf der Couch statt unser Training zu machen. Wie lässt sich der innere Schweinehund überwinden?

Ich mache nun seit einer Weile regelmäßig mein Training und ich habe dafür eine gute Strategie entwickelt die mir dabei hilft.

Ich habe mich im Fitnessstudio angemeldet und mir das Commitment gegeben, ich gehe 3 mal die Woche hin. Auch wenn ich keine Lust habe. Der Trick: Die ersten Wochen mache ich nur 15 Minuten Fahrrad. Dann ist Feierabend und ich gehe nach hause. Nur 15 Minuten, dafür 3 mal die Woche bis sich das hingehen einschleift und die Gewohnheit entsteht. Dienstags, Donnerstags und Samstags um 15 Uhr steht das Fitness in meinem Kalender und ich habe mir die Schwelle so niedrig wie möglich gemacht. Die Kontinuität ist der Schlüssel, wir wollen eine nachhaltige und langfristige Veränderung.

Mit der Zeit dachte ich, „ok, jetzt bin ich schon mal da und darf 20 Minuten Fahrrad machen. Dann 30 Minuten, dann 40 Minuten. Danach dachte ich ok, ich mache nur ein Gerät. Dann 3 Geräte und dann mache ich den kompletten Traingszirkel.

Es wird also mit der Zeit immer leichter und mittlweile ist Fitness ein fester Baustein für meine (mentale) Gesundheit in meinem Alltag. So selbstverständlich wie Zähneputzen. Es kostet Überwindung aber es tut so gut! Wenn ich keine Energie habe mache ich nur mein Minimalziel von 15 Minuten. Dagegen kann der innere Schweinehund nicht argumentieren.

Im letzten Artikel habe ich über das Thema Motivation statt System geschrieben. Wenn wir darauf warten bis wir motiviert sind und Lust haben können wir ewig warten. Ein System (in meinem Fall 3-mal die Woche hingehen und Minimalziel) ist wesentlich effektiver für eine nachhaltige Veränderung.

Die Feinde nachhaltiger Entwicklung

Warum führen wir manchmal nicht das Leben das wir gerne führen würden? Um ein gutes, werteorientiertes Leben zu führen brauchen wir positive Gewohnheiten. Aber warum ist es so schwer sich zu verändern und diese zu entwickeln? Warum melden wir uns im Fitnesstudio an und statt hinzugehen versumpfen wir auf der Couch obwohl wir wissen das Training gut für uns ist?

Hier sind die 11 Feinde nachhaltiger Entwicklung

1) Angst zu scheitern

Nehmen wir an wir liegen mal wieder im Bett und denken „Eine Runde Singen würde mir jetzt gut tun“. Aber da ist eine Sperre, eine Barriere die uns daran hindert so dass wir lieber liegen bleiben. Das Gehirn bevorzugt altes und Bekanntes auch wenn der Zustand unbefriedigend ist. Es scheut das Risiko.

Da ist das diffuse Gefühl „was wenn es keinen Spaß macht und ich abbreche? Dann bin ich enttäuscht von mir und es geht mir noch schlechter als jetzt. Rein logisch ist es Unsinn so zu denken, wenn wir scheitern und tatsächlich nach 3 Minuten aufhören zu singen dann sind wir genau so weit wie vorher, hätten es aber wenigstens versucht. Wir verpassen die Chance dass es uns vielleicht doch eine halbe Stunde Freude gemacht hätte. Der Erste Schritt ist der schwerste und wenn man ihn wagt ist es oft doch besser als gedacht. Gehe das Risiko ein scheitern zu dürfen. Im Improvisationstheater ist die Erlaubnis zu scheitern ein Kerngedanke. „Scheiter heiter“ sagen wir im Impro denn im Risiko liegt die besondere Chance das etwas großartiges gelingt. Zum Beispiel eine super gelungene Gesangseinlage bei der spontan gereimt wird und großartige Szenen entstehen. Kein Risiko (wir bleiben auf Nummer sicher) – keine Belohnung. Und wenn es krachend schief geht, na und? Es passiert nichts schlimmes! Sich einmal auf der Bühne knochentief zu blamieren hat etwas sehr befreiendes. Die Angst davor ist nur in unseren Köpfen.

Ein guter Improspieler geht spontan Risiken ein weil er auf sein Talent vertraut und das ist die große Kunst die die Zuschauer beeindruckt. „Was der sich traut, das könnte ich nie“. So habe ich als Zuschauer früher auch oft gedacht, dann gründete ich irgendwann eine Improgruppe und stand oft auf der Bühne. Auch wenn ich vor jedem Auftritt gestorben bin vor Lampenfieber. Ich habe gelernt mir und meinen Mitspielern zu vertrauen und zu liefern. Wer nicht wagt der nicht gewinnt

2) Schlechtes Gewissen

Manche Menschen haben einfach keine Energie um irgendwas zu tun. Manchmal nicht mal Zähne putzen am abend, oder die Wäsche oder den Einkauf machen. Das hat nichts mit Faulsein zu tun, es gibt solche Situationen und die kenne ich sehr gut aus meinem Leben. Das Schlimme, wir versumpfen auf der Couch und verachten uns dafür auch noch, als wäre die Passivität nicht schon schlimm genug. Sie denken „Ach ich sollte und müsste dies oder jenes und ich schaffe es nicht“. Daraus folgt schließlich der Gedanke „Ich bin ein Versager, der nichts auf die Reihe bekommt. Dieser Feind der Veränderung ist besonders tückisch. Denn wir blockieren die Energie die wir eigentlich bräuchten um in die Aktivität zu kommen. Mein Tipp: Ruhe ist auch mal ok. Wenn du schon liegen musst dann genieße es wenigstens. Verabschiede dich vom schlechten Gewissen und nutze die Spielräume wenn es dir mal ein bisschen besser geht.

3) Unrealistische Ziele

Jeder hat irgendwann mal den Gedanken „Das geht so nicht weiter, ab morgen krempel ich mein Leben komplett um“. „Ich gehe jeden Tag 2 Stunden intensiv trainieren und bekomme einen Traumkörper, dann werde ich glücklich sein“. Das funktioniert einfach nicht, wer unrealistische Ziele hat und allein auf Willenskraft setzt dessen Enttäuschung ist vorprogrammiert. Selbst wenn man das selbstauferlegte Pensum einen Tag durchhält, schnell fällt man wieder in das gewohnte Muster und es ändert sich langfristig: überhaupt nichts. Setze dir minimale erreichbare Ziele, wie, ich nehme täglich 10 Minuten die Gitarre in die Hand, danach mach ich etwas anderes. Nur 10 Minuten, aber dafür jeden Tag. Wenn es Spaß macht darf ich die Zeit verlängern. Die Kontinuität ist der Schlüssel. Lieber 10 Minuten/Tag bewusstes üben statt einen 2 Stunden Gewaltakt ein mal die Woche. Das wird dir jeder Gitarrenlehrer bestätigen. Und so ist es mit allen Aktivitäten und Gewohnheiten

4) Unkonkrete Ziele

Wünsche gibt es viele, aber unkonkrete Ziele gehören zu den häufigsten Ursachen für Stillstand, weil sie dem Gehirn keinen klaren Handlungsauftrag geben. Formulierungen wie „Ich will mich gesünder ernähren“ oder „Ich möchte mehr Sport machen“ klingen zwar gut, bleiben aber schwammig und unverbindlich. Ohne klare Parameter – was genau, wann, wie oft und wo getan werden soll – fehlt der konkrete Reiz zur Umsetzung. Sobald der Alltag stressig wird schlägt die Gewohnheit zu und wir verhalten uns so wie wir uns immer verhalten haben. Denn das Gehirn liebt es Energie zu sparen, so ist es konstruiert. Mache konkrete Ziele, zum Beispiel ich mache mir jeden morgen ein Müsli aus Haferflocken mit Beeren und Nüssen für die nächste Woche.

5) Perfektionismus

Mein Perfektionismus und Leistungsdruck hat mich in meinem Leben in große Schwierigkeiten gebracht und dazu geführt dass ich im Studium und beruflich immer wieder in die Überforderung gerannt bin. Der Gedanke „ich muss es perfekt machen und funktionieren“ führt dazu dass wir über unsere Grenzen gehen und die Ressourcen für Stabilität verbrannt werden. Wer sich nachhaltig verändern will muss nicht perfekt sein, sehr gut ist völlig ausreichend. Perfektionismus hat oft damit zu tun dass wir den anderen etwas beweisen wollen. Ein mangelndes Selbstwertgefühl ist die Keimzelle. Wer langfristig sich verändern will (hinsichtlich mentaler Stabilität) muss lernen auf die Bremse zu treten. Auch das Aufmachen zu vieler Baustellen auf einmal, sich Termine reinknallen und Projekte zu verfolgen sobald es einem ein bisschen besser geht ist sehr problematisch und kann dazu führen dass das Kartenhaus schnell wieder in sich zusammenfällt. Das Ziel ist nachhaltige Veränderung des Verhaltens.

6) Alles oder nichts Denken

Ein Beispiel aus meinem Leben: Ich bin seit 3 Monaten in Heilbronn zur Langzeittherapie und hatte mir vorgenommen noch ein mal neu Gitarre zu lernen, denn obwohl ich seit 20 Jahren spiele ist meine Technik schlampig. Ich sehe die großen Vorbilder auf Youtube die mühelos die krassesten Soli und Riffs abliefern. Ich hingegen dümple auf einem sehr durschnittlichen Niveau vor mich hin und werde nie so gut sein wie meine Idole, das tötet sofort jegliche Motivation zum Üben. Gitarrenlehrer sagten mir ich sei gut und solle auf keinen Fall mit Gitarre aufhören, aber das alles oder nichts denken ist mir im Weg mich zu entwickeln und zu einem passablen Gitarristen zu werden. Immerhin kann ich ganz anständig Blues improvisieren, nichts großartiges, aber wenn ich es tue macht es Spaß. Warum glaube ich dass ich absoluter Profi sein muss und wenn ich dass nicht erreiche es lieber ganz bleiben lasse? Alles-oder-nichts-denken, das die Freude am Spiel zunichte macht.

Bei einer anderen Gelegenheit wollte ich an meine Improerfahrung anknüpfen und hatte den Gedanken ich MUSS mein sehr gutes Spielniveau wieder erreichen und so gut performen wie früher! Dadurch konnte ich kleine Erfolge und schöne Interaktionen gar nicht wertschätzen und hatte den Gedanken: „Ich habe abgebaut und werde nie wieder so sein wie früher“, ein klassischer Fall von alles-oder-nichts-denken

7) Das „Ich bin halt so“ Denken

„Ich bin einfach ein Sportmuffel“, „Ich kann nicht zeichnen“, „ich kann nicht singen“ „ich kann nicht vor Leuten sprechen“ „Ich bin halt ein Angsthase“. „Ich war schon immer ein Loser“. Mit solchen Glaubenssätzen ersticken wir jegliche Veränderung im Keim. Und die stecken sehr tief in unserem System.

Diese Glaubenssätze wirken wie ein innerer Schutzschild, der uns vor Enttäuschungen bewahren soll, uns aber gleichzeitig komplett lähmt. Indem wir ein negatives Verhalten als festen Teil unserer Identität abstempeln, geben wir die Verantwortung ab und verweigern uns selbst die Chance, uns überhaupt zu entwickeln. Wir deuten dann jeden Rückschlag nicht als normalen Lernprozess, sondern als endgültigen Beweis für unsere Unfähigkeit. Wenn wir unsere Festlegungen – das starre „Ich bin halt so“ – nicht aufweichen und durch ein offeneres „Ich kann das noch nicht“ ersetzen, bleibt jeder Wunsch nach Veränderung nur ein theoretischer Gedanke.

8) Fokus auf Motivation statt System

Wenn ich darauf warte dass ich mal Lust/Motivation auf Sport oder bessere Ernährung warte, kann ich ewig warten. Die wird nicht kommen oder wenn dann nicht nachhaltig. Stattdessen sollten wir uns auf ein System fokussieren. Die art und weise welche Regeln in unserem Leben herrschen. Ein Fokus auf Motivation bedeutet zu fragen „Habe ich heute Lust auf joggen“, Ein „System“ ist die Regel Montag, Mittwoch und Freitag um 15 Uhr gehe ich ins Fitness und mache mein Minimalziel von 15 Minuten Laufband. Danach mache ich Feierabend und gehe nach hause, wenn ich mehr machen will darf ich mehr machen. Aber Hauptsache ich gehe hin. Das ist ein „System“ und dass ist viel effektiver als dass wir einfach hoffen irgendwann fühle ich mich danach.

9) Sofortbelohnungen bevorzugen

Das Gehirn ist süchtig nach Dopamin, dem Belohnungsbotenstoff. Ein gutes Computerspiel oder ein süchtig machender Glücksspielautomat, oder Instagram Reels sind so gebaut dass sie dem Gehirn möglichst viele Dopaminkicks liefern. Schon die Chat Nachrichten einer KI liefert kleine Dosen Dopamin und das ist auch der Grund warum wir immer mehr davon haben wollen. Man nennt dass auch Instant Gratification. Unser modernes Leben ist vollgestopft mit hochgezüchteten Belohnungssystemen die unsere Aufmerksamkeit haben wollen.

Im Gegensatz dazu: Wenn ich studiere und für meine Prüfungen büffeln und auswendig lernen muss dann macht das keinen Spaß (kein oder wenig Dopaminausschüttung). Wenn ich aber einen Abschluss haben will weil ich im Leben voran kommen möchte dann habe ich eine „nachgelagerte Belohnung“. Ich bekomme sie erst Monate oder Jahre später! Doch der Fakt ist: ein Uni Abschluss ist für unsere Entwicklung und unser Leben sehr viel wertvoller als 10 Minuten TikTok oder Nachrichten zu scrollen. Es spricht nichts dagegen hin und wieder social media zu scrollen. Aber echte Veränderung (und damit Lebensfreude) gewinnen wir nur wenn wir auf langfristige Belohnungen setzen. Geduld und Frustrationstoleranz sind hier gefragt.

10) Mangelnde Fantasie

In Punkt 3 habe ich über unrealistische Ziele gesprochen. Gleichzeitig ist es jedoch essenziell, eine konkrete Vision für das eigene Leben zuzulassen. Was würde ich tun, wenn Geld keine Rolle spielte? Wie sähe mein Leben aus, wenn es richtig klasse wäre? Ein solcher übergeordneter Kompass treibt uns an und hilft dabei, im Alltag die richtigen Entscheidungen zu treffen, um dieser Vision Schritt für Schritt näherzukommen und daraus realistische Teilziele abzuleiten. Ohne die Vorstellungskraft davon, wie unser Leben aussehen soll, fehlt uns schlichtweg die Orientierung für unser tägliches Verhalten.

11) Chronische Unzufriedenheit

Wer vergleicht verliert sagt der Volksmund, wenn wir ständig den Fokus auf das haben was uns fehlt werden wir unglücklich. Das Leben der anderen scheint perfekt zu sein. Die Gesellschaft und die Werbung gaukeln uns vor dass was wir brauchen um glücklich zu sein sind ein tolles Haus, ein schickes Auto, den perfekten Körper, tolle Urlaubsziele und vieles mehr.

Erstens raubt uns der Fokus auf das Mangelnde die Energie zum Handeln. Wer permanent darauf starrt, was im eigenen Leben im Vergleich zu den polierten Fassaden anderer fehlt, landet schnell in einer Haltung der Hilfosigkeit oder dem Gefühl, ohnehin nie „genug“ zu sein. Wenn das Ziel (der perfekte Körper, das Traumhaus) unerreichbar scheint, gibt man oft auf, bevor man überhaupt angefangen hat.

Zweitens führt chronische Unzufriedenheit dazu, dass wir den Blick für den eigenen Ist-Zustand und die kleinen, realen Fortschritte verlieren. Entwicklung passiert nicht durch einen riesigen Sprung ins Perfekte, sondern durch viele kleine Schritte. Wer Erfolge nicht schätzen kann, weil sie im Vergleich zum Ideal immer noch zu klein wirken, entzieht sich selbst die Motivation, weiterzugehen. Statt aus eigener Überzeugung und eigenen Werten heraus zu wachsen, rennt man fremden Maßstäben hinterher – und verliert dabei die Orientierung für den eigenen Weg.

Fazit und Lösung

Veränderung scheitert selten am mangelnden Wollen, sondern meist an den unsichtbaren Hürden, die unser Gehirn, unsere Gewohnheiten und gesellschaftliche Prägungen uns in den Weg legen. Ob unkonkrete Ziele, die Angst vor dem Scheitern, der Sog der Sofortbelohnung oder der ständige Vergleich mit anderen – all diese Faktoren halten uns in alten Mustern fest und rauben uns die Energie für das, was uns wirklich wichtig ist.

Was wirklich Erfolg bringt, ist die Macht der Babyschritte. Kleine, minimale Veränderungen und Verbesserungen in Systemen statt überfordernder Großprojekte. Kleine, sicher erreichbare Ziele. Den ersten Schritt wagen und feststellen, dass es meist leichter ist als gedacht – und selbst kleinste Fortschritte wertschätzen. Genau so, wie man ein kleines Kind ermutigt und lobt, wenn es die ersten Schritte macht, selbst wenn es nur ein einziger wackliger Schritt war.

Wenn wir uns der Feinde der nachhaltigen Entwicklung bewusst sind und sie umgehen, kann es gelingen echte Veränderung anzustreben und auch zu erreichen.

Was ist dein persönlicher Feind deiner Entwicklung? Schreibe es gerne in die Kommentare.

Werde ich wieder ganz gesund?

Viele Jahre lang habe ich mich mit Händen und Füßen gegen meine Diagnose Schizophrenie gewehrt und wollte einfach nicht wahrhaben, dass ich nicht so belastbar bin wie andere Menschen. Ich hatte den Gedanken ich MUSS gesund werden und arbeiten! Wieder der Perfektionismus. Der führte die letzten Jahre dazu, dass ich immer wieder beruflich und in der Reha in die Überforderung gerannt und gescheitert bin. Ich war frustriert und enttäuscht dass es einfach nicht so läuft in meinem Leben wie ICH das gerne hätte.

Früher hatte ich große Erfolge mit meinem Impro und als Sänger und schaffe es (noch) nicht, diese wieder aufleben zu lassen und wieder auf mein altes Spielniveau zu kommen. Vielleicht werden diese Zeiten „nie“ wieder kommen? Schwer zu sagen. Es hilft nicht, sich unter Druck zu setzen.

Nun bin ich seit 3 Monaten im Therapeutikum in Heilbronn zur Langzeittherapie und arbeite in einem sicheren Rahmen Schritt für Schritt an meiner Belastbarkeit und habe gute Erfolge vorzuweisen. Aber: Ich sehe auch ein dass ich eine chronische psychische Erkrankung habe. Ich habe immernoch starke Ängste und Krisen alle 5 bis 6 Tage. Das geht nun seit Jahren so und geht vielleicht nie wieder weg. Zwar bleibe ich von schweren psychotischen Episoden verschont und bin „einigermaßen“ stabil, aber Unwohlsein und schlechte Gedanken begleiten mich jeden Tag. Das muss ich einfach akzeptieren.

Bis auf die Ängste läuft es eigentlich ganz gut. Ich habe in der Arbeitstherapie meinen Laptop dabei, mache Webdesign, neue Dokumente und schaue mir Videokurse an. Die letzte Stunde in der AT mache ich etwas handwerkliches zur Abwechslung, zur Zeit bastle ich eine Schachtel. Ich halte mich handwerklich für sehr unbegabt aber es macht trotzdem Spaß! Es ist eine schöne Ergänzung zu meinen digitalen Themen.

Ich habe eine gute Perspektive. Die Arbeitszeit wird schrittweise in einem angenehmen Tempo erhöht und ich habe die Zusage dass meine medizinische Phase um 3 Monate verlängert wird und danach eine berufliche Phase kommt. Dafür habe ich schon viele, konkrete und realistische Ideen. Auch mit der Freizeitgestaltung läuft es etwas besser. Ich mache jeden Tag meine Mental Health Stunde oder gehe 3 mal die Woche ins Fitness. Diese Woche war ein Mitpatient dabei mit dem ich mich angefreundet habe und vielleicht trainieren wir jetzt gemeinsam. Freitags machen wir Spieleabende mit meinem Lieblingskartenspiel „Munchkin“, wir sind eine lustige Runde und haben viel Spaß zusammen.

In der WG wird gemeinsam gekocht und gegrillt und diese Woche am Sonntag gehen wir ins Kino. Mit singen, Gitarre, Serien und Lesen habe ich weitere schöne Beschäftigungen.

Ich bin morgens sehr entspannt und motiviert und fahre gemütlich ins Thera. Dort ist immer der Start etwas holprig und ich muss manchmal etwas kämpfen und die Zähne zusammenbeißen damit ich den Tag schaffe. Ich bin dabei mich immer wieder trotz des Unwohlseins ins hier und jetzt zurückzuholen.

Das ist einerseits sehr unangenehm, aber gleichzeitig weiß ich, das nichts schlimmes passiert! Ich darf jederzeit in den Ruheraum, ich darf jederzeit mein Bedarfsmedikament nehmen, ich darf jederzeit nach hause, ich darf jederzeit in die Psychiatrie nach Weinsberg wenn es mir mal richtig schlecht gehen sollte. Das sind meine „Verteidigungslinien“.

Das ich ins Krankenhaus komme ist sehr unwahrscheinlich, ich habe die letzten 14 Wochen jeden Theratag gemeistert, kann immer gut schlafen auch wenn ich mal eine Krise habe und die Wahrscheinlichkeit ist hoch dass es weiter so laufen wird. Meine Ärzte und Betreuer sind angetan von meinen Plänen und Fortschritten und im Großen und Ganzen sitze ich fest im Sattel, trotz meines Ringens um Stabilität.

Da läuft trotz aller Erfolge immer (seit Jahren) ein Film mit, das Gefühl dass sich das Gehirn bedroht fühlt obwohl objektiv alles in Ordnung ist und es keine Gefahr für Leib und Leben gibt (ich nenne es „Abgrundgefühle“). In meinem Alltag habe ich ein sehr positives Selbstgespräch entwickelt dass mich zuverlässig durch den Thera-Alltag und meine Freizeit trägt. Blöde Gedanken, Gefühle und Ängste sind aber immer noch da. Und die werden auch nicht so schnell weg gehen. Ich habe Zeit!

Früher war es so, dass ich mir in guten Phasen sobald es etwas besser lief mir Termine reingeknallt habe und diese und jene große Idee verfolgte bis der nächste Dämpfer in Form einer Krise kam. Hier habe ich dazugelernt und weiß die „Thera-Basics“ und meine Alltagsstabilität haben Vorrang vor großen Träumen und Ideen. Meine Psychologin sagte immer „Lieber langsam und sicher, statt schnell und riskant“. Das möchte ich in Zukunft beherzigen.

Werde ich wieder ganz gesund (mein Motto lautet ja „Die Seele will gesund werden“)? Vielleicht nein! Aber das ist überhaupt nicht schlimm, denn das Leben ist immernoch lebenswert, auch MIT einer chronischen, psychischen Erkrankung. Ich genieße meinen Morgenkaffee mit Zigarette, habe Freude am Webdesign und Texte schreiben (wie diesen Blog), das gute Essen in der Kantine, das Training, das Lesen schöner Bücher, ich bin schmerzfrei, ich habe essen und trinken. Ich habe meinen Glauben, meine zuverlässige Technik und genug Geld auf dem Konto! Ich habe tolle Freunde im Thera gefunden und ich bin gut in die Patientengemeinschaft eingebunden. Ich habe eine berufliche Perspektive mit Webdesign oder dem Schreiben meiner Texte.

Alles Gründe sich zu freuen. Schizophrenie und Ängste hin oder her. Ich kann nicht alles machen was ich gerne würde und vielleicht muss ich noch eine ganze Weile mit Einschränkungen leben. Das ist OK! Mein Leben ist gut so wie es ist und ich finde es einfach „geil“ am Leben zu sein, noch lange auf dieser perfekten Erde leben und mich entfalten zu dürfen. Ich bin zuversichtlich und habe Vertrauen ins Leben.

Mein Ziel ist jetzt nicht mehr „100% gesund werden“ sondern „stabil bleiben“ und Freude am Leben haben! Dafür habe ich noch viel Zeit und werde jeden Tag besser – in meinem Tempo und ohne Druck. Genau darum geht es beim Begriff „Recovery“.

Wie steht es mit deiner Krankheitsakzeptanz? Ich freue mich über E-Mails und Kommentare.

„Die Seele will gesund werden“ in der Psychologie Heute

In der September-Ausgabe der Psychologie Heute wird mein Buch „Die Seele will gesund werden“ rezensiert.

Besonders gefreut hat mich, dass die Redaktion die Balance aufgreift, die mir beim Schreiben so wichtig war: Neben den schweren Momenten Raum für Lebenswillen, Alltagsstruktur und konkrete Hilfestellungen zu schaffen – auch für Angehörige.

Das Fazit der Redaktion: 💬 „Sowohl die Schwere seiner persönlichen Erfahrungen als auch der Lebenswille prägen sein Buch und dürften vielen Betroffenen Mut machen. […] Eine wichtige Lektüre für Betroffene und Angehörige.“

Herzlichen Dank an die Redaktion für die fundierte Besprechung! Das aktuelle Heft (09/2026) findet ihr ab sofort am Kiosk oder hier:

https://www.psychologie-heute.de/abo-shop/detailseite/44375-psychologie-heute-92026-aussen-stark-innen-zweifel.html

15 Minuten Body Scan

Was ist ein Body Scan?

Beim Body Scan – der „Körperreise“ – wanderst du gedanklich schrittweise von den Zehen bis zum Scheitel durch deinen Körper. Es geht nicht darum, Empfindungen zu bewerten oder krampfhaft Entspannung zu erzwingen, sondern schlicht wahrzunehmen, was im Moment da ist.

Auf YouTube gibt es viele tolle Body Scan Videos. Nun habe ich mein eigenes aufgenommen.

Wirkung & Nutzen

  • Gedanken beruhigen: Der Fokus auf körperliche Signale unterbricht das Grübeln und verankert dich im Hier und Jetzt.
  • Nervensystem regulieren: Die konzentrierte Ruhe hilft dem Körper, vom Stress- in den Erholungsmodus umzuschalten.
  • Körpergefühl stärken: Du lernst, mentale Verspannungen und Stresssignale früher zu erkennen.

Gönn dir eine kurze Pause, starte das Video und begleite die Übung Schritt für Schritt.

Sinnvolle Beschäftigung (RPK Update)

Liebe/r Leser/in,

ich bin nun in der 12. Woche meiner Langzeittherapie in Heilbronn und stelle seit einer Weile eine deutliche Verbesserung meiner mentalen Gesundheit fest. Seit längerer Zeit hatte ich keine Krise mehr – fast schon ungewohnt, aber eine sehr erfreuliche Abwechslung. Auch Außentermine wie Restaurantbesuche mit Freunden und der WG klappen weitestgehend ohne die Ängste, die ich von früher kenne.

Ein großer Baustein dafür ist positives „Denkfutter“ in meinem Kopf. Ich ertappe mich immer öfter dabei, wie ich Sätze denke wie:

  • Kein Stress, keine Gefahr.
  • Ich bin in Sicherheit.
  • In der Ruhe liegt die Kraft.
  • Alles ist gut, wie es ist.
  • Realität ist gut, wie sie ist.

Durch Neuroplastizität haben sich diese guten Gedanken mit der Zeit eingeschliffen und kommen immer öfter wie von selbst in mein Bewusstsein. Das Gehirn will schließlich ständig etwas denken – warum also nicht etwas Erbauliches? Auch das Summen oder Denken von Lieblingssongs ist eine tolle Strategie, um den Kopf auf sanfte Art zu beschäftigen.

Wenn du selbst in einem Umbau deiner Verfassung steckst, gilt: Hab Geduld! Es dauert ein paar Monate, bis die Gefühlswelt nachzieht. Bleib dran, langfristig spürst du eine Veränderung.

Die Ängste sind zwar noch nicht ganz weg, aber ich kann sie viel besser akzeptieren und mich stattdessen um meine Aufgaben kümmern.

Ich sitze oft in der Arbeitstherapie und denke „Ok, hier bin ich richtig um an mir zu arbeiten“, „Ich bin hier in Heilbronn auf der Erde und das ist gut so“, „was ist jetzt?“, „was kann ich sehen und anfassen?“. Ich versuche den Fokus weg von der Innenwelt zu bekommen und nach außen zu richten: „Ah, da ist der blaue Himmel“, „Da ist ein Auto“, „Aha, da ist ein anderer Mensch, wie sehen seine Schuhe aus?“. Auf dem Weg ins Thera sitze ich im Bus und denke „Ok, stinknormaler Alltag auf der perfekten Erde. Was brauche ich heute, damit es mir gut geht?“. Manchmal höre ich dazu meine Lieblingsmusik.

Oft führe ich einen kleinen Plausch mit meinen Mitpatienten, alle sind super nett. Der Vormittag ist strukturiert, ich mache jeden morgen meine Morgenroutine mit duschen, Frühsport, beten, frühstücken und fahre gemütlich mit dem Bus 10 Minuten ins Therapeutikum. Dort angekommen habe ich noch etwas Freizeit bis Therapiebeginn und sitze draußen im Café und trinke einen Kaffee und rauche eine Zigarette.

Der Start ist manchmal etwas holprig und die alten Ängste klopfen wieder an die Tür. Aber kein Problem, ich lebe damit und konzentriere mich auf meine Aufgaben, Schritt für Schritt! Meine Maßnahme dauert bis 15.11.26 aber es kommt vielleicht danach eine berufliche Phase. Dann wird es Zeit für Praktika und die Gelegenheit meine Belastbarkeit in einem realen Setting auszutesten.

Der Gamechanger: Eine sinnvolle Beschäftigung. Dieser Punkt ist für die langfristige Genesung extrem wichtig! In meinem Fall habe ich das Webdesign wiederentdeckt, das mir früher so viel Freude bereitet hat. Letzte Woche war ich im absoluten Designrausch und habe drei Webdesigns erstellt. Ich kann mich darauf hochfokussiert einlassen, die Zeit in der Arbeitstherapie vergeht wie im Fluge, und es ist eine super Übung für ein späteres Praktikum. Mein Tag füllt sich mit sinnvoller Arbeit, Sorgen treten in den Hintergrund.

Eine RPK (Rehabilitation psychisch Kranker) wird von der Rentenversicherung finanziert um psychisch kranke Menschen einen Weg zurück auf den ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Viele Menschen haben bemerkenswerte Fähigkeiten kommen aber mit Arbeit nicht mehr zu recht und kämpfen mit ihren Symptomen. Diese Form der Langzeittherapie ist für solche Menschen geeignet. Ich finde es großartig und bin dankbar dass die Rentenversicherung so viel Geld in mich investiert. Wenn du mit deinen Symptomen in einer Sackgasse steckst, gerne wieder arbeiten würdest aber noch nicht so leistungsfähig bist wie früher, vielleicht wäre so eine Maßnahme auch etwas für dich?

Ich für meinen Teil fühle mich hier sehr wohl und mache deutliche Fortschritte. Die vielen sozialen Kontakte in Thera und WG tun mir auch sehr gut. Wir sind eine gute Patientengemeinschaft, kochen viel zusammen und unternehmen etwas in unserer Freizeit.

Ein weiterer Anker ist die Achtsamkeit durch kleine Micro-Awareness-Inseln im Alltag:

  • „Ah, das ist der Boden, der mich trägt.“
  • „Wie schmecken eigentlich meine Haferflocken?“
  • „Da ist der blaue Himmel.“

Meine Reha ist nun zu etwa einem Drittel vorbei, und mein Protokoll belegt die Fortschritte: Seit zwei Wochen keine nennenswerte Krise und kein Diazepam nötig.

Wie ist es bei dir? Vielleicht passt eine Teilzeitarbeit aktuell nicht in deine Lebenssituation. Aber was könnte stattdessen deine Beschäftigung sein? Die Möglichkeiten sind vielfältig:

  • Origamis falten und auf Instagram stellen: Schult die Feinmotorik, bringt Ruhe durch repetitive Handgriffe und sorgt für kleine Erfolgserlebnisse.
  • Mandalas ausmalen oder Zeichnen: Senkt den Stresspegel und bietet sichtbare Ergebnisse ganz ohne Leistungsdruck.
  • Mini-Kräutergarten anlegen: Gibt eine sanfte, tägliche Struktur und erdet durch den Kontakt mit der Natur.
  • Gitarre spielen: Spricht andere Hirnareale an und vermittelt durch das Erlernen kleiner Passagen schnelle Fortschritte.
  • Strategie- und Aufbauspiele: Fordern das logische Denken und erlauben kreatives Gestalten in geschützter Umgebung.

Was hilft dir in schwierigen Phasen oder beim Abschalten? Schreib es mir gerne in die Kommentare!