
Seit ein paar Tagen habe ich heftige Rückenschmerzen. Ich habe einen Hexenschuss (Lumbago). Am Anfang konnte ich vor Schmerzen kaum aufstehen und mich nicht bücken, mich nur im Schneckentempo bewegen. Ich habe das erst ein mal als Tatsache akzeptiert und war froh dass es nichts ernstes ist. Dazu verbringe ich viel Zeit auf der Couch mit meiner Wärmeflasche. Kann man dem ganzen auch etwas positives abgewinnen? Warum nicht?
Wie wäre es wenn ich das Schneckentempo und die erzwungene Entschleunigung nutze um ganz bewusst die Langsamkeit zu genießen. Aufstehen, Laufen, Bücken – alles in Zeitlupe. Der Schmerz zwingt mich immer wieder in den Moment. Der Fokus kommt zurück von der Selbstreflektion ins hier und jetzt. Der Schmerz wird so zum Achtsamkeitslehrer. Die bewusste Bewegung wird zur Meditationsübung.
In den letzten Wochen war ich sehr fleißig und habe viel gearbeitet, am Buchmarketing und mit dem Schreiben neuer Fachartikel. Vielleicht hat der Körper „Stopp“ gesagt damit ich ganz bewusst das Tempo aus der gedanklichen Leistung rausnehme? Psychosomatik bedeutet nicht das der Schmerz „eingebildet ist“, aber die Ursachen liegen im Kopf.
Wenn wir uns beruflich überfordern und unter Dauerstress stehen, schüttet der Organismus verstärkt Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol aus, die den Grundtonus unserer Muskulatur massiv erhöhen. Besonders die tiefliegenden Rückenmuskeln geraten unter diese ‚Dauerspannung‘ und verhärten sich, bis bereits eine banale Alltagsbewegung ausreicht, um das Fass zum Überlaufen zu bringen und die schmerzhafte Blockade auszulösen. In diesem Sinne ist die akute Lumbago kein bloßer Defekt, sondern ein körperliches Veto gegen eine seelische Überlastung – eine erzwungene Vollbremsung, die uns unmissverständlich dazu auffordert, das Tempo zu drosseln und die Lasten, die wir uns (vielleicht unbewusst) aufgebürdet haben, kritisch zu hinterfragen.
Ich möchte mir heute ganz bewusst Selbstmitgefühl und Fürsorge schenken und nehme die Signale meines Körpers ernst. Ein neuer, „langsamer“ Tag beginnt und ich freue mich darüber, auch wenn ich Schmerzen habe.