Portrait von Chris Pascal Landwehr (Betroffener und Entwickler der mental health app „Aki“)

Ich habe Chris über seinen erfolgreichen Instagram Kanal leben.mit.paranoia entdeckt der mittlerweile etwa 480 Follower hat. Chris klärt auf über Schizophrenie und gibt als selbst Betroffener hilfreiche Tipps für Menschen mit dieser Diagnose. Schizophrenie, Paranoia und Psychosen sind Begriffe die für sehr viele Missverständnisse sorgen und viele Betroffene fühlen sich mit ihren Symptomen alleine gelassen. Wie auch ich mit meinem Blog und Buch engagiert er sich für psychisch kranke Menschen, macht ihnen Mut und leistet einen echten Beitrag zur Psychoedukation und Entstigmatisierung von Schizophrenie in unserer Gesellschaft.

Zudem hat Chris seine eigene Firma „Leben mit Paranoia“ gegründet und entwickelt gerade die vielversprechende mental health App „AKI“, die nach seinem schwarzen Kater Aki benannt ist. Hier folgt ein Portrait von Chris, seiner Geschichte und seiner Arbeit.

1) Kurz zu mir

Ich bin 27 Jahre alt und komme aus der Region Bielefeld (NRW). In meiner freien Zeit gehe ich viel spazieren, programmiere und betreibe meinen Instagram-Kanal „Leben mit Paranoia“.

2) Diagnoseweg

Erste Auffälligkeiten traten 2021 durch wahnnahe Gedanken auf, 2022 erfolgte die Diagnose. Der erste Schritt in Richtung Hilfe kam durch meine damalige Freundin, die mir spiegelte, dass etwas nicht stimmt, und mich aktiv beim Hilfeholen unterstützte. Der härteste Punkt – und zugleich die stärkste Lernquelle – war unsere Trennung Mitte 2025. Daran arbeite ich bis heute täglich.

3) Auswirkungen auf mein Leben

2020 verlor ich meinen Job. Von 2021–2023 versuchte ich in mehreren Branchen neu zu starten, hielt aber wegen geringer Belastbarkeit selten lange durch. Meine Beziehung litt, zudem geriet ich in eine starke Stimulanzien-Abhängigkeit, baute Schulden auf und vernachlässigte Termine, Rechnungen und Kontakte.

Heute erkenne ich Frühwarnzeichen deutlich früher, informiere mein Umfeld und betreibe aktive Psychoedukation – u. a. über meinen Kanal. 2024 startete ich eine schulische Ausbildung zum Chemisch-technischen Assistenten, musste sie krankheitsbedingt abbrechen.

4) Familie & Freunde

Ich habe einen kleinen, starken Freundeskreis (ca. vier enge Freunde) und meine Familie, die mich aufnahm, als ich Wohnung und Beziehung verlor. Mein Tipp an Angehörige: Stellt die erlebte Realität Betroffener nicht grundsätzlich in Frage. Sanft bleiben, nicht in Vorwürfe oder Grundsatzdiskussionen gehen – das hilft am meisten.

5) Medikamente

Ich nehme aktuell mehrere Medikamente (u. a. Antipsychotika/Antidepressiva). Sie helfen mir, Schübe und Stimmenhören zu stabilisieren. Nebenwirkungen wie Müdigkeit manage ich über Schlafrhythmus und Routinen – manchmal gelingt das besser, manchmal schlechter. Ich bin in laufender Behandlung bei einer Psychiaterin.

Hinweis: Das sind persönliche Erfahrungen, keine Therapieempfehlung.

6) Alltag heute

Frühwarnzeichen sind u. a. Gereiztheit, Grübeln oder wenn Kleinigkeiten gehäuft misslingen. Dann nutze ich Atemübungen und Bedarfsmedikation – frühzeitig intervenieren macht den Unterschied. Dazu: Spaziergänge, regelmäßige Treffen mit Freunden und offene Gespräche mit meinem Vater.

7) Was half am meisten?

  • Psychoedukation
  • Routinen und Struktur
  • Meine Instagram-Arbeit
    Mini-Tipp: Frühzeitig eine Vertrauensperson einbinden, wenn sich ein Engpass abzeichnet.
  • Freunde / Familie

8) Erfahrungen in der Psychiatrie/Entzug

Meine Entzugs-/Klinikerfahrungen waren sehr positiv: wertschätzende Pflege, ernst genommen werden, jederzeit ansprechbar. Dieses Erleben hat mich getragen.

9) Rolle von Instagram (~400 Follower)

Instagram ist mein Aufklärungs- und Erfahrungsraum: Ich teile Alltag, konkrete Tipps für Betroffene und Angehörige und mache Stigma sichtbar. Ziel ist, Orientierung zu geben und niedrigschwellig ins Gespräch zu kommen.

10) Meine Firma „Leben mit Paranoia“

  • Gründungs-Story: Es kam zur Gründung, da ich E-Books, PDF-Guides etc. veröffentliche und ich noch ganz viel weiteres geplant habe
  • Angebot/Leistung heute: Content, 1:1 Beratung, PDF-Guides, E-Books – Einfach für einander da sein.
  • Vision (5 Jahre): Messbare Ziele/KPIs – Reichweite, App-Adoption, Community-Programme
  • Mission-Statement (1 Satz): Meine Mission ist es das ganze Krankheitsbild zu entstigmatisieren und mehr Verständnis für Menschen mit Schizophrenie und Psychose zu schaffen

11) Projekt „Aki“

Die Idee kam durch den Kater „Aki“ meiner Ex-Partnerin: Er hat gespürt, wenn es mir schlecht ging – blieb, kuschelte, munterte auf. Das Prinzip „zugewandt, aufmerksam, stabilisierend“ übertrage ich in eine App.

Geplante Features:

  • Medikamentenplanung & Erinnerung
  • Stimmungs- und Symptomtracking
  • Tagebuch
  • weitere Module in Planung
    Zielgruppen: Betroffene, Angehörige, Fachpersonen.
    Timeline: Ursprünglich August 2026; aufgrund privater/organisatorischer Herausforderungen verschiebt sich der Start.
    Status: aktiv in Entwicklung; Fokus auf Datenschutz, Usability und alltagsnahe Stabilisierung.

12) Wie kann man mich unterstützen?

13) Meine Botschaft

Gebt euch nicht auf. Der Weg ist schwer und lang – und die Erkrankung bleibt ein Teil des Lebens. Entscheidend ist der Umgang: früh beraten/behandeln lassen, Medikation zuverlässig nehmen, Routinen leben und mindestens eine Vertrauensperson halten.

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