Äußere Ordnung, innere Ordnung

Ich war als Kind schon sehr unordentlich. Wenn ich gerade im Spiel vertieft war und meine Mutter mich zum Aufräumen ermahnte, gab ich mir Mühe anzufangen war dann aber kurz darauf wieder in das Spielen vertieft.

In den WGs in denen ich gewohnt habe war ich sehr unordentlich und eckte damit regelmäßig bei meinen Mitbewohnern an. Als ich 2006 eine Psychose in Ulm hatte wo ich studierte war mein Zimmer eine Katastrophe. Ich war regelrecht verwahllost und entsprechend fühlte ich mich auch im Inneren.

Heute weiß ich wie wichtig Ordnung ist, denn äußere und innere Ordnung hängen zusammen. Als meine Mutter Anfang 2024 bei mir zuhause zu Besuch war, sind wir wieder in unser altes Mama/Sohn Schema verfallen. Ich gab die Verantwortung für die Wohnung komplett ab – wie früher zuhause. Meine Mutter kümmerte sich um den Abwasch, das Essen, die Wäsche, saugte Staub und räumte auf. Zudem ermahnte sie mich immer wieder wenn ich Flecken an der Kleidung hatte. Ich verhielt mich wie ein Kind und deswegen wurde ich auch so behandelt. Was mich sehr ärgerte.

Irgendwann reiste meine Mutter ab und es hat Klick in meinem Kopf und ich bin jetzt sehr ordentlich. Es ist ganz einfach ein Schritt in ein erwachsenes Ich. Ich habe mir Hilfe bei jemandem aus meiner Gemeide gesucht so dass einmal eine gewisse Grundsauberkeit herrscht. Ich kümmere mich um die Wäsche, die Böden, wasche nach dem Essen sofort alles ab und räume die Bude auf.

Ein herrliches Gefühl, ich fühle mich nun viel wohler in meiner Wohnung und brauche mich nicht mehr zu schämen wenn Gäste kommen.

Halten auch Sie Ordnung in der Wohnung und es wird Ihnen psychsich viel besser damit gehen. Werden Sie erwachsen.

Die äußere Ordnung spiegelt oft den inneren Zustand wider. Wenn man innerlich unruhig, gestresst oder überfordert ist, kann sich das oft in Unordnung und Chaos im Haushalt manifestieren. Umgekehrt kann das Schaffen von äußerer Ordnung dazu beitragen, den inneren Zustand zu beruhigen und zu ordnen.

Eine ordentliche Wohnung reduziert Stress, fördert das allgemeine Wohlbefinden, erzeugt ein Gefühl von Kontrolle und Selbstwirksamkeit. Leben Sie in einer Partnerschaft oder Familie wo sich Ihr Angehöriger (Mutter, Vater) ihnen jede Arbeit abnimmt? Machen Sie sich und ihnen eine Freude und machen Sie möglichst viel im Haushalt mit. Putzen und aufräumen sind auch eine super Achtsamkeitsübung bei der Sie den Fokus weg von Ihrem Seelenleben hin zu einer sinnvollen Aufgabe lenken auf die Sie sich fokussieren können. Aufgaben zu erledigen ist ein tolles Gefühl.

Im Kloster wird nicht umsonst Sauberkeit oft als Ausdruck der inneren Reinheit und spirituellen Ordnung betrachtet. Die äußere Reinheit des Raums spiegelt die innere Reinheit des Geistes wider. Durch die Pflege einer sauberen Umgebung streben die Mönche danach, ihre spirituelle Disziplin zu fördern.

Ich muss nicht perfekt sein

Was ist Perfektionismus?

Haben Sie hohe Leistungsstandards und müssen alles perfekt machen? Setzen Sie sich unter hohen Erfolgsdruck, können nicht delegieren? Möchten Sie es den anderen beweisen? Sind sie ständig dabei sich zu optimieren um kulturelle Normen zu erfüllen?

Die Werbung, unsere Bekannten und Kollegen leben uns ein vermeintlich perfektes Leben vor. Haus, Partnerschaft, Auto, Statussymbole, perfektes Aussehen, gute Ernährung, Sport, tolle Urlaubsziele und so weiter. Die Gesellschaft erzeugt bei uns den Eindruck das Leben der anderen sei perfekt und unterbewusst streben wir diesen Idealen nach. Wir vergleichen den SOLL mit unserem IST Zustand und sind chronisch unzufrieden.

Viele Menschen neigen zum Perfektionismus. Dieser treibt uns an erstklassige Leistungen abzuliefern, wogegen ja nichts einzuwenden ist – schließlich wollen wir etwas im Leben erreichen. Aber mit welcher Motivation? Aus reiner Freude an der Arbeit und am Ergebnis? Das gute Gefühl etwas gut zu können? Die Freude daran, die Welt zu einem besseren Ort zu machen? Oder wollen wir nur anderen Menschen (Eltern, Partner, Kollegen, Lehrer, Freunde, Bekannte) etwas beweisen? Das kann ein Problem sein und viel unnötiges Leid verursachen, wie ich in meinem Leben schmerzlich erfahren musste.

Mein Perfektionismus

Ich setze mich mein Leben lang schon unter einen sehr hohen Erfolgsdruck und habe den tief sitzenden Glaubenssatz etwas leisten zu müssen und nicht gut genug zu sein. Die Ursachen liegen in meiner Kindheit und Jugend. Ich erinnere mich an eine Szene mit meinem Vater in der ich herumgeturnt bin und stolz sagte “Kuck mal was ich kann!” Meinem Vater fiel nichts besseres ein als zu sagen “Eigenlob stinkt”. Auch in der Schule wurde ich schwer gemobbt und auch Freunde und Cousins behandelten mich mies. Ich wusste mich nicht zu wehren und meine Grenzen zu schützen, das hatte ich nicht gelernt zuhause. Ich hatte den Eindruck bekommen dass Aggression verboten ist. Durch diese Erlebnisse hat sich der Glaubenssatz “Ich bin nicht gut genug” eingeprägt.

Als ich mich für das Medieninformatikstudium entschied stand ich unter enormen Erfolgsdruck. Ich habe mich durch die Mathematikvorlesungen gequält und entwickelte einen großen Ehrgeiz. Schließlich schaffte ich durch den enormen Druck den ich mir machte trotz Schizophrenie mein Studium und lieferte große Leistungen ab. Aber in diesem Prozess hat meine Seele gelitten und ich bekam während des Studiums 2006 meine erste Psychose. In meinem Beruf als Softwareentwickler ging der Stress genauso weiter. Es gab Überstunden und Wochenendarbeit. Ich biss mich weiter durch weil ich dachte ICH MUSS, um (vielleicht meinen Eltern) zu beweisen dass ich etwas kann und dass ich etwas wert bin. Ich hatte und habe teilweise immer noch ein niedriges Selbstwertgefühl und dieses ist die Keimzelle des Perfektionismus. Es ist die Sucht nach Anerkennung anderer Menschen die wir in Familie und Jugend nicht bekommen haben. Warum habe ich mir das jahrzehntelang angetan? Rückblickend ist es kein Wunder dass ich viele Monate meines Lebens in Krankenhäusern verbrachte.

Später während meines Studiums hatte ich große Freude am Improtheater und an der Musik. An der Hochschule der Medien hatte ich viele glückliche Jahre und ich hatte eine langjährige wundervolle Beziehung. Da hat sich sehr viel Selbstvertrauen aufgebaut und an meinen Auftritten mit Theater, Gitarre und Gesang hatte ich große Freude. Ich war glücklich. Das Studium war weiterhin stressig, aber ich blühte auf. Dann hatte ich eine längere Pause vom Improtheater (durch die Psychosen) und versuchte später in der Nachfolgegruppe “Otter im Glashaus” Fuß zu fassen und wieder auf mein altes, hervorragendes Spielniveau zu kommen. Das hat manchmal funktioniert und wir hatten auch tolle Jam Sessions bei mir zuhause mit meinen Theaterfreunden. Ich habe auch versucht bei mehreren Metalbands als Sänger unterzukommen.

Aber in den Proben hatte ich oft sehr große Ängste. Mir war bewusst dass ich nicht in Gefahr bin aber die Ängste kamen trotzdem. Ständig lief ein Film in meinem Kopf “Ich kann nicht mehr, ich muss absagen, ich muss nach hause, ich habe Angst”. Manchmal hielt ich durch, manchmal ging ich tatsächlich früher nach hause und war sehr enttäuscht von mir, diese Gedanken vermiesten mir das Impro und die Musik an denen ich früher so viel Freude hatte. Ich hatte unbewusst Angst, nicht gut genug zu sein, einen Blackout zu bekommen, zu scheitern, abgelehnt zu werden, kein Teil der Gruppe zu sein, nicht gemocht zu werden. Mit meinem persönlichen Perfektionismus hängt auch eine soziale Phobie und ein geringes Selbstwertgefühl zusammen

Perfektionismus überwinden

Ich habe akzeptiert und reflektiere, wo mein Perfektionismus herkommt und was er in meinem Leben angerichtet hat. Das zentrale Problem an dem ich arbeiten will ist der Glaubenssatz “ich bin nichts wert”. Ich möchte daran arbeiten Fehler machen zu dürfen. Gerade im Impro habe ich gelernt dass Scheitern erlaubt ist. Die Erlaubnis zu Scheitern, zu versagen, einen Blackout zu bekommen ist sehr befreiend. Sie sind auf einer Bühne um eine Rede zu halten, bekommen einen Blackout und verlassen fluchtartig das Podium? Davon geht die Welt nicht unter! Es sagt nichts über Ihren Wert als Mensch aus! Und es muss Sie nicht jeder mögen. Ich habe vor kurzem den netten Satz gehört “Am Arsch führt auch ein Weg vorbei”. Zudem ist es so dass 10% aller Menschen Sie einfach nicht mögen, weil ihnen Ihre Nase nicht passt. Dass ist aber ein Problem dieser Menschen und nicht Ihres!

Akzeptieren Sie dass, Sie ein Mensch sind und Menschen machen Fehler. Das ist völlig ok, denn aus Fehlern lernt man. Es ist ein ganz natürlicher Lernprozess. Sie müssen nicht alles richtig machen um sich etwas zu beweisen. Als ich heute morgen im Frühsport war versuchte ich die Bewegungen der Übungsleiterin perfekt zu kopieren weil ich es unbedingt richtig machen wollte. Wieder der Leistungsdruck. Dann dachte ich “Moment – ich muss nicht perfekt sein”, daraufhin entspannte ich mich und konzentrierte mich einfach auf die Freude an der wohltuenden Bewegung.

Wenn Sie arbeiten, sich weiterentwickeln oder einem Hobby nachgehen, sie müssen es nicht perfekt machen. “Sehr gut” ist völlig ausreichend. Wollen Sie sich mehr bewegen, sich anders ernähren, ein guter Vater oder Mutter sein? Machen Sie 80% richtig. Befreien Sie sich vom Leistungstunnel in dem Sie stecken und lassen auch mal fünfe gerade sein. Achten Sie auf regelmäßige Entspannung (siehe auch diesen Artikel: Richtig entspannen) und kultivieren Sie eine Einstellung von Selbstmitgefühl. Verabschieden Sie sich von den alten Glaubenssätzen und sagen sich so oft wie möglich:

“Ich bin OK”

Ein weiterer wichtiger Punkt der mit Perfektionismus zusammenhängt, ist es sich zu viel vorzunehmen und zu viele Baustellen zu haben. Ich habe viele Hobbies und Interessen die ich am liebsten alle gleichzeitig und am liebsten perfekt machen wollte. Ich hab das Problem schon mein Leben lang: Sobald es mir etwas besser geht fange ich an Pläne zu schmieden und mich maßlos zu überfordern, nehme noch dieses und jenes Projekt an, weil ich nichts verpassen und so hochgesteckte Ziele erreichen wollte, weil ich (mal wieder) dachte, ich MUSS. Nach der Tagesklinik aus der ich Anfang 2024 entlassen wurde habe ich den perfekten Tagesplan für meine Tagesstruktur erstellt, der komplett voll und von morgens bis abends durchstrukturiert war. Ich wollte mich sogar “perfekt” entspannen. Das konnte nur schief gehen und dass Ende vom Lied war dass ich stundenlang auf der Couch versumpfte und enttäuscht von mir war dass ich meinen perfekten Plan nicht geschafft habe und genau deswegen ist Perfektionismus so problematisch.

Ich habe in der letzten Krise gelernt realistisch zu sein. (siehe auch Krise als Chance) Es ist wichtig Prioritäten zu setzen und sich von manchem Baustellen zu trennen, auch wenn es schwer fällt. Manche Träume muss man aufgeben damit man Zeit und Fokus und Energie für die zwei oder drei Projekte zu haben die einem wirklich am Herzen liegen und unseren Werten entsprechen (siehe auch “Der Wertekompass“).

Manche Aufgaben und Herausforderungen die an uns herangetragen werden dürfen wir ablehnen. Wenn Sie sich zu viel vornehmen und alles schaffen wollen und denken ICH MUSS ICH MUSS ICH MUSS ist das ein Rezept für einen Burnout oder eine Psychose. Tun Sie sich dass nicht an und schalten Sie einen Gang runter. Niemand ist perfekt! Sehr gut ist völlig ausreichend.

Richtig entspannen

Stellen Sie sich Ihren Körper wie ein wertvolles Auto vor an dem Sie Ihre Freude haben. Er trägt Sie durch ihr ganzes Leben und will gut gepflegt werden. Wenn Sie nicht regelmäßig das Öl wechseln und alle Warnlämpchen ignorieren dann geht das Auto irgendwann kaputt.

Regelmäßige Entspannung ist für alle Menschen und insbesondere für Menschen mit Schizophrenie essenziell. Wer kurz vor einem Burnout oder einer Psychose steht hat in der Regel verlernt sich zu entspannen.

Hier gibt es aber etwas wichtiges zu beachten. Wenn Sie nur auf der Couch versumpfen und grübeln dann ist das keine Entspannung sondern schädlich für Ihre Gesundheit!

Daher sollten Ruhephasen zeitlich begrenzt sein. Stellen sie sich einen Timer auf eine Stunde und machen Sie es sich bequem. Wenn sie mögen zünden sie eine Kerze, ein Weihrauchstäbchen oder eine Duftlampe mit ätherischem Öl an. Machen Sie es sich so richtig gemütlich und signalisieren jetzt Ihrem Körper dass es Zeit für Entspannung ist. Legen Sie sich auf Ihr Sofa oder ihr Bett und schließen Sie die Augen. Lassen Sie etwas Musik laufen die beruhigt und gut tut. Ich empfehle Regengeräusche, Klassik wie Bach oder Mozart, leichten Jazz oder Blues, Meditationsmusik oder elektronische chillout Musik. Wichtig, wenn sie gedanklich abdriften holen Sie sich immer wieder zurück zu Ihrem Atem oder die Musik.

Was Sie auch tun können ist (visuell) an schöne Erlebnisse zu denken und sich auszumalen was sie noch alles schönes erleben werden so als fände es im jetzt statt. Sie können sich auch Ihren sicheren Ort vorstellen. Hier ist ihre Fantasie und Vorstellungskraft gefragt. Wenn es mit den guten Gedanken noch nicht so recht klappt und sie anfangen zu grübeln, dann bleiben Sie lieber bei Ihrem Atem, erspüren Ihren Körper und hören Sie immer wieder ganz bewusst auf die Musik. Holen Sie sich immer wieder freundlich zu Ihrem Atem zurück so als würden Sie meditieren.

Wenn Sie sich noch tiefer entspannen wollen können Sie auch einen geführten Bodyscan machen oder eine progressive Muskelrelaxation. Audioführungen zu diesen Techniken und zu Millionen von Musiktiteln finden Sie auf der App “Spotify”.

Genießen Sie die wohltuende Ruhe und laden Sie Ihre Batterien auf für neue Herausforderungen.

Achtsame Spaziergänge

Ein Spaziergang ist eine sehr simple, niederschwellige Aktivität die man in jeder Gemütslage unternehmen kann.

Die körperliche Aktivität, das aktivieren der Muskeln ist gut für Ihr allgemeines Wohlbefinden und reduziert Stress.

Es bringt aber nicht so viel wenn Sie sich dabei in Gedanken verlieren und in Grübelschleifen verfallen. Nutzen Sie Spaziergänge als Achtsamkeitsübung. Was können Sie sehen? Wie fühlen sich die Schritte auf dem Boden an der Sie trägt? Beobachten Sie die Bäume, lauschen Sie den Vögeln, freuen Sie sich über die Sonne oder genießen das leise Rieseln des Regens. Grü´ßen Sie die anderen Spaziergänger freundlich oder loben Sie ihre hübschen Hunde die sie Gassi führen. Manchmal ergeben sich auch kurze Gespräche. Gehen Sie langsam und gemütlich. Genießen Sie die frische Luft und staunen Sie darüber wie perfekt die Natur geschaffen ist. Beobachten Sie die Vögel, die Wolken, die Felder und vor allem die Blumen, wenn Sie an einer Rose vorbeikommen schnuppern Sie daran und genießen ihren Duft. Wenn Sie mental abdriften (und das wird mit Sicherheit passieren) holen Sie sich immer wieder freundlich in Ihren achtsamen Spaziergang zurück. Pfeifen Sie eine Melodie die Sie mögen oder wenn Sie wollen singen Sie leise oder sogar laut wenn gerade niemand da ist der sich erschrecken könnte.

Manche Menschen haben beim spazieren gehen kreative Ideen, positive Zukunftspläne oder klären ihren Geist.

Wenn Sie einen Wald in der Nähe haben, besuchen Sie diesen und atmen die frische Luft ein und beobachten Sie die Bäume und Tiere. “Forrest bathing” ist sogar eine anerkannte Therapieform die der Seele nachweislich gut tut. Setzen Sie sich eine Weile auf eine Parkbank und lassen Sie die Seele baumeln. Beobachte Sie die Jogger, die Menschen mit Hunden und sehen Sie das Licht in ihnen.

Sie können sich auch mit einem Angehörigen auf den Weg machen und eine angeregte Unterhaltung an der frischen Luft führen.

Wenn Ihnen mal wieder die Decke auf den Kopf fällt, machen Sie einfach einen achtsamen Spaziergang und laden Ihre Batterien auf.

Krisentasche

Es gibt Situationen im Leben mit Schizophrenie in denen wir trotz unserer Bemühungen abdriften und es kommt zu einem Rückfall. Das gehört leider dazu, wenn Sie es nicht mehr schaffen holen sie sich Hilfe, notfalls im Krankenhaus. Aber gehen Sie rechtzeitig in die Klinik und warten sie nicht bis Symptome Überhand gewinnen.

Sehr wichtig und hilfreich ist die sogenannte “Krisentasche”.

Kaufen Sie sich einen Rucksack und füllen ihn mit Sachen die sie für die ersten Tage in der Klinik brauchen.

Meine Liste sieht so aus:

  • Zweites Ladegerät fürs Handy
  • Eine Liste mit Kontaktnummern ihrer Angehörigen (falls sie ihr Handy verlieren)
  • ausreichend Zigaretten (wenn Sie Raucher sind)
  • 3 paar Socken, 3 Unterhosen, 3 T-shirts und eine Jogginghose
  • ein Handtuch
  • Duschgel, Deo und Shampoo
  • Eine Zahnbürste, Zahnpasta und einen Zahnputzbecher
  • Ein Notizbuch und einen Stift

Die Krisentasche gibt Ihnen Sicherheit für Notfälle und es tut gut zu wissen das man jederzeit darauf zurückgreifen kann.

Psychiatrieaufenthalte meistern

Ok, Sie haben entschieden sich Hilfe zu holen und sind in der Psychiatrie. Gut gemacht! Vielleicht haben Sie auch Angehörige dazu überredet oder Sie sind mit der Polizei eingewiesen worden.

Warum auch immer Sie hier sind, am Anfang steht immer die Krankheitseinsicht. Akzeptieren Sie dass Sie ein Problem haben und Hilfe brauchen. Die Psychiatrie ist kein schöner Ort, aber manchmal machen akute Krisen einen Aufenthalt notwendig, bevor etwas passiert. Hier sind einige Tipps wie Sie einen Aufenthalt in der Psychiatrie meistern, keine Sorge – es wird Ihnen bald besser gehen:

Ankommen

Kommen Sie erst mal in Ruhe an. Am Anfang, gerade wenn die Krise noch frisch ist wirkt alles sehr unheimlich. Vor allem die Mitpatienten können einen grusligen und beängstigenden Eindruck machen. Hier mein Tipp: Stellen Sie sich vor Sie sitzen in einer Geisterbahn. Sie sehen furchteinflößende Dinge, aber Sie sind sicher in Ihrem Waggon und es kann Ihnen nichts passieren. Sie können sicher sein dass diese Fahrt auch irgendwann mal vorbei ist und sie nach Hause kommen. Akzeptieren Sie zunächst, dass Sie im Krankenhaus sind und nun eine geschützte Umgebung haben in der Sie zur Ruhe kommen und Ihre Probleme in den Griff bekommen können. Wenn Sie alles richtig machen werden Sie nach dem Aufenthalt deutlich stärker herauskommen als Sie es vorher waren.

Machen Sie sich mit Ihrem Zimmer vertraut und wenn Sie eine Tasche dabei haben (zum Beispiel eine Krisentasche) packen Sie alles aus und deponieren es in Schränken und Nachtkästen. Alles sollte aufgeräumt und immer an seinem Platz sein.

Schnaufen Sie erst mal durch und legen sich kurz hin und ruhen sich vom Stress der letzten Tage und Stunden erst mal aus. Danach erkunden Sie die Station.

Wenn Sie ein Handy dabeihaben kontaktieren Sie Freunde und Angehörige

In Psychiatrien wird manchmal geklaut, geben Sie Ihren Geldbeutel und sonstige Wertsachen bei der Pflege ab, dort sind sie sicher. Seien Sie aber auch nicht zu paranoid dass jemand Sie bestehlen will.

In der Regel bekommen Sie am ersten Tag ein Aufnahmegespräch mit dem Stationsarzt. Reden Sie sich alles von der Seele was Sie erlebt haben und was in Ihrem Kopf vorgeht. Sie können dem Arzt vertrauen.

Räumlichkeiten

Machen Sie sich mit den Räumlichkeiten vertraut, Ihr Pfleger wird Ihnen alles zeigen. Merken Sie sich wo Ihr Zimmer, die Küche, die Toiletten und der Raucherbereich (wenn Sie rauchen) sind.

Ordnung

Alles sollte an seinem Platz sein und ihr Zimmer, Schrank und Nachtkasten aufgeräumt. Bringen sie leere Flaschen und Tassen in die Küche und stellen Sie die Tassen in die Spülmaschine. Hinterlassen Sie Toiletten immer sauber und waschen sich die Hände mit Seife.

Pflegepersonal

Die Pfleger sollen dafür sorgen dass es Ihnen bald besser geht. Wenn Sie sich unwohl fühlen fragen Sie einen Pfleger ob er oder sie gerade Zeit für ein Gespräch hat. Versuchen Sie sich nach und nach alle Ihre Namen einzuprägen, sie können mehrmals nachfragen. Folgen Sie immer den Anweisungen des Personals und verweigern Sie keine Medikamente (das klären Sie mit Ihrem Arzt) oder Blutdruckmessungen, EKG und Blutabnahmen, die müssen Sie geduldig über sich ergehen lassen. Es passiert nichts schlimmes.

Personal in Psychiatrien ist oft überlastet und gestresst, zeigen Sie sich verständnisvoll. Wenn Sie etwas haben wollen, zum Beispiel einen Termin beim Psychologen oder eine Therapie dann fragen Sie ruhig mehrmals nach bis Sie es bekommen. Manchmal vergessen die Pfleger sich um etwas zu kümmern. Wenn Sie sich einmal ungerecht behandelt fühlen regen Sie sich nicht auf, drohen mit dem Anwalt oder werden laut oder aggressiv – das wird Ihnen nichts nützen, es ist nicht konstruktiv. Seien Sie geduldig wenn gerade mal jemand keine Zeit hat oder gerade mit einem anderen Patienten beschäftigt ist.

Arztgespräche und Visiten

Ganz wichtig: Vertrauen Sie den Ärzten und lügen Sie sie niemals an. Wenn Sie schlechte Gedanken haben, kommunizieren sie möglichst offen. Die Ärzte können nicht in Ihren Kopf schauen und sind darauf angewiesen dass Sie möglichst gut artikulieren können was sich in Ihrem Kopf gerade abspielt. Das ist wichtig damit die Psychiater Ihnen möglichst gut helfen können. Verschweigen Sie nichts weil Sie sich dadurch einen Vorteil, zum Beispiel bei Ihrer Ausgangsregelung versprechen.

Manche Ärzte sind sympathischer manche weniger, aber sie sind dazu da dass es Ihnen besser geht. Es sind Profis die schon sehr vielen Menschen geholfen haben und entsprechend ausgebildet sind.

Auch die Namen der Ärzte müssen Sie sich gut merken.

Sie brauchen keine Angst vor der Visite zu haben. Machen Sie sich klar dass das Personal dazu da ist Ihnen zu helfen. Wenn Sie sehr nervös sind machen Sie sich Notizen vor der Visite damit Sie nichts wichtiges vergessen was Sie besprechen wollen.

Medikamente

Sie entscheiden am Ende was Sie schlucken wollen. Besprechen Sie Ihre Medikation in der Visite und verhandeln Sie auf Augenhöhe ob und wie die Medikation angepasst werden soll. Sehen Sie die Vorschläge der Ärzte als Empfehlung und argumentieren Sie wenn Sie anderer Meinung sind. Sie sind für Ihre Gesundheit verantwortlich und die Ärzte sollen Sie dabei unterstützen. Werden Sie ein Team mit Ihren Betreuern welches als Ziel Ihre Genesung hat. Das ist die richtige Einstellung.

Therapien

Lassen Sie es langsam angehen und fügen Therapien nach und nach zu Ihrem Wochenplan dazu. Therapien sind für Ihren Genesungserfolg sehr wichtig, insbesondere die sportlichen. Wenn Frühsport angeboten wird, nehmen Sie diesen unbedingt wahr. Zwingen Sie sich wenn Sie keine Lust haben, es lohnt sich. Kunst, Musik und Gesprächsgruppen helfen Ihnen weiter an sich zu arbeiten.

Mitpatienten

Eine gute Patientengemeinschaft kann eine große Hilfe sein. Merken Sie sich die Namen und stellen Sie sich vor. Schätzen Sie ein wer Ihnen gut tut und wer nicht, stellen Sie Fragen und beginnen Gespräche, aber (wichtig!) achten Sie darauf dass Sie genügend Energie dafür haben. Manche Menschen tun einem nicht gut oder sind zu krank oder unsympathisch. Machen Sie einen Bogen um diese Menschen und ignorieren Sie sie. Wenn sie jemand zutextet, sagen sie unbedingt (!) “Stopp ich will grad nicht reden” oder “Tut mir leid aber ich brauche jetzt gerade etwas Ruhe”, wenn dass nicht hilft verlassen Sie unbedingt die Situation und wenn das auch nicht klappt wenden Sie sich an einen Pfleger wenn man sie nicht in Ruhe lässt. Sie dürfen jederzeit Stopp sagen und jemanden verärgern oder enttäuschen, ihr Wohlbefinden hat oberste Priorität. Versuchen Sie nicht es allen recht zu machen und hören weiter zu obwohl Sie sich unwohl fühlen.

Ich habe in der Psychiatrie sehr wertvolle und tolle Menschen kennengelernt. Wenn Sie jemand besser kennenlernen können Sie die Nummern austauschen, die meisten Kontakte versanden mit der Zeit aber aus manchen entstehen wunderbare Freundschaften. Suchen Sie sich Mitstreiter auf Ihrem Weg in die geistige Gesundheit.

Es tut gut sich mit anderen über Probleme auszutauschen und ein bisschen zu tratschen. Sie können nach Beruf, Familie, Diagnose, Hobbies und Zukunftsplänen fragen. Dadurch können interessante Gespräche entstehen. Fragen Sie Ihre Klinikfreunde wie es ihnen gerade geht, falls sie genug Energie haben mit einer negativen Antwort umzugehen. Reden tut gut, kostet aber auch ein bisschen Energie. Wenn es anstrengend wird ziehen Sie sich zurück. Lassen Sie sich nie von der Negativität oder Aggressivität mancher Patienten runterziehen.

Manche Patienten sind sehr schwer krank, aber Sie können und müssen nicht allen helfen. Versuchen Sie sie in Ihrem Leid zu anzunehmen wie sie sind und bauen Sie einen Schutzschild auf der allzu negatives nicht an Sie heranlässt. Stellen Sie sich eine unsichtbare Wand um Ihren Körper vor an der alles abprallt. Wird jemand laut oder aggressiv oder es gibt Streit, verlassen Sie die Situation und ziehen sich zurück, sie können den Stress gerade nicht gebrauchen.

Wenn Sie andere Patienten beobachten versuchen Sie immer dass leuchtende Licht in ihnen zu sehen welches jeder Mensch hat auch wenn er krank ist. Im Yoga sagt man “Namaste”, das bedeutet “Mein inneres Licht grüßt dein inneres Licht”

Manche Patienten wollen Ihnen Geschenke machen um Einfluss über Sie zu gewinnen. Andere freuen sich darüber Kaffee oder Süßigkeiten mit Ihnen zu teilen was sie bedenkenlos akzeptieren können. Hier ist Ihre Menschenkenntnis gefragt.

Partnerschaften

Man sollte als Patient lieber vermeiden, eine tiefe Beziehung mit einer Person des anderen Geschlechts einzugehen. Diese Beziehungen gehen meistens schief, weil es nicht gut ist, wenn in einer Partnerschaft beide seelisch beeinträchtigt sind. Das geht nie gut. Zwei Ertrinkende ziehen sich immer gegenseitig runter. Freundschaft ist ok, aber Partnerschaft ist meistens nicht so gut.

Engelsgeduld

Sehen Sie den Psychiatrieaufenthalt als Chance Geduld zu üben und an sich zu arbeiten, so als seien Sie in einem Kloster, Ashram oder Retreat. Seien Sie geduldig vor allem mit sich, mit der Pflege, mit dem Essen, wenn es Ihnen nicht gut geht oder wenn Sie sich einfach im Aufenthaltsraum sitzen und sich ein bisschen langweilen und die Zeit mal wieder langsam vergeht. Seien Sie geduldig wenn Sie auf den Arzt oder den Besuch warten. Geduld ist die allerwichtigste Tugend die sie zur Genesung brauchen.

Rauchen

Mir ist bewusst dass das Entspannungsgefühl beim Rauchen eine Illusion des Suchthirns ist und es sehr schädlich und teuer ist. Aber für mich habe ich festgestellt dass die Pausen mit Zigaretten leider helfen. Ich sage es nicht gerne, aber in der Psychiatrie aufhören zu wollen ist keine gute Idee. Ich würde eher raten genau so viel zu rauchen wie immer. Aufhören können Sie, wenn Sie mehrere Wochen stabil sind und sich zuhause und in Ihrem Leben wieder zurechtfinden. Viele Patienten sind Raucher und haben keinen Ausgang oder Geld für die Kippen. Sie können nach Sympathie entscheiden wem Sie Zigaretten geben wollen und wem nicht. Sie dürfen ruhig auch Nein sagen. Geben Sie Menschen die nicht regelmäßig ohnehin schon rauchen keine Zigaretten und ermutigen Sie sie stattdessen, es ohne zu versuchen.

Wenn Sie nicht rauchen, seien sie froh und fangen sie bloß nicht damit an!

Krise als Chance

Ich habe es in diesem Blog schon mehrmals wiederholt. Eine Krise ist eine Chance zum Wachstum. Die letzten 2 bis 3 Jahre bin ich viel auf der Couch versumpft und habe gegrübelt, obwohl ich wusste das es mir nicht gut tut. Ich hatte Impulse wie:

  • ich könnte einen Tee trinken
  • ich könnte einen Spaziergang machen
  • ich könnte singen
  • ich könnte was essen
  • ich könnte eine Serie schauen

Aber ich bin trotzdem liegen geblieben und habe es vorgezogen zu grübeln. “Hat damit zu tun dass bla, bla”, “damals hätte ich doch lieber bla bla”, “mir gehts nicht gut weil bla bla”.

Ich dachte, ich bin zu müde, ich kann nicht, ich habe keine Lust und das trügerische: “ich muss mich ausruhen”.

Es spricht nichts dagegen sich auszuruhen, aber sobald Sie in Grübelschleifen verfallen müssen (!) Sie aufstehen und sich ablenken.

Als ich letztes Jahr in der geschlossenen Abteilung war, war ich am psychischen Abgrund und dachte ich komme hier nie wieder raus. Ich habe dort Patienten getroffen die schon seit Jahren dort und sehr schwer krank sind. Aber dort stand ein Fahrradergometer auf dem ich mich auspowern konnte und ich habe jeden morgen eine Frühgymnastik gemacht. Ich wusste dass es um mein psychisches Überleben geht also war ich “gezwungen” mit Sport anzufangen, denn wenn man ganz unten ist, ist der Überlebenswille stärker und ermöglicht Veränderung und mit der Zeit habe ich das beibehalten und ausgebaut. Jetzt mache ich gerne und regelmäßig Sport wozu viele Menschen sich nicht aufraffen können. Ich kann mich nun aufraffen denn in der Klinik “musste” ich es um zu überleben. Das sind harte Lebenslektionen die ich lernen musste um als Mensch zu wachsen und im Rückblick bin ich sogar dankbar dafür. Und genau deswegen ist eine Krise immer eine Chance.

In meiner letzten Krise habe ich gelernt, nicht mehr so viel im Bett zu liegen und zu grübeln. Grübeln ist das Schlimmste was man tun kann und ich habe das jahrzehntelang falsch gemacht. Ich sah mich in der aktuellen Krise “gezwungen” mich abzulenken statt ins Bett zu gehen tagsüber. Ich habe einen Impuls was mir gut tun könnte und dann folge ich diesem Impuls (zbsp. singen, einen Tee trinken, ein Buch lesen, Tagebuch schreiben, fernsehen und so weiter). Wenn Sie keine Lust haben müssen Sie sich leider zwingen, es geht um Ihre Gesundheit. Lassen Sie nicht Faulheit oder Angst Ihr Verhalten diktieren und lenken Sie sich ab.

Das Bett sollte nur zum Schlafen da sein. Wenn sie lesen oder Filme schauen wollen setzen Sie sich lieber mit ihrem Handy, Buch oder Laptop in die Küche oder in den Aufenthaltsraum, oder wenn Sie einen Tisch haben in ihrem Zimmer.

In der Psychiatrie können Sie lernen für sich zu sorgen und können entdecken was Ihnen gut tut. Psychische Gesundheit ist ein Mosaik von vielen verschiedenen Einzelteilen mit all den Dingen die Ihnen gut tun und diese Ressourcen müssen sie aktivieren und pflegen so wie man sich als Gärtner um seinen Garten kümmert damit er Freude daran hat und darum geht es. Sie werden bald die Früchte ernten.

Seelsorge

In manchen Kliniken können Sie Termine mit einem Seelsorger vereinbaren, Sie müssen dafür nicht gläubig sein. Er hört Ihnen zu und sie können sich alles von der Seele reden was Ihnen durch den Kopf geht auch wenn es unangenehme Gedanken sind. Reden hilft.

anderen helfen

Helfen Sie anderen Patienten nur (!) wenn Sie gerade Energie dafür haben, wenn Sie sich unwohl fühlen machen Sie lieber etwas anderes was Ihnen gut tut. Seien Sie egoistisch.

Gesellschaftsspiele

Je mehr Ablenkung desto besser. Sie nehmen den Fokus weg von Ihrer Gedankenwelt und Sie können sich auf ein Spiel mit ihren Mitpatienten konzentrieren.

Aktivitäten

Hier ist eine Liste mit Aktivitäten mit denen Sie sich beschäftigen können (von chat gpt)

  1. Lesen von Büchern, Zeitschriften oder Comics
  2. Hören von Musik oder Hörbüchern
  3. Malen oder Zeichnen
  4. Tagebuch schreiben oder Gedichte verfassen
  5. Meditation oder Achtsamkeitsübungen
  6. Rätsel lösen wie Kreuzworträtsel oder Sudokus
  7. Yoga oder leichte körperliche Übungen
  8. Filme oder Serien schauen
  9. Handarbeiten wie Stricken oder Häkeln
  10. Mit anderen Patienten Gespräche führen oder Spiele spielen
  11. Naturgeräusche oder entspannende Musik hören
  12. Puzzles oder Legosteine zusammenbauen
  13. Fotografieren
  14. Podcasts hören oder selbst aufnehmen
  15. Origami falten oder andere Bastelprojekte
  16. Online-Kurse belegen (z. B. Sprachen lernen)
  17. Puzzlebücher wie Malbücher für Erwachsene
  18. Planung von zukünftigen Aktivitäten oder Zielen
  19. singen
  20. Sport machen (wenn es zum Beispiel ein Fahrradergometer oder ein Fitnessstudio in Ihrer Klinik gibt)
  21. Einen Spaziergang machen
  22. Eine Pizza bestellen

Tagebuch

Kaufen Sie sich ein Notizbuch oder legen Sie eine Datei auf Ihrem Laptop an und schreiben Sie immer wenn Ihnen danach ist und vor dem Schlafen gehen was Sie heute erlebt haben und welche Fortschritte Sie gemacht haben.

Körperpflege und Kleidung

Duschen Sie jeden morgen und putzen sich die Zähne (muss erledigt werden, auch wenn Sie keine Lust haben). Kämmen Sie sich regelmäßig. Es klingt banal aber viele Patienten haben Probleme damit. Wenn Sie äußerlich gepflegt sind wird sich auch Ihr Inneres besser fühlen und Sie machen einen besseren Eindruck auf andere, welche Ihnen dann anders begegnen. Wenn es in der Nähe einen Friseur gibt dann gönnen Sie sich doch mal einen neuen Haarschnitt oder eine Rasur. Achten Sie darauf immer genug saubere Wäsche zu haben.

Essen und Trinken

Ganz wichtig: Trinken Sie ausreichend Wasser. Mindestens 2, besser 3 Liter am Tag. Genießen Sie Ihr Essen und essen Sie langsam und bewusst, auch wenn das Essen nicht hervorragend ist (manche Menschen haben gar nichts zu essen). Übertreiben Sie es nicht mit Kaffee (nach 12 Uhr keinen Kaffee mehr). Greifen Sie stattdessen zu Tee oder koffeinfreiem Kaffee. Vermeiden Sie unbedingt Energy Drinks und zuckerhaltige Erfrischungsgetränke (hin und wieder können Sie sich mal eine Cola gönnen wenn Sie sich belohnen wollen, das selbe gilt für Süßigkeiten).

Kaufen Sie sich frisches Obst, Beeren und Nüsse oder lassen Sie es sich von Ihrem Besuch mitbringen. Ihr Gehirn braucht die Vitamine.

Ein bis zwei mal die Woche können Sie sich zusammen mit ihren Klinikfreunden was gönnen und zum Beispiel eine Pizza bestellen.

Krisen

Es kann immer mal wieder zu Krisen kommen. Sobald Sie unruhig werden und Ablenkung nicht hilft wenden Sie sich an das Personal, die können mit Ihnen reden. Artikulieren Sie möglichst genau was in Ihrem Kopf vorgeht. Wenn nötig lassen Sie sich ein Medikament geben, ruhen sich eine halbe Stunde aus bis die Tablette wirkt und wenden sich dann wieder einer Aktivität zu. Beruhigungsmittel sollten nur für Notfalle vorgesehen sein. Wenn das auch nichts bringt sagen Sie der Pflege dass sie einen Arzt sprechen wollen. Vor diesen Gesprächen brauchen Sie keine Angst zu haben, sie sind nicht in Gefahr.

Umgang mit Gedanken im Klinikalltag

Negative Gedanken und Wahnideen werden kommen und gehen. Nehmen Sie alles was kommt geduldig wahr und wenden sich sofort wieder der Realität zu. Immer wieder freundlich in die Realität zurückholen. Was ist jetzt? Was kann ich sehen und anfassen, was ist real? Wenn Gedanken und Beziehungsideen (hat diese Fernsehsendung etwas mit mir zu tun? Ist das eine versteckte Botschaft?) kommen, ignorieren Sie sie. Prägen Sie sich diese Sätze ein:

  • das hat nichts mit mir zu tun
  • dafür gibt es keine Beweise
  • Stopp! Psychose!
  • Das kann man auch anders sehen
  • das ist nicht hilfreich
  • davon hängt mein Leben nicht ab
  • da mache ich mir ein anderes mal Gedanken darüber
  • Gott kümmert sich drum

Wahnideen haben eine starke mentale Sogwirkung, man driftet ab und fällt immer mal wieder darauf rein, aber nicht so schlimm, sobald wir immer wieder Stopp sagen und uns wieder auf die Realität fokussieren, wird sich dieser Prozess automatisieren und die Gedanken werden aus unserem Bewusstsein verschwinden. Das geht nicht von heute auf morgen, es braucht Zeit und Geduld. Einen Wahngedanken erkennen Sie daran dass er Ihnen Angst macht und sich wie eine düstere Bedrohung anfühlt (da steckt doch dies oder jenes dahinter). Als Faustregel gilt: Wenn es Ihnen Angst macht ignorieren Sie es und machen weiter mit dem was Sie gerade tun.Wenn Sie sich gerade ausruhen, fokussieren Sie sich auf Ihren Atem. Es gibt für alles eine logische Erklärung.

Wenn Sie eine Angststörung haben wie zum Beispiel “was ist wenn ich eine Panikattacke bekomme”, “was ist wenn ich mich erbreche”, was ist wenn mein Laptop geklaut wird”, “was wenn ich keine Zigaretten mehr habe”, “was ist wenn etwas schief geht”, “was ist wenn jemand anruft und eine schlechte Nachricht hat”, “Was wenn ein Brief kommt, da könnte was problematisches drin sein”, “was wenn ich es nicht schaffe die Zigarette zu drehen”, “was ist wenn ich mir in die Hose mache?”, “was wenn ich heute nicht schlafen kann?”, “was ist wenn es keinen Kaffee gibt?”, “was ist wenn ich noch länger bleiben muss?”, “was ist wenn mir das Essenstablett runterfällt und eine Riesensauerei entsteht?”, “was ist wenn mich jemand kritisiert oder nicht mag?”, “was ist wenn ich meine Brille nicht finden kann?”, “Was ist wenn ich anfange zu schreien?”

Solche irrationalen Ängste plagen sehr viele Menschen. Machen Sie sich klar dass Angst dazu da ist uns vor Lebensgefahr zu schützen. So mussten unsere Vorfahren die einem Säbelzahntiger begegneten Angst haben um zu kämpfen oder zu flüchten (fight or flight) oder uns tot zu stellen (freeze). Der Körper ist in Alarmbereitschaft und Stresshormone werden ausgeschüttet.

Dafür ist Angst gedacht. Natürlich wissen wir das, aber die Angst vor alltäglichen Herausforderungen kommt trotzdem. Wenn ein solcher Gedanke kommt schenke ich Ihnen folgenden Satz der mir sehr geholfen hat in letzter Zeit. Nämlich:

Da hängt mein Leben nicht davon ab.

Sie schaffen es nicht das Radio einzuschalten? Da hängt mein Leben nicht davon ab. Eine Tasse fällt Ihnen runter? Da hängt mein Leben nicht davon ab? Jemand könnte Ihnen Ihre Zigaretten aus dem Nachtkasten klauen? Da hängt mein Leben nicht davon ab? Ich erbreche mich auf mein Mittagessen? Da hängt mein Leben nicht davon ab. Jemand ruft an und ich weiß nicht ob es eine schlechte Nachricht ist? Da hängt mein Leben nicht davon ab. Ich darf heute nicht in den Ausgang? Da hängt mein Leben nicht davon ab. Mein Handyakku ist leer? Da hängt mein Leben nicht davon ab. Sie müssen ein Formular ausfüllen? Da hängt mein Leben nicht davon ab. Ich habe etwas wichtiges vergessen, jemand kritisiert mich? Da hängt mein Leben nicht davon ab. Sie haben ein Passwort vergessen? Da hängt mein Leben nicht davon ab. Ich habe kein Geld mehr auf dem Konto? Da hängt mein Leben nicht davon ab (sie werden schon nicht verhungern) Die Ärzte sagen ich muss noch länger bleiben? Da hängt mein Leben nicht davon ab. Sie wissen nicht wie sie die Rechnungen zahlen sollen? Da hängt mein Leben nicht davon ab. Probieren Sie es aus, es funktioniert. Bleiben Sie mutig und geduldig. Für jedes Problem (zum Beispiel Formulare und Geldsorgen) gibt es eine Lösung. Wenn Sie alleine nicht klarkommen fragen Sie jemanden um Hilfe.

Beten

Wenn alles um sie herum in Dunkelheit zu verschwinden droht, wenn die Gedanken zu viel werden und sie verzweifeln und glauben Sie schaffen es nicht, wenden Sie sich an Jesus. Beten Sie und bitten Sie ihn dass er sie rettet. Vertrauen Sie ganz auf die göttliche Macht und dass Sie gerettet werden.

Der HERR stützt alle, die zu fallen drohen, und alle Gebeugten richtet er wieder auf.

Psalmen 145:14

Lesen Sie auch folgenden Psalm

“Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen. Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser. Er stillt mein Verlangen; er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen. Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht. Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du salbst mein Haupt mit Öl, du füllst mir reichlich den Becher. Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang, und im Haus des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit.”

Psalm 23

Lesen Sie ihn immer wieder bis es Ihnen besser geht und Sie sich wieder geborgen und beschützt fühlen, dann wenden Sie sich wieder einer Aktivität zu.

Ein Beispiel aus meinem aktuellen Klinikaufenthalt. Ich hatte wieder schlecht geschlafen und war morgens völlig erschöpft und der alte Wahn mit Gedanken an Tod und Verzweiflung begann mich wieder einzuholen. Alles schien aus und ich dachte ich kann nicht mehr und gebe auf.

In meiner Verzweiflung wendete ich mich an Jesus Christus. Ich flehte ihn an mich zu retten und betete etwa 5 Minuten. Gleich darauf bekam ich eine Nachricht von einem Mitpatienten dass er diesen Artikel super findet und ich etwas daraus machen soll. Das hat mir wieder Mut gemacht und ich habe mich daran erinnert dass ich noch wichtige Aufgaben vor mir habe und mir Gott (das glaube ich) den Auftrag gegeben hat Menschen zu helfen. Mir kann niemand erzählen dass das ein Zufall war, beten wirkt Wunder. In der größten Not können Sie sich immer an Jesus wenden. Er wird Ihnen helfen. In der Krise vergessen wir oft was wir schon alles, tolles erreicht und welche Fortschritte wir gemacht haben. Erinnern Sie sich wieder daran! Hier hilft ein Erfolgstagebuch.

Ich selbst bin Christ, aber Sie können natürlich auch eine andere Religion haben die Ihnen Halt bietet.

Bin ich jetzt gesund?

Hüten Sie sich vor dem Gedanken “Ja, JETZT habe ich es geschafft, ich bin ganz gesund”. Meistens geht es nicht so schnell. Akzeptieren Sie dass es immer ein auf und ab ist und seine Zeit braucht. Akzeptieren Sie das es noch schwierige Momente geben wird, aber auch Fortschritte und Lichtblicke und am Ende die Genesung.

Medienkonsum

Handys und Laptops bieten uns eine Vielzahl an Ablenkungs und Unterhaltungsmöglichkeiten. Sie ermöglichen uns es auch zu kommunizieren und in Kontakt mit Freunden und Familie zu sein. Aber gehen Sie verantwortungsvoll mit Medien um. Vermeiden Sie aggressiven Rap, düsteren Heavy Metal und Techno. Halten Sie sich fern von allem was gewalttätig und negativ ist. Auch mit Zeitungen und Nachrichten sollten sie sparsam umgehen. Auf der Welt gibt es viele Probleme und Elend, Schlagzeilen sind oft negativ. Dass können Sie gerade nicht brauchen.

Ich empfehle Lobpreis Lieder und entspannende Musik wie Klassik, Regengeräusche, leichter Blues (Katie Melua, Nora Jones), chillout Musik, Kinofilm Soundtracks und Jazz sowie Meditationsmusik. Die Musik sollte möglichst positiv und entspannend sein. Gerne schaue ich unterhaltsame Netflix Serien wie zum Beispiel Big Bang Theory, Dokumentationen von arte und terraX oder Natursendungen. Eine Stunde vor dem Schlafen gehen sollten Sie Bildschirme vermeiden und lieber etwas lesen, stricken, ein Spiel spielen oder Mandalas ausmalen oder was auch immer. Youtube bietet eine Fülle an toller Musik und lustiger Videos. Vermeiden Sie Themen wie Krieg, Konflikte, Krankheit oder hitzige politische Debatten. Auch im Gespräch mit Mitpatienten.

Papierkrieg

Haben Sie Geldsorgen oder Ärger mit den Behörden? In der Regel gibt es in den Kliniken Sozialarbeiter die sich genau darum kümmern. Fragen Sie in der Pflegestation nach einem Termin. Wir leben in einem Sozialstaat wo es für Menschen in Not Hilfe und Unterstützung gibt. Sie habe ein Recht darauf. Erledigen Sie den notwendigen Papierkram mit Mut und Engelsgeduld. Für jedes Problem gibt es eine Lösung. Ihr Sozialarbeiter hilft Ihnen dabei.

Entspannung und Entschleunigung
Nutzen Sie die Klinikzeit ganz bewusst um zur Ruhe zu kommen.
Wenn Sie zum Beispiel essen, oder sich einen Tee machen, oder sei es
nur um eine Flasche aufzuräumen, tun Sie alles ganz bewusst,
langsam und achtsam in aller Seelenruhe. In der Ruhe liegt die Kraft.
Achten Sie auf Entspannungsphasen mit schöner Musik, progressive
Muskelentspannung oder einem body scan (finden Sie alles auf
youtube oder spotify) Regelmäßige Entspannung fördert auch
erwiesenermaßen Ihren Schlaf. Nehmen Sie unbedingt an
entspannenden Therapien wie Yoga, PMR, Qi-Gong teil, fragen Sie
nach was angeboten wird oder schauen Sie auf Ihren Therapieplan.
Wichtig: Gehen Sie erst ins Bett wenn sie schläfrig sind, achten Sie auf
Schlafhygiene und stellen Sie sich einen Wecker so dass Sie immer
um die selbe Zeit aufstehen. Nutzen Sie die Morgenstunden für eine
Morgenroutine oder füllen Sie Ihren Kopf mit unterhaltsamen oder
entspannenden, positiven Youtube Videos.

Besuch und Kontakt mit Angehörigen

Jeder Patient freut sich über Besuch, Chat oder Telefonat mit Angehörigen. Viel reden und Kommunikation tut Ihrer Seele gut. Aber Vorsicht, muten Sie Ihrem Gesprächspartner nicht zu viel von Ihrer seelischen Last zu, nicht jeder kann damit umgehen und fühlt sich hilflos. Mein Tipp, bevor Sie von Ihren Problemen erzählen, fragen Sie nach ob die betreffende Person gerade die Energie dafür hat. Dann fragen Sie zunächst mal nach (auch wenn es Ihnen sehr schlecht geht) was es in ihrem Leben neues gibt und wie es Ihnen geht. Das lenkt den Fokus weg von Ihnen selbst. Benutzen Sie andere Menschen nie als seelischen Mülleimer wo sie nur ihre Probleme abladen sondern haben ein ernsthaftes Interessen am Leben dieser Menschen. Kommunikation ist ein Geben und Nehmen. Schreiben Sie hin und wieder Ihren Bekannten und Freunden Chat Nachrichten und pflegen Sie Ihr soziales Netzwerk. Fragen Sie Freunde und Bekannte nach möglichen Krankenhausbesuchen. Akzeptieren Sie wenn jemand gerade keine Zeit hat oder sich von Ihnen abwendet. Das gehört dazu. Meiden Sie anstrengende Gesprächspartner welche Sie runterziehen. Wenn Sie sich sehr unwohl fühlen beenden Sie das Gespräch. Sorgen Sie für sich.

wann ist es Zeit nach hause zu gehen?

In der Psychiatrie kann einem schnell die Decke auf den Kopf fallen und man sehnt sich nach hause um der Klinik zu entkommen, weil man glaubt zuhause wird es besser. Denken Sie an die Motivation mit der Sie ursprünglich in die Klinik gegangen sind. Gehen Sie erst wenn es Ihnen deutlich besser geht und üben Sie sich in Geduld. Sie sollten sich ausreichend stabil und normal fühlen. Hören Sie auf die Ärzte und überstürzen Sie nichts. Vereinbaren Sie mit Ihren Ärzten Heimurlaube und testen sie peu a peu wie sie sich in Ihrer alten Umgebung zurechtfinden.

Viel Erfolg bei Ihrem Klinikaufenthalt.

Der Wertekompass

Wie sollen wir im Alltag oder bei größeren Entscheidungen handeln? Was gibt uns Orientierung und Sicherheit?

Machen Sie sich mal Gedanken über Ihre Werte. Was ist ein Wert? Dazu folgender Dialog:

Sohn: Papa spielst du mit mir Lego?

Vater: Nein, ich muss arbeiten.

Sohn: Warum?

Vater: Weil ich Geld verdienen muss

Sohn: Warum?

Vater: Na, damit wir etwas zu essen haben!

Sohn: Warum?

Vater: Weil ich will dass es uns gut geht!

Sohn: Warum?

Vater: Ach frag doch nicht so blöd, das ist einfach so!

In dieser kleinen Geschichte geht es um den Wert “Familie”. Es ist das was den Lebensentscheidungen des Vaters zu Grunde liegt. Es steuert sein Handeln.

Es gibt viele verschiedene Werte nach denen man leben kann. Ich versuche ein werteorientiertes Leben zu leben. Meine Werte sind:

  • mental und physisch stark sein
  • Kreativität
  • gute Beziehungen zu Freunden, Gemeinde und Familie
  • Achtsamkeit

Es gibt noch viele weitere Werte im Leben

  • Ehrlichkeit
  • Respekt
  • Empathie
  • Verantwortung
  • Freundlichkeit
  • Dankbarkeit
  • Geduld
  • Entschlossenheit
  • Toleranz
  • Mitgefühl
  • Authentizität
  • Großzügigkeit
  • Demut
  • Selbstlosigkeit
  • Integrität
  • Gelassenheit
  • Durchsetzungsvermögen
  • Hilfsbereitschaft
  • Gerechtigkeit
  • Flexibilität
  • Zielstrebigkeit
  • Optimismus
  • Achtsamkeit
  • Selbstreflexion

Suchen Sie sich Ihre 4 Kernwerte heraus und schreiben Sie sie in Ihr Tagebuch oder auf ein Post-it dass sie an die Wand hängen.

Unsere Werte leiten uns durch unser Leben und wir werden uns bewusst was uns wirklich wichtig ist und antreibt. Wenn Sie sich einmal orientierungslos fühlen, denken Sie an Ihre ganz persönlichen Werte.

Negative Gedanken zulassen

Wie gehen Sie mit negativen Gedanken um? Erschrecken Sie manchmal über ihre Gedanken? Haben Sie manchmal Angst vor ihren Gedanken, so dass sie zum Beispiel Angst haben sich oder anderen was anzutun? Oder steigern Sie sich in übertriebene Sorgen rein? Haben Sie blasphemische, sexuelle oder aggressive Gedanken die Sie aus dem Konzept bringen?

Manchmal leiden wir an unseren Gedanken. Warum ist das so? Jedes fühlende Wesen möchte sich Schmerz entziehen. Das ist ein Naturgesetz. Das macht den Umgang mit negativen Gedanken so knifflig. Wenn diese Gedanken kommen versuchen wir sie zu unterdrücken oder zu neutralisieren. Ein Beispiel: Sie haben einen negativen, blasphemischen Gedanken wie “Ich hasse Gott!” Dann erschrecken sie und denken “oh nein das wollte ich nicht denken, Gott ist gut” und beten ein Vater unser. Das ist mit Neutralisierung gemeint. Wir glauben dass wir den Gedanken entkräften müssen, weil wir glauben er sei gefährlich und genau dass ist die Falle in die wir tappen.

Der richtige Umgang mit negativen Gedanken und Gefühlen ist, sie zuzulassen und nicht zu bekämpfen. Im Buddhismus kennen wir den Gedanken des “monkey mind”. Der Geist ist wie ein wilder Affe der im Urwald herumturnt. Manche Gedanken verbieten wir uns und wir haben Angst vor Ihnen. Stellen Sie sich diesen Gedanken als einen Baum vor und sie versehen ihn mit Schildern wo draufsteht: “Gefährlich auf keinen Fall betreten” um dass Äffchen davon abzuhalten auf diesen Baum zu klettern. Nur kann dass Äffchen leider nicht lesen und ist im Gegenteil neugierig was es mit diesem Baum und seinen Schildern auf sich hat und klettert dort wo es nicht soll am allerliebsten.

Deswegen entstehen Zwangsgedanken. Gedanken die wir nicht wollen, die uns Angst machen, die wir loswerden wollen.

Machen Sie sich klar dass Gedanken nicht die Realität sind. Völlig egal wie furchteinflösend, sexuell oder blasphemisch diese Gedanken sind – es sind Illusionen, sie sagen nichts über Ihren Charakter aus. Sie SIND nicht Ihre Gedanken.

Im Rahmen der Acceptance Commitment Therapy (ACT) der aktuell modernsten Therapieform kennen wir das unter dem Begriff “Defusion”. Wir sollten nicht mit unseren Gedanken “fusioniert” dass heißt “verschmolzen” sein.

Machen Sie sich weiterhin klar, dass egal wie schlimm die Gedanken sind und egal wie schlecht Sie sich fühlen: Sie sind nicht in Gefahr und es kann Ihnen nichts passieren. Sie sind in Sicherheit und es geht vorbei. Es ist nicht real. Lassen Sie den Gedanken wie Wolken am Himmel vorbeiziehen und wenden Sie sich sofort wieder der Realität zu, dem hier und jetzt zu, mit dem was Sie gerade tun, was sie sehen und anfassen können, was jetzt gerade wichtig ist.

Wie gehen wir also mit unseren Gedanken auf eine gesunde Art um? Wir sollten Sie zulassen und uns nicht weiter darum kümmern. Wir können Sie durch den Geist ziehen lassen ohne “zurück”-zudenken. Sie sind wie Wellen eines Ozeans. Wir beobachten sie einfach und lassen sie los. Genau das üben wir wenn wir meditieren. Meditation ist ein geistiges Training mit dem wir unserem “monkey mind” etwas entgegensetzen.

Ich meditiere jeden morgen eine halbe Stunde als Teil meiner Morgenroutine. Ich setze mich auf mein Meditationskissen, setze einen Timer auf 30 Minuten und schlage meine Meditationsglocke. Ich achte nur auf meinen Atem und hole mich immer wieder freundlich ins Hier und Jetzt zurück. Es ist völlig normal dass der Geist abschweift. Meditation ist simpel aber nicht einfach, es erfordert einiges an Übung und es braucht eine Weile bis man Erfolge hat. Aber bleiben Sie dran, es lohnt sich. Meditation kommt ursprünglich aus dem Buddhismus, man kann Sie aber mittlerweile als losgelöst aus der Religion betrachten und praktizieren

Die Meditationspraxis ist nicht auf das Sitzen beschränkt sondern wir können Sie auch im Alltag praktizieren. Das nennt man Achtsamkeit. Wir können versuchen so achtsam wie möglich zu sein, wir verstricken uns nicht in Vergangenheit oder Zukunft sondern sind im hier und jetzt – ganz bei der Sache. Beim Arbeiten, beim Geschirr spülen, beim spazieren, beim Essen, beim Gespräch mit anderen Menschen. Wir sind völlig präsent. Wir sind im hier und jetzt

Folgen Sie dem Weg der Achtsamkeit und ihr Leben wird gelassener, leichter und erfolgreicher. Lassen Sie sich nicht von negativen Gedanken beeindrucken und genießen Sie was das Leben Ihnen bietet.

Viel Erfolg!

P.S.: Gedanken sind in der Regel nicht real und nicht gefährlich. Etwas anderes gilt wenn Sie konkrete Pläne machen sich oder jemandem etwas anzutun. Dann ist essenziell dass sie mit jemandem reden und sich professionelle Hilfe suchen. Notfalls wählen Sie die 112 und lassen Sie sich ins Krankenhaus bringen. Dort bekommen Sie Hilfe. Passen Sie gut auf sich auf.

Ohne Jesus geht es nicht

Lange Zeit in meinem Leben habe ich das Thema Gott und Bibel komplett abgelehnt. Ich hörte seit meiner Jugend düstere Metalmusik und liebäugelte sogar mit dem Thema Satanismus. Wie naiv ich doch war.

Später als ich mal wieder im Krankenhaus war wendete sich das Blatt. Es ging mir sehr schlecht und ich war einsam und verzweifelt. Mühsam schleppte ich mich durch den Klinikalltag: Schlafen, Therapien, essen, rauchen.

Doch es gab einen Lichtblick: Einmal die Woche kam ein katholischer Pfarrer mit seiner Gitarre auf die Station und wir haben mit jedem der wollte eine halbe Stunde christliche Lieder gesungen. Mein Lieblingslied war dieses hier:

Deine Hand ist über mir

Deine Hand ist über mir
Und ich stehe unter deinem Schutz
Deine Hand ist über mir

Deine Hand ist unter mir
Und ich berge mich darin
Deine Hand ist unter mir

Und ich falle niemals tiefer als in deine Hand
Falle niemals tiefer als in deine Hand
Und ich falle niemals tiefer als in deine Hand
Falle niemals tiefer als in deine Hand

Deine Hand ist hinter mir
Und du gibst mir deine Kraft
Deine Hand ist hinter mir

Deine Hand ist vor mir
Und du ebnest mir den Weg
Deine Hand ist vor mir

Und ich falle niemals tiefer als in deine Hand
Falle niemals tiefer als in deine Hand
Und ich falle niemals tiefer als in deine Hand
Falle niemals tiefer als in deine Hand

Diese eine halbe Stunde die Woche war für mich eine Insel im elenden Klinikalltag. Ich singe sehr gerne und der Pfarrer hat mich immer für meine Stimme gelobt, das gefiel mir.

Ich kam mit dem Pfarrer ins Gespräch und ich erzählte von meinen düsteren Gedanken. Er sagte, ja, dass seien die gottesfernen Kräfte. Er erzählte mir von Gott, er strahle die Liebe aus so wie die Sonne scheint – er kann nicht anders. Das fand ich interessant. Wir haben zusammen gebetet und er hat mir ein Andachtsbuch geschenkt, welches ich allerdings nicht gelesen habe. Ich ging zum Klinikgottesdienst wo der Pfarrer predigte und ich fand es interessant, fühlte mich allerdings noch etwas fehl am Platz. Ich hatte danach noch weitere spirituelle Bücher gelesen aber ich konnte nicht viel damit anfangen. Da wurde immer wieder gebetsmühlenartig wiederholt wie herrlich Jesus ist und wie toll das Wort Gottes ist und wie super Gebet hilft. Ich konnte das damals nicht verstehen, weil ich Jesus noch nicht kannte.

Nach dem Krankenhaus habe ich eine Weile gearbeitet und kam danach wieder ins Krankenhaus. Danach wollte ich eine Reha machen und bin auf die de’ignis Fachklinik gestoßen welche christliche Grundelemente haben soll, so las ich es auf der Homepage. Ich war neugierig und da ich so viel Spaß am Lobpreis hatte habe ich mich entschieden da hinzugehen. Die Reha dauerte 4 Wochen. Es wurde viel gebetet und gesungen. Ich habe weitere Lobpreis Lieder kennengelernt, die mir sehr gut gefallen haben. Zum Beispiel dieses hier:

Ich fing an mich an das Beten zu gewöhnen und es fing an mir gut zu tun. An einem Abend hat meine Gruppe ein Abendprogramm für die ganze Klinik gestaltet. Wir haben Lobpreis gesungen und es hat mir große Freude gemacht. Wir haben unter anderem das hier gesungen:

Im Anschluss an das Konzert waren wir in der Gruppe und haben gebetet. Es war eine geheiligte Atmosphäre die mich sehr berührt hat. Es fühlte sich richtig und voller Energie an und so habe ich das Gebet kennengelernt.

Die Klinikzeit ging zu Ende und ich wandte mich (wenig erfolgreich) wieder dem Beruf zu. Ich arbeitete als Programmierer und wurschtelte mich irgendwie durch. Dann begann die Pandemiezeit und ich war viel zuhause und trank Alkohol um mich zu entspannen. Aber mein Glaube hatte sich vertieft und ich besuchte einige Gottesdienste. Irgendwann hat mich meine Nachbarin gefragt ob ich nicht in die Liebenzeller Gemeinde in Oßweil mitkommen will. Das ist 3 Jahre her. Dort wurde ich herzlich aufgenommen und ich ging regelmäßig hin.

Ich ging auf die Veranstaltung “Life on Stage”, das war ein Musical mit christlicher Botschaft wo man am Ende vor zum Kreuz gehen und sich zum Christsein bekennen konnte. Das habe ich gemacht und für mich die Entscheidung getroffen dass ich an Gott und Jesus Christus glauben will. Ich betete dass ich mein Leben Jesus Christus übergeben will.

Seitdem ist Jesus ein Teil meines Lebens und ich kann nicht mehr ohne ihn. Ich glaube daran, dass er sich in meiner Seele tummelt, das er der Sohn Gottes ist und das er für meine Sünden gestorben ist. Ich bete jeden morgen und schreibe viel über Jesus und Gott in mein Tagebuch.

Für mich steht fest: Gott meint es gut mit uns Menschen und will nur das Beste für uns. Jesus war auf der Erde und hat Wunder gewirkt. Er hat Kranke geheilt. Ich will ihm nachfolgen. Ich stelle mir manchmal die Frage: “Was würde Jesus in dieser Situation tun?”.

Jesus ist für mich eine Quelle der Freude geworden und ich bete regelmäßig zu ihm. Ich bedanke mich für alles was ich habe und was mir gelingt und ich bete für neue Kraft jeden Tag. Was schwierig ist und mir Angst macht werfe ich aufs Kreuz und vertraue darauf das ER sich um alles kümmert was nicht innerhalb meiner Kontrolle liegt. Ich vertraue darauf dass Gott mich Schritt für Schritt und durch alles Elend hindurchführt. Irgendwann werde ich an mein Ziel gelangen. Ich will bei Gott sein wenn ich einmal sterbe.

Psalm 23 (Lutherbibel 2017):

1 Ein Psalm Davids. Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. 2 Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. 3 Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. 4 Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

Ich habe mir viele Gedanken über meine Sterblichkeit gemacht und dass meine Zeit auf der Erde begrenzt ist. Was kommt danach? Das weiß niemand so ganz genau und Philosophen durch alle Zeitalter hindurch haben sich schon den Kopf darüber zerbrochen. Mein Glaube gibt mir Trost und Hoffnung. Ich weiß dass ich einmal im Himmel sein werde und Gemeinschaft mit meinem Gott haben werde. Ich bin jetzt schon erlöst und gerettet und das macht mir Mut.

Wir können Gottes Liebe und sein Königreich jetzt schon in Anspruch nehmen wenn wir glauben. Warum sollten wir dieses kostbare Geschenk ablehnen? Ich bin sicher Gott meint es gut mit uns. Er will in Beziehung zu uns sein. Er will dass unser Leben gelingt. Warum sollte ich diese unendliche Liebe die mir geschenkt wird ignorieren? Auf Jesus können wir uns immer verlassen. Er hilft uns, er sieht uns, auch in unserem Leiden und er leidet mit uns.

Mittlerweile gehe ich sehr gerne in die Kirche. Das Singen macht mir Spaß. Ich genieße die Gemeinschaft. Es ist ein Hunger in meiner Seele, der gestillt werden will. Ich bin auf dem Weg in die Kirche und denke “Ok, jetzt will ich etwas über Jesus erfahren”. Ich bin gut in die Gemeinschaft eingebunden und als ich letztes Jahr wieder im Krankenhaus war haben die Gemeindemitglieder für mich gebetet und haben mich oft besucht und Obst und Zigaretten vorbeigebracht. Zudem bin ich seit einer Weile im Junge Erwachsene Treff meiner Gemeinde. Wir machen Spieleabende, beten zusammen und gehen was Essen. Die Leute sind nett und die Abende gelingen mir.

Wie stehen Sie zum Thema Gott? Ich kenne die Zweifel und den Unglauben sehr gut, ich war selbst lange Zeit in der Gottesferne gefangen und habe mich durchs Leben geschlagen, alleine und hilflos. Doch ich bin nicht alleine. Ich habe Familie, Freunde und Gemeinde und ich habe eine ewige Kraft in meinem Leben, die es gut mit mir meint und auf die ich nicht verzichten will. Vielleicht denken Sie “Das ist doch alles Quatsch. Das brauch ich nicht”. Und dennoch, ich ermutige jeden dazu sich einmal Gedanken um die Ewigkeit zu machen und darüber was uns in diesen turbulenten Zeiten durch unser Leben tragen kann. Worauf wir hoffen können.

Vielleicht kommen Sie irgendwann auf den Geschmack, spätestens wenn es nicht mehr weitergeht und sie am Ende der Fahnenstange sind und ganz am Boden zerstört sind und es einfach nicht mehr weitergeht, wenn alles Aus scheint und die Dunkelheit Sie zu ersticken droht – dann tritt Gott auf den Plan und Sie können ihn darum bitten dass er Sie rettet. Und das wird er. Ganz sicher.

Wo die Not am größten ist, da ist Gott am Nächsten.

Für mich steht fest: Ohne Jesus geht es nicht.

Positives Selbstgespräch

Was erzählen wir uns da Tag für Tag und Stunde für Stunde? Welche Wirkung hat das auf uns? Welche Gedanken (gesprochene Worte in unserem Kopf) produzieren wir und was fangen wir damit an?

Wir drehen uns oft gedanklich in einem Kreis um uns selbst, analysieren, malen uns die Zukunft schwarz aus, denken an vergangene Misserfolge, peinliche Erlebnisse und Niederlagen. Wir sind auf uns selbst und unser Seelenleben fixiert. Der Geist produziert immer mehr unnötige Gedanken. Wir sind süchtig nach Gedanken. Wir wünschen uns manchmal einen Aus-Knopf der den ewigen Müllstrom in unserem Geist zumindest eine Weile unterbricht, dass wir durchatmen können.

Ein berühmter Spruch lautet “Glauben Sie nicht alles was sie denken”. Wenn wir ohnehin schon ununterbrochen denken müssen, wäre es nicht viel besser etwas gesundheitsförderliches und schönes zu denken?

Lassen Sie mal folgenden Absatz auf sich wirken:

“Ich glaube es geht mir deutlich besser, deutlich besser, deutlich gelassener. Ich ruhe in mir. Mir geht es jeden Tag, in jeder Hinsicht besser und besser. Ich genieße mein Leben. Ich darf in Frieden, Wohlstand und Gesundheit leben. Mir kann nichts passieren, ich bin in Sicherheit. Ich werde beschützt und behütet. Alles was ich mir vorgenommen habe gelingt mir. Ich bin mutig und zuversichtlich. Ich freue mich auf das Abendessen, den Theater, den Kinobesuch, den Spaziergang. Ich werde ganz, zu 100% komplett gesund, ich bin jetzt schon gesund. Es wird deutlich leichter. Das Leben ist wunderbar. Die Welt ist wunderschön und perfekt und ich darf ein Teil davon sein. Ist das nicht schön? Die Welt ist wie sie ist. Die Realität ist wie sie ist. Ich mag mein Leben. Ich bin OK. Heute wird ein guter Tag, ich fühle es ganz genau. Eine tiefe Stille und Zufriedenheit breitet sich in mir aus. Ich bin gesund. Ich genieße mein Leben so wie es ist, mit allen Höhen und Tiefen. Ich gehe meinen Weg gerne. Ich bin geborgen und beschützt”.

Wie hat das auf sie gewirkt? Fühlen sie sich vielleicht nach dem Lesen ein bisschen besser, oder zumindest neutraler als sonst?

So wie ich es hier beschrieben habe können wir tagtäglich und stündlich ein positives Selbstgespräch führen. Sie könnten einwenden “Aber es geht mir doch schlecht, ich kann nichts positives an meinem Leben finden. Mein Leben ist die Hölle”

Sie können sich entscheiden anzufangen positiv zu denken. Dieses positive Selbstgespräch trägt sie durch die schwierigsten Zeiten. Am Anfang ist es noch schwierig und es fällt einem vielleicht nichts positives ein. Aber so wie wir im Fitnessclub unsere Muskeln trainieren, so können wir auch positives Denken üben. Das Gehirn fängt an sich neu zu vernetzen und wird mit der Zeit immer leichter (automatisiert) positive Gedanken produzieren mit denen sie sich mit Sicherheit langfristig besser fühlen werden. Hören Sie auf sich auf das negative zu fokussieren und üben Sie positives Selbstgespräch. Das geht auch besonders gut schriftlich in Ihrem Tagebuch.