Herzlich Willkommen

Herzlich Willkommen zu meinem mental health Blog: “Die Seele will gesund werden”. Mein Name ist Niko und ich lebe seit dem Jahr 2006 mit der Diagnose Schizophrenie. Ich verbrachte viele Monate meines Lebens in Krankenhäusern. Ich wurde fixiert, verlor die Kontrolle, erlebte psychisches Leid das weit über die Grenzen des Erträglichen hinausging und habe das Leben in all seinen Schattenseiten kennengelernt, auch zum Leidwesen meiner Freunde und Familie. Ich fiel in den Abgrund, verlor mehrmals meine Arbeit, verlor einige Freunde und bin immer wieder gescheitert.

Aber ich habe nie aufgegeben und mich zwischen den Episoden immer wieder aufgerappelt. Mein Therapeut sagt ich sei ein Kämpfer und da ist etwas dran. Wenn ich doch einmal müde wurde zu kämpfen und dachte “ich kann nicht mehr” habe ich festgestellt das sich die Welt weiterdreht und ich ein Teil davon bin ob ich nun will oder nicht. Hand an mich zu legen kam für mich niemals in Frage, auch wenn meine Gedanken mir etwas anderes weismachen wollten.

Machen wir uns nichts vor, Schizophrenie ist eine langwierige, hinterhältige psychische Erkrankung welche die Lebensqualität massiv einschränkt und einen hohen Leidensdruck hervorruft. Angehörige sind frustriert und müssen hilflos mit ansehen wie ihr geliebter Mensch leidet. Sie ist aber auch eine Chance. Schizophrenie gilt als unheilbar, aber viele Menschen schaffen es trotz dieser ernsten Krankheit glücklich zu sein und ein produktives, erfülltes Leben zu führen. Es stellt sich die Frage welche Methoden und Tools und Ressourcen diese Menschen entwickelt haben und welche Mechanismen am Werk sind, die das Leben mit Schizophrenie erträglich und erfolgreich machen.

Warum ist die Neigung des Menschen zur Psychose nicht im Laufe der Evolution verschwunden? Hat sie vielleicht einen Sinn? Ist es eine natürliche Funktion unserer Psyche wie das Fieber in unserem Körper? Unser Körper und unsere Psyche sind ein mysteriöses Wunderwerk der Natur. Gehen Sie mit mir auf eine Entdeckungsreise vom Weg aus der Verzweiflung in eine glückliche selbstbestimmte Zukunft. Eine spannende Reise in die geistige Gesundheit. Jedes fühlende Wesen möchte sich Schmerz entziehen, das ist ein Naturgesetz. Wir möchten selbstbestimmt leben und glücklich sein. Das Gehirn ist plastisch kann sich unser ganzes Leben lang zum Positiven verändern. Die Seele will gesund werden.

Viele Menschen die Erfahrung mit mentalen Problemen haben, entwickeln positive Charaktereigenschaften und gewinnen an Tiefe. Sie finden es manchmal einfach nur geil am Leben zu sein und sind dankbar und zufrieden mit dem was sie alles haben. Sie genießen die Normalität wenn sie sich wieder einstellt, sobald die Psychose abklingt, manche finden zum Glauben, haben mehr Empathie und regen sich nicht über Kleinigkeiten oder andere Leute auf. Sie wissen, dass die Gesundheit die höchste Priorität hat und handeln danach.

Ich habe in den letzten 17 Jahren viele Fehler immer und immer wieder gemacht und irgendwann daraus gelernt. Aus meinen Fehlern können auch Sie lernen und wenn ich vieles davon am Anfang schon gewusst hätte wäre mir jahrzehntelanges intensives Leid erspart geblieben. Einstein sagt, Wahnsinn ist wenn man etwas immer wieder auf die selbe Weise versucht und ein anderes Ergebnis erwartet. Ich habe Methoden und Tools durch Versuch und Irrtum erlernt und selber entwickelt und verfeinert die mir dabei helfen ein erfolgreiches, glückliches Leben zu führen.

Dieses Weblog ersetzt keinen Therapeuten, keinen Psychiater und keine Klinik. Ich bin auch kein ausgebildeter Psychologe. Das Blog ist als Ergänzung gedacht und soll inspirieren und motivieren positive Veränderungen im Lebensalltag mit Schizophrenie herbeizuführen. Ich schildere die Methoden die mir helfen und diese Webseite ist wie ein Buffet aus dem Sie sich bedienen können und ausprobieren können ob es für Sie auch funktioniert. Ich hoffe, dass ich Menschen die am Anfang einer Psychose stehen helfen kann mehr über ihre Erkrankung zu erfahren und auch langjährige Psychiatrieerfahrene die mit ihrer geistigen Gesundheit nicht vorankommen möchte ich mit meinen Gedanken motivieren und begleiten. Gerne darf dabei eine lebhafte Diskussion entstehen, schreiben Sie gerne in die Kommentare oder schicken mir eine E-Mail. Ich freue mich über konstruktive Kritik.

Also noch einmal herzlich willkommen, viel Spaß beim Stöbern und für Ihre Gesundheit alles Gute.

Niko

42 Tipps für den Umgang mit Schizophrenie

Ich habe in den letzten 17 Jahren viel gelernt und aufgeschnappt was mir hilft. Hier eine Liste mit Tipps die mir geholfen haben, vielleicht könnt ihr damit was anfangen. Hätte ich einiges davon früher gewusst hätte ich mir sehr viel Leid ersparen können. Sich zu verändern kann beängstigend sein. Man denkt man müsse sein Leben radikal ändern, sich brutal anstrengen und eine lange Liste kann einschüchternd wirken. Suche dir das aus was dir am meisten als hilfreich erscheint und probiere es einfach aus. Veränderung kann ganz leicht sein. Schrittchen für Schrittchen. Seid geduldig.

Hier sind meine Tipps für psychische Gesundheit:

1) Schaue keine Nachrichten und keine gewalttätigen Filme und Serien. Das Leid und die Katastrophen und Angstmacherei ziehen dich nur runter. Achte darauf was und wen du in dein Herz lässt. Es hinterlässt Spuren. Vermeide Pornografie.

2) Sei achtsam. Übe Achtsamkeit so oft es geht. Beim Essen, spazieren gehen und Geschirr spülen. Sei immer im Augenblick so gut du kannst. Abschweifen ist normal. Hole dich immer freundlich in die Realität, ins Hier und jetzt zurück. Achte auf deinen Atem, deinen Körper und das was du sehen und anfassen kannst

3) Geh in die Natur und beobachte die Bäume und höre den Vögeln zu

4) Meine Powersätze gegen Wahn: “Das hat nichts mit mir zu tun”, “Das kann auch andere Gründe haben”, “Das hat eine logische Erklärung”, “Dafür gibt es keine Beweise”, “Das kann man auch anders sehen”

5) vermeide das googlen von Medikamenten und Symptomen, das verwirrt dich nur (dr. google Effekt). Mach dich nicht verrückt darüber wieviel milligram dies oder jenes du nimmst

6) Übe Vergebung. Vergib den Menschen die dir Unrecht getan haben. Sie wussten es nicht besser. Lass sie los, dann haben sie keine Macht mehr über dich

7) Du kannst die Vergangenheit nicht ändern aber die Zukunft. Schau nicht zurück sondern nach vorne

8) wenn du die Verbindung zu deinem Körper verlierst und mal wieder in deinem Kopf rotierst mache eine 15-minütige abwechselnd heiss-kalte Dusche. Das wird dir helfen deinen Körper wieder zu spüren. Das kannst du mehrmals am Tag machen

9) Übe Imagination. Stelle die dein ideales Leben vor und wie du dich dabei fühlen wirst. Stell dir vor wie dich strahlendes Licht durchströmt und du immer gesünder wirst

10) Vertraue auf eine höhere Macht. Das heißt nicht dass du religiös werden musst, es kann aber helfen. Du kannst auch an das Universum, die Liebe oder das Leben glauben. Vertraue darauf das du beschützt wirst, das alles gut wird und du nicht alles alleine machen musst. Gib die Kontrolle auf über Dinge die du nicht beeinflussen kannst. Das Universum kümmert sich darum. Wenn du magst finde einen spirituellen Führer. Glaube nie daran dass du bestraft wirst. Wenn du es mit beten versuchen willst, bete nicht “Lieber Gott mach das die Schmerzen weggehen” oder “Gott ich will diese Schmerzen nicht”, sondern besser “Lieber Gott ich danke dir für die Gesundheit. Du gibst mir die Kraft die ich brauche”. Dein Unterbewusstsein kann mit einer Negation nichts anfangen.

11) mache Sport

12) übe Meditation

13) Lass Zwangsgedanken zu und versuche nicht sie zu verdrängen. Beobachte interessiert – egal wie gewalttätig oder blasphemisch oder sexuell sie sind. Es sind nur Gedanken. Nimm wahr und kümmere dich nicht weiter darum. Es sagt nichts über deinen Charakter aus. Gewalttätige Handlungsimpulse sind völlig ungefährlich. Den Gedanken kannst du nicht kontrollieren, aber dein Handeln schon. Du wirst nichts davon wahrmachen. Es ist das letzte was du tun würdest.

14) Bevor du Blödsinn machst und dir was antust, geh lieber für eine Weile ins Krankenhaus. Ruf deinen Therapeuten oder Psychiater an. Das ist keine Schande

15) Respektiere die Grenzen der Menschen die dir nahe stehen und dass diese sich auch um sich kümmern müssen. Mute ihnen nicht zuviel zu. Du bist für dein Glück und deine Gesundheit verantwortlich. Sie können dich nur begleiten und fühlen sich manchmal hilflos. Nimm Rücksicht

16) wenn dich andere Leute runterziehen mit ihren Gesprächen verlasse die Situation. Schütze dich, du musst es nicht allen recht machen. Entwickle ein gesundes Ego. Wenn dich jemand zutextet, sage “Danke dir, aber ich brauch mal ne Pause vom Reden, ist das ok für dich?” oder wenn sein muss: “Du es tut mir leid aber du textest mich gerade zu, ich bräuchte mal kurz etwas Ruhe”. Trau dich ruhig andere Menschen zu enttäuschen oder zu verärgern. Deine Gesundheit hat Priorität. Es muss dich nicht jeder mögen.

17) Der Mensch ist für die Gemeinschaft geschaffen. Kommuniziere so viel es geht. Tausche dich mit Freunden und Familie aus. Wenn du magst besuche eine Gemeinde, oder gehe in einen Verein. Höre gut zu und sei für andere da. Melde dich nicht nur wenn es dir schlecht geht und du Hilfe brauchst sondern entwickle ernsthaftes Interesse für ihr Leben. Auch eine Selbsthilfegruppe kann gut tun.

18) Finde einen Beruf der deinem Leben Sinn verleiht

19) Finde ein kreatives Hobby oder reaktiviere ein altes – wie musizieren oder malen. Finde etwas worin du richtig in den Flow kommst und alles um dich herum vergisst, vollkommen in der Aktivität aufgehst. Diese Momente sind sehr wertvoll

20) mach kleine Schritte, aller Anfang ist schwer. Du musst nur den ersten Schritt machen. Zum Beispiel: Ich jogge täglich 5 Minuten, wenn ich dann keine Lust mehr habe nicht schlimm, dafür mache es jeden Tag. Oder: Ich nehme die Gitarre für 10 Minuten in die Hand und wenn es keinen Spaß macht, mach ich was anderes. Letzten Endes machst du das dann von alleine viel länger weil es Spaß macht. Mache den ersten Schritt, auch wenn du dich überwinden musst. Lass Faulheit oder Angst nicht dein Verhalten diktieren!

21) Führe Tagebuch. Schreibe dir von der Seele was dich bedrückt und werde dir beim Schreiben über deine Gefühle im Klaren. Hauptsache raus aus dem Kopf. Danach schreibe positiv. Versichere dir immer wieder schriftlich das alles in Ordnung ist und du auf dem richtigen Weg bist. Beschreibe in allen Einzelheiten was du tolles erleben wirst, so als findet es in diesem Moment statt

22) Das auf was du dich fokussierst tritt in dein Leben. Je mehr du grübelst was alles schief geht, desto mehr wirst du davon bekommen. Fokussiere dich auf deine Träume und Ziele

23) Lese alle Lebensratgeber und Mental Health Blogs die du kriegen kannst. Wichtig: Mach dir Notizen zu wichtigen Sätzen in denen du deine Situation wiedererkennst und die dir helfen könnten. Ich empfehle die Bücher: “Das Leben Annehmen”, “Life without Limits” und “Dying to be me”. Bücher nutzen dir nur was wenn du die Inhalte auch übst und anwendest. Das Lesen allein reicht nicht.

24) Mache eine Liste mit 25 Dingen die gut in deinem Leben sind

25) Mache eine Liste mit 10 Dingen die du dir in deinem Leben wünschst und für die du jetzt schon dankbar bist

26) Sei dankbar für das was du hast soviel es geht. Schlägt dein Herz? Bist du schmerzfrei? Hast du ein Dach über dem Kopf, genug Geld? Hast du Freunde und Familie? Lebst du in Frieden und wirst nicht verfolgt oder musst über das Meer flüchten? Wenn du etwas davon hast, geht es dir bereits viel besser als Millionen anderer Menschen auf der Welt

27) Lass Ängste und negative Gedanken zu. Gedanken und Gefühle sind nicht real. Wo spürst du die Angst im Körper? Lass sie über dich weggehen wie die Welle eines Ozeans. Du bist in absoluter SIcherheit. Dir kann nichts passieren. Angst ist nur unangenehm. Wenn du sie Weghaben willst und unterdrückst werden sie nur stärker. Lass alles zu wie es kommt und spüre in deinen Körper.

28) Mache dir Angst zum Verbündeten indem du die Energie in eine Sportart wie joggen oder Krafttraining lenkst. Kampfsport ist sehr gut aber auch jede andere Sportart die dich körperlich fordert. Der Mensch braucht das.

29) Konfrontiere deine Angst. Gib dich bewusst in Situationen die dir noch Angst machen. Sei mutig, es lohnt sich. Je mehr du dich traust desto mehr Türen gehen in deinem Leben auf und es wird immer leichter. Beobachte wie die Angst langsam abklingt wenn du in der Situation bleibst ohne zu flüchten. Sei nicht böse mit dir wenn es mal nicht klappt. Versuche es wieder und wieder. Wenn du mal absagst oder flüchtest sei nicht böse mit dir.

30) Nimm Kontakt zu Menschen auf die ähnliche Krisen gemeistert haben, halte dich fern von Menschen die dir nicht gut tun und dir Energie entziehen. Akzeptiere wenn jemand keinen Kontakt zu dir möchte

31) Mache dir klar das es mehrere Arten gibt die Welt zu sehen. Die reale Welt der Fakten und des Verstands und eine emotionale, magische Welt in der alles miteinander verwoben ist. Es sind meiner Meinung nach unterschiedliche Blickwinkel auf unsere Welt und beide sind real. Deine Aufgabe ist es deine Intuition zu nutzen ohne dich in der anderen Welt zu verlieren. Der Mensch ist ein spirituelles Wesen. Es ist ein Bedürfnis. Meiner (persönlichen) Auffassung nach sind Psychosen verwandt mit spirituellem Erwachen. Nur, wenn du noch nicht gelernt hast dich zu erden und in der Lage bist die krassen Erfahrungen und Empfindungen zu integrieren kann Spiritualität gefährlich für dich sein. Wenn du dir nicht sicher bist, lass das Thema lieber bis du bereit dafür bist und idealerweise einen spirituellen Führer hast der dich durch diese andere Welt führt und die Gefahren kennt. Wenn du spirituelle Bücher liest, behalte einen klaren Kopf und sei kritisch. Du kannst jeder Zeit aus der spirituellen Welt aussteigen, wenn es dir nicht gut tut. Wenn du mit Spiritualität gar nichts anfangen kannst, dann ist das auch völlig in Ordnung. 

32) Ein ganz wichtiger Tipp für Menschen die zu Wahnvorstellungen neigen: Hüte dich vor Epiphanien, wie “ja, das ist die Wahrheit”, “ja jetzt habe ich alles verstanden” “JETZT ergibt alles einen Sinn”, “Da steckt doch dies oder jenes dahinter”. Das könnte ein Wahn sein. Bleib lieber auf der Erde und verbinde dich mit deinem Körper. Erkenne wenn du dabei bist in ein “System” abzudriften und hol dich zur Realität zurück.

33) Schreibe deine Werte und Ziele auf. Das ist ein sehr wirksames Mittel um langfristig Veränderung herbeizuführen. Versuche im Alltag so zu handeln das es dich deinen Zielen näher bringt

34) Entwickle ein positives MIndset und positives Selbstgespräch, mache dir aber gleichzeitig klar dass Gedanken nicht wichtig sind. Sie sind nicht real. Nehme IMMER die Haltung eines interessierten, neutralen Beobachters ein. Je mehr du etwas denkst desto mehr Synapsen bilden sich in deinem Gehirn und die Gedanken schleifen sich ein. Wenn du anfängst positiv zu denken sind die Bahnen vielleicht noch ein Trampelpfad, doch mit der Zeit je mehr du die positiven Gedanken wiederholst wird aus dem Pfad eine Straße und schließlich eine Autobahn. Du kannst positives Denken trainieren wie einen Muskel. Sei aber nicht böse mit dir wenn deine Gedanken noch negativ sind. Fürchte dich nicht vor deinen eigenen Gedanken. Sie sind nicht real

35) Höre  entspannende Musik und tauche in angenehme Klangwelten ein die du noch nicht kennst. Spotify ist ideal für das Entdecken neuer Künstler

36) Wenn du eine Beziehungsidee hast, der Gedanke das ein Lied im Radio oder ein Ereignis etwas mit dir zu tun hat – nimm es interessiert wahr und kümmere dich nicht weiter darum. Mach mit dem weiter was du gerade tust und was gerade wichtig ist

37) Sei nicht so hart zu dir, sondern nachgiebig. Was würdest du einem guten Freund in dieser Situation raten?

38) Du kannst auch über dich lachen 🙂 Nimm das alles nicht so todernst

39) Deine schwierigen Zeiten und was du durchmachen musst sind Lebenslektionen. Sie helfen dir zu wachsen und ein besserer Mensch zu werden. Vergiss nicht: Krisen gehören zum menschlichen Erleben dazu und in jeder Krise steckt eine Chance. Du wirst nie mehr der alte sein. Du wirst besser sein. Glaube ganz fest daran. Hör auf sich selbst zu bemitleiden oder jemandem die Schuld zu geben und übernehme die Verantwortung für dein Leben.

41) Die Welt braucht dich und du bist unendlich wertvoll. Lerne dich zu lieben und dir zu vergeben. Dein Leben wird besser sein als du es dir jetzt noch vorstellen kannst

42) Gib nie, nie, niemals auf. Alle glauben an dich. Du schaffst das!

Das waren meine Tipps. Gerne diskutiere ich mit euch über einzelne Punkte. 

Habt einen schönen Tag 🙂

Niko

Radikale Zuversicht

Ich denke zur Zeit häufig daran, wie unbeschreiblich geil es ist , einfach am Leben zu sein. Die Psychose klingt ab und der Genuss der Realität beginnt. Ich habe mein Leben im Griff.

Das Leben ist ein Mysterium, niemand weiß mit Sicherheit, warum wir es haben und was wir damit tun sollen. Es ist ein Geschenk und es ist kein Zufall. Wir haben Chancen, wir machen Erfahrungen, die Zeit ist begrenzt und das macht das Leben nur umso wertvoller und kostbarer. Wir sind auf der Reise durch diese wundervolle Welt mit ihrer Perfektion und Schönheit. Wir sind acht Milliarden Menschen, alle verschieden, einzigartig und wertvoll. Wir versuchen diese begrenzte Zeit mit allen möglichen positiven Erlebnissen zu füllen, aber manchmal erleben wir auch Rückschläge und Enttäuschungen und Schmerzen. Wir werden alt, krank und müssen irgendwann sterben. Das ist auch ein Teil des Lebens, es gehört dazu. Die Zeit verrinnt und wir gehen unseren Weg weiter. Wir machen das Beste daraus.

Ich habe radikale Zuversicht. Egal was mir mein Verstand und mein Unterbewusstsein auf meinem inneren Bildschirm präsentieren, ich hole mich immer wieder freundlich in die Realität zurück, das mache ich, bis ich gesund werde.

Egal wie blasphemisch, sexuell, verstörend, agressiv und furchteinflößend, schwarz gemalte Zukunft und Erinnerungen an persönliche Misserfolge,  ich weiß es sind nur Gedanken: nicht mehr, nicht real. Trugbilder, Illusionen, gesprochene Worte im Kopf, unwichtig.

Was stattdessen wichtig ist: Ich handle so, wie es meinen Werten entspricht und habe die felsenfeste Gewissheit, dass sich alles zum Guten wendet. Ich vertraue ins Leben. Unsere Seele will wachsen, gedeihen und gesund werden. Das Leben möchte sich entwickeln und wachsen.

Ich bin radikal zuversichtlich. Wo stehen Sie auf dem Weg in die geistige Gesundheit? Ich will Ihnen Mut machen. Freuen Sie sich über kleine Dinge wie den ersten Morgenkaffee oder einen Spaziergang an der frischen Luft, über ein leckeres Mittagessen. Das Leben hat Ihnen so viel zu bieten. Beginnen Sie, dieses Leben einfach zu genießen und seien Sie fröhlich. Seien Sie mutig, seien Sie geduldig.

Die Schatten werden vorüberziehen und es wird besser, versprochen. Der Körper verfügt über unvorstellbare Selbstheilungskräfte und das Gehirn kann sich bis an unser Lebensende neu vernetzen und ein Leben in Zufriedenheit und Glück ermöglichen, wenn wir es entsprechend trainieren. Ist das nicht eine gute Nachricht und ein Wunder? Das erfordert viel Zeit und Ausdauer. Es ist kein Sprint, sondern ein Marathonlauf und irgendwann kommen wir an unserem Ziel an.

Für mich als Christ ist dieses Ziel die Gemeinschaft mit Gott und die Gewissheit, das Beste aus meinem Leben gemacht zu haben, wenn ich einmal sterbe. Dann werde ich staunen und verstehen, dass alles seinen Sinn hatte: jeder Rückschlag, jede seelische Narbe und jedes Scheitern. Ich musste das alles erleben, damit ich als Mensch wachse und mir klar darüber werde, wer ich bin und was ich will. Ich mache mir Gedanken über die Ewigkeit, die Sterblichkeit und ich habe keine Angst vor dem Tod, denn Jesus hat den Tod besiegt. Ich bin von guten Mächten beschützt und geborgen. Die Schatten gehen vorbei und ich bin in Sicherheit.

Mit meiner Arbeit und diesem Blog möchte ich Menschen helfen, sie begleiten und Ihnen Mut machen. Das ist mein Auftrag. 

Die Inspiration kommt nicht durch mich, sondern durch den heiligen Geist. Ich will Gottes Werkzeug der Liebe sein.

Die Seele will gesund werden.

Tipps für Angehörige

Begleiten Sie einen Menschen, mit paranoider Schizophrenie? Einen Partner, ein Elternteil, ein Kind oder eine Freundin oder Bekannte?

Schizophrenie ist für das gesamte soziale Netzwerk des Betroffenen eine große Herausforderung. Gleichzeitig ist dieses Netzwerk für die Genesung des Betroffenen sehr wichtig. Wer einsam ist und keine Freunde und Familie hat, hat es viel schwerer einen Ausweg aus der Krankheit herauszufinden.

Schizophrenie ist eine hinterhältige, hartnäckige Erkrankung welche die Lebensqualität massiv einschränkt. Ihr geliebter Mensch leidet und es ist schwer ihm/ihr zu helfen, was zu Hilflosigkeit und Schuldgefühlen führen kann: Was habe ich falsch gemacht?

Vorwürfe und Hilflosigkeit

Eine wichtige Botschaft wenn Sie ein Elternteil sind, sie haben nichts falsch gemacht! Schuldgefühle haben keinen Nutzen, also quälen Sie sich nicht damit. Schizophrenie ist eine multifaktorielle Erkrankung und ist ein Gemisch aus Genetik, Umwelteinflüssen und der individuellen Biografie des erkrankten Menschen. Etwa 1% der Menschen auf der Welt “erwischt” es einfach, das gilt es erst mal zu akzeptieren und sich auf die Lösungen zu konzentrieren statt in der Vergangenheit zu graben was alles schief gelaufen ist.

Meine Mutter hat sich im Verlaufe meiner 20-jährigen Psychoseerfahrung viele Vorwürfe gemacht, was sie hätte anders machen sollen, ich habe versucht sie zu überzeugen dass das weder hilfreich, noch sinnvoll ist. Weiterhin hat sich meine Mutter sehr hilflos gefühlt. Sie musste mit ansehen wie ihr geliebtes Kind leidet und war machtlos. Das hat sie frustriert und teilweise wütend gemacht. Sie hat viel emotional reagiert und mir Vorwürfe gemacht warum “ich mir das antue” und warum “ich die Gedanken nicht einfach wegklicke” und dass “es doch vorbei geht”.

Sie konnte einfach nicht nachvollziehen, dass ich in meiner Gedankenwelt so versunken war und dass ich so sehr an meinen Gedanken litt dass ich mich mit extremen Gefühlszuständen konfrontiert sah – so dass ich einfach keinen Ausweg sehen konnte. Ich konnte nichts dafür und hatte keine Kontrolle darüber. Ich gab mein Bestes und versuchte mit meiner Situation so gut umzugehen wie es eben ging. Meine Schwester machte mir auch Vorwürfe und kommentierte manchmal nach dem Tenor: man müsse “sich einfach zusammenreißen”. Diese Gedanken helfen schizophrenen Menschen gar nicht, weil es manchmal einfach nicht geht. Sie würden auch niemanden mit einem gebrochenen Bein animieren wollen, einen 100 Meter Lauf zu machen.

High expressed emotions

Problematisch sind die sogenannten “high expressed emotions”. Also hoch emotionale Kommunikation und Gefühlsausbrüche mit Wut, Ärger, Sorge oder Angst. Für Menschen mit Schizophrenie, die in der Regel sehr sensibel und verletzlich sind, sind diese emotionalen Ausbrüche ein großes Problem und eine Zusatzbelastung zu den schon vorhandenen, psychotischen Symptomen.

Versuchen Sie wohlwollend, empathisch und gelassen mit Ihrem Angehörigen zu kommunizieren.

Beziehungen und Krisen

Vor etwa 8 Jahren hatte ich eine sehr schöne, liebevolle Beziehung innerhalb derer eine neue Krankheitsepisode stattfand. Zu dieser Zeit zog ich mit meiner damaligen Freundin zusammen – welche noch studierte und wir verbrachten viel Zeit in unserer gemeinsamen Wohnung, welche meine Freundin sehr schön eingerichtet hatte, sie ist ein sehr kreativer Mensch und hat ein Händchen für Innenraumgestaltung.

Meine erwähnte Krankheitsphase war für uns beide sehr schwierig. Meine Freundin kümmerte sich um Haushalt und Essen, während ich die meiste Zeit auf der Couch verbrachte und mit meinen Gedanken kämpfte. Sie rutschte in eine Art “Mama-Rolle” und das war für unsere Beziehung nicht gut. Aber, sie hatte schon vor meiner Erkrankung versprochen (sie kannte meine Geschichte) “wenn dir nochmal sowas passiert, hole ich dich da raus!”. Und genau das hat sie auch gemacht. Viele Ihrer Freunde fragten, ob ihr dass nicht zu stressig wäre mit mir. Aber sie sagte darauf hin: “Ich bin erwachsen und weiß was ich tue”.

Meine Freundin war mir eine große Hilfe und sie verhielt sich ideal um zu meiner Gesundheit beizutragen und durch diese schwierige Phase zu navigieren. Wie hat sie das geschafft? Sie sagte immer wieder, es gehe darum “gelassen zu begleiten”. Sie hörte mir geduldig zu, wenn ich mal wieder Wahnideen hatte und von meinem Innenleben berichtete. Sie gab mir ein Gefühl von Wärme, Mitgefühl und Vertrauen. So konnten wir die Belastung gemeinsam schultern und sie war für mich ein Anker in dieser schwierigen Zeit. Wir haben viel geredet, waren gemeinsam spazieren und sind oft Essen gegangen. Die Psychose war hartnäckig, aber Schritt für Schritt kehrte ich, begleitet von meiner Freundin, ins Leben zurück und konnte wieder einem Beruf nachgehen.

Doch, in dieser Phase ist etwas zwischen uns kaputt gegangen und zwei Jahre später, ich war wieder gesund, trennte sich meine damalige Freundin von mir. Wir sind aber immer noch Freunde. Sie hatte viel Verantwortung für mich übernommen und mir durch diese schwierige Phase meines Lebens geholfen, mit Gelassenheit, Empathie und Kommunikation.

Tipps zum Umgang mit psychisch kranken Menschen

Versuchen Sie für Ihren Angehörigen einfach “da zu sein”, versichern Sie ihm immer wieder dass alles in Ordnung ist, das alles gut wird, bieten Sie einen “safe space”, einen sicheren Ort und Rahmen innerhalb dessen der schizophrene Mensch an sich arbeiten und gesund werden kann. Hören Sie zu, bleiben Sie gelassen und bieten Sie immer wieder Hilfe und Angebote zu gemeinsamen Aktivitäten an, wie Spaziergänge, gemeinsamer Sport, gemeinsames Kochen. Machen Sie Ihrem Angehörigen klar dass Sie für ihn da sind, dass sie ihn in seinem Leid annehmen und dass er Ihnen vertrauen kann. Vermeiden Sie Vorwürfe und “high expressed emotions”. Die Gedankenwelt eines Schizophreniekranken kann fremdartig und verstörend sein. Bleiben Sie cool und helfen Sie Ihrem Nächsten indem Sie ihn in seiner Erlebniswelt zwar ernst nehmen aber Wahnideen geduldig entkräften und ihm/ihr so immer wieder helfen den Weg zurück in die Realität zu finden. Dafür brauchen Sie Engelsgeduld und viel Zeit.

Verantwortung

Eines müssen Sie sich aber auch klar machen (wenn Ihr Angehöriger erwachsen ist), er/sie ist erwachsen und für sein Glück und seine Gesundheit selbst verantwortlich. Es ist sein/ihr Leben.

Natürlich würden Sie alles dafür tun diesem Menschen zu helfen, aber wichtig: Sie können ihn/sie nur begleiten, nicht heilen. Ihr geliebter Mensch muss seinen eigenen Weg gehen und, ich sage es nochmal, er ist für sich selbst, seine Gesundheit, sein Glück verantwortlich. Es ist wichtig dass sie Ihre Grenzen achten und sich nicht überfordern. Es bringt nichts wenn alle gemeinsam in den Abgrund stürzen, wenn Sie selbst ausbrennen, können Sie niemandem helfen und niemand hat etwas davon.

Wenn Sie in einer Hausgemeinschaft leben, versuchen Sie Ihrem Angehörigen einfache Aufgaben zuzuteilen, wie Staubsaugen, Aufräumen, Wäsche und Abwasch machen, Medikamente richten oder einkaufen. Das wird ihn/sie etwas von der Fixierung auf das Seelenleben ablenken und sorgt für etwas mehr Selbstwirksamkeit.

Alte Muster

In einer Eltern/Kind Beziehung rutscht man sehr oft in alte Muster.

Als meine Mutter Anfang 2024 für zwei Monate zu Besuch war, ist genau das passiert. Mein Mutter nahm mir alles ab und kümmerte sich um Essen und Haushalt. Ich war sehr unordentlich und schlampig und immer wieder ermahnte mich meine Mutter darüber was ich anziehen soll, wie ich mich beim Essen verhalte, wenn ich Flecken auf der Kleidung hatte und so weiter. Weiterhin hatte Sie kein Verständnis für meine psychotischen Symptome und mein Ruhebedürfnis. Ich rutschte in eine Kleinkindrolle und dass frustrierte mich sehr. Ich wollte als Erwachsender akzeptiert und angenommen und begleitet werden, andererseits “verhielt” ich mich wie ein Kind und wurde deswegen auch so behandelt. Mir, als 42-jährigen erwachsenen Mann war dass einfach nur peinlich und ich schluckte meinen Ärger herunter.

Ein gescheiterter Abend

In einer Situation, an die ich mich gut erinnere, wollten wir einen schönen Abend in der Stadt erleben. Ich suchte als Veranstaltung einen “poetry slam” aus, kaufte die Tickets und plante die Reise. Abendveranstaltungen stellten für mich ein großes Problem dar hinsichtlich meiner psychotischen Ängste. Bereits zwei Stunden´ bevor wir in den Bus stiegen um in die Stadt zu fahren wurde ich sehr nervös, ich äußerte dass gegenüber meiner Mutter aber Sie nahm mich nicht ernst und dachte “ich spinne mal wieder”. Wir waren eine Stunde zu früh, suchten uns einen Platz und bestellten uns was zu trinken. Meine Mutter war voller Vorfreude, aber mir ging es immer schlechter und ich wurde immer stiller. Gedanken prasselten auf mich ein wie ich so da saß und auf mein Getränk starrte. Ich sagte meiner Mutter dass ich das nicht schaffe und dass es mir nicht gut geht. Ich hatte psychotische Zwangsgedanken, Erinnerungen, Ängste und da baute sich immer mehr psychischer Druck auf der nicht auszuhalten war. Das Warten auf den Auftritt wurde zur Qual. Ich ging mehrmals nach draußen zum Rauchen und meine Mutter überredete mich, mir was zu Essen zu bestellen, das schien mir viel zu anstrengend und aufwändig, aber ich gab nach und schaufelte das Essen lustlos in mich hinein.

Ich äußerte immer wieder mein Unbehagen und meine Mutter konnte einfach nicht nachvollziehen warum es mir nicht gut geht und sie wurde wütend dass ich ihr den schönen Abend ruiniere. Irgendwann war es nicht mehr auszuhalten und ich bat meine Mutter kurz vor Beginn der Veranstaltung dass wir doch bitte nach hause gehen sollen. Meine Mutter stimmte zu und wir machten uns auf den Weg, wobei ich heftige Zwangsgedanken hatte und sehr von mir enttäuscht war.

Das sind Situationen, wo ich mir einfach mehr Mitgefühl, Rücksicht und Verständnis von meiner Mutter gewünscht hätte. Ich hatte so schon genug Probleme, als dass ich noch Energie für die Vorwürfe meiner Mutter gehabt hätte.

Reizabschirmung

Insbesondere während der Negativsymptomatik haben schizophrene Menschen ein hohes Bedürfnis nach Ruhe und Reizabschirmung. Sie brauchen viel Zeit für sich um die vielen Reize des Lebens zu verarbeiten. Das gilt es zu akzeptieren. Andererseits ist ein “zuviel” an hinlegen und ausruhen nicht so gut. Bieten Sie immer wieder gemeinsame Aktivitäten an und versuchen Ihren Angehörigen zum Sport zu motivieren (Sie Artikel Kraft der Bewegung)

Mahlzeiten

Mit einer gesunden Gestaltung Ihrer gemeinsamen Mahlzeiten können Sie positiv auf die psychische Gesundheit Ihres Angehörigen einwirken. Dass Gehirn braucht ausreichend Nährstoffe und Vitamine damit es zuverlässig funktioniert. Beachten Sie hierzu meinen Artikel: Nahrung für die Seele.

Experte für die Krankheit werden

Informieren Sie sich im Internet, Foren, Büchern und Seiten wie diesem Blog über das Thema Schizophrenie, Therapieansätze und Medikamente. Werden Sie (und Ihr Angehöriger) zum Experten für die Krankheit. Sie können Ihren Angehörigen auch beim Besuch beim Psychiater begleiten oder wenn Ihr Angehöriger in einem Krankenhaus ist, das gemeinsame Gespräch mit dem behandelnden Arzt suchen. Diese Gespräche helfen dabei, das weitere Voranschreiten der Genesung im Blick zu behalten. Werden Sie ein Team mit Ärzten und Betreuern welche zum Ziel die Genesung Ihres Angehörigen hat.

Es gibt sehr viele Stellschrauben an denen man drehen kann um die psychische Gesundheit zu fördern (viele Tipps zu Schizophrenie finden Sie in diesem Blog), dazu gehören Medikamente, Freizeitgestaltung, Hobbies, Sport, Entspannungstechniken, Tagebuch führen, Tagespläne, Spiritualität, Beschäftigung, Arbeit und Ernährung. Die mentale Gesundheit besteht aus einem Mosaik konsequenter sinnvoller Aktivitäten, Einstellungen, Handlungen, Mut und Geduld.

Es gibt Hilfe und Unterstützung durch Profis – sie müssen diesen Weg nicht alleine gehen. Beziehen Sie Freunde, Familie, Bekannte und Gemeinde in die Genesung Ihres Angehörigen mit ein.

Klinikaufenthalte und Gefährdung

Sie können versuchen die Krankheit ihres Mitmenschen möglichst von zuhause aus zu managen. In manchen Situationen kommt man aber an eine Grenze. Zum Beispiel wenn Ihr Angehöriger die Medikamente verweigert, nicht mehr schlafen kann, fremdaggressiv reagiert (über verbales hinaus) oder konkrete Pläne äußert sich etwas anztun. Problematisch ist auch eine fehlende Krankheitsansicht und wenn das Vertrauen in die Angehörigen verloren geht und die Symptome so überhand nehmen dass ein erträgliches Miteinander nicht mehr funktioniert. Wenn auch der gemeinsame Besuch beim Psychiater keine Verbesserung der Lage bringt wird es Zeit sich Hilfe zu holen.

Versuchen Sie Ihren Angehörigen zu überzeugen dass er Hilfe braucht und denken Sie über einen Klinikaufenthalt nach. Dort bekommt er/sie Hilfe. Die Psychiatrie ist kein schöner Ort und im deutschen Psychiatriesystem ist nicht alles so wie es sein sollte aber etwas besseres haben wir nicht.

Wenn die Gefährdung zu massiv wird und Ihr Angehöriger gar nicht mehr zugänglich ist müssen Sie auch über eine Zwangseinweisung nachdenken. Niemand will seinem Kind oder Partner so etwas freiwillig antun aber wenn es keine Alternative gibt, ist dass immer noch besser als das etwas passiert, was hätte vermieden werden können.

Im Krankenhaus arbeiten Profis, die schon vielen Menschen geholfen haben, suchen Sie das Gespräch mit den behandelnden Ärzten, besuchen Sie (und ihr soziales Netz) den Angehörigen im Krankenhaus und bleiben Sie in Kontakt. Wenn Sie mögen geben Sie Ihrem Angehörigen diesen Blogartikel zu lesen: (Psychiatrieaufenthalte meistern). Das könnte ihm/ihr auch einige Ängste nehmen, insbesondere wenn es der erste Besuch in einer Psychiatrie ist.

Tagesstruktur etablieren

Man hat es sicher schon 100 mal gehört, eine Tagesstruktur ist wichtig für die psychische Gesundheit. Sie reduziert Stress, sorgt für Orientierung, gibt Halt und fördert das allgemeine Wohlbefinden. Sie hilft, unsere richtigen, werteorientierten Handlungen auszuführen und wir müssen uns weniger Gedanken machen und Energie verschwenden wie wir unseren Tag gestalten. Durch das konkrete, schriftliche commitment kann ich es schaffen Widerstände zu überwinden und den Aktivitäten nachzugehen von denen ich weiß dass sie mir gut tun, es unterstützt die Disziplin die ich brauche um gesund zu werden.

Wenn Sie gerade berufstätig sind, so wird das ihren Tag automatisch etwas strukturieren. Wenn nicht, schnappen Sie sich einen Zettel oder legen eine Datei auf Ihrem Computer an und erstellen einen konkreten, flexiblen Tagesablauf und versuchen Sie sich an ihn zu halten.

Beispiel

Hier ist meine Struktur die ich für Wochentage etabliert habe und die mich durch meinen Alltag trägt

  • 5 Uhr aufstehen, Kaffee, Tagebuch, Youtube
  • 6 Uhr 30 Morgenroutine (Spaziergang, duschen, Frühsport, meditieren, beten, frühstücken)
  • einkaufen
  • Lesen
  • 11 Uhr 30 kochen und essen
  • ausruhen
  • 14 Uhr Sport
  • 30 Minuten singen
  • 30 Minuten Gitarre spielen
  • Computerspiel spielen
  • 17 Uhr ausruhen
  • Freizeit (lesen, fernsehen, spielen)
  • 21 Uhr schlafen

Früh aufstehen

Am Morgen ist mein Geist am klarsten und ich bin am produktivsten. Am Liebsten blogge ich in den frühen Morgenstunden. Ich genieße den ersten Morgenkaffee, schreibe Tagebuch und fülle meinen Kopf mit meinen liebsten, positiven Youtubevideos. Probieren Sie es aus!

Dann beginnt meine Morgenroutine, die ich immer gleich ausführe und die in der Regel um 6 Uhr 30 beginnt: Spaziergang, duschen, Frühsport, meditieren, beten, frühstücken. Sie gibt mir Halt um in den Tag zu starten und ich muss mir keine Gedanken machen was ich mit meiner Zeit anfangen will.

Flexibilität

Mein Tagesplan ist flexibel und er muss nicht perfekt ausgeführt werden. Manche Tagespunkte haben eine feste Uhrzeit, andere folgen frei aufeinander und der Ablauf ist flexibel. Das macht ihn erfolgreich und realistisch.

Pausen

Zuviel auf der couch liegen und grübeln sollten Sie vermeiden, aber Pausen sind wichtig. Ich mache eine größere Pause (1h) nach dem Mittagessen und eine abend/nachmittagspause um 17 Uhr. Beachten Sie die Tipps aus diesem Artikel (Richtig entspannen). Setzen Sie sich einen Timer, damit die Liegezeit begrenzt bleibt und Sie sich danach wieder einer Aktivität zuwenden.

commitment

Geben Sie sich selbst das Versprechen, sich an Ihren Tagesablauf zu halten, mit dem Ziel dass es Ihnen langfristig psychisch besser geht. Bleiben Sie realistisch, freuen Sie sich über Ihre Erfolge, versuchen Sie 80% richtig zu machen. Belohnen Sie sich nach einem erfolgreichen Tag, zum Beispiel mit einer Tafel Schokolade oder einem alkoholfreien Bier.

Drucken Sie sich Ihren Plan aus und kleben Sie es an eine Wand wo Sie ihn gut sehen können.

Überprüfen Sie Ihren Plan regelmäßig und nehmen Veränderungen vor, wenn nötig.

Viel Erfolg mit Ihrem Tagesplan!

Akzeptanz– und Commitment–Therapie (ACT)

Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (Acceptance and Commitment Therapy, ACT) wurde in den 1980er Jahren von Steven C. Hayes, einem amerikanischen Psychologen, entwickelt. Die Entwicklung von ACT war Teil einer größeren Bewegung innerhalb der Verhaltenstherapie, die als „dritte Welle“ der Verhaltenstherapien bezeichnet wird. 

ACT basiert auf der Relational Frame Theory (RFT), einer umfassenden Theorie der menschlichen Sprache und Kognition, die ebenfalls von Steven C. Hayes und seinen Kollegen entwickelt wurde. ACT kombiniert traditionelle behaviorale Therapieansätze mit Achtsamkeitsstrategien und Techniken zur Steigerung der psychischen Flexibilität, die uns helfen kann ein höheres Maß an geistiger Gesundheit zu erlangen und psychische Probleme zu bewältigen.

Was ist ein Relational Frame (RFT)?

In der Therapie wird RFT verwendet, um Menschen zu helfen, ihre sprachlichen und kognitiven Prozesse zu verstehen und zu verändern. Dies kann helfen, maladaptive Denkmuster zu durchbrechen und flexibler auf innere und äußere Erfahrungen zu reagieren. 

RFT bietet somit eine tiefere Einsicht in die Mechanismen der menschlichen Sprache und Kognition und deren Einfluss auf das Verhalten. Es bildet die theoretische Grundlage für viele der Techniken, die in der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) verwendet werden. 

Ein Beispiel von mir (Angst vor der Angst)

Ich hatte früher sehr große Ängste vor sozialen Situationen. Insbesondere wenn ich nicht zu jeder Zeit “flüchten” konnte, beispielsweise bei einem Restaurantbesuch mit einem Freund. Es hat sich eine Verbindung zwischen der Situation und dem “Angst erleben” entwickelt. Diese Verbindung wird durch die Relation „Wenn ich in diese Situation gehe, werde ich Angst haben“ verstärkt. Das ist ein relational frame.

Mit ACT kann es gelingen, ein neues relational frame zu schaffen. Durch die Anwendung der RFT konnte ich lernen, die Angst vor der Angst besser zu verstehen und zu managen. Indem ich meine Gedanken distanziert betrachte und neue, positivere Relationen zwischen Situationen und emotionaler Reaktion schaffe, konnte ich meine Lebensqualität verbessern und mich wieder an Aktivitäten beteiligen, die ich zuvor gemieden habe, oder die große Angst in mir auslösten. Mein letzter Restaurantbesuch war ein voller Erfolg und ich habe mich schon gewundert, wo denn die Angst heute Abend bleibt.

Kognitive Defusion

Ein zentrales Anliegen von ACT sind die Techniken der kognitiven Defusion. Es geht darum, dass wir nicht mit unseren Gedanken “fusioniert”, das heißt, verschmolzen sind. 

In unserem Kopf gibt es eine Denkmaschine, die pausenlos damit beschäftigt ist, zu analysieren, Probleme zu lösen, in der Vergangenheit zu graben, Vorhersagen zu treffen, sich die Zukunft auszumalen und Gefühlspolizei zu spielen.

Wir brauchen unsere Denkmaschinen, denn sie ermöglichen es uns Menschen hervorragende Leistungen abzuliefern und Probleme zu lösen. So haben wir beispielsweise die Elektrizität entdeckt, das Internet erfunden oder sind in der Lage, Flugzeuge zu bauen. Das Problem ist, dass unsere Denkmaschinen arrogant sind und sich für alles zuständig fühlen, auch für unser emotionales Erleben und das ist ein Problem.

Wir können lernen, uns von unseren Gedanken zu distanzieren, sie in der Rolle des stillen Beobachters wahrzunehmen und vorbeiziehen zu lassen. Hierfür kennt ACT die sogenannten “Defusionstechniken”. 

Ein Beispiel ist die Mickymaus Methode. Wir verschieben die Gedanken, gesprochene Worte in unserem Kopf, in eine piepsige Mickymausstimme. Vor dieser Stimme ist es weniger möglich, sich zu fürchten und es kann besser gelingen, sich von den Gedanken zu distanzieren. Ein weiteres Beispiel ist die “BEBE” Sprache, eine Geheimsprache wie sie Kinder gerne mögen. Aus “Ich habe solche Angst durchzudrehen” wird “Ibich hababe sobolche Abangst duburchzubedrebehen”.

Oder ich bin bei einem Spaziergang und denke “Ich kann jetzt nicht spazieren” oder “Ich spaziere nicht”.

Betrachten Sie folgendes Bild

Quelle: Das Leben annehmen (Matthias Wengenroth 2016)

Es geht darum, wie wir auf das, was in unserem inneren Bildschirm auftaucht, reagieren. Die linke Figur ist mit dem Gedanken verschmolzen und hat keine Distanz, so entsteht das psychische Leiden. Die rechte Figur ist gelassen und entspannt, egal was der Verstand da einem auf dem inneren Bildschirm präsentiert. Diese Einstellung gilt es zu kultivieren.

Unangenehme Gefühle

Unser Verstand versucht oft, uns vor unangenehmen Gefühlen zu schützen, indem er uns dazu bringt, diese Gefühle zu vermeiden. Diese Vermeidungsstrategien können kurzfristig Erleichterung bringen, führen aber langfristig oft zu einer Vergrößerung der Probleme und Einschränkung unseres Lebens.

Es gibt in unserem Kopf einen Angsttiger und je mehr wir ihn füttern, desto größer wird er. Am Anfang ist er noch klein wie eine Hauskatze. Doch es kann dazu kommen dass wir immer mehr angstauslösende Situationen vermeiden wollen (Der Verstand versucht, uns damit zu schützen). “Ok, dieser Restaurantbesuch macht mir Angst? Na gut, ich bleibe lieber zuhause, da bin ich sicher, ich will dieses Angstgefühl nicht haben”. 

Der Angsttiger wird gefüttert und er wird immer hungriger. In manchen Fällen kann es dazu führen, dass immer mehr Situationen, die angstbesetzt sind, vermieden werden. Ich gehe nicht mehr einkaufen, ich kann nicht mit dem Bus fahren, ich kann nicht spazieren gehen. 

Als ich etwa 2006 in Ulm studierte, lebte ich in einer WG und es ging mir sehr schlecht. Ich sammelte meinen Urin in Plastikflaschen in meinem Zimmer, weil ich Angst davor hatte, auf dem Weg zum Klo einem Mitbewohner zu begegnen. Solche Blüten kann die Vermeidungsstrategie treiben und deswegen ist es ist sehr wichtig gegenzusteuern, indem man Exposition betreibt, das heißt “sich den angstbesetzten Situationen zu stellen” und zu beobachten wie der Angstlevel sich von alleine wieder senkt, das nennt man “Habituation”. Ein neues relational frame entsteht. Ich schaffe eine neue Beziehung zwischen der “Situation” und dem Gedanken, dass ich sie meistern kann. So lerne ich mit der Zeit, immer herausforderndere Situationen zu meistern, ohne dass die gefürchtete Angst eintritt und das stärkt mein neues relational frame.

Die gute Nachricht ist: dieses Gegensteuern kann gelingen, egal wie sehr sich die Angst schon ausgebreitet hat, indem die ACT-Konzepte konsequent umgesetzt werden. Aus der Sicht von ACT gibt es keine kaputten Menschen und hoffnungslosen Fälle.

Durch die Anwendung der RFT kann ich lernen, die Angst vor der Angst besser zu verstehen und zu managen. Indem ich Gedanken distanziert betrachte und neue, positivere Relationen zwischen Situationen und ihrer emotionalen Reaktion schaffe, kann ich meine Lebensqualität verbessern und mich wieder an Aktivitäten beteiligen, die ich zuvor gemieden habe. Die Techniken der kognitiven Defusion und das Schaffen neuer Relational Frames sind zentrale Werkzeuge in diesem Prozess.

ACT zielt darauf ab, problematische Denkweisen zu erkennen und neue Wege des Umgangs mit ihnen zu finden. Anstatt Gedanken und Gefühle zu vermeiden oder zu bekämpfen, lehrt ACT, sie zu akzeptieren und sich auf die Werte und Handlungen zu konzentrieren, die ein erfülltes und bedeutungsvolles Leben fördern. Durch die Steigerung der psychischen Flexibilität kann man lernen, den Verstand als nützliches Werkzeug zu nutzen, anstatt von ihm beherrscht zu werden. 

Bereitschaft

Stellen Sie sich Ihren Angstlevel als Gerät zur Einstellung der Temperatur vor. Nehmen wir an der Angstlevel steht auf einer 8. Sie können versuchen das Gerät auf 0 einzustellen, Sie werden bald darauf feststellen, dass sich dieses Level bald wieder auf seiner gewohnten 8 einpendelt.

Anders sieht es aus, wenn Sie Ihren “Bereitschafts”-Thermostat einstellen. Seien Sie “bereit”, alles zu denken und zu fühlen, was Sie denken und fühlen wollen. Alle Gedanken sind erlaubt. Es sind nur Gedanken. Wenn der Bereitschaftsthermostat hoch eingestellt ist werden Sie feststellen dass sich Ihr Angstlevel-Gerät automatisch niedriger einstellt und dass ist die Kraft der “Bereitschaft” im Sinne von ACT. 

Versuchen Sie nicht, die negativen Gedanken und Gefühle zu vermeiden oder zu kontrollieren, sondern lassen Sie sie konsequent zu. Es geht darum, schwierige innere Erlebnisse zu akzeptieren, anstatt vor ihnen wegzulaufen oder sie zu bekämpfen. 

Metaphern

ACT arbeitet gerne bildhaft und mit Metaphern um die zugrunde liegenden Konzepte zu verdeutlichen und verständlicher zu machen

Aquarium

Stellen Sie sich die Gedankenwelt wie ein Aquarium vor. In diesem Aquarium schwimmen die verschiedensten Fische, manche hübsch, manche hässlich. Wir beobachten die Fische (Gedanken) einfach, ohne nach ihnen zu greifen.

Es geht darum Gedanken als das zu erkennen was sie sind, gesprochene Worte in unserem Kopf, nicht mehr und nicht weniger.

Tauziehen

Oft fühlt sich unser inneres Erleben wie ein Tauziehen an. Negative gegen gute Gedanken. Das kostet viel Energie und Mühe. Je mehr man auf eine Seite zerrt, desto mehr Widerstand bildet sich. Es gilt zu verstehen: dieser Kampf ist nicht zu gewinnen. Das bedeutet nicht, dass sie resigniert aufgeben, im Gegenteil: Es geht darum, mit dem ewigen Kampf aufzuhören, zu beginnen, sich auf die Werte und Ziele zu fokussieren.

Monster auf dem Weg

Nehmen wir an, Sie gehen Ihren Lebensweg und möchten eine bestimmte Situation erleben. Nun stellt sich da ein großes Monster in den Weg, welches Ihnen den Weg versperrt. Sie könnten gegen das Monster kämpfen, aber es ist sehr groß und kräftig – das scheint keine Option. Sie haben die Möglichkeit, einen anderen Weg einzuschlagen, um die Konfrontation zu vermeiden. Dann könnte es aber passieren dass sie nicht dort landen wo Sie eigentlich hin wollten (in eine angenehme, positive Lebensrealtität)

Was würde ACT raten? Haken Sie das Monster unter und nehmen es ein Stück mit. Akzeptieren Sie, dass das Monster ein Stück mit Ihnen geht, auch wenn es etwas knurrt und vielleicht nicht gut riecht. Es könnte passieren, dass das Monster irgendwann sagt: “Ok, jetzt wird es Zeit, dass ich dich verlasse – mach alleine weiter, tschüss machs gut”.

wilde Pferde

Haben Sie akut mit drängenden, negativen Gedanken und Sorgen zu kämpfen? Stellen Sie sich Ihre Gedanken wie eine Herde wildgewordener Pferde vor. Die Pferde sind sehr aufgebracht und rennen auf der Weide herum. Es würde nichts bringen den Pferden hinterherzujagen. Stattdessen lassen sie sich austoben und zur Ruhe kommen. Wenn Sie sie in Ruhe lassen, werden sie sich bald beruhigen und anfangen zu grasen. Seien Sie geduldig mit Ihren Pferden.

Ein Beispiel aus meinem Leben, das ich gestern erst erlebt habe. Ich hatte früher alle drei bis vier Tage einen psychischen Zusammenbruch, der sich darin äußerte, dass ich auf der Couch liege und heftige Zwangsgedanken erleide. Egal wie ich versuchte, die Gedanken zu ignorieren oder dagegen anzukämpfen, die Gedanken wurden immer mächtiger, drängender und machten mir Angst. Ich lag stundenlang auf der Couch und litt an meinen Gedanken, bis ich irgendwann vor Erschöpfung einschlief. Wenn sich so ein Abend ankündigte, empfand ich, dass es nun wieder losgeht, da braute sich was zusammen und ich lande in meiner schwarzen Kiste und habe einen Rückfall.

Aber gestern war es anders. Ich legte mich eine Weile hin und dachte an die wildgewordenen Pferde. Ich ließ locker und versuchte, nichts, was da vor meinem inneren Bildschirm auftauchte, ernst zu nehmen und einfach nur zu beobachten. Ich ließ die Gedanken los und ließ sie über mich hinweggehen wie Wellen auf einem Meer. Ich machte mir immer wieder klar, dass es vorbei geht, dass Gedanken nicht real sind und ich nicht in Gefahr bin. Es hat funktioniert und ich konnte mit der richtigen Einstellung die drängenden Gedanken viel besser verarbeiten als früher. Ich wusste, dass ich solche Situationen schon über 100 mal erlebt habe und es wurde jedes mal wieder besser. Später konnte ich sogar noch ein paar Folgen meiner Lieblingsserie anschauen und bin bald darauf eingeschlafen.

Schachbrett

Stellen Sie sich Ihre Gedanken als Figuren auf einem Schachbrett vor. Die weißen Figuren bekämpfen die schwarzen Figuren. Die weißen stehen für positive, die schwarzen für negative Gedanken. Sie führen einen ewigen Kampf.  Mit welchem Teil des Schachspiels identifizieren Sie sich? Mit den weißen Figuren? Sind sie die Figuren, sind Sie der Spieler, der die Figuren bewegt und gewinnen will?

Stellen Sie sich doch einfach vor, Sie seien das Schachbrett. Das Schachbrett ist immer neutral und kümmert sich nicht darum, welche Figuren gerade gewinnen. Das Schachbrett steht sinnbildlich für den neutralen, stillen Beobachter, der jederzeit präsent ist.

Mit dieser Metapher kann es uns gelingen, uns weiter von unseren Gedanken zu distanzieren.

Achtsamkeit

Unser Verstand neigt dazu, sich auf die Vergangenheit zu konzentrieren (was zu Bedauern und Schuldgefühlen führen kann) oder sich auf die Zukunft zu fokussieren (was zu Sorgen und Angst führen kann). Dies hindert uns daran, im gegenwärtigen Moment zu leben und diesen voll zu erleben. Ein weiteres zentrales Thema von ACT ist daher die Achtsamkeit.

Achtsamkeit in ACT wird genutzt, um psychische Flexibilität zu fördern und den Umgang mit Gedanken und Gefühlen zu verbessern. 

Achtsamkeit hilft den Klienten, im gegenwärtigen Moment präsent zu sein, anstatt sich auf die Vergangenheit oder die Zukunft zu fokussieren. Dies fördert die Bewusstheit und das Erleben des aktuellen Augenblicks, was die Grundlage für Veränderungen und Wachstum bildet.

Achtsamkeit lehrt die Akzeptanz von Gedanken und Gefühlen, anstatt diese zu vermeiden oder zu bekämpfen. Durch die Akzeptanz können Klienten lernen, unangenehme Emotionen und Gedanken zu tolerieren, ohne dass diese ihr Verhalten bestimmen.

Achtsamkeit kann mit formalen Methoden geübt werden. Beispielsweise durch Mediation. Ich meditiere jeden Morgen 30 Minuten als Teil meiner Morgenroutine. Meditation ist simpel, aber nicht einfach und es braucht etwas Übung, bis sich die positiven Effekte einstellen. Achtsamkeit geht aber weit über die formale Praxis hinaus und manifestiert sich im Alltag. Wir können achtsam essen, achtsam putzen, achtsam aufräumen und achtsam spazieren. Wir sind vollkommen präsent und bei der Sache. Je mehr wir Achtsamkeit üben, desto mehr öffnen wir uns dem Leben, welches hier und jetzt in diesem Moment stattfindet, statt in der Vergangenheit zu graben oder uns die Zukunft auszumalen, wie es unsere Denkmaschine am liebsten tut.

Werte

Werte spielen in der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) eine entscheidende Rolle. Sie dienen als zentraler Kompass für das Handeln und die Lebensführung der Klienten. 

Werte bieten eine Orientierung und Richtung, welche sinnerfüllte Handlungen begünstigen, um ein werteorientiertes, sinnerfülltes, zufriedenes Leben zu leben. 

Meine zentralen Werte sind

  • mental und physisch stark sein
  • gute Beziehungen zu anderen Menschen
  • Kreativität

Wenn ich mir über meine Werte im Klaren bin so kann ich aus diesen Ziele ableiten die ich verfolge, zum Beispiel

  • ins Fitnessstudio gehen
  • mein soziales Netzwerk pflegen und mich verabreden
  • regelmäßig singen üben

Sinnvolle Ziele zu verfolgen kann sich im ersten Moment unangenehm anfühlen, aber unsere Werte helfen uns dabei, genau diese sinnvollen Handlungen zu verfolgen und zu trainieren, um unsere Ziele zu erreichen.

ACT ermutigt Klienten zur regelmäßigen Selbstreflexion, um ihre Werte klar zu identifizieren und zu überprüfen, ob ihr aktuelles Verhalten mit diesen Werten im Einklang steht. Diese Reflexion hilft, Klarheit über die eigenen Lebensziele und Prioritäten zu gewinnen.

Indem Klienten ihre Werte klar definieren und danach handeln, können sie trotz Herausforderungen ein Leben führen, das ihren tiefsten Überzeugungen und Wünschen entspricht.

Lassen Sich auf verbindliches, werteorientiertes Handeln ein (commitment)  trotz Widerständen und Schwierigkeiten.

Schnappen Sie sich Ihr Tagebuch oder einen Zettel und formulieren Sie Ihren Wertekompass. Weitere Infos gibt es in diesem Artikel: Der Wertekompass

commitment

Commitment im Sinne von ACT bezieht sich auf das feste und entschlossene Engagement, ein Leben in Übereinstimmung mit den eigenen Werten zu führen. Es geht darum, aktiv Schritte zu unternehmen und sich zu verpflichten, trotz möglicher Schwierigkeiten und unangenehmer innerer Erfahrungen werteorientierte Handlungen zu verfolgen. 

Formulieren Sie “Implementierungsabsichten”, das bedeutet dass Sie sinnvolle, wertorientierte Aktivitäten konkret planen und sich das Versprechen geben diese auszuführen. Zu Beispiel: schnappen Sie sich Ihren Kalender und notieren: “28.6.2024 14 Uhr 20 Minuten joggen”.

Manchmal werden commitments aus verschiedenen Gründen nicht eingehalten bzw. gebrochen. Das kann passieren, ist aber nicht weiter tragisch. Erneuern Sie einfach ihr commitment und versuchen es weiter. Es wird mit der Zeit immer leichter und die Verhaltensänderung wird bald Ihre Früchte tragen indem Sie am Ball bleiben commitments im Sinne Ihrer Werte zu formulieren.

Das waren die Grundlagen der Acceptance Commitment Therapy, welche mir auf meinem Lebensweg sehr geholfen hat.

Literaturempfehlung

Wer mehr über ACT erfahren will, dem empfehle ich das Buch

“Das Leben annehmen – so hilft die Acceptance Commitment Therapy” von Matthias Wengenroth.

Die Inhalte dieses Artikels basieren wesentlich auf diesem Werk, das ich wärmstens empfehlen kann.

Heilung durch Hypnose

Hypnose ist eine wissenschaftlich anerkannte Methode um Verbesserung im psychischen Wohlbefinden zu erreichen. Machen Sie es sich bequem auf der Couch oder ihrem Bett und nehmen Sie sich 10 Minuten Zeit um den positiven Suggestionen zu lauschen, die ich in diesem Audiobeitrag für Sie aufgezeichnet habe.

Entspannen Sie sich, lauschen Sie meiner Stimme und genießen Sie den Audiotrack.

Emotional Freedom Technique

Emotional Freedom Technique

Heute zeige ich euch die sog. Emotional Freedom Technique, auch Klopfakupressur oder Tapping genannt.

Es ist eine alternative Therapiemethode die 1990 entwickelt wurde und die sich bei Therapeuten und Klienten großer Beliebtheit erfreut. Sie wird wissenschaftlich noch untersucht aber ihr Effekt wird in zahlreichen Berichten bestätigt.

Sie kann helfen bei Angstzuständen, innerer Unruhe, schlechten Gedanken, Sorgen und allgemeinem Unwohlsein. 

Die Theorie dahinter ist dass unser Körper von Energiebahnen, den Meridianen durchzogen ist (ein konzept aus der chinesischen Medizin) welche blockiert sein können und so das psychische Leiden verursachen.

Durch das Tapping an 8 Akupressur bzw. Klopfpunkten können diese Blockaden in wenigen Minuten aufgelöst werden. Ich habe es ausprobiert und es funktioniert. Wenn die zu bearbeitenden Gedanken hartnäckig sind, kann man die Methode auch mehrmals hintereinander ausführen.

Es ist ein weiteres, hilfreiches Werkzeug in Ihrem Methodenkoffer der Bewältigungsstrategien.

Nun zeige ich euch die 8 Klopfpunkte:

  • am scheitel
  • über den augen
  • neben den augen
  • auf den wangen
  • über der lippe
  • unter der lippe
  • an den schlüsselbeinen
  • an den flanken

Und jetzt geht es los. Wir beginnen mit einem Satz der uns Angst macht. Zum Beispiel:

  • Ich habe solche Angst das ich heute abend eine Panikattacke bekomme, oder
  • ich habe solche Angst wahnsinnig zu werden, oder
  • ich habe solche Angst das ich meinen Job verlieren könnte
  • ich habe Angst dass ich nie wieder gesund werde
  • ich habe angst dass ich nie wieder schlafen kann
  • ich habe angst vor dem Job Interview
  • ich habe Angst vor dem Vortrag
  • ich habe solche Angst einkaufen zugehen
  • ich habe Angst ich bekomme einen Herzinfarkt

Wie fühlt sich dieser Satz an? Wie hoch ist die Angstintensität auf einer Skala von 1 bis 10?

Wir beginnen damit, den satz 3 mal zu wiederholen und dabei an unserer Handkante zu klopfen.

  1. Auch wenn ich Angst habe wahnsinnig zu werden, ich liebe und akzeptiere mich so wie ich bin.
  2. Auch wenn ich Angst habe wahnsinnig zu werden, ich liebe und akzeptiere mich so wie ich bin.
  3. Auch wenn ich Angst habe wahnsinnig zu werden, ich liebe und akzeptiere mich so wie ich bin.

Dann gehen wir die Klopfpunkte durch und tappen 7 – 8 mal.

  1. Wahnsinn
  2. Psychose
  3. Krankheit
  4. Krankenhaus
  5. psychisch krank
  6. Wahnsinn
  7. Verrücktheit
  8. Wahnsinn

Wir atmen einmal tief durch. Kraftig ein und kräftig aus. Pause. Wie ist die Intensität jetzt auf einer Skala von eins bis zehn? Hat es sich etwas verändert? Nehmen Sie die Veränderung wahr.

Wiederholen Sie die Übung

Wir beginnen damit, den satz 3 mal zu wiederholen und dabei an unserer Handkante zu klopfen.

  1. Auch wenn ich Angst habe wahnsinnig zu werden, ich liebe und akzeptiere mich so wie ich bin.
  2. Auch wenn ich Angst habe wahnsinnig zu werden, ich liebe und akzeptiere mich so wie ich bin.
  3. Auch wenn ich Angst habe wahnsinnig zu werden, ich liebe und akzeptiere mich so wie ich bin.

Dann gehen wir die Klopfpunkte durch und tappen 7 – 8 mal.

  1. Wahnsinn
  2. Psychose
  3. Krankheit
  4. Krankenhaus
  5. psychisch krank
  6. Wahnsinn
  7. Verrücktheit
  8. Wahnsinn

Wir atmen einmal tief durch. Kräftig ein und kräftig aus. Pause. Wie ist die Intensität jetzt auf einer Skala von eins bis zehn? Hat es sich etwas verändert? Nehmen Sie die Veränderung wahr.

Nun haben Sie die Emotional Freedom Technique kennengelernt. Wenn das nächste mal belastende Gedanken und Gefühle bekommen, probieren Sie es aus – weiterhin viel Erfolg für Ihre mentale Gesundheit.

Einsame Entscheidung

Triggerwarnung: In diesem Blogartikel geht es um das Thema Suizid.

Ich sage es in aller Deutlichkeit: Finger weg von Ihrem Leben. Ihr Leben gehört nicht Ihnen.

Selbstmord ist für alle Beteiligten eine unfassbare Tragödie. Für die Geschwister, die Freunde, die Eltern, die Kollegen, für alle Menschen die man jemals gekannt hat und noch jemals in seinem Leben zu einem späteren Zeitpunkt gekannt hätte, für die Gesellschaft und für Gott.

Muss man die Entscheidung eines Menschen sich das Leben zu nehmen als letzten Ausweg akzeptieren? Nein. Man kann es nicht.

Vor 2 Jahren war ich bei meiner Familie in Kroatien. Ich war hochpsychotisch und war ganz tief in meinen Gedanken gefangen. Ich hatte Schreikrämpfe und eine starke Angst in die Hölle zu kommen. Ich war in meiner eigenen Welt versunken. Ich wusste nicht mehr weiter und es schien mir als gäbe es keinen Ausweg. Ich dachte ich komme da nie wieder raus.

Ich setzte mich an den PC und schrieb einen Abschiedsbrief. Ich war am Ende. Aber dann fühlte ich einen Funken Hoffnung. Was wenn ich doch weitermache, was wenn ich es doch nochmal versuche. Ich ließ mich ins Krankenhaus bringen. Kroatische Krankenhäuser sind eine Katastrofe. Es war keine schöne Zeit, aber nach 3 Wochen wurde ich nach hause entlassen und es ging mir etwas besser, mit der Zeit erholte ich mich.

Heute bin ich gottfroh darüber dass ich diesem Überlebensinstinkt, diesem Senfkorn Hoffnung gefolgt bin. Vielleicht hatte ich einen Schutzengel?

Es ist so, das Menschen notorisch schlecht darin sind, zukünftige Zustände Ihres Gefühlslebens zu antizipieren. Das heißt sie wissen nicht wie sie sich später einmal fühlen werden. Wenn wir in unserer schwarzen Kiste der negativen Gedanken gefangen sind dann “scheint” es so, als würde es nie wieder besser – aber das ist ein fataler Irrtum.

Wer sich das Leben nimmt, tut nicht nur seinen Mitmenschen etwas unfassbares an, er betrügt sich auch um die einmalige Chance dass sich doch noch alles zum guten gewendet hätte.

Denken Sie dran, selbst wenn Sie einsam sind und niemanden in Ihrem Leben haben, was ist mit all den Mitmenschen und Freunden die sie “in Zukunft” noch kennenlernen könnten? Diese Menschen können nicht auf Sie verzichten! Die Welt kann nicht auf Sie verzichten!

Wenn Sie vor der Entscheidung stehen sich was anzutun oder nicht, dann wählen die einzig richtige Entscheidung: weiter zu machen. Wählen Sie im Zweifelsfalle die 112 und lassen sich in ein Krankenhaus bringen. Das könnte vielleicht eine schwierige Zeit werden, aber die geht vorbei! So haben sie zumindest noch eine Chance dass sich in Ihrem Leben doch alles zum Guten wendet so wie es mir passiert ist, nutzen Sie diese Chance und passen Sie gut auf sich auf!

Ich persönlich bin Christ und als Christ KÖNNTE ich mir gar nichts antun, ich weiß dass ich dieses einmalige Geschenk Leben nicht wegwerfen darf, dass ich geliebt bin, dass ich geborgen bin und dass ich noch wichtige Aufgaben auf dieser Welt habe. Diese Zusicherung, diese Verheißung trägt mich durch die finstersten Zeiten. Hierzu noch ein Bibelzitat, welches schon unzähligen Menschen durch die Jahrhunderte getröstet hat

Psalm 23

Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Zum Abschluss noch eine kleine Geschichte:

Ein Professor kommt in den Hörsal und begrüßt die Studenten im vollen Auditorium. Anschließend holt er aus seiner Tasche einen 50€-Schein. Er fragt wer von den Studenten den Schein gerne hätte. Alle heben die Hand. Daraufhin zerknüllt der Professor den Schein kräftig. Er fragt wieder wer den Schein noch haben möchte. Alle heben die Hand. Der Professor wirft den Schein auf den Boden und trampelt eine Minute darauf herum. Wieder die Frage, wer will den Schein? Alle heben die Hand.

Was kann man aus dieser Geschichte mitnehmen? Egal wie sehr Sie das Schicksal gebeutelt hat, egal was Sie auch immer schlimmes erlebt haben und durch wie viele schwierigen Zeiten sie gegangen sind: Ihr Wert als Mensch ist und bleibt bestehen!

Passen Sie gut auf sich auf.

Es wird besser

Wie läuft es zur Zeit mit Ihrer mentalen Gesundheit?

Eine Sache kann ich Ihnen versprechen: wenn sie sich konsequent an die Ratschläge in diesem Blog halten, wird sich mit der Zeit Erfolg in Form eines besseren Lebens mit Schizophrenie einstellen. Ich habe es selbst ausprobiert und nach einer monatelangen Krankheitsphase mit häufigen Krankenhausaufenthalten führe ich jetzt wieder ein Leben, das mit meinen Werten in Einklang ist und mir Freude macht. Die Psychose klingt ab und ich kann das Leben wieder genießen. Die Monster sind gezähmt

Aber: Sie brauchen neben dem Wissen aus diesem Blog auch Disziplin und Geduld. Es kostet etwas Anstrengung und geht nicht über Nacht. 

“Kung Fu” bedeutet: Harte Arbeit an dir selbst. 

Investieren Sie diese Energie und haben Mut zur Veränderung. Entwickeln Sie sich weiter. Gehen Sie die ersten wichtigen Schritte in ein wertorientiertes, erfolgreiches Leben. Sie können jetzt schon glücklich sein, wenn Sie sich dazu entscheiden. Verlassen Sie das unsichtbare Gefängnis aus Gewohnheiten und Gedanken und kommen Sie in die Aktivität, das ist das Entscheidende. Wollen Sie den Rest ihres Lebens auf der Couch liegen und schlechte Gedanken haben? Oder lieber ein sinnerfülltes Leben führen, das Ihnen Freude macht? Machen Sie sich klar: Es ist Ihre Entscheidung!

Tun Sie die Dinge, die Ihnen gut tun und die Ihnen Freude machen, auch wenn es sich erst mal nicht gut anfühlt. Bleiben Sie am Ball. Disziplin hilft Ihnen dabei. Denken Sie daran, dass Sie sich manchmal zu positiven Aktivitäten zwingen müssen und meistens wird es dann doch besser, als man gedacht hat. Legen Sie den Schalter um. Finden Sie den Knopf und drücken Sie ihn.

Achten Sie auf regelmäßige sportliche Aktivitäten, lassen Sie negative Gedanken konsequent zu, ignorieren Sie Ihre Wahnideen, die Ihnen Angst machen, formulieren Sie Ihren Wertekompass, nutzen Sie die Bewältigungsstrategien aus diesem Artikel. Seien Sie achtsam, so viel es geht, halten Sie Ihre Wohnung in Ordnung. Holen Sie sich immer wieder in die Realität zurück. Immer wieder freundlich ins Hier und Jetzt. Bis Sie gesund werden. Der Erfolg wird sich automatisch einstellen. 

Pflegen Sie Ihr soziales Netzwerk und wenn Sie wenige Freunde haben, versuchen Sie, neue zu finden. Verabreden Sie sich zum Kaffee, zum gemeinsamen Kochen, zum Sport oder zu einem Bierchen in einer Bar.

Das Gehirn ist plastisch und kann sich bis ans Lebensende neu vernetzen und zum Positiven verändern, ist das nicht eine gute Nachricht und ein Wunder? Es kann sich verändern, egal wie schlecht es Ihnen gerade zu gehen scheint. Es gibt keine kaputten Menschen und hoffnungslose Fälle, jeder Mensch kann gesund werden, mit Wissen, Mut, Geduld und Disziplin. Was bleibt Ihnen anderes übrig, als nach vorne zu gehen und Ihr Leben in die Hand zu nehmen? Zu verzweifeln ist keine Alternative, und auch wenn Sie doch mal verzweifeln, es geht vorbei!

Nehmen Sie Ihr Instrument in die Hand, greifen Sie zum Buch, schnappen Sie sich Ihre Laufschuhe, setzen Sie sich an Ihr Tagebuch, greifen Sie zum Stift und fangen ein Bild an, starten Sie Ihr Computerspiel, oder was auch immer Ihnen Freude macht, oder früher Freude gemacht hat.

Machen Sie sich klar: schlechte Gedanken und Gefühle sind absolut unnötig (das wissen Sie schon) und absolut ungefährlich. Sie sind nicht in Gefahr. Sie sind in Sicherheit. Das Leben geht weiter. Es wird besser – versprochen.

Wenn Sie mögen, nehmen Sie Gottes Zusage in Anspruch, dass Sie durch Jesus Christus gerettet und ein Kind Gottes sind. Sie sind beschützt und geborgen. Gott sieht Ihr Leiden und hilft Ihnen in den dunkelsten Stunden. Darauf können Sie hoffen und sich verlassen. Sie müssen diesen Weg nicht alleine gehen.

Ja, es wird Rückschläge geben, ja es wird Hürden und Schwierigkeiten geben, ja es ist nicht einfach, aber es lohnt sich diesen Weg zu gehen.Eine glückliche Zukunft erwartet Sie, Sie können jetzt schon glücklich sein. Denken Sie daran, dass Sie langfristig gesund werden und es Umwege geben wird. Verfolgen Sie ihre Werte, Träume und Ziele.

Die Seele will gesund werden.

Zwangsstörungen überwinden

Was ist eine Zwangsstörung?

Eine Zwangsstörung liegt vor wenn unangenehme wiederkehrende Gedanken aufkommen oder wenn bestimmte Handlungen zwanghaft immer wieder ausgeführt werden müssen, zum Beispiel zwanghaftes Händewaschen aus Angst vor Keimen und Bakterien.

  1. Zwangsgedanken (Obsessions):
    • Unerwünschte, eindringliche Gedanken, Bilder oder Impulse, die wiederholt auftreten.
    • Diese Gedanken verursachen starke Angst oder Unbehagen.
    • Häufige Themen sind Angst vor Schmutz oder Kontamination, aggressives oder schreckliches Verhalten, Zweifel oder die Notwendigkeit von Symmetrie und Ordnung.
  2. Zwangshandlungen (Compulsions):
    • Wiederholte Verhaltensweisen oder mentale Handlungen, die die betroffene Person als Reaktion auf einen Zwangsgedanken ausführt.
    • Diese Handlungen sollen Angst oder Unbehagen reduzieren oder ein befürchtetes Ereignis verhindern.
    • Beispiele sind übermäßiges Händewaschen, Kontrollieren, Zählen, Ordnen oder mentale Rituale wie Beten oder Wiederholen bestimmter Worte.

Meine Zwangsstörung

Ich hatte früher eine übermäßige Angst meinen Schlüssel oder meine Wertsachen zu verlieren. Was ist wenn mein Geldbeutel plötzlich weg ist? Was ist wenn ich meine Brille nicht finden kann? Ich fürchtete mich vor ein unlösbares Problem zu stehen. Der Kontrollzwang gab mir unbewusst ein Gefühl von Kontrolle. Ich musste vor allem wenn ich unterwegs war, alle 10 Sekunden ob alle Sachen noch an ihrem Platz sind. Wenn ich zuhause war musste ich oft kontrollieren ob alle Sachen noch da sind.

Zwangsgedanken überwinden

Ein typisches Beispiel. Ich bin in der Stadt und ich kontrolliere ob mein Personalausweis noch da ist. Tatsächlich fehlt er. Mir fällt ein dass ich ihn herausgeholt hatte weil ich ihn für einen Behördengang fotografieren musste. Eigentlich müsste er auf dem Wohnzimmertisch liegen. Aber, jetzt kommt die Angst “was ist wenn ich ihn verloren habe”. Der Gedanke quälte mich. Dann dachte ich: “Ok, es gibt keine Garantie dafür dass ich ihn nicht verlegt habe, aber das ist sehr sehr unwahrscheinlich. Ich muss diese Unsicherheit jetzt aushalten.”

Es spricht nichts dagegen sorgfältig mit seinen Sachen umzugehen, aber wenn die Gedanken überhand nehmen leiden wir daran und die Lebensqualität ist eingeschränkt. Lernen Sie, die Unsicherheit auszuhalten.

Ein weiteres typisches Beispiel: Sie verlassen das Haus und fragen sich:”Habe ich den Herd ausgemacht? Was ist wenn er Feuer fängt und ich komme nach hause und alles brennt?”. Gibt es eine Garantie dass ihre Wohnung nicht abbrennt? Nein, aber es ist sehr, sehr unwahrscheinlich. Wenn es brennt, dann brennt es eben, Ihr Leben ist dadurch nicht in Gefahr. Also halten Sie die Unsicherheiten aus und bauen ihre Zwänge Schritt für Schritt mit kleinen Übungen ab

Literaturempfehlung

Wer mehr über die Bewältigung von Zwangsstörungen erfahren will, dem empfehle ich das Buch

Zwänge und Zwangsgedanken loswerden: Zwangsstörungen ohne Medikamente und Konfrontation schnell und dauerhaft überwinden von Klaus Bernhardt.

Nutzen Sie gerne die Links zu Amazon in diesem Blog um empfohlene Produkte zu kaufen. Damit unterstützen Sie diesen Blog, vielen dank!

Äußere Ordnung, innere Ordnung

Ich war als Kind schon sehr unordentlich. Wenn ich gerade im Spiel vertieft war und meine Mutter mich zum Aufräumen ermahnte, gab ich mir Mühe anzufangen war dann aber kurz darauf wieder in das Spielen vertieft.

In den WGs in denen ich gewohnt habe war ich sehr unordentlich und eckte damit regelmäßig bei meinen Mitbewohnern an. Als ich 2006 eine Psychose in Ulm hatte wo ich studierte war mein Zimmer eine Katastrophe. Ich war regelrecht verwahllost und entsprechend fühlte ich mich auch im Inneren.

Heute weiß ich wie wichtig Ordnung ist, denn äußere und innere Ordnung hängen zusammen. Als meine Mutter Anfang 2024 bei mir zuhause zu Besuch war, sind wir wieder in unser altes Mama/Sohn Schema verfallen. Ich gab die Verantwortung für die Wohnung komplett ab – wie früher zuhause. Meine Mutter kümmerte sich um den Abwasch, das Essen, die Wäsche, saugte Staub und räumte auf. Zudem ermahnte sie mich immer wieder wenn ich Flecken an der Kleidung hatte. Ich verhielt mich wie ein Kind und deswegen wurde ich auch so behandelt. Was mich sehr ärgerte.

Irgendwann reiste meine Mutter ab und es hat Klick in meinem Kopf und ich bin jetzt sehr ordentlich. Es ist ganz einfach ein Schritt in ein erwachsenes Ich. Ich habe mir Hilfe bei jemandem aus meiner Gemeide gesucht so dass einmal eine gewisse Grundsauberkeit herrscht. Ich kümmere mich um die Wäsche, die Böden, wasche nach dem Essen sofort alles ab und räume die Bude auf.

Ein herrliches Gefühl, ich fühle mich nun viel wohler in meiner Wohnung und brauche mich nicht mehr zu schämen wenn Gäste kommen.

Halten auch Sie Ordnung in der Wohnung und es wird Ihnen psychsich viel besser damit gehen. Werden Sie erwachsen.

Die äußere Ordnung spiegelt oft den inneren Zustand wider. Wenn man innerlich unruhig, gestresst oder überfordert ist, kann sich das oft in Unordnung und Chaos im Haushalt manifestieren. Umgekehrt kann das Schaffen von äußerer Ordnung dazu beitragen, den inneren Zustand zu beruhigen und zu ordnen.

Eine ordentliche Wohnung reduziert Stress, fördert das allgemeine Wohlbefinden, erzeugt ein Gefühl von Kontrolle und Selbstwirksamkeit. Leben Sie in einer Partnerschaft oder Familie wo sich Ihr Angehöriger (Mutter, Vater) ihnen jede Arbeit abnimmt? Machen Sie sich und ihnen eine Freude und machen Sie möglichst viel im Haushalt mit. Putzen und aufräumen sind auch eine super Achtsamkeitsübung bei der Sie den Fokus weg von Ihrem Seelenleben hin zu einer sinnvollen Aufgabe lenken auf die Sie sich fokussieren können. Aufgaben zu erledigen ist ein tolles Gefühl.

Im Kloster wird nicht umsonst Sauberkeit oft als Ausdruck der inneren Reinheit und spirituellen Ordnung betrachtet. Die äußere Reinheit des Raums spiegelt die innere Reinheit des Geistes wider. Durch die Pflege einer sauberen Umgebung streben die Mönche danach, ihre spirituelle Disziplin zu fördern.