Radikale Akzeptanz

Manchmal hadern wir mit unserer Krankheit und würden am liebsten einfach alles hinschmeißen. „Warum ist das schon wieder so schwierig?“, „Was ist wenn es mir heute wieder schlecht geht?, „Ich kann nicht mehr“, „ich halte das nicht aus“, „wann ist dieser Alptraum vorbei?“.

Aber: Jammern und hadern bringt uns nicht weiter, am Ende müssen wir ja doch weitermachen und das Beste in jeder Situation geben. Das gute: Jede Krise geht vorbei! Ein Blick auf das Stimmungsprotokoll zeigt oft: Es ist eigentlich besser als man in einer Krise denkt. Wir denken, es gibt keine Fortschritte und das wird jetzt immer so schwierig bleiben. Das ist aber nicht so. Es wird auch wieder besser! Der Tag geht vorbei, auch wenn es uns mal nicht gut geht. Ich habe den Gedanken: „Ich habe schon weit schlimmere Situationen ausgehalten, ich werde auch diese meistern.“

Der Heilungsweg ist nicht linear und es gibt Umwege und Rückschritte. Es ist wie Fahrrad fahren lernen. Manchmal fallen wir hin, stehen wieder auf, lernen etwas daraus und machen weiter. Das Hinfallen tut etwas weh, aber es gehört zum Lernprozess dazu.

Ich habe die Erkenntnis gewonnen, verzweifeln bringt nichts! Stattdessen übe ich mich in radikaler Akzeptanz. Es ist der Widerstand gegen den Schmerz der das eigentliche Problem ist, nicht der Schmerz selbst! Es kommt wie es kommt. Ich akzeptiere alles was da in mein Leben kommt. Da kommt eine Krise? Ok, dann ist das einfach so, geht vorbei. Ich habe schlechte Gedanken und Gefühle? Ok, dann ist das einfach so, geht vorbei. Ich lasse zu. Ich lasse fließen. Ich lasse los. Ich kehre immer wieder langmütig zurück zur Realität. Ich gebe den Widerstand auf. Ich akzeptiere. Es ist nicht alles schlecht. Es gibt oft auch Lichtblicke und Momente über die man sich freuen kann! Ich gehe in die Aktivität so gut ich kann und halte mich so gut wie möglich an meinen Tagesplan. Wenn ich mal auf der Couch lande bin ich nicht böse mit mir.

Gestern hatte ich wieder eine typische Situation die mich früher in die Krise gestürzt hätte. Ich war bei der Tafel einkaufen und wieder mal waren die Reize und vielen Leute zu viel für mich. Ich geriet wieder in meinen alt bekannten Denktunnel mit den Zwangsgedanken. Ich lag mal wieder auf der Couch und hatte schlechte Gedanken. Wenn ich überlastet bin spielt mein Gehirn verrückt. Ich dachte aber auch „Ok, das ist jetzt einfach so. Es ist nur eine Überlastungsreaktion und das geht vorbei. Ich beobachte einfach die Gedanken und lasse los so gut ich kann.“ Meine neuen, positiven Denkstrukturen zeigen Wirkung und tragen mich durch solche schwierigen Zeiten. Ich konnte wieder aufstehen und Besorgungen machen, danach griff ich zum Buch und konnte 2 Stunden lesen. Da war immer noch das Bedrohungsgefühl und ich dachte „Ich lasse los. Ich brauche diese Gedanken nicht. Hier in der Realität ist es doch viel schöner als in meinem Kopf“.

Danach habe ich mir was zu essen gemacht, mich früh schlafen gelegt und die radikale Akzeptanz hat mir auch den Rest des Tages geholfen, zur Ruhe zu kommen und gut zu schlafen. Das alles konnte ich ohne mein Notfallmedikament meistern. Ich hätte es aber jederzeit nehmen können.

Mein Leben ist gut. So wie es ist, auch wenn es manchmal schwierig ist. Es ist meins und ich würde mit niemandem tauschen.

Fazit

Radikale Akzeptanz ist der Schlüssel zur mentalen Gesundheit und hilft uns ein gutes Leben auch mit Schizophrenie zu führen. Verzweifeln bringt nichts. Wir machen aus jeder Situation das Beste. Wir lassen los und lassen fließen. Krisen sind erlaubt und gehören dazu. Es passiert nichts schlimmes. Wenn es nicht mehr auszuhalten ist darf ich jederzeit einen Notfalltermin mit meinem behandelnden Arzt wahrnehmen oder in die Notaufnahme meines Krankenhauses gehen. Ich klettere und bin gesichert.

Was tun wenn Fremde Hilfe brauchen

Wenn wir im Alltag durch die Stadt gehen, treffen wir manchmal Menschen denen es ganz offensichtlich nicht gut geht. Sie starren ins Leere, haben eine ungewöhnliche Körperhaltung oder sprechen oder schimpfen laut mit sich selbst oder mit Personen die nicht da sind (manche Menschen sind aber nur am telefonieren). Oder sie reden lautstark auf andere Fußgänger oder Wartende an der Bushaltestelle ein und sagen Dinge die keinen Sinn ergeben.

Diese Menschen könnten Hilfe brauchen. Vielleicht haben sie Anzeichen einer Psychose? Eine psychotische Episode draußen „in der Wildniss“, kann für den Betroffenen oder andere Menschen sehr gefährlich sein. Je nach dem was sich diese Person gerade „zusammenspinnt“.

Solche Betroffene sind unter extremem Stress und suchen durch das Selbstgespräch oder das Einreden auf Andere eine Lösung. Es ist wichtig dass sie professionelle Hilfe bekommen. Der erste Schritt ist die Person anzusprechen und zum Beispiel zu fragen „Entschuldigen Sie, ich sehe dass sie gerade sehr unter Stress sind. Wollen Sie mir sagen was los ist?“ Viele Menschen mit Psychosen sind extrem misstrauisch und manche haben Angst vor der Psychiatrie oder der Polizei. Hier sollten Sie einfühlsam und höflich sein.

Wenn die Person Wahnideen äußert bringt es nichts diese abzutun „Ach das kann doch gar nicht sein“. Für diese Person ist der Wahn Realität. Validieren Sie erst ein mal nur die Emotionen. „Ja, ich glaube dass sich das sehr belastend anfühlt“. Versuchen Sie die fremde Person dazu zu bewegen Hilfe zuzulassen. „Wäre es ok für sie wenn ich einen Arzt anrufe der Ihnen hilft? Ich bleibe so lange bei Ihnen“.

Dann rufen Sie die 112 an, nennen den Ort und warten auf Hilfe. „Hallo, hier an der Haltestelle xy ist jemand mit einer psychischen Krise, der Hilfe braucht, können Sie einen Krankenwagen schicken?“. Bleiben Sie bei der fremden Person und hören geduldig zu und versuchen Sie sie zu beruhigen.

Wenn die Situation eskaliert und die Person wegläuft oder agressiv wird müssen Sie die Polizei rufen. Das tut man nicht gerne, aber für diese Person ist es langfristig besser wenn sie in einer Psychiatrie untergebracht wird, dort bekommt sie Hilfe und kann sich in wenigen Wochen stabilisieren und darf wieder nach hause. Psychiatrie ist kein schöner Ort, aber es ist ein sicherer Ort wo Menschen wieder gesund werden.

Fazit

Fremden Menschen mit Psychosen zu helfen kostet etwas Überwindung, aber Sie sollten nicht einfach nur wegschauen. Es kann gut sein dass sie im Leben und der Gesundheit dieses Menschen einen echten Unterschied machen. Es ist ein Akt der Courage und Nächstenliebe. Diese Menschen sind krank und können nichts dafür. Deswegen brauchen sie professionelle Hilfe bevor etwas passiert.

Die Welt der Comics

Haben Sie als Kind gerne Comics wie Donald Duck oder Micky Maus gelesen? Es gibt auch ganz tolle Comics für Erwachsene! In unserer Stadtbibliothek in Ludwigsburg gibt es eine Riesenauswahl, vielleicht auch in Ihrer Bibliothek? Ich gehe ein mal die Woche dort hin und decke mich mit Comics ein, am Liebsten Batman und andere Superhelden Comics. Aber auch spannende Exemplare aus den Bereichen Krimi und Abenteuer gibt es.

Comics zu lesen ist eine schöne Freizeitbeschäftigung die Spaß macht und niederschwellig ist. Wenn man psychische Einschränkungen hat sind dicke Fachbücher, trockene Ratgeber und tiefgründige Romane manchmal eine Überforderung. Comics entführen uns in tolle Bildwelten und spannende Geschichten. Es ist leichte Kost und gutes Futter fürs Gehirn. Manche Comics und Graphic Novels für Erwachsene sind sehr düster, suchen Sie sich lieber etwas Leichtes aus.

Comics sind ein ganzes Universum für sich und eine hochkarätige Kunstform, nicht nur was für Kinder. Mit genialen Zeichnungen und Geschichten. Für jeden Geschmack ist etwas dabei.

Hier kommen 3 Empfehlungen:

  1. Agatha Christie Classics: Tod auf dem Nil: Ein Hercule-Poirot-Krimi

Ein bekannter Krimiklassiker, mit schönen Zeichnungen. Spannend von der ersten bis zur letzten Seite.

    2. DC Must-Have: Batman: Hush

    Ein bildgewaltiges Epos mit Intrigen und Wendungen und viel Action. Batman ist der beliebteste Superheld der Comic Welt und begeistert Millionen von Lesern. Nicht zu düster. Ideal für Comic Einsteiger

    3. Scotland

    Ein spannender Mystery Krimi

    Haben Sie selbst einen Lieblings-Comic oder eine Reihe, die Sie gerade verschlingen? Schreiben Sie es mir gerne in die Kommentare – ich bin immer auf der Suche nach neuem Lesestoff für meinen nächsten Bibliotheksbesuch!“

    Resilienz entwickeln

    Haben Sie in Ihrer Stadt eine Bibliothek? Wenn ja, besuchen Sie sie doch einmal und leihen sich einen der vielen psychologischen Ratgeber aus. Auf dem Markt gibt es inzwischen 50.000 Veröffentlichungen. Eine Bibliothek ist ein Tempel des Wissens und Bibliotheksausweise sind in der Regel sehr günstig. Die Literatur ist voll von hilfreichen Tipps, nützlichen Tools, spannenden Biografien und mutmachenden Strategien von denen kranke Menschen unbedingt erfahren müssen. So ließe sich viel unnötiges Leid vermeiden. Dafür möchte ich mit diesem Blog einen Beitrag leisten.

    Heute empfehle ich das Buch „Stärker als das größte Leid: In drei Schritten unerschütterlich durchs Leben“ von Thomas Hohensee.

    Link zu Amazon

    Thomas Hohensee ist einer der erfolgreichsten Sachbuchautoren im deutschsprachigen Raum. Er hat mehrere Bestseller veröffentlicht, darunter „Gelassenheit beginnt im Kopf“ und „Glücklich wie ein Buddha“. Seine Bücher haben eine Gesamtauflage von 500.000 Exemplaren erreicht. Sie sind in sieben Sprachen übersetzt.

    Als Coach und Seminarleiter vermittelt er seinen KlientInnen in kurzer Zeit einfache Strategien, die zu mehr Glück, Gelassenheit und den gewünschten Zielen führen.

    Wie entsteht Leiden?

    Leiden entsteht laut Buddhismus nicht durch das Ereignis selbst (z. B. eine Psychose oder ein Verlust), sondern durch unsere Reaktion darauf.

    • Anhaften (Upadana): Wir wollen, dass schöne Momente ewig dauern. Wenn sie gehen, leiden wir.
    • Ablehnung (Vibhavatanha): Wir wollen, dass Schmerz sofort aufhört. Je mehr wir gegen die Angst kämpfen („Das darf nicht sein!“), desto stärker wird sie. Das ist der Widerstand, der das Leid verdoppelt.
    • Unwissenheit (Avidya): Wir glauben, wir seien unser Ego oder unsere Krankheit. Wir sehen nicht, dass alles im Fluss ist (Anicca – Vergänglichkeit).

    Die Erkenntnis dieser uralten Tradition deckt sich mit der modernen Verhaltenstherapie. Nicht die äußeren Umstände erzeugen das Leid, sondern unsere Interpretation. Hayes, der Begründer der „Acceptance Commitment Therapy“ spricht in diesem Zusammenhang von „sauberen“ und „schmutzigen Leid“. Was ist damit gemeint?

    Sauberes Leid wäre in meinem Fall zum Beispiel der Gedanke an den Verlust meiner Mutter. Das ist reales Leid über einen Schicksalsschlag wie er jeden Menschen ereilen kann. Es gehört zum Leben dazu und ist ganz normal. Dagegen schmutziges Leid: Dieses Leid erschaffen wir uns selbst – meist unbewusst. Es ist der „Schmutz“, den wir auf den ursprünglichen Schmerz draufpacken, indem wir gegen ihn kämpfen, ihn bewerten oder uns Vorwürfe machen.

    Beispiele: „Warum passiert mir das schon wieder?“, „Ich sollte nicht so fühlen“, „Ich bin ein Versager, weil ich wieder Angst habe“, oder das Grübeln über die Vergangenheit.

    „Schmutziges Leid“ ist unnötiges Leid, dass wir selbst mit unserem Geist erschaffen. Dagegen hilft nur die Akzeptanz. Diese ist eine der Säulen welche Hohensee in seinem Buch beschreibt.

    Die 3 Säulen der Resilienz

    1. Akzeptieren: Manche Lebensumstände lassen sich nicht kontrollieren, Schicksalsschläge wie Tod eines Verwandten, Jobverlust oder Krankheit können jeden unvorhersehbar treffen. Für nichts im Leben gibt es eine Garantie. Oft prüft uns das Leben und stellt uns Hindernisse in den Weg die es zu bewältigen gilt, so wie Prüfungen in der Schule. Das geht das ganze Leben so weiter. Wenn wir nicht bereit sind zu Lernen schubst uns das Leben immer wieder in Situation die gemeistert werden wollen. Nur so entwickeln wir uns weiter. Wer sich weigert zu lernen wird nicht in die nächste Klasse versetzt. Das worüber wir keine Kontrolle haben müssen wir akzeptieren. Dazu gehört auch das unausweichliche Ende unserer Existenz. Alt werden, Krankheit und Sterben gehören einfach zum Leben dazu. Das ist völlig natürlich und kein Problem. Auch im Angesicht einer schlimmen Diagnose oder des nahenden Todes können wir gelassen bleiben. Das ist Resilenz. Viele Menschen mit erheblichen Einschränkungen führen ein gutes, erfolgreiches Leben. Zum Beispiel Nick Vujicic. Er wurde ohne Beine und Arme geboren. Trotzdem reist er um die ganze Welt und macht Millionen Menschen Mut, gründete eine Familie mit 4 Kindern und macht sogar Sportarten wie das Surfen (sein Buch hat den Titel Life Without Limits) Nichts hält ihn auf. Oder nehmen Sie nur Stephen Hawking. Trotz schwerer Krankheit (Amyotrophische Lateralsklerose) machte er bahnbrechende Beiträge zur modernen Physik.
    2. Sinnhaftigkeit: Gibt es einen Sinn hinter dem wenn etwas schlimmes passiert? Meistens ja: Hohensee beschreibt in seinem Buch die Geschichte einer Frau deren Tochter durch einen alkoholisierten Autofahrer ums Leben kam. Ein schwerer Schlag. Allerdings gründete sie eine erfolgreiche Initiative die das Thema „Alkohol am Steuer“ thematisierte und sich beispielsweise für härtere Strafen einsetzt. So bekam die Tragödie einen Sinn. Mit meinem Blog ist es genauso. Seit 20 Jahren kämpfe ich mit Schizophrenie. Ohne diese Krankheit wäre ich nie auf den Gedanken gekommen den Blog oder mein Buch zu schreiben und anderen Menschen helfen zu wollen. All das Leid dass ich durchmachen musste, und das war sehr intensiv, bekommt einen Sinn. Gestern schrieb mir eine Forumsteilnehmerin zu einem meiner Beiträge dass er ihr „Mut und Hoffnung gebe“. Ist das nicht genial? Ich betrachte meine schlimmen Erfahrungen, von denen ich manche heute noch habe, als mein persönliches Trainingslager für mentale Gesundheit. Ich beobachte und dokumentiere ganze genau was in meinem Kopf auf dem Weg aus der Hoffnungslosigkeit in die geistige Gesundheit passiert. Daher mein Motto: „Die Seele will gesund werden“. Ich bin überzeugt davon. Wenn ich anderen Menschen helfen kann eine Hospitalisation zu vermeiden, eine bessere Einstellung herbeizuführen oder einfach nur einen mutmachenden Impuls zu geben, dann hat all das Erlittene einen Sinn. Dieser gibt mir Kraft und die Resilienz die ich brauche um meinen Alltag zu meistern. Wer ein „warum“ hat für den ist das „wie“ viel leichter erträglich.
    3. Improvisation: Hier geht es um Flexibiltät die uns gesund hält. Ein Bambus ist biegsam und passt sich den Gegebenheiten an, während etwas Starres bei Gegenwind brechen kann. Wasser fließt flexibel um Hindernisse herum. An meiner Hochschule habe ich eine Gruppe für Improvisationstheater gegründet und stand schon oft auf der Bühne. Es geht dabei um das „Ja-Sagen“, das Annehmen von Spielangeboten, das erschaffen von Geschichten und Situationen aus dem nichts, das Aufgeben von Kontrolle. Ohne Skript und ohne Plan, das ist psychische Flexibilität, Team-Work und Intuition auf dem höchsten Niveau. Improtheater als Kunstform ist nicht nur eine spannende und lustige Unterhaltung, es ist für die Schauspieler ein Riesenspaß und fördert die persönliche Entwicklung und eben Resilienz. Einen Impro-Spieler bringt nichts aus dem Konzept und aus der Ruhe, insbesondere Vorstellungsgespräche, Präsentationen und knifflige unvorhersehbare soziale Situationen. In diesen brilliert der Impro-Schauspieler mit seiner Kreativität. Er kann souverän in verschiedenste Rollen schlüpfen und lernt so die vielen Aspekte seines eigenen Charakters besser kennen. Das ist Persönlichkeitsentwicklung pur! Vielleicht gibt es auch Improgruppen in Ihrer Stadt. Schauen Sie sich doch mal eine Vorstellung an, das ist eine hervorragende Abendunterhaltung. Vielleicht werden sogar Workshops angeboten oder man kann in die Gruppe hineinschnuppern und mitmachen. Es lohnt sich. Wer improvisieren kann, ist flexibel und kann sich anpassen wenn etwas unvorhersehbares passiert. Im Impro sagen wir auch „Scheiter heiter“, das nimmt uns den Druck perfekt sein zu müssen und Risiken einzugehen. Scheitern ist erlaubt! Mit dieser Einstellung nimmt man sich selbst den Druck und brilliert damit um so mehr in allen möglichen Situationen. Ja-sagen ist auch ein „Ja“ zum Leben.

    Fazit

    Forrest Gump sagt im gleichnamigen Film:

    „Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel, man weiß nie was man bekommt.“

    Seien Sie flexibel und nehmen Sie das Leben nicht so todernst. Es kommt wie es kommt. Freuen Sie sich über neue Herausforderungen in Ihrer Lebensschule. Akzeptieren Sie sauberes Leid als natürlichen Teil des Lebens und lassen Sie das schmutzige Leid einfach weg. Finden Sie das was Ihrem Leben einen Sinn verleiht. Am Ende zählt welchen positiven Effekt wir auf die Welt hatten und nicht welche Sorgen wir uns gemacht haben. Entdecken Sie die Freude am Improvisieren und schauen Sie sich doch mal eine Impro-Vorstellung an.

    Meine Powersätze gegen Wahn und Angst

    Wie erziehen wir unser Gehirn hin zu Leichtigkeit und Freude? Diese Powersätze haben mir in meinem Alltag mit Schizophrenie geholfen:

    • „Kein Stress, keine Gefahr“
    • „Ich bin in Sicherheit“
    • „Da mache ich mir morgen Gedanken“
    • „Da mache ich mir ein anderes mal Gedanken“
    • „Da mache ich mir Gedanken wenn es so weit ist“
    • „Stopp, Psychose!“
    • „Das kann man auch anders sehen“
    • „Wenn es dir Angst macht, ignoriere es“
    • „Was würde mein innerer Therapeut dazu sagen?“
    • „Dafür gibt es eine rationale Erklärung“
    • „Ich bin ganz ruhig, entspannt und locker“
    • „Ich bin fest in der Realität verankert“
    • „Was ist JETZT?“
    • „Wir sind Menschen und leben auf der Erde. Das ist einfach so“
    • „Alles ist gut, so wie es ist“
    • „Ich mach so gut ich kann“
    • „Kein Grund sich zu fürchten“
    • „Das hat nichts mit mir zu tun“
    • „Am Arsch führt auch ein Weg vorbei“
    • „Es kommt wie es kommt“
    • „Krisen sind erlaubt“
    • „Gott, du hast die Kontrolle“
    • „Ich darf mich auch mal unwohl fühlen“
    • „Blöde Gedanken sind erlaubt“
    • „Hallo, Sorge!“
    • „Ich sammle Schätze im Himmel“
    • „Gedanken sind nicht real“
    • „Vergiss den Spaß nicht!“

    Jedes Mal, wenn Sie einen dieser Sätze benutzen, bauen Sie eine neue neuronale Bahn. Dein Gehirn lernt durch Wiederholung:

    1. Reiz tritt auf (z.B. eine Beziehungsidee oder Angst).
    2. Powersatz wird aktiviert („Das hat nichts mit mir zu tun“).
    3. Die emotionale Reaktion wird gedämpft.

    Mit der Zeit wird dieser Prozess automatisch. Man nennt das Long-Term Potentiation (LTP) – die Verbindungen zwischen den „ruhigen“ Neuronen werden physisch stärker. Durch diese Automatisierung gelangen die Gedanken ins Unbewusste und werden ausgelöst bevor die Stressreaktion eines Reizes überhaupt auftritt. Ganz automatisch! Das bedeutet wir haben den Kopf wieder frei für produktive Gedanken und das Hintergrundrauschen im Kopf wird weniger. Das ist das Wunder der Neuroplastizität!

    Ein Hinweis zu dem Satz „Wenn es dir Angst macht, ignoriere es“. Hier geht es nicht darum schlechte Gefühle zu verdrängen. Der Satz bezieht sich auf Beziehungsideen, psychotischen Gedanken und Zweifeln an der mentalen Gesundheit. Manchmal sehe ich eine Person auf der Straße und denke „habe ich mir die nur eingebildet?“ oder „passt dieses Plakat perfekt zu meiner Situation, ist das eine versteckte Botschaft des Universums?“. Das sind paranoide Gedanken, die eine Sogwirkung haben und sich wie eine dunkle Bedrohung anfühlen. Diese können wir getrost ignorieren um der Psychose ihren Treibstoff zu entziehen, dafür ist dieser Satz gedacht.

    Viel Spaß und Erfolg mit diesen Powersätzen, suchen Sie sich zwei bis drei aus und probieren Sie es in Ihrem Alltag mit Schizophrenie aus.

    Denkfalle „Hyperreflexivität“ (warum wir uns nicht gesund denken können)

    Seit vielen Jahren, vielleicht schon mein ganzes Leben bin, ich sehr auf meine Innenwelt fixiert. Das hatte auch einen Sinn. Da ich schwere Psychosen in meinem Leben bewältigt habe, musste ich mich immer wieder fragen: „Ist dieser Gedanke normal oder psychotisch?“ und „wie geht es mir gerade?“ Das nennt man auch Meta-Kognition, das Denken über das Denken.

    Ich bin manchmal im Optimierungswahn. Ich möchte mich psychischen Schmerzen entziehen und mental gesund werden, das ist zutiefst menschlich und verständlich. Aber das Problem ist: Ich bin dabei total auf mich selbst und meine Innenwelt fixiert. Ich denke über neuronale Bahnen nach, wundere mich über das Denken an sich, bewerte meine Gedanken und frage mich permanent wie es mir geht. Das Leben zieht währenddessen an mir vorbei. Ich habe Hyperreflexivität. Es ist der Versuch die Innenwelt zu reparieren, zu optimieren und letzten Endes zu kontrollieren. Der Wunsch nach Kontrolle ist die Triebfeder vieler psychischer Krankheitssymptome, so auch Zwang und Angst.

    Meine trügerischen Lieblingsgedanken

    Ich denke oft:

    „Ich bin in Sicherheit“, „Mir kann nichts passieren“, „Ich bin ganz ruhig, entspannt und locker“, „mein Leben ist angenehm und schön“, „Ich kann jederzeit in die Notaufnahme“, „Ich bin nicht in Gefahr“.

    Positive Gedanken sind sinnvoll und lebensnotwendig, man muss aber etwas genauer hinschauen.

    Glaube ich diese Sätze auch wirklich oder versuche ich gerade nur meine unangenehmen Emotionen und Gedanken wegzudrücken, damit es mir besser geht? Denn leider ist „positives Grübeln“ immer noch Grübeln! Charakteristisch für das Grübeln ist, dass es zu keinem produktiven Ergebnis führt. Wir verschwenden Zeit, die wir für etwas Schönes aufwenden könnten. Zum Beispiel ein gutes Buch lesen, etwas Musik machen oder einem Freund eine wertschätzende Nachricht schreiben.

    Ich analysiere jede Regung meiner Seele und versuche, die Gesundheit durch reines Nachdenken zu erzwingen. Ich habe den Glaubenssatz, dass man durch Selbstoptimierung, Willenskraft und positives Denken automatisch gesund wird. Es ist nicht so einfach und man muss es differenzierter betrachten.

    Wenn ich mich permanent frage wie es mir geht, habe ich den Fokus immer noch auf die Angst und die Krankheitssymptome. Es gab eine Zeit wo das sinnvoll da, denn während meiner Psychosen „musste“ ich meine Gedanken analysieren, damit ich normale von psychotischen Gedanken unterscheiden und zurück in die Realität kommen konnte. Eine wichtiger Schritt zur Genesung. Nun stecke ich aber in der Hyperreflexivität und der Selbstbeobachtung und fühle mich oft (kein Wunder) erschöpft und kraftlos vom vielen Denken. Ich lebe nicht mein Leben, ich „denke“ mein Leben. Das kostet viel Kraft und Energie. Ich denke „dieser positive Gedanke ist erlaubt, dieser ist schlecht und verboten“. Die Bewertung ist das Problem.

    Die Lösung: Vom Denken ins Tun

    Wie kommen wir aus der zwanghaften Selbstanalyse in eine leichte und schöne Lebensrealität? Dafür schenke ich Ihnen diesen Powersatz, der mir in letzter Zeit viel geholfen hat. Er lautet: „Was ist JETZT?„. Grübeln findet in der Vergangenheit (was ist schief gelaufen?) und der Zukunft (was wenn ich die Miete nicht zahlen kann?) statt. Denken sie so oft wie möglich: Was ist jetzt? „Ah, da sind Menschen.“ „Da ist ein Auto.“ „Hallo, Baum.“ „Die Sonne scheint mir auf das Gesicht.“ „Da ist mein heißer Morgenkaffee der mir die Kehle hinunterläuft.“ „Da ist eine grüne Farbe in meinem Malbuch.“ „Da sind meine Schritte auf dem Boden, der mich trägt, wenn ich spazieren gehe.“

    Das Leben findet im Moment und in der Welt statt nicht im Kopf. „Was ist real?“, Was kann ich anfassen?“, statt „wie geht’s mir?“ und „warum denke ich das gerade?“. Achtsamkeit ist ein sehr häufig gehörtes „Buzz-Word“ und wird oft angepriesen, allerdings zurecht, denn sie funktioniert um sich langfristig besser zu fühlen. Wenn wir uns immer wieder auf das hier und jetzt, die Gegenwart fokussieren können wir es schaffen die Grübelschleifen (auch wenn sie positiv sind!) zu unterbrechen und einfach zu SEIN. Je öfter wir uns für die Realität und gegen die Grübelschleife entscheiden, desto leiser wird das Rauschen im Kopf. Das Gehirn ist plastisch und kann sich den Rest unseres Lebens zum positiven hin verändern, damit wir glücklich und selbstbestimmt leben können.

    Achtsamkeit ist ein mächtiges Werkzeug, um Grübelschleifen zu unterbrechen, aber sie ist kein magischer Schalter für Dauerglück. Die Übertreibung liegt darin, sie als rein nach innen gerichtete Analyse zu verkaufen. Zu viel Innenschau kann kontraproduktiv für Menschen mit Schizophrenie sein!

    Für uns ist die Achtsamkeit im Außen – das einfache Wahrnehmen der Welt, ohne sie zu bewerten – viel wertvoller. Wahre Achtsamkeit bedeutet manchmal einfach, den Abwasch zu machen und dabei nur das Wasser an den Händen zu spüren, statt darüber nachzudenken, wie sich das Wasser auf die eigene Heilung auswirkt.

    Positive Psychologie

    Positive Psychologie ist sinnvoll. Es geht aber dabei nicht um das Leugnen und „nicht wahr haben wollen“ schlechter Gefühle, das Diktat sich wohlfühlen zu „müssen“, das erzeugt Druck und Schuldgefühle, sondern um den Fokus weg von Defizit hin zu den Ressourcen und Lösungen zu legen.

    Die positive Psychologie wurde 1998 entwickelt. Der Hauptbegründer ist Martin Seligman. Er nutzte seine Eröffnungsrede einer Konferenz, um das gesamte Fachgebiet dazu aufzufordern, nicht mehr nur zu fragen „Was macht Menschen krank?“, sondern „Was macht sie stark?“

    Der entscheidende Unterschied liegt nicht darin, was wir denken, sondern wie wir es nutzen. Während das positive Grübeln ein erschöpfender Kreisverkehr im Kopf ist, bei dem wir uns ständig selbst beobachten und versuchen, Heilung durch erzwungenen Optimismus zu „managen“, fungiert die Positive Psychologie als Wegweiser nach draußen in die echte Welt. Positives Grübeln bleibt Teil der Hyperreflexivität – es ist die anstrengende Arbeit, das eigene Befinden permanent kontrollieren zu wollen. Die Positive Psychologie hingegen will uns entlasten; sie regt uns dazu an, unsere Stärken und Ressourcen einfach zu nutzen, um wieder am Leben teilzunehmen, anstatt es nur zu analysieren. Es geht darum ins Handeln zu kommen.

    Die Positive Psychologie funktioniert nicht durch das Ignorieren von Problemen, sondern durch die gezielte Nutzung der Neuroplastizität. Indem wir unseren Fokus auf Stärken und Momente der Sicherheit lenken, trainieren wir unser Gehirn um und bauen die „Autobahnen“ des Grübelns langsam ab. Wissenschaftliche Konzepte wie die „Broaden-and-Build“-Theorie zeigen, dass positive Impulse unseren Blickwinkel weiten und uns helfen, neue Kraftreserven aufzubauen, die uns in Krisenzeiten stabiler tragen. Es ist letztlich ein biologisches Training: Wir lehren unser Nervensystem, dass es neben der Analyse der Gefahr auch einen Raum für Erholung und echte Handlungsfähigkeit gibt. Das geht ganz mechanisch. Wir programmieren unser Gehirn und legen neue Nervenbahnen an die uns durch schwierige Zeiten tragen.

    Die Forscherin Barbara Fredrickson hat herausgefunden, dass positive Emotionen (wie Freude, Neugier oder Dankbarkeit) unseren geistigen Horizont erweitern (broaden). Während Angst unseren Blick verengt (Tunnelblick), öffnen positive Gefühle unseren Geist. Wir sehen plötzlich mehr Handlungsmöglichkeiten, werden kreativer und bauen dadurch langfristig neue persönliche Ressourcen (build) auf – wie soziale Kontakte oder neue Fähigkeiten.

    Übung

    Eine der wirksamsten Übungen der Positiven Psychologie ist die Methode der „Drei guten Dinge“, die Ihren Fokus ganz ohne Druck von der inneren Analyse auf die äußere Realität lenkt. Das nennt man manchmal auch das „Erfolgstagebuch“

    Dabei notieren Sie sich am Ende des Tages drei konkrete Momente, die gelungen sind – egal wie klein sie waren – und fragen sich kurz, was Ihr eigener Beitrag zu diesem Moment war. Das Entscheidende hierbei ist: Sie suchen nicht nach tiefgreifenden psychologischen Erkenntnissen, sondern sammeln schlichtweg Beweise für das Gelingende in Ihrem Alltag, wie den Geschmack eines guten Kaffees oder die wohltuende Sonne beim Spaziergang. Indem Sie diese Fakten der Außenwelt festhalten, trainieren Sie Ihr Gehirn darauf, den „Gefahren-Scanner“ mal kurz ruhen zu lassen und stattdessen die tatsächliche Lebensqualität wahrzunehmen, die jenseits der Grübelschleifen existiert.

    Mein Fazit: Leben statt Grübeln

    Wir können uns nicht gesund „denken“, auch nicht mit noch so viel positivem Aufwand. Die Hyperreflexivität ist eine Sackgasse: Während wir im Kopf nach dem Schalter für die Heilung suchen, zieht das echte Leben draußen an uns vorbei. Ich habe gelernt, dass die Frage „Wie geht es mir?“ oft nur Kraft raubt, während „Was ist jetzt?“ mich zurück in die Welt holt.

    Die Positive Psychologie ist für mich deshalb kein bloßes Konzept, sondern ein biologisches Training. Wir nutzen die Neuroplastizität unseres Gehirns ganz mechanisch, indem wir den Fokus mutig auf unsere Stärken und das reale Tun richten. Heilung bedeutet nicht, dass die negativen Gedanken verschwinden, sondern dass wir aufhören, sie wie ein Objekt unter dem Mikroskop zu bewachen. Fangen wir an zu leben – nicht im Kopf, sondern hier und jetzt.

    Viel Erfolg auf Ihrem Weg in die mentale Gesundheit mit weniger Hyperreflexivität.

    Zwischen Hochleistung und Erschöpfung

    Eine Geschichte von 2 Fröschen:

    Zwei Frösche fielen in einen tiefen Brunnen. Von oben riefen die anderen Frösche hinab: „Es ist zu tief! Da kommt ihr nie wieder raus. Gebt auf, ihr schafft das niemals!“

    Der erste Frosch hörte auf die Rufe, verlor den Mut und blieb resigniert im Schlamm liegen. Der zweite Frosch jedoch sprang immer weiter, mit aller Kraft, so gut er konnte. Er kletterte unbeirrt weiter und weiter. Die Menge oben schrie immer lauter: „Hör auf! Akzeptiere dein Schicksal! Du bist zu schwach! Das ist zu schwierig!“

    Doch der Frosch sprang ein letztes Mal besonders hoch und erreichte den Rand. Als er oben ankam, fragten ihn die anderen erstaunt: „Hast du uns nicht gehört? Wir sagten, es ist unmöglich!“

    Da stellte sich heraus: Der Frosch war taub. Er dachte die ganze Zeit, die anderen würden ihn enthusiastisch anfeuern.


    Eine schwierige berufliche Reha

    2024 war ich zum dritten mal in einer beruflichen Reha nach einer längeren Krankheitspause. Das Ziel war, mich wieder fit für den Beruf zu machen. Die „First-Steps“-Maßnahme dauerte 3 Monate und war eine Überforderung. Zwar konnte ich meine Aufgaben sehr schnell und zuverlässig erledigen, rutschte aber immer wieder in die Überlastung, starrte blockiert auf den Monitor, bekam schlechte Gedanken und musste oft früher nach hause und mein Notfallmedikament Diazepam nehmen bis es mir nach einer guten Nacht wieder besser ging.

    So quälte ich mich durch die Maßnahme bis die 3 Monate rum waren. Ich erledigte meine Aufgaben blitzschnell und ich wurde mehrmals ermahnt auf die Bremse zu treten. Das fiel mir schwer, denn wenn ich durch Arbeit abgelenkt bin haben die nervösen Gedanken und Ängste Pause. Ich bin sehr auf Erfolg und Leistung getrimmt. Das kenne ich gut von mir. Ich bin Perfektionist und teilweise mache ich meinen Selbstwert an meinen Leistungen fest, was mich sehr antreibt starke Ergebnisse zu liefern. Das war auch schon in meinem Studium so und trotz schwerer Krisen und Psychosen schaffte ich 2011 meinen Abschluss.

    Ein Platz in der Behindertenwerkstatt?

    Mit meinen Betreuern entschied ich dass ich für die 1-jährige Folgemaßnahme mit betrieblichen Praktika nicht geeignet bin. In der beruflichen Therapie äußerte ich meine Berufswünsche: Schreiben, Workshops geben und Genesungscoaching machen. Meine Trainerin traute es mir nicht zu. Es ging sogar soweit dass mich meine Betreuer in eine Behindertenwerkstatt stecken wollten. Meine Ärztin von der PIA äußerte sich ähnlich und wollte mich animieren in die Theodor-Lorch-Werkstätten in Ludwigsburg zu gehen. Wenig Verantwortung und viel Struktur. Sie dachten, dort wäre ich mit meiner chronischen Erkrankung am Besten aufgehoben.

    Ich habe mich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt. Aus heutiger Sicht zu recht! Ich habe „high functioning mental illness“. Jeden morgen stehe ich gegen 5 Uhr auf und bin 3 Stunden hochleistungsfähig. Ich habe 2025 ein Buchmanuskript, 5 Fachartikel für Zeitungen und Magazine und viele weitere Blog Artikel wie diesen geschrieben. Dazu habe ich Medis, essen, schlafen, Tagesstruktur, Wohnung und Papierkram fest im Griff. Ich habe mir Gedanken über mein „new business“ gemacht und einen Businessplan geschrieben.

    Ich habe immer noch psychische Einschränkungen, aber ich mache das beste daraus und kann immer noch viel Leistung abliefern und intellektuell anspruchsvolle Probleme lösen. So habe ich es als Medieninformatiker (B.Sc) gelernt. Auch Web Entwicklungsaufgaben, wenn ich mal einen Auftrag habe, erledige ich kompetent und sorgfältig.

    Was zur Hölle soll ich in einer Behindertenwerkstatt? Das ist sicher eine gute Maßnahme für manche kranke Menschen, aber mein Verstand funktioniert (mit Einschränkungen) hervorragend und ich kann durch meine Texte etwas in dieser Welt bewegen. In so einer Einrichtung wäre ich komplett unterfordert. Meine neue Arbeit: Interviews geben, Webseiten bauen, schreiben, Buchmarketing machen – macht mir einen Riesenspaß. Ich habe meine Berufung gefunden! Ich bin wie der taube Frosch aus der Geschichte. Ich höre nicht auf das ‚Das schaffst du nicht‘, sondern auf mein Herz und meinen Verstand. Ich gehe meinen Weg – so gut ich kann.

    Meine Perspektive und Berufung

    Ich bin auf einem guten Weg: Dieses Jahr mache ich eine 6-monatige medizinische Reha im Therapeutikum in Heilbronn. Das sind 6 Monate intensives Training meiner Belastbarkeit – so werde ich fit für meine neuen Geschäftsfelder: Coaching, Workshops, Seminare, Schreiben und vieles mehr. „Die Seele will gesund werden“ ist dabei meine Brand (Marke) und wenn es gut läuft gründe ich vielleicht sogar eine Firma (gUG / gemeinnützige Unternehmergesellschaft).

    Wenn ich arbeite bin ich in einem Hyperfokus und sehr konzentriert, das hat auch eine Schattenseite – denn ich neige dazu , wie schon in der Reha, mich zu überlasten. Wenn ich aber bei meinem 3-Stunden Arbeitslimit pro Tag bleibe und weiter prophylaktisch meine Pausen, Tagesstruktur, Ablenkung und Mental Health Stunde mache ist die Chance groß dass ich langfristig stabil bleiben und in meinem „neuen Beruf“ arbeiten kann. Ich will psychisch kranken Menschen helfen und davon Leben können. Der Bedarf ist riesig. Da gibt es zig-tausend kranke Menschen da draußen die von meinen intensiven Erfahrungen profitieren können. Viel unnötiges Leid lässt sich mit dem richtigen Wissen und viel Geduld vermeiden und in jeder Krise steckt eine Chance. Die Seele will gesund werden. Das ist meine Message.

    Meine Krankheit; mein Trainingslager

    Ich sehe meine aktuellen Herausforderungen dabei als Trainingslager: ich bin das Versuchskaninchen, ich lerne wie man mit einer pychischen Erkrankung umgeht und welche Tools wirklich langfristig funktionieren, damit ich anderen Menschen helfen kann. Wenn etwas schief geht ist dass kein Versagen sondern ein neuer Data Point in meinem experimentellen Labor für mentale Gesundheit. Ich propagiere nur Gedanken und Werkzeuge die ich selbst ausprobiert und für gut befunden habe. 2026 habe ich eine starke Entwicklung gemacht und der Blick aufs Stimmungsprotokoll verrät, dass ich auf dem richtigen Weg bin (siehe Artikel Das Stimmungsprotokoll). Im Februar hatte ich bisher nur 3 psychische Krisen die ich gut gemeistert habe und die nicht so schlimm waren wie früher. Meine Methoden funktionieren. Dabei akzeptiere ich, dass ich eine chronische, psychische Krankheit habe und es nicht immer so läuft wie ich es gerne hätte.

    Das ist mein Weg in eine erfolgreiche Zukunft. So Gott will.

    Mach, so gut du kannst

    In meiner täglichen Mental Health Stunde um 15 Uhr lege ich mich nach der heißen Dusche immer auf mein Bett und mache einen Body Scan.

    Ein Body Scan ist eine Achtsamkeitsübung, bei der man die Aufmerksamkeit nacheinander durch alle Teile des Körpers lenkt, um Verspannungen und Empfindungen wertfrei wahrzunehmen und so eine tiefe körperliche und mentale Erdung zu erreichen.

    Da gibt es tolle Youtube Videos, wie zum Beispiel dieses hier:

    Eine Formulierung hat sich mir besonders eingeprägt und sie wurde zu meinem Achtsamkeitsmantra im Alltag. Der Sprecher sagt oft: „Lass diese Anspannung nun los, so gut du kannst„.

    So denke ich nun oft:

    • Lass los, so gut du kannst
    • Enstpann dich, so gut du kannst
    • Relax, so gut du kannst
    • Sei im hier und jetzt, so gut du kannst
    • Sei fröhlich, so gut du kannst
    • Lass diese Sorge jetzt los, so gut du kannst
    • akzeptiere diese Situation, so gut du kannst

    Die Botschaft dahinter ist, dass wir es nicht perfekt machen müssen, egal was wir tun. Viele Menschen neigen zum Perfektionismus, welcher Veränderung und Entwicklung im Keim ersticken kann. Mit dem Satzteil „so gut du kannst“, erkennen wir an, dass wir uns Mühe geben und uns auf den Weg machen. Wir geben unser Bestes, so gut wir können und mehr erwartet niemand von uns. Wir gehen Schritt für Schritt in eine fröhliche, gelassene Lebensrealität – „so gut wir können“.

    In der Schizophrenie-Therapie (und eigentlich für jeden Menschen) ist genau diese Selbstmitgefühl-Haltung der Schlüssel: Wir akzeptieren den Ist-Zustand, ohne ihn zu bewerten, und geben uns den Raum, uns im Rahmen unserer aktuellen Möglichkeiten zu bewegen. Wir müssen nicht funktionieren und makellos sein.

    Der Sprecher sagt an einer Stelle: „Alles ist gut, so wie es ist“. Aus dieser Perspektive können wir auch auf unser (nicht immer perfekte) Leben blicken. Mit Achtsamkeit und vor allem: Akzeptanz.

    In diesem Zusammenhang passt auch die Kintsugi-Mentalität. Kintsugi ist eine japanische Kunstform in denen die Brüche in Trinkschalen mit Gold veredelt werden. So ist es auch mit unserer Seele. Im Laufe unserer Krankheitsgeschichte haben wir Wunden und Narben angesammelt. Doch diese machen unsere Identität aus, sie sind ein Teil von uns und wir können sie stolz vor uns her tragen, sie gehören zu unserer Geschichte.

    Ein Body Scan ist eine wunderbare Methode um sich zu erden und zur Ruhe zu kommen – sich mit dem Körper zu verbinden und zu relaxen. Es klappt nicht immer, manchmal sind wir unruhig und die Gedanken schweifen ab. Deshalb versuche ich in meiner Mental-Health Stunde zunächst etwas Energie zu verbrennen in dem ich mir eine fröhliche Techno-Musik an mache und 2 bis 3 Lieder lebhaft tanze. Danach kommt meine heiße Dusche als Einstimmung auf die Meditation. Wenn die Gedanken abschweifen, was normal ist, hole ich mich immer wieder zurück zur Übung.

    So gut ich kann!