Negative Gedanken zulassen

Wie gehen Sie mit negativen Gedanken um? Erschrecken Sie manchmal über ihre Gedanken? Haben Sie manchmal Angst vor ihren Gedanken, so dass sie zum Beispiel Angst haben sich oder anderen was anzutun? Oder steigern Sie sich in übertriebene Sorgen rein? Haben Sie blasphemische, sexuelle oder aggressive Gedanken die Sie aus dem Konzept bringen?

Manchmal leiden wir an unseren Gedanken. Warum ist das so? Jedes fühlende Wesen möchte sich Schmerz entziehen. Das ist ein Naturgesetz. Das macht den Umgang mit negativen Gedanken so knifflig. Wenn diese Gedanken kommen versuchen wir sie zu unterdrücken oder zu neutralisieren. Ein Beispiel: Sie haben einen negativen, blasphemischen Gedanken wie „Ich hasse Gott!“ Dann erschrecken sie und denken „oh nein das wollte ich nicht denken, Gott ist gut“ und beten ein Vater unser. Das ist mit Neutralisierung gemeint. Wir glauben dass wir den Gedanken entkräften müssen, weil wir glauben er sei gefährlich und genau dass ist die Falle in die wir tappen.

Der richtige Umgang mit negativen Gedanken und Gefühlen ist, sie zuzulassen und nicht zu bekämpfen. Im Buddhismus kennen wir den Gedanken des „monkey mind“. Der Geist ist wie ein wilder Affe der im Urwald herumturnt. Manche Gedanken verbieten wir uns und wir haben Angst vor Ihnen. Stellen Sie sich diesen Gedanken als einen Baum vor und sie versehen ihn mit Schildern wo draufsteht: „Gefährlich auf keinen Fall betreten“ um dass Äffchen davon abzuhalten auf diesen Baum zu klettern. Nur kann dass Äffchen leider nicht lesen und ist im Gegenteil neugierig was es mit diesem Baum und seinen Schildern auf sich hat und klettert dort wo es nicht soll am allerliebsten.

Deswegen entstehen Zwangsgedanken. Gedanken die wir nicht wollen, die uns Angst machen, die wir loswerden wollen.

Machen Sie sich klar dass Gedanken nicht die Realität sind. Völlig egal wie furchteinflösend, sexuell oder blasphemisch diese Gedanken sind – es sind Illusionen, sie sagen nichts über Ihren Charakter aus. Sie SIND nicht Ihre Gedanken.

Im Rahmen der Acceptance Commitment Therapy (ACT) der aktuell modernsten Therapieform kennen wir das unter dem Begriff „Defusion“. Wir sollten nicht mit unseren Gedanken „fusioniert“ dass heißt „verschmolzen“ sein.

Machen Sie sich weiterhin klar, dass egal wie schlimm die Gedanken sind und egal wie schlecht Sie sich fühlen: Sie sind nicht in Gefahr und es kann Ihnen nichts passieren. Sie sind in Sicherheit und es geht vorbei. Es ist nicht real. Lassen Sie den Gedanken wie Wolken am Himmel vorbeiziehen und wenden Sie sich sofort wieder der Realität zu, dem hier und jetzt zu, mit dem was Sie gerade tun, was sie sehen und anfassen können, was jetzt gerade wichtig ist.

Wie gehen wir also mit unseren Gedanken auf eine gesunde Art um? Wir sollten Sie zulassen und uns nicht weiter darum kümmern. Wir können Sie durch den Geist ziehen lassen ohne „zurück“-zudenken. Sie sind wie Wellen eines Ozeans. Wir beobachten sie einfach und lassen sie los. Genau das üben wir wenn wir meditieren. Meditation ist ein geistiges Training mit dem wir unserem „monkey mind“ etwas entgegensetzen.

Ich meditiere jeden morgen eine halbe Stunde als Teil meiner Morgenroutine. Ich setze mich auf mein Meditationskissen, setze einen Timer auf 30 Minuten und schlage meine Meditationsglocke. Ich achte nur auf meinen Atem und hole mich immer wieder freundlich ins Hier und Jetzt zurück. Es ist völlig normal dass der Geist abschweift. Meditation ist simpel aber nicht einfach, es erfordert einiges an Übung und es braucht eine Weile bis man Erfolge hat. Aber bleiben Sie dran, es lohnt sich. Meditation kommt ursprünglich aus dem Buddhismus, man kann Sie aber mittlerweile als losgelöst aus der Religion betrachten und praktizieren

Die Meditationspraxis ist nicht auf das Sitzen beschränkt sondern wir können Sie auch im Alltag praktizieren. Das nennt man Achtsamkeit. Wir können versuchen so achtsam wie möglich zu sein, wir verstricken uns nicht in Vergangenheit oder Zukunft sondern sind im hier und jetzt – ganz bei der Sache. Beim Arbeiten, beim Geschirr spülen, beim spazieren, beim Essen, beim Gespräch mit anderen Menschen. Wir sind völlig präsent. Wir sind im hier und jetzt

Folgen Sie dem Weg der Achtsamkeit und ihr Leben wird gelassener, leichter und erfolgreicher. Lassen Sie sich nicht von negativen Gedanken beeindrucken und genießen Sie was das Leben Ihnen bietet.

Viel Erfolg!

P.S.: Gedanken sind in der Regel nicht real und nicht gefährlich. Etwas anderes gilt wenn Sie konkrete Pläne machen sich oder jemandem etwas anzutun. Dann ist essenziell dass sie mit jemandem reden und sich professionelle Hilfe suchen. Notfalls wählen Sie die 112 und lassen Sie sich ins Krankenhaus bringen. Dort bekommen Sie Hilfe. Passen Sie gut auf sich auf.

Ohne Jesus geht es nicht

Lange Zeit in meinem Leben habe ich das Thema Gott und Bibel komplett abgelehnt. Ich hörte seit meiner Jugend düstere Metalmusik und liebäugelte sogar mit dem Thema Satanismus. Wie naiv ich doch war.

Später als ich mal wieder im Krankenhaus war wendete sich das Blatt. Es ging mir sehr schlecht und ich war einsam und verzweifelt. Mühsam schleppte ich mich durch den Klinikalltag: Schlafen, Therapien, essen, rauchen.

Doch es gab einen Lichtblick: Einmal die Woche kam ein katholischer Pfarrer mit seiner Gitarre auf die Station und wir haben mit jedem der wollte eine halbe Stunde christliche Lieder gesungen. Mein Lieblingslied war dieses hier:

Deine Hand ist über mir

Deine Hand ist über mir
Und ich stehe unter deinem Schutz
Deine Hand ist über mir

Deine Hand ist unter mir
Und ich berge mich darin
Deine Hand ist unter mir

Und ich falle niemals tiefer als in deine Hand
Falle niemals tiefer als in deine Hand
Und ich falle niemals tiefer als in deine Hand
Falle niemals tiefer als in deine Hand

Deine Hand ist hinter mir
Und du gibst mir deine Kraft
Deine Hand ist hinter mir

Deine Hand ist vor mir
Und du ebnest mir den Weg
Deine Hand ist vor mir

Und ich falle niemals tiefer als in deine Hand
Falle niemals tiefer als in deine Hand
Und ich falle niemals tiefer als in deine Hand
Falle niemals tiefer als in deine Hand

Diese eine halbe Stunde die Woche war für mich eine Insel im elenden Klinikalltag. Ich singe sehr gerne und der Pfarrer hat mich immer für meine Stimme gelobt, das gefiel mir.

Ich kam mit dem Pfarrer ins Gespräch und ich erzählte von meinen düsteren Gedanken. Er sagte, ja, dass seien die gottesfernen Kräfte. Er erzählte mir von Gott, er strahle die Liebe aus so wie die Sonne scheint – er kann nicht anders. Das fand ich interessant. Wir haben zusammen gebetet und er hat mir ein Andachtsbuch geschenkt, welches ich allerdings nicht gelesen habe. Ich ging zum Klinikgottesdienst wo der Pfarrer predigte und ich fand es interessant, fühlte mich allerdings noch etwas fehl am Platz. Ich hatte danach noch weitere spirituelle Bücher gelesen aber ich konnte nicht viel damit anfangen. Da wurde immer wieder gebetsmühlenartig wiederholt wie herrlich Jesus ist und wie toll das Wort Gottes ist und wie super Gebet hilft. Ich konnte das damals nicht verstehen, weil ich Jesus noch nicht kannte.

Nach dem Krankenhaus habe ich eine Weile gearbeitet und kam danach wieder ins Krankenhaus. Danach wollte ich eine Reha machen und bin auf die de’ignis Fachklinik gestoßen welche christliche Grundelemente haben soll, so las ich es auf der Homepage. Ich war neugierig und da ich so viel Spaß am Lobpreis hatte habe ich mich entschieden da hinzugehen. Die Reha dauerte 4 Wochen. Es wurde viel gebetet und gesungen. Ich habe weitere Lobpreis Lieder kennengelernt, die mir sehr gut gefallen haben. Zum Beispiel dieses hier:

Ich fing an mich an das Beten zu gewöhnen und es fing an mir gut zu tun. An einem Abend hat meine Gruppe ein Abendprogramm für die ganze Klinik gestaltet. Wir haben Lobpreis gesungen und es hat mir große Freude gemacht. Wir haben unter anderem das hier gesungen:

Im Anschluss an das Konzert waren wir in der Gruppe und haben gebetet. Es war eine geheiligte Atmosphäre die mich sehr berührt hat. Es fühlte sich richtig und voller Energie an und so habe ich das Gebet kennengelernt.

Die Klinikzeit ging zu Ende und ich wandte mich (wenig erfolgreich) wieder dem Beruf zu. Ich arbeitete als Programmierer und wurschtelte mich irgendwie durch. Dann begann die Pandemiezeit und ich war viel zuhause und trank Alkohol um mich zu entspannen. Aber mein Glaube hatte sich vertieft und ich besuchte einige Gottesdienste. Irgendwann hat mich meine Nachbarin gefragt ob ich nicht in die Liebenzeller Gemeinde in Oßweil mitkommen will. Das ist 3 Jahre her. Dort wurde ich herzlich aufgenommen und ich ging regelmäßig hin.

Ich ging auf die Veranstaltung „Life on Stage“, das war ein Musical mit christlicher Botschaft wo man am Ende vor zum Kreuz gehen und sich zum Christsein bekennen konnte. Das habe ich gemacht und für mich die Entscheidung getroffen dass ich an Gott und Jesus Christus glauben will. Ich betete dass ich mein Leben Jesus Christus übergeben will.

Seitdem ist Jesus ein Teil meines Lebens und ich kann nicht mehr ohne ihn. Ich glaube daran, dass er sich in meiner Seele tummelt, das er der Sohn Gottes ist und das er für meine Sünden gestorben ist. Ich bete jeden morgen und schreibe viel über Jesus und Gott in mein Tagebuch.

Für mich steht fest: Gott meint es gut mit uns Menschen und will nur das Beste für uns. Jesus war auf der Erde und hat Wunder gewirkt. Er hat Kranke geheilt. Ich will ihm nachfolgen. Ich stelle mir manchmal die Frage: „Was würde Jesus in dieser Situation tun?“.

Jesus ist für mich eine Quelle der Freude geworden und ich bete regelmäßig zu ihm. Ich bedanke mich für alles was ich habe und was mir gelingt und ich bete für neue Kraft jeden Tag. Was schwierig ist und mir Angst macht werfe ich aufs Kreuz und vertraue darauf das ER sich um alles kümmert was nicht innerhalb meiner Kontrolle liegt. Ich vertraue darauf dass Gott mich Schritt für Schritt und durch alles Elend hindurchführt. Irgendwann werde ich an mein Ziel gelangen. Ich will bei Gott sein wenn ich einmal sterbe.

Psalm 23 (Lutherbibel 2017):

1 Ein Psalm Davids. Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. 2 Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. 3 Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. 4 Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

Ich habe mir viele Gedanken über meine Sterblichkeit gemacht und dass meine Zeit auf der Erde begrenzt ist. Was kommt danach? Das weiß niemand so ganz genau und Philosophen durch alle Zeitalter hindurch haben sich schon den Kopf darüber zerbrochen. Mein Glaube gibt mir Trost und Hoffnung. Ich weiß dass ich einmal im Himmel sein werde und Gemeinschaft mit meinem Gott haben werde. Ich bin jetzt schon erlöst und gerettet und das macht mir Mut.

Wir können Gottes Liebe und sein Königreich jetzt schon in Anspruch nehmen wenn wir glauben. Warum sollten wir dieses kostbare Geschenk ablehnen? Ich bin sicher Gott meint es gut mit uns. Er will in Beziehung zu uns sein. Er will dass unser Leben gelingt. Warum sollte ich diese unendliche Liebe die mir geschenkt wird ignorieren? Auf Jesus können wir uns immer verlassen. Er hilft uns, er sieht uns, auch in unserem Leiden und er leidet mit uns.

Mittlerweile gehe ich sehr gerne in die Kirche. Das Singen macht mir Spaß. Ich genieße die Gemeinschaft. Es ist ein Hunger in meiner Seele, der gestillt werden will. Ich bin auf dem Weg in die Kirche und denke „Ok, jetzt will ich etwas über Jesus erfahren“. Ich bin gut in die Gemeinschaft eingebunden und als ich letztes Jahr wieder im Krankenhaus war haben die Gemeindemitglieder für mich gebetet und haben mich oft besucht und Obst und Zigaretten vorbeigebracht. Zudem bin ich seit einer Weile im Junge Erwachsene Treff meiner Gemeinde. Wir machen Spieleabende, beten zusammen und gehen was Essen. Die Leute sind nett und die Abende gelingen mir.

Wie stehen Sie zum Thema Gott? Ich kenne die Zweifel und den Unglauben sehr gut, ich war selbst lange Zeit in der Gottesferne gefangen und habe mich durchs Leben geschlagen, alleine und hilflos. Doch ich bin nicht alleine. Ich habe Familie, Freunde und Gemeinde und ich habe eine ewige Kraft in meinem Leben, die es gut mit mir meint und auf die ich nicht verzichten will. Vielleicht denken Sie „Das ist doch alles Quatsch. Das brauch ich nicht“. Und dennoch, ich ermutige jeden dazu sich einmal Gedanken um die Ewigkeit zu machen und darüber was uns in diesen turbulenten Zeiten durch unser Leben tragen kann. Worauf wir hoffen können.

Vielleicht kommen Sie irgendwann auf den Geschmack, spätestens wenn es nicht mehr weitergeht und sie am Ende der Fahnenstange sind und ganz am Boden zerstört sind und es einfach nicht mehr weitergeht, wenn alles Aus scheint und die Dunkelheit Sie zu ersticken droht – dann tritt Gott auf den Plan und Sie können ihn darum bitten dass er Sie rettet. Und das wird er. Ganz sicher.

Wo die Not am größten ist, da ist Gott am Nächsten.

Für mich steht fest: Ohne Jesus geht es nicht.

Positives Selbstgespräch

Was erzählen wir uns da Tag für Tag und Stunde für Stunde? Welche Wirkung hat das auf uns? Welche Gedanken (gesprochene Worte in unserem Kopf) produzieren wir und was fangen wir damit an?

Wir drehen uns oft gedanklich in einem Kreis um uns selbst, analysieren, malen uns die Zukunft schwarz aus, denken an vergangene Misserfolge, peinliche Erlebnisse und Niederlagen. Wir sind auf uns selbst und unser Seelenleben fixiert. Der Geist produziert immer mehr unnötige Gedanken. Wir sind süchtig nach Gedanken. Wir wünschen uns manchmal einen Aus-Knopf der den ewigen Müllstrom in unserem Geist zumindest eine Weile unterbricht, dass wir durchatmen können.

Ein berühmter Spruch lautet „Glauben Sie nicht alles was sie denken“. Wenn wir ohnehin schon ununterbrochen denken müssen, wäre es nicht viel besser etwas gesundheitsförderliches und schönes zu denken?

Lassen Sie mal folgenden Absatz auf sich wirken:

„Ich glaube es geht mir deutlich besser, deutlich besser, deutlich gelassener. Ich ruhe in mir. Mir geht es jeden Tag, in jeder Hinsicht besser und besser. Ich genieße mein Leben. Ich darf in Frieden, Wohlstand und Gesundheit leben. Mir kann nichts passieren, ich bin in Sicherheit. Ich werde beschützt und behütet. Alles was ich mir vorgenommen habe gelingt mir. Ich bin mutig und zuversichtlich. Ich freue mich auf das Abendessen, den Theater, den Kinobesuch, den Spaziergang. Ich werde ganz, zu 100% komplett gesund, ich bin jetzt schon gesund. Es wird deutlich leichter. Das Leben ist wunderbar. Die Welt ist wunderschön und perfekt und ich darf ein Teil davon sein. Ist das nicht schön? Die Welt ist wie sie ist. Die Realität ist wie sie ist. Ich mag mein Leben. Ich bin OK. Heute wird ein guter Tag, ich fühle es ganz genau. Eine tiefe Stille und Zufriedenheit breitet sich in mir aus. Ich bin gesund. Ich genieße mein Leben so wie es ist, mit allen Höhen und Tiefen. Ich gehe meinen Weg gerne. Ich bin geborgen und beschützt“.

Wie hat das auf sie gewirkt? Fühlen sie sich vielleicht nach dem Lesen ein bisschen besser, oder zumindest neutraler als sonst?

So wie ich es hier beschrieben habe können wir tagtäglich und stündlich ein positives Selbstgespräch führen. Sie könnten einwenden „Aber es geht mir doch schlecht, ich kann nichts positives an meinem Leben finden. Mein Leben ist die Hölle“

Sie können sich entscheiden anzufangen positiv zu denken. Dieses positive Selbstgespräch trägt sie durch die schwierigsten Zeiten. Am Anfang ist es noch schwierig und es fällt einem vielleicht nichts positives ein. Aber so wie wir im Fitnessclub unsere Muskeln trainieren, so können wir auch positives Denken üben. Das Gehirn fängt an sich neu zu vernetzen und wird mit der Zeit immer leichter (automatisiert) positive Gedanken produzieren mit denen sie sich mit Sicherheit langfristig besser fühlen werden. Hören Sie auf sich auf das negative zu fokussieren und üben Sie positives Selbstgespräch. Das geht auch besonders gut schriftlich in Ihrem Tagebuch.

Nahrung für die Seele

In letzter Zeit habe ich mich viel mit dem Thema gesunde Ernährung beschäftigt. Die Zeit davor habe ich sehr ungesund gegessen, wie es viele Menschen mit Psychosen tun. Burger und Pizza standen auf dem Speiseplan, dazu Schokolade, Kuchen, Kartoffelchips und zuckerhaltige Erfrischungsgetränke.

Doch damit soll jetzt Schluss sein. Wissenschaftliche Studien legen nahe dass Ernährung die psychische Gesundheit positiv beeinflussen kann. Ich möchte alles dafür tun um gesund zu werden, daher habe ich meine Ernährung umgestellt. Hier ist eine Liste mit gesunden Lebensmittelgruppen, basierend auf dem hervorragenden Video von Dr. Sten Ekberg: 

https://www.youtube.com/watch?v=F7gDIshc-S0

Am wichtigsten ist dabei die Abwechslung und die Ausgewogenheit. Hier die Liste:

  1. Blattgemüse
  2. Beeren
  3. Fleisch (Grasgefütterte Tiere), Fisch (wild gefangen), in Maßen (Omega 3)
  4. Eier (aus Freilandhaltung)
  5. Fette und Öle
  6. Nüsse
  7. Samen
  8. Avocado
  9. Wurzelgemüse: Kartoffel (in Maßen), Karotten, Selerie, Kohlrabi
  10. Kräuter und Gewürze

Bonus: dunkle Schokolade mit 85% Kakaoanteil.

Das Gehirn braucht ausreichend Nährstoffe damit es zuverlässig funktioniert. Eine gesunde Ernährung muss nachhaltig sein, es bringt nichts wenn man nach 4 Wochen Diät wieder zu seiner ursprünglichen Ernährungsweise zurückkehrt. Lassen Sie insbesondere die Finger von Zucker und stark verarbeiteten Fertiggerichten. Auch eine verminderte Menge Kohlenhydrate (Reis, Nudeln) ist gesund und fördert die Fettverbrennung.

Ein weiterer wichtiger Punkt für Menschen die abnehmen wollen: Essen Sie nur eine Mahlzeit am Tag und lassen Frühstück und Abendessen weg. Ein bis zwei mal im Monat kann man auch für 48 Stunden fasten.

Was Getränke angeht: 3 Liter Wasser am Tag sind notwendig, zudem empfehlen sich ungesüßte Tees, am besten grüner Tee (Anti-Oxidantien).

Tun Sie etwas für ihr psychisches Wohlbefinden und greifen Sie zu hochwertigen, gesunden Lebensmitteln. Ihre Psyche wird es Ihnen danken. Viel Erfolg und guten Appetit!

Angst planen versus Freude planen

In unserer heutigen Gesellschaft wird oft viel Wert auf Planung gelegt. Wir planen unsere Karrieren, unsere Finanzen, unsere Freizeitaktivitäten und sogar unsere Urlaube im Voraus. Doch wie sieht es mit unseren emotionalen Bedürfnissen aus? Häufig vernachlässigen wir die Planung unserer psychischen Gesundheit und konzentrieren uns stattdessen auf die Bewältigung von Angst und Stress, wenn sie auftreten. Aber was passiert, wenn wir unsere Emotionen proaktiv angehen und Freude genauso sorgfältig planen wie Angst?

Angst planen

Kennen Sie das? Ein wichtiger Termin steht an oder eine Abendaktivität die Ihnen eigentlich Freude bereiten sollte. Zum Beispiel ein Besuch in der Kneipe oder im Restaurant mit Freunden. Oder ein Kino, oder Theater Besuch? Und schon ein paar Stunden vorher nagen die Zweifel. Was wenn ich wieder eine Panikattacke bekomme? Was ist wenn ich mich schlecht fühle? Was ist wenn ich flüchten muss und nicht kann? Wie wird es sein wenn ich wieder absage und die enttäuschten Blicke ertragen muss? Komme ich ins Krankenhaus? Was ist wenn ich mich überfordere, ach ich sollte absagen, aber NEIN ich will nicht! Ich will doch was erleben und Spaß machen, ohje was soll ich nur tun. Ich schaffe das nicht! Ich bleib zuhause. Ich kann das nicht.

Kommt Ihnen das bekannt vor? Man nennt dieses Phänomen „Angst planen“ und damit zusammen hängt auch die sog. „Phobophobie“, die Angst vor der Angst. Wir wissen rein intellektuell dass wir nicht in Gefahr sind, aber dem Unterbewusstsein ist das egal, es erzeugt trotzdem Ängste und lässt uns den Teufel an die Wand malen und katastrophisieren. Wir versuchen zu planen um die vermeintliche Gefahr in den Griff zu bekommen. Wir spielen angstbehaftete Szenarien durch weil wir so ein trügerisches Gefühl von Kontrolle erhalten. Dieses Gefühl ist aber nur kurzfristig.

Angst ist dazu da uns vor Gefahren zu schützen, das ist gesund und normal. Hormone werden ausgeschüttet die uns bereit machen für Kampf oder Flucht. Soweit so gut. Aber in der Angststörung wie hier beschrieben ist dieser Mechanismus überaktiv. Wir müssen unserem Gehirn beibringen dass es nicht in Gefahr ist. Wie machen wir das? Wie können wir es schaffen unsere Aktivitäten zu genießen so wie früher? Wir müssen unser Gehirn neu vernetzen und programmieren. Ich zeige Ihnen wie.

Freude planen

Im Vorfeld einer Aktivität können wir genauso gut auch unsere Freude planen. Dazu schildere ich was ich gestern erlebt habe.

Von 12 bis 16 Uhr hatte ich das erste Treffen des EX-In Kurses. EX-In bietet eine Fortbildung zum Genesungsbegleiter die mich sehr interessiert und eine berufliche Perspektive bietet. Das Programm geht ein Jahr und der gestrige Tag diente zur Information und zum ersten gegenseitigen Kennenlernen. Der Veranstaltungsort war weit weg, in Stuttgart Birkach (ich wohne in Ludwigsburg). Ich wusste dass ich ein einhalb Stunden mit den öffentlichen fahren und mehrmals umsteigen muss. Dort war ich noch nie und es ist eine typische Situation in der ich im Vorfeld Angst bekomme und mich quäle, geh ich, geh ich nicht. Schlimmstenfalls gehe ich noch eine Runde auf die Couch und grüble, ein todsicheres Rezept zum Scheitern, eine sich selbst erfüllende Prophezeihung. Was ist wenn ich mich schlecht fühle? Was ist wenn der Bus nicht kommt? Was ist wenn ich den Ort nicht finde und mich verlaufe? Was ist wenn ich nicht nach hause finde? Was ist wenn ich Panik bekomme und früher gehen muss?

Das habe ich schon 100 mal erlebt. Aber diesmal mache ich es anders. Ich öffne mein Tagebuch auf dem Computer und fange an mir auszumalen wie erfolgreich ich sein werde. Ich schreibe und schreibe und vernetze mein Gehirn neu in Richtung Leichtigkeit und Freude. Ich imaginiere wie ich in den Bus steige und denke „Alles super, ich bin locker und entspannt“.

Mir helfen dabei christliche Inhalte mit Gott Jesus und Engeln. Dass ist aber kein Muss, wenn Sie nicht religiös sind (ich will Ihnen hier nichts aufzuwingen). Sie können auch an das Universum, die Liebe oder das Leben glauben um sich geborgen zu fühlen. Wichtig ist die Überlegung dass sie nicht alles alleine schaffen müssen, sondern Kontrolle an eine höhere Macht abgeben dürfen. Es geht darum ein tiefes Gefühl von Gelassenheit, Mut und Freude zu entwickeln. Wir lernen durch Wiederholung, deswegen kommen manche Passagen mehrmals vor. Lassen Sie sich von meinem folgenden Tagebucheintrag inspirieren.

9.3.2024

6 Uhr aufgestanden. Es geht mir besser. Vielleicht schaffe ich doch Ex-IN heute.

Der Bewerbertag beim Ex-In geht von 12 bis 16 Uhr. Pack ich das? Da geht es um meine Zukunft. Ich will Genesungsbegleiter werden. Das ist wichtig.

Ok, gestern war ein schlechter Tag – aber vielleicht wird dafür heute ein guter Tag? Ich habe gut geschlafen und geträumt. Ich war im Traum wieder auf der Reise.

Jetzt hole ich Brötchen und mache mein Morgenprogramm. Später gehe ich entspannt und gelassen zum Ex-IN. Das wird mir gut tun.

Jesus Christus ist auf deiner Seite Niko. Mach dir keine Sorgen wegen des Geldes. Es kommt wie es kommt. Hab Vertrauen. Lass los. Mach dich fit für den Tag. Du schaffst alles was du dir vorgenommen hast.

Ich fühle die Kraft. Ich habe geduscht und meditiert und gebetet. Die Sorgen werden weniger. Ich bin gelassen und entspannt. Ich steige entspannt in den Bus.

Ich mache mir einmal mehr klar dass ich in absoluter Sicherheit bin. Mir kann nichts passieren. Ich werde mutiger, ich werde stärker, ich werde gelassener. Ich werde beschützt. Jesus Christus ist auf meiner Seite, die Engel sind auf meiner Seite.

Ich verschiebe den Design Kurs auf Mitte Mai. Ich nehme mir soviel Zeit wie ich brauche um gesund zu werden. Das wird klappen, ich freue mich auf den Kurs.

Herr Jesus Christus, heute will ich zum Ex-IN. Ich bin locker und entspannt. Du gibst mir die Kraft die ich brauche. Mach dass es erfolgreich und interessant ist. Gott schütze meine Reise. 

Ich bin erwachsen, ich finde meinen Weg zum Ex-IN. Was soll mir passieren? Alles in Ordnung, Niko. Alles gut. Du kannst durchatmen, du kannst entspannen. Lass alles locker auf dich zukommen.

Herr Jesus Christus, hilf mir mit dem Geld. Mach, dass ich die Nachzahlung behalten darf. Gott, du machst alles so, wie es sein soll. Danke Herr, dass ich schmerzfrei bin. Bitte lass mich noch lange leben und glücklich sein. Danke, dass ich so gut geschlafen habe. Danke für den Mut. Danke, dass Mama da ist und mich unterstützt.

Bald fährt sie nach Hause und ich bin alleine verantwortlich. Gibt mir Kraft für den Alltag. Lass mich Lernen und ins Fitness gehen. Gestern habe ich trotz Stress 45 Minuten Fahrrad geschafft.

Ich bin gespannt aufs Ex-IN. Da geht es um meine Zukunft. Ich will anderen Menschen helfen. Ich bin locker und entspannt. Ich bin gelassen und mutig. Herr gib mir die Kraft die ich zum Leben brauche. Gott schütze meinen Weg.

Ich bin glücklich und froh. Ich schaffe alles was ich mir vorgenommen habe, mit Leichtigkeit. Ich spüre wie sich die Anspannung absenkt.

Heute erfahre ich etwas über Ex-IN, es wird bestimmt sehr interessant. Ich freue mich darauf neue Leute kennen zu lernen. Ich nehme meinen Rucksack mit falls es Material zum mitnehmen gibt. Gott schütze meine Reise. Gib mir weiterhin Frieden, Ruhe und Gelassenheit. Du gibst mir die Kraft die ich brauche. Du lässt mich nicht im Stich. Meine Geldsorgen, meine Nervosität, meine Ängste – ich lege sie alle aufs Kreuz. Jesus Christus, nimm mir meine schlechten Gefühle. Danke Jesus Christus. Ich will an dich glauben, wenn meine Zeit irgendwann kommt, so bitte ich dich – nimm mich auf in dein Himmelreich. Ich möchte zu dir. Was kann ich tun, damit das klappt?

Ich bin verantwortlich für mein Leben. Danke Gott, dass ich heute zum ExIn gehen kann.

Die 4 Stunden schaffe ich locker. Es wird bestimmt interessant. Gott schütze meinen Weg. Gib mir Kraft, Gelassenheit und Freiheit.

Ich plane meine Freude. Ich erwische den Bus und finde gleich die Kirche. Ich bin rechtzeitig da und freue mich auf die Informationen die ich heute bekomme. Ich sitze in der Gruppe und höre zu. Ich bin interessiert, fröhlich und entspannt. Danach mache ich mich locker und entspannt auf den Heimweg. Ich setze mich entspannt und voller Zuversicht in den Bus, dann in die Bahn und dann in die S-Bahn. Ich bin ruck zuck zu hause.

Herr, wenn der Kurs beginnt Mitte Mai schenk mir Kraft und Gelassenheit. Lass mich Zeit in Kroatien verbringen. Wenn du es erlaubst. Du schützt mich. Du führst mich Schritt für Schritt. Ich kann aufatmen. Ich genieße die Normalität. Die Realität ist so wie sie ist. Irgendwann muss ich sterben. Aber das ist ok. Ich komme zu dir. Es hat noch viel Zeit. Zeit für gute Träume, Zeit zu Leben, Zeit Ziele zu erreichen. Ich habe viel vor. Mit deiner Hilfe kann ich alles erreichen. Du, nur du, machst das mein Leben gelingt. Du machst dass ich mein Potenzial ausschöpfe. Du lässt mich Singen und Arbeiten und schickst eine Frau in mein Leben.

Alles ist normal. Die Realität ist wie sie ist. Ich bin fest in der Realität verankert. Ich wundere mich nicht länger. Sie ist wie sie ist. Ich akzeptiere die Realität und werde gesund. Ich spüre die Kraft. Danke Gott für die Kraft.

Gott segne Mama, nimm ihr die Schmerzen und die Erscheinungen und die Sorgen. Mach dass Mama glücklich ist. Gib mir Kraft mein Leben zu meistern, so dass sich Mama keine Sorgen um mich machen braucht.

Gott, hilf Lucija eine Lösung für ihren Hund zu finden.

Gott, segne bitte Johann und beschütze seine Reise in die USA.

Lieber Gott, gib mir jeden Tag aufs Neue die Kraft trainieren zu gehen. Es tut mir gut. Ich bin motiviert und diszipliniert. Ich schaffe den Trainingszirkel und das Fahrrad. Danach entspanne ich mich in der Sauna und gehe glücklich nach Hause.

Ich plane meine Freude. Ich reise nach Birkach und finde alles sofort. Ich sitze in der Gruppe und lerne neue Leute kennen. Ich erfahre alles über Ex-IN. Ich schaffe die Zeit locker. Herr Jesus Christus, du gibst mir die Kraft die ich brauche. Du lässt mich alles gleich finden

Fazit

Der Tag war ein voller Erfolg. Während der langen Fahrt habe ich weiter imaginiert und positives Selbstgespräch betrieben. Mit Erfolg. ich war zwar die erste Hälfte sehr aufgeregt, aber alle waren furchtbar nett und es herrschte eine tolle Atmosphäre im Kurs. Ich dachte erst, ohje ich schaff dass nicht, ich muss abbrechen und nach hause. Allerdings wusste ich nicht wo die Bushaltestelle für die Rückfahrt ist, dafür brauchte ich jemanden aus dem Kurs, der den selben Weg hatte. Flucht war nicht möglich.

Also habe ich die Zähne zusammengebissen und mich immer wieder ins Hier und Jetzt zurück geholt und meisterte die Gespräche und Gruppenaktivitäten. Wir waren 5 Gruppen und haben zusammen ein Flipchart erarbeitet, wo wir unsere Erwartungen an den Kurs aufgeschrieben haben.

Ab der Hälfte ungefähr wurde der Druck deutlich geringer und ich entspannte mich. Ich dachte, „ok, jetzt schaffe ich es bis zum Ende“.

Die Heimfahrt lief problemlos und alle Bahnen kamen pünktlich. Ich kam zufrieden und glücklich zuhause an. Meine Mutter hat mir was zu Essen gemacht und ich bin früh ins Bett und hab gut geschlafen

Der Ex-IN Kurs ist sehr interessant, aber ich werde es dieses Jahr vermutlich nicht schaffen teilzunehmen, da ich meinen Fortbildungskurs und das berufliche Trainingszentrum plane. Und die sind alle in Vollzeit. Ex-In geht ein Jahr und man hat einmal im Monat Freitag bis Sonntag volles Programm. Das ist nebenher nicht zu schaffen. Ich werde den Kurs vermutlich nächstes Jahr machen. Kein Problem. So oder so, der Termin war ein voller Erfolg und ich habe einen neuen Meilenstein erreicht und ein neues Stabilitätslevel erreicht. Ich freue mich was der Tag heute bringen wird und bin zuversichtlich.

Auf der Reise

Ich bin auf der Reise. Eine Reise in eine glückliche Zukunft. Ich bin noch am Anfang. Es gibt Hürden und Schwierigkeiten. Es gibt Erfolge und Lichtblicke. Manche Menschen, die uns auf unserem Weg begleiten, verschwinden, andere kommen hinzu.

Es gibt Höhen und Tiefen. Ich habe das Ziel vor Augen. Ich gehe Schritt für Schritt. Ich reflektiere, was ich bereits erreicht habe und verstehe meine Gedanken und Gefühle. Was mich belastet, streife ich ab wie einen Rucksack mit Sachen, die ich nicht mehr brauche.

Ich mache Pausen und atme tief durch. Neu gestärkt mache ich mich auf den Weg. Meine Werte sind mein Kompass.

Ich bin flexibel und passe mich an, wenn neue Herausforderungen auftauchen. Wenn ich alleine nicht weiter kann, hole ich mir Hilfe. Mein Glaube schützt mich, Engel begleiten mich auf meinem Weg.

Auf meiner Reise mache ich neue Erfahrungen, gute und schlechte. Aber sie alle helfen mir zu wachsen. Dieser Weg ist nicht leicht. Aber ich gehe ihn gerne. Es ist mein eigener Weg. Mein Leben ist toll wie es ist, ich würde mit niemandem tauschen wollen, denn es ist meins, einzigartig und wunderbar.

Wenn ich ans Ziel komme und zurückblicke, staune ich und verstehe, dass alles seinen Sinn hatte. Jede Schwierigkeit, jeder Rückschlag und jeder Erfolg waren Meilensteine auf meinem Weg.

Nachts schaue ich in den Himmel. Die Sterne begleiten mich wie treue Freunde. Ich bin nicht allein auf meinem Weg.

Ich war an düsteren Orten wo mich der Mut verlassen hat. Ich ging durchs finstere Tal. Ich habe gelitten und bin daran gewachsen. Ich werde stärker. Ich werde mutiger. Ich atme auf. Ich bin geborgen. Ich bin in Sicherheit.

Es gibt Licht und Schatten. In jedem Moment entfaltet sich aufs neue das was ist. Jeder Moment ist kostbar und ich genieße ihn. 

Ich bin im hier und jetzt. Ich bin fest in der Realität verankert. Ich stehe mit beiden Beinen fest auf dem Boden und bin in ihm verwurzelt. Meine Gedanken sind die zahllosen Blätter, die sich im Wind wiegen

Ich atme, ich heile, ich lebe.

Ich bin vollkommen, ich bin präsent, ich bin mir bewusst. Ich stehe und spiele auf den Bühnen des Lebens. Ich bin wachsam, ich bin aufmerksam. Ich bin da.

Alles ist so wie es sein soll. Alles ist in perfekter Ordnung. 

Dankbarkeit

Dankbarkeit ist eng mit positiven Emotionen verbunden. Indem wir Dankbarkeit kultivieren, können wir unser allgemeines Wohlbefinden steigern und positivere Emotionen wie Freude, Zufriedenheit und Gelassenheit erleben.

Zu diesem Beitrag habe ich mich von Christian Bischoff mit seinem tollen Video zu Dankbarkeitsmeditation inspirieren lassen. Das Video findet ihr hier.

Dankbar sein

  • Danke für meine Gesundheit
  • Danke für meinen Körper
  • Danke für das Essen
  • Danke für das Wasser
  • Danke dass ich genug Geld habe
  • Danke für meine Eltern
  • Danke für meine Freunde
  • Danke für meine Schwester
  • Danke für meine Gemeinde
  • Danke für meine Nachbarin
  • Danke für meine Kleidung
  • Danke für mein zuhause
  • Danke für meine Flirtchancen
  • Danke für meine berufliche Perspektive
  • Danke für das Krankengeld
  • Danke für die Rente
  • Danke für den heiligen Geist
  • Danke für meinen Glauben
  • Danke dafür dass ich in Frieden Leben darf
  • Danke für alle Mitmenschen
  • Danke für meine Kreativität
  • Danke für meine Talente und Begabungen
  • Danke für den Sport
  • Danke für meine Gelassenheit
  • Danke für meine mentale Stärke
  • Danke für die Ärzte, Therapeuten und Pfleger
  • Danke für unsere Demokratie
  • Danke für unseren Wohlstand
  • Danke für meine Musikinstrumente
  • Danke für meinen Computer
  • Danke für mein Smartphone
  • Danke für die Natur
  • Danke für schwierige Zeiten
  • Danke für die Musik
  • Danke für die harten Lebenslektionen
  • Danke für meine Feinde
  • Danke für diesen Planeten
  • Danke dass ich am Leben sein darf

Ich bin glücklich

  • Trotz der Schwierigkeiten, ich bin glücklich.
  • Auch wenn ich oft traurig bin, ich bin glücklich
  • Selbst wenn ich Psychosen habe, ich bin glücklich
  • selbst wenn ich in den Spiegel starre und mich frage wer ich eigentlich bin. Ich bin glücklich
  • Obwohl ich auf Grund der Ängste die Termine absage, ich bin glücklich
  • Auch wenn ich zu viel von mir fordere und mich quäle, ich bin glücklich
  • auch wenn manche Freunde mir den Rücken zugewandt haben, ich bin glücklich
  • auch wenn ich mich oft einsam fühle, ich bin glücklich
  • auch wenn ich stundenlang auf der Couch liege und an die Wand starre, ich bin glücklich
  • auch wenn ich von der Tagesklinik oft früher gehen muss, ich bin glücklich
  • auch wenn ich leide, ich bin glücklich
  • auch wenn meine Seele schmerzt und ich nur noch schreien oder schlafen möchte, ich bin glücklich
  • auch wenn ich nachts nicht schlafen kann, ich bin glücklich
  • auch wenn ich düstere Gedanken habe, ich bin glücklich
  • Ich entscheide mich glücklich zu sein

Wie ich zum Glauben kam

Meine Familie stammt aus Kroatien. Dort ist es mehr oder minder üblich das man zur katholischen Religion gehört und sonntags in die Kirche geht. Meine Schwester und ich sind in Deutschland geboren. Ich wurde getauft und ging von der ersten bis zur dritten Klasse in den Kommunionsunterricht. Ich mochte die Geschichten und Lieder. Dort wo der Unterricht stattfand gab es auch eine Bibliothek mit Hörspielkassetten, die mochte ich sehr gerne. Zur ersten Beichte bin ich aber nicht gegangen, da hatte ich irgendwie keine Lust drauf.

Wir sind in der Familie hin und wieder in die Kirche gegangen, aber meistens zu Weihnachten und Ostern. Glaube spielte damals nicht so die große Rolle, auch wenn meine Mutter im Prinzip schon an Gott glaubte. Mein Vater erklärte mir Gott nur so: „Was die Menschen nicht verstehen, das schieben sie in die Schublade Gott“. Das war als religiöse Aufklärung etwas dürftig.

Mein Relilehrer auf dem Gymnasium taugte nichts. Er spulte sein Programm ab und wir Schüler konnten machen was wir wollten, also haben wir meistens währen dem Unterricht Magic Karten gespielt. Von Zeit zu Zeit bin ich zur evangelischen Klasse gewechselt – die hatten eine gute, engagierte Lehrerin und eigentlich fand ich das Thema Gott doch recht spannend. Auch die Atmosphäre von Kirchen und Kathedralen fand ich schon immer toll.

Mit etwa 15 Jahren entdeckte ich harte Rockmusik, insbesondere Rammstein. Ein Mitschüler versorgte mich dann später mit Heavy Metal CDs, wie beispielsweise von Hammerfall oder Blind Guardian. Wir ließen uns lange Haare wachsen und gingen auf unsere ersten Konzerte. Wir waren begeistert von dieser Musik und wurden Teil der Metal Subkultur mit ihren typischen, schwarzen Band T-Shirts. Später hörten wir auch härtere Sachen: Death und Black Metal wie Dimmu Borgir oder Cradle of Filth und viele andere.

Was irgendwie zu dieser Gemeinschaft dazugehörte war eine Ablehnung, ja fast schon Hass auf organisierte Religionen. Lange Zeit bezeichnete ich mich als Agnostiker. D.h. ich habe nicht ausgeschlossen das es eine höhere Macht gibt aber ich vertrat den Standpunkt man könne es nicht mit Sicherheit wissen.

Einmal druckten mein Mitschüler und ich uns T-Shirts mit der Aufschrift „Atheists rule – I don’t believe“. Damit gingen wir auf den Stuttgarter Kirchentag um die Christen zu provozieren und uns über sie lustig zu machen. Ich lehnte die Bibel und den Glauben komplett ab. Ich ging sogar noch einen Schritt weiter und interessierte mich für den philosophischen Satanismus. Die Idee war „Werde dein eigener Gott“. Es gab da ein satanistisches Internetforum wo sich die Diskussionsteilnehmer lang und breit über alle möglichen philosophischen Themen unterhielten. Das fand ich sehr spannend. Ich hatte damals für mein erstes Auto ein Kennzeichen, das lautete S:IN 666.

Was es auch gab war Firechat, eine Audio Diskussionsplattform. Hier lauschte ich wie Gläubige sich mit Atheisten die Köpfe einschlugen und wild diskutierten, wer denn nun recht habe. Auch da beteiligte ich mich und stellte mich auf die Seite der Atheisten. Das Philosophieren machte mir Spaß.

Nach der Schulzeit blieb ich dem Metal treu, lernte selber das Gitarre spielen und singen. Ich hatte eigene Auftritte und war auf über 100 Konzerten und Festivals. Metal blieb weiterhin meine bevorzugte Musikrichtung, als Zuhörer und als Amateurmusiker. Auch die Leute die ich im Studium kennenlernte und meine damalige Freundin, wir alle hörten metal. Aber dann kam die Wendung.

In einer Krankheitsphase, ich glaube es war 2016 war ich stationär im Zentrum für seelische Gesundheit in Stuttgart Bad Cannstatt. Wer schon mal in einer Psychiatrie war, weiß es ist ein trostloser Ort an dem viel Krankheit und Elend herrscht. Inmitten dieser Trostlosigkeit gab es ein kleines Licht und das war das Singen. Wir hatten dort einen katholischen Pfarrer der einmal die Woche mit seiner Gitarre und ein paar ausgedruckten Texten vorbeikam und wer Lust hatte konnte mitsingen. Da ich zu dieser Zeit schon Amateursänger war und sowieso nichts besseres zu un hatte, konnte ich sehr gut und laut mitsingen – der Pfarrer lobte mich immer, das gefiel mir. Hier kam ich zum ersten mal in Berührung mit christlicher Musik. Wir sangen „Deine Hand ist über mir“, „Meine Zeit steht in deinen Händen“, „kleines Senfkorn Hoffnung“ und viele andere. Diese halbe Stunde in der Woche wurde zu meinem Anker und meinem Zufluchtsort – eine Oase inmitten des Elends. Ich mochte den Pfarrer sehr und wir trafen uns manchmal in der Kantine und unterhielten uns. Irgendwann ging ich dann zum Klinikgottesdienst und er betete mit mir. Er verfügte über sehr großes Charisma und was er über den Glauben sagte leuchtete mir irgendwie ein und wirkte authentisch auf mich. Nicht so aufgesetzt und von oben herab wie ich es von anderen Christen kannte.

Eine ganze Weile hatte ich mich dann nicht mehr mit dem Glauben beschäftigt. 2021 hatte ich eine weitere psychotische Episode hinter mir und war auf der Suche nach einer Rehaklinik. Da entschied ich mich für die de’ignis Klinik, welche christliche Ansätze in ihrem Behandlungskonzept vorsah. Ich war neugierig und bekam dort einen Platz. Ich war dort etwa 5 Wochen und es wurde sehr viel gebetet und Lobpreis gesungen. Einmal war meine Gruppe dran einen Abend mit Programm zu gestalten, wir hatten einen hervorragenden Gitarristen und Violinisten in der Gruppe und wir haben den Abend musikalisch gestaltet. Ich freute mich über die Auftrittsmöglichkeit und ich sang unter anderem „Ich weiß das mein Erlöser lebt“. Der Abend war ein Erfolg und wir hockten uns mit der Gruppe nach dem Event hin um gemeinsam zu beten. Wie ich da noch etwas unbeholfen mitbetete spürte ich diese Energie beim Beten. Es war ein Gefühl intensiver Gemeinschaft mit den Mitpatienten und fühlte sich irgendwie seltsam und neu an. Aber auch irgendwie „richtig“, als hätte ein Teil von mir Heimat im christlichen Glauben gefunden. Insgesamt hat sich mein Glaube in der de’ignis Klinik sehr vertieft und der Aufenthalt war ein Erfolg.

Spiritualität wurde mir zunehmend wichtiger. Nach der Klinik ging ich ein paar mal in die Urban Life Church, aber das war mir vom Konzept her etwas zu amerikanisch. Ich fing an Lobpreislieder auf youtube zu schauen und übte beim Singen regelmäßig meine liebsten christlichen Lieder und besorgte mir eine Bibel.

Irgendwann überzeugte mich meine Nachbarin doch mal mit zur Liebenzeller Gemeinde in Oßweil zu kommen. Ich ging irgendwann regelmäßig und es machte mir Freude obwohl mir alles immernoch etwas neu und fremd war. Ein paar mal ging ich zur Bibelstunde, tat mich mit diesem Buch aber doch noch etwas schwer. Irgendwann sprach ich die Musiker an ob ich mich musikalisch am Gottesdienst beteiligen kann. Wir trafen uns zur Probe und ich übte einige Songs ein. Am Tag des Auftritts war ich furchtbar aufgeregt wie vor jedem meiner zahlreichen Auftritte – aber es war ein Erfolg.

Und so passierte was ich als Jugendlicher mit dem Hang zum Satanismus mir nie hätte träumen lassen. Jetzt bin ich selbst einer von diesen Jesus Freaks 🙂

Die jahrzehnte lange Prägung durch finstere Rockmusik hat ihre Spuren hinterlassen und ich tue mich oft noch mit dem Christsein schwer und habe mit Zweifeln zu kämpfen. Es gibt Zeiten, insbesondere an schlechten Tagen da fühle ich mich von Gott getrennt und verlassen. Manchmal denke ich meine Sünden wiegen so schwer dass ich es nicht verdiene in Gottes Reich zu kommen. Aber heute weiß ich dass das ein Irrtum ist. Ich fühle mich wie in der Geschichte vom verlorenen Sohn (meine Lieblingsgeschichte aus dem Kommunionsunterricht). Ich bin heimgekommen und Gott freut sich um so mehr je verirrter das verlorene Schäfchen war wenn es dann doch den Weg zurück in die Herde geschafft hat. Er ist ein wunderbarer Hirt und ich möchte ohne Jesus Christus in meinem Leben nicht mehr sein. Ohne den Glauben hätte ich schon längst resigniert und aufgegeben.

Nicht jeder aus meinem Umfeld war begeistert von meinem Wandel. Ich geriet mit einem (früheren) Freund, denn ich sehr gut kenne in die Haare weil ich plötzlich christliche Ansichten an den Tag legte. Er war regelrecht schockiert und hat mir mehr oder minder die Freundschaft gekündigt indem er mir die nächste Psychose an den Hals wünschte damit ich wieder „zur Vernunft“ komme und er könne mich nicht „da rausholen“. Und sehr viel weitere verletzende Gedanken hat er geäußert.

Musikalisch höre ich immernoch manchmal Metal, aber vorzugsweise „White Metal“ Das ist eine Art von Metal die sich musikalisch nicht groß von normalen Metal unterscheidet, jedoch christliche Botschaften und Texte enthält. Hier kann man geteilter Meinung sein, aber ich für mich verstehe Gott so dass er möchte das ich singe – auch Rockmusik. Ich habe ein Homerecording Projekt zu einem White Metal Song den ich geschrieben habe gestartet. Ich glaube eine Aufgabe die Gott mir gegeben hat ist dass ich mit dieser Art christlicher Rockmusik Menschen erreichen und vom Glauben erzählen kann.

Hier ist der Text:

No Place in Heaven?

I walk the ways of faith

searching for deliverance

eternal life to gain

I suffered hunger, death and pain

What’s beyond this life

Only He knows

we deal with our daily strife

getting nowhere alone  

you claim to know what lies beyond

behind the curtain

but I need to know NOW!!!

Is there no place in heaven?

If there is why do I feel these doubts

If there is a place behind the shrouds

maybe you’ll find it up there

in the clouds

I look for truth

beyond the voices

some are gentle some are rough

We make our choices

I try my best

you do the rest

I seek humility

It’s more than fantasy

We’re not drifting through space all alone

we build our kingdom

craving the wisdom

in this strange world we are all  thrown

we are doomed to freedom

yes doomed to freedom

Is there no place in heaven?

If there’s not why do I see these signs

If there is grace and spirit proud

I will seek it up there in the clouds

Dei o gracias

Dei o gracias

spiritus sanctus

spiritus sanctus

I never give up

don’t tell me to stop

We re not forsaken

angels awaken

Is there no place in heaven?

Is it there also for the likes of us?

If there is a space beyond the gate

I will follow the Lords path 

It’s never too late

Meine Geschichte

Bewusstsein 01

Seit ich denken kann, bin ich anders als die anderen. Begabt, musikalisch und kreativ aber dafür ganz versunken in meiner eigenen Welt und Fantasie. Meine Eltern kommen aus Kroatien und sind als Kinder von den ersten Gastarbeitern nach Deutschland gekommen, welche hier das Geld für ihr Haus in Kroatien verdienten. Ich habe in Deutschland und Kroatien viel Familie und es war ein geselliges Miteinander bei zahlreichen Familienfesten, Grillen und Partys. Die vielen Kinder spielten zusammen und blieben bei den Verwandten über Nacht. Bei diesen Festen spielte mein Vater häufig Gitarre und sang und es wurde viel gefeiert und gelacht. Es war eine schöne Zeit. Ich hatte einen Patenonkel und eine Patentante, die sich um mich kümmerten, zum Kindergarten brachten und mit mir und meiner Schwester in den Urlaub fuhren. Mein Vater brachte mir die Liebe zu Musik nahe und die Faszination für Computer. Er brachte mir auch das Schach spielen bei.

Mein Großvater Mile (links im Bild), sein Bruder Niko (rechts im Bild)

Ich war als Kind schon fasziniert von Knöpfen und Tasten, ich liebte den Kasettenrekorder. Ich war ein lebhaftes, sanftes und vorlautes Kind. Mein Vater arbeitete bei Bosch und meine Mutter, die in Kroatien Kunst studiert hatte machte ein weiteres Studium zur Sozialpädagogin. Meine Kindheit war soweit in Ordnung und ich habe von meinen Eltern, von der Familie und von meinen Pateneltern sehr viel Liebe und Aufmerksamkeit bekommen. Meine Talente wurden gefördert. Ich ging in die Jugendkunstschule und bekam Keyboardunterricht. Nur mit meinem Vater stimmte etwas nicht, das merkte ich schon als Kind. Ich erinnere mich gut daran wie er stundenlang auf der Couch saß und seinen Bart zwirbelte. Mein Vater hatte erhebliche psychische Probleme, das konnte ich als Kind natürlich nicht verstehen. Ich erinnere mich das ich einmal herumtobte und zu meinem Vater sagte: „Kuck mal was ich kann. Ich bin zufrieden mit dem was ich kann“, mein Vater sagte zu mir: „Eigenlob stinkt“ und ich schämte mich für mein Herumtoben. Ich hatte Angst das ich etwas falsch gemacht hatte und Papa schlecht von mir denkt. Ich habe eine 6 Jahre ältere Schwester. Ich habe viel mit ihr gespielt und sie brachte mir Zahlen bei und vieles mehr. Meine Schwester war sehr aufgedreht und laut, sie hat ein großes Temperament. Zwischen meinem 9. und 11. Lebensjahr begannen die Probleme und ich wurde sehr still. Ich hatte zuhause nicht gelernt wie man Gefühle zeigt und sich verteidigt. Das führte dazu das sich meine Mitschüler einen großen Spaß daraus machten mich zu hänseln. Ich wurde extrem gemobbt und erniedrigt. Das fing schon in der Grundschule an und ging auf dem Gymnasium genau so weiter. Zuhause erzählte ich nichts davon, ich fühlte mich unendlich einsam. Selbst Freunde und Cousins behandelten mich schlecht. Ich wurde als Weichei beschimpft. Ich konnte mich nicht wehren und flüchtete mich in meine Fantasie und in Computerspiele. Bei meinen Pateneltern durfte ich machen was ich wollte.

Meine Schwester Lucija und ich auf der Dachterasse meiner Pateneltern

Ich hing stundenlang am Nintendo und ich wurde überhäuft mit Spielsachen. Ich habe die ganze Nacht ferngesehen. Ich war für sie eine Projektionsfläche. Sie hatten keine eigenen Kinder. Ich bekam immer wieder gesagt ich sei großartig, ein Genie. Mit meinen Problemen in der Schule und zuhause flüchtete ich immer öfter zu meinen Pateneltern, dort war eine heile Welt und alles in Ordnung. Sie kauften mir alles was ich wollte. Meine Mutter erkannte das Problem. Sie sagte „Niko, pass auf du bezahlst für die Spielsachen mit deiner Freiheit. Die wollen etwas zurück. Umsonst gibts nur bei Mama“. Ich war noch zu klein um das zu verstehen, später habe ich erst verstanden dass das was da passiert ist einem emotionalen Missbrauch nahe kommt. Sie erkauften sich meine Liebe mit Geschenken und Aufmerksamkeit. Mütter haben meistens leider recht.

Ich liebte es mit meinen Spielsachen und Stofftieren zu spielen, zeichnete gern und hatte eine lebhafte Fantasie. Ich hatte Actionfiguren, Videospiele und liebte Heman, Bibi Blocksberg und Benjamin Blümchen. Ich las auch sehr gerne.

Mein Vater litt an Depression und Psychosen. Er war hochgradig Tablettensüchtig. Er hatte schon als Kind Alpträume gehabt und Valium bekommen. Auch sein Vater wiederum hatte mentale Probleme. Er war im Krieg in einem Lager und hat Schreckliches erlebt. Darüber wurde bei meinem Vater zuhause nicht gesprochen. In gewisser Weise reicht das Kriegsgeschehen bis hinein in meine eigene Geschichte und der Schmerz wurde von Generation zu Generation weitergegeben.

Bewusstsein 02

Ich interessierte mich als Jugendlicher für Musik und Theater. Mit 15 begann meine Liebe zur harten Rockmusik und ich entdeckte Rammstein. Als ich mit etwa 16 in meine erste Schülerrockband kam hörte das Mobbing schlagartig auf. Ich hatte plötzlich mehr Selbstbewusstsein und strahlte das auch aus. Ein Mitschüler zeigte mir meine ersten Metalbands wie Blind Guardian und Therion. Wir gingen mit 17, 18 auf unsere ersten Konzerte, ließen uns lange Haare wachsen und waren begeistert von dieser Musik und der Metalszene mit ihren schwarzen Band T-Shirts. Was irgendwie dazu gehörte war eine Ablehnung von Religion. Wir fingen an Black und Death Metal zu hören wie Cradle of Filth und Dimmu Borgir. Wir waren überzeugte Atheisten und ich hatte mich eine Weile sogar für den philosophischen Satanismus interessiert. Ich war auf düsteren Webseiten unterwegs wo dieses Thema Satan – sein eigener Gott werden – lebhaft diskutiert wurde und ich hatte Spaß am Philosophieren. Ich ging auch in voice chat foren wo Christen und Atheisten heftig diskutierten. Ich fand dieses Thema sehr spannend. Mein Schulfreund und ich druckten uns einmal T-Shirts mit der Aufschrift „Atheists rule – I dont believe“. Damit gingen wir auf den Kirchentag und machten uns über die Christen dort lustig. Meine Mutter war lose katholisch, das gehört in Kroatien irgendwie dazu. Wir sprachen nicht viel über Gott zuhause und gingen Sonntags nicht in die Kirche. Ich ging aber zum Kommunionsunterricht und ich mochte die Geschichten und Lieder. Mein Vater konnte mit Religion nichts anfangen da er in einer Jesuitenschule war und dort geschlagen wurde.

Meine Mutter ist in einem Dorf in Kroatien aufgewachsen und verlor früh ihre Eltern durch Krebs, nachdem sie sie lange gepflegt hatte. Sie war damals etwa 16. Meine Mutter war ein richtiger Hippie später und während der kommunistischen Zeit damals organisierte sie geheime Diskos wo westliche Rockmusik gespielt wurde. Sie hatte einen Bruder der sich das komplette Erbe unter den Nagel riss und verjubelte mit sinnlosen Projekten und Booten. Für meine Mutter blieb nichts übrig. Sie war eine Weile in Serbien bei einem anderen Teil der Familie wo sie eine sehr schwere Zeit hatte.

Meine Eltern hatten sich sehr geliebt, aber als ich etwa 11 war ging die Ehe in die Brüche. Mein Vater kämpfte mit Depressionen und ging von Klinik zu Klinik. Seine Freunde wandten sich ab. Sie sagten ihm „du musst kämpfen“ aber mein Vater ging einen anderen Weg der mich und mein Leben sehr geprägt hat. Er ging von Arzt zu Arzt bis er die Diagnose hatte die er haben wollte: Multiple Sklerose. Meine Mutter musste eine schwere Entscheidung treffen: Entweder ich kümmere mich um die Kinder oder wir fallen alle gemeinsam in den Abgrund. Sie hat sich für die Kinder entschieden wie es die meisten Mütter tun würden. Es gab eine Szene wo sie zu einem Gespräch mit meinem Vater und einem Therapeuten ging. Er sagte „Ach, was will die von mir“ Meine Mutter erkannte meinen Vater nicht wieder. Sie sagte dem Therapeuten „dann behalten sie ihn“ Sie stand auf und ging. Der Therapeut sagte „sie können nicht einfach gehen, das ist eine Therapiesitzung“ „doch, kann ich“ sagte meine Mutter.

Mein Vater zog in eine andere Wohnung und meine Eltern ließen sich scheiden. Mein Vater versuchte Kontakt mit mir aufzunehmen. Er rief an, ich besuchte ihn, wir gingen ins Kino und in den Zoo. Er versuchte mir zu erklären was in seiner Familie schief gelaufen war aber ich war mit 12 nicht bereit dafür. Insgeheim vertraute ich meinem Vater nicht, ich fühlte mich von ihm im Stich gelassen und verraten. Mein Vater kam in seiner Wohnung nicht zurecht und seine Nervenschäden und Störungen wurden schlimmer. Er kam in den Rollstuhl und konnte nicht mehr Laufen. Meine Schwester war sehr wütend auf ihm. Sie kannte ihn als er noch ganz anders war und machte ihm Vorwürfe. Er kämpfte darum ein Krankenbett zu bekommen und er bekam es. Er kämpfte darum einen neuen Rollstuhl zu bekommen und er bekam ihn. Er fand eine neue Freundin die sich um ihn kümmerte. Ihr Sohn machte Musik mit meinem Vater, er zeigte mir die Aufnahmen. Ich war eifersüchtig obwohl ich das zu dem Zeitpunkt nicht realisierte.

Mein Vater kam in ein Pflegeheim und baute geistig immer mehr ab. Kaum jemand besuchte ihn. Seine Mutter und seine Schwester waren manchmal da und unterstützten ihn. Mein Vater lag nur noch im Bett und hörte Radio, die 107.7 Nonstop Pop und Rock. Er rief mich immer noch an und wollte mit mir reden, gratulierte mir zum Geburtstag und schenkte mir CDs mit Rockmusik – aber ich hatte andere Themen in meinem Leben. Ich hasste es zu ihm ins Pflegeheim zu gehen und ihn zu besuchen. Ich versuchte mit ihm zu reden aber er wurde immer apathischer und teilnahmsloser. Wenn ihm zu einer Frage nichts einfiel dann sagte er einfach gar nichts. Die Atmosphäre war bedrückend. Die Anrufe und Besuche wurden immer seltener. Das Einzige was mir etwas Spaß mit ihm machte war das Schach spielen. Da war mein Vater trotz seiner geistigen Einschränkungen unschlagbar.

Manchmal gingen wir nach draußen ins Cafe. Wir redeten kaum. Einmal sagte mein Vater „Ach weißt du, diese Liebe zu den Kindern die manche Leute haben, das hatte ich eigentlich nicht“ Ich realisierte zu dem Zeitpunkt nicht wie verletzend das war, aber insgeheim glaube ich auch das es nicht wahr ist. Seine Freundin starb später an Krebs und mein Vater war wieder ganz alleine. Letzten Endes war mein Vater 25 Jahre lang in seinem Krankenbett und wartete darauf das die Zeit vorbeiging bis er irgendwann starb. Ich habe erlebt was passiert wenn man aufgibt und das wollte ich für mein Leben auf gar keinen Fall.

Meine Mutter hingegen war für mich immer der Fels in der Brandung. Auf Sie konnte ich mich immer verlassen. Emotional intelligent, warmherzig und sozial. Bildung war in meiner Familie ein sehr hohes Gut und es war immer klar das ich studieren würde, während meine Schwester eine Tanzausbildung in Berlin absolvierte. Meine Mutter investierte Unsummen in Nachhilfeunterricht und die Musikschule. Von etwa 8 bis 13 Jahren spielte ich Keyboard. Als ich Schreiben lernte hatte ich Probleme und sie zeichnete mir die Buchstaben mit Bleistift vor so das ich sie nachzeichnete. Ich war sehr faul in der Schule und desinteressiert, was auch mit dem Mobbing zusammenhing. Aber ich war schlau und kam mit minimalem Aufwand durch das Abitur. Englisch hingegen begeisterte mich und ich war sehr gut in dieser Sprache. Chemie und Mathe fand ich furchtbar. Mit etwa 20 war ich so begeistert von Rockmusik das ich mir eine sehr schöne, schwarze ESP Gitarre kaufte die mich bis heute begleitet. Ich übte wie ein Besessener, während meine Bandfreunde gar nicht begeistert waren das ich Gitarre spielte. Sie sahen mich eher in der Rolle des Keyboarders. Wir nahmen in einem Jugendhaus unsere erste CD auf für die ich das Booklet gestaltete und reisten sogar auf eine Tour nach Rumänien wo unser Gitarrist herkam. Dort spielten wir 3 Konzerte und es war ein richtiges Rockstar Feeling mit Alkohol, Erotik, Groupies, Parties und alles drum und dran. Das war eine sehr intensive Erfahrung. In meinem Freundeskreis wurde viel getrunken und gekifft. Ich wurde von einem Verwandten mit Gras versorgt und begann immer öfter daheim alleine Hasch zu rauchen. Ich war in meinem Herzen todunglücklich und versuchte eine innere Leere zu füllen welche die Scheidung und das Mobbing verursacht hatten. Nach einer Weile fühlte ich eine Veränderung in mir durch das Kiffen. Ich würde es Paranoia nennen. Ich fühlte mich gar nicht mehr gut mit dem Haschisch und ließ es schließlich bleiben. Ich zahlte später einen hohen Preis für die Kifferei.

Das Abi hatte ich irgendwann in der Tasche und ich interessierte mich für ein Studium. Da ich immer schon Design und Computer mochte entschied ich mich für ein Medieninformatik Studium an der Uni Ulm. Ich verließ also die Band in der ich ohnehin nicht mehr zufrieden war und zog in ein Studentenwohnheim. Die Anfangszeit war ein Schock. Die Mathematikvorlesungen waren auf einem derart hohen Niveau das ich bis heute nicht weiß wie ich das bewältigt habe. Ich schrieb alle Arbeitsblätter von einer Kommilitonin ab weil ich nur Bahnhof verstand. Ich Schaffte die Scheinklausur mit einem halben Punkt über dem Minimum. Später lernte ich 6 Wochen auf die mündliche Prüfung in Mathe und schaffte gerade so meine 4.0 Auch die anderen Fächer wie Technische und Theoretische Informatik hatten es in sich und wir hatten intensive Lernsessions um den Stoff irgendwie zu bewältigen. Es gab aber auch Grundlagen der Gestaltung wo wir eine umfangreiche Doku mit Vierecken und Kreisen füllten die wir thematisch benannten. Das war schon viel eher nach meinem Geschmack. Später fand das Softwarepraktikum statt und es fiel mir zu ein 8-köpfiges Team von Studenten für 6 Monate anzuführen um eine Verwaltungssoftware zu entwickeln. Wir hatten alle keine Ahnung vom Programmieren aber waren ehrgeizig und motiviert es gut zu machen. Da lernte ich zum ersten mal mein Programmiertalent kennen und lernte sehr viel aus dieser Zeit. Es gab aber auch Streit und Diskussionen wie dies oder jenes umgesetzt werden soll. Ich setzte mich durch, eine Art die ich vorher nicht an mir kannte und ich und mein Kommilitone bekamen eine 1,0. Wir hatten Nächte durchprogrammiert und uns sehr angestrengt ein gutes Ergebnis zu erzielen.

Die Studienzeit hatte auch ihre schönen Seiten. Ich lernte schnell viele neue Leute kennen, wir gingen auf Uniparties und in die Studentenbars zum Trinken und Kicker spielen. Es hat Spaß gemacht und der Alkohol floss in Strömen. An der Uni habe ich auch zum ersten mal Improvisationstheater gesehen. Ich war begeistert und dachte „das könnte ich nie“. Das stellte sich später als Irrtum heraus. Doch das knallharte Studium für das ich rückblickend nicht geeignet war forderte seinen Tribut. Zudem spielte ich nächtelang Counterstrike, trank viel Alkohol und hatte den Haushalt nicht im Griff. Auch Horrorfilme und gewalttätige Pornografie erzeugten eine bohrende Leere in mir und ich schämte mich sehr für den Mist den ich mir reinzog.

Die ersten 2 Jahre lebte ich im Studentenwohnheim, später zog ich mit zwei Kommilitonen zusammen die ich aus dem Softwarepraktikum kannte und mit denen ich mittlerweile gut befreundet war. Ich begann zunehmend abzudriften. Es war ein schleichender Prozess, bei dem ich immer mehr in meine eigene Welt versank. Ich spazierte nachts durch die Straßen Ulms und führte Selbstgespräche, ich bekam Probleme mit der Wohnung und mit der Körperhygiene. Dann kamen die Angstattacken. Ich wurde immer ängstlicher und zog mich zurück. Irgendwann sammelte ich sogar meinen Urin in Flaschen in meinem Zimmer weil ich Angst hatte vor die Tür zu gehen wo ich auf dem Flur einem Mitbewohner begegnen könnte. Ich war verwahlost. Mein Zimmer war eine Katastrophe. Bald bemerkten meine Kommilitonen das etwas mit mir nicht stimmte. Ich hatte zu der Zeit eine Brieffreundin, eine Bekannte aus meiner Schulzeit die ich sehr mochte. Sie war scharfsinnig und intelligent und gebildet. Wir schrieben uns seitenweise Briefe und ich schickte ihr einen Brief nach dem anderen wo ich aus meinem Seelenleben erzählte. Sie war meine Verbindung zur Realität die mir zunehmend abhanden kam. Ich wusste nicht was eine Psychose oder was Schizophrenie ist. Einmal hatte ich ein komisches Gefühl in der Brust und ging ins Krankenhaus weil ich dachte ich habe einen Herzinfarkt. Es war aber alles in Ordnung. Später besuchte mich diese Freundin bei mir zu hause und sie bemerkte das ich in mir gefangen bin und fragte mich ob ich psychotisch bin. Da hörte ich zum ersten mal dieses Wort. Um es abzukürzen, es war ein monatelanger Leidensweg bis ich endlich professionelle Hilfe bekam. Ich ging in eine Tagesklinik wo ich mich aber sehr langweilte. Ich fühlte mich besser und überzeugte die Ärzte das ein Projekt an der Uni auf mich wartet und das ich nach hause kann. Bei diesem Projekt war ich mit meinem Mitbewohner aus dem Softwarepraktikum und einem weiteren Kommilitonen im Team. Ich war überfordert und kognitiv viel zu schwach um einen sinnvollen Beitrag zu leisten. Ich saß in der Besprechung mit dem Professor am Rand des Zimmers während sie die Entwürfe diskutierten und fühlte mich sehr einsam.

Bewusstsein 03

Die Probleme wurden schlimmer. Irgendwann kam ich auf den Gedanken das alles nur ein Test ist. Ich rief meinen Patenonkel an und bat ihn zu mir nach Ulm zu kommen. Er kam, ich setzte mich in sein Auto und bekam einen Nervenzusammenbruch. Mein Onkel war erschüttert. Wir gingen zusammen in ein Restaurant und er kaufte mir was zu essen. Er sagte mir wie viel ich doch geliebt werde und das ich jetzt viel Sport machen müsse, so dass ich noch etwa 80% meines Potenzials herausholen könne. Solche Sprüche sind typisch für ihn. Meiner Mutter sagte er nichts davon und ließ mich allein in Ulm zurück obwohl ich dringend Hilfe gebraucht hätte.

Ich ging nach Stuttgart um eine Weile bei meiner Mutter zu sein. Wir unterhielten uns lange und ich war verzweifelt. Ich versuchte zu schlafen und schreckte immer wieder hoch und sagte wie sehr mich meine Mitschüler gequält haben, das mein Patenonkel ein Psychopath ist und das ich Masochist bin. Ich war ganz in meinen Erinnerungen gefangen. Wir gingen zusammen zu unserem Hausarzt und in eine Klinik wo ich ein Antidepressivum bekam. Später als wir einen Kaffee trinken waren verlor ich ganz die Kontrolle und meine Mutter ging mit mir in ein Krankenhaus. Als wir zum Behandlungszimmer gingen wurde meine Wahrnehmung überintensiv und ich sah alles scharf ausgeschnitten. Ich dachte das dies das Gefühl sei wenn man geboren wird und auf die Welt kommt. Ich hyperventilierte und die Ärzte wollten mir eine Maske aufsetzen. Ich bekam Angst und wehrte mich, die Zeit wurde plötzlich ganz langsam und ich kämpfte gefühlt um mein Leben. Ich versuchte mein Taichi einzusetzen gegen die Hände die mir die Maske aufsetzen wollten, es wurde dunkel und ich dachte an ein kompliziertes Gitarrensolo. Alles konzentrierte sich in meinem Geist auf einen Punkt, dann wurde alles schwarz und ich dachte ich sei tot. Ich öffnete die Augen und fand mich auf dem Boden wieder. Ich sah auf das Linoleum und hörte die Ärzte entsetzt ausrufen. Die Polizei kam und führte mich in Handschellen ab. So kam ich in die geschlossene Abteilung des Bürgerhospitals in Stuttgart. Dort bekam ich Medikamente und es begann mein erster Klinikaufenthalt. Die Psychiatrie war ein trostloser Ort. Es war schmutzig und düster, das Essen war eine Katastrophe. Als es mir besser ging durfte ich auf die offene Station und später nach hause. Es folgten endlose Spaziergänge und Gespräche mit meiner Mutter. Sie verstand nicht was mit ihrem Kind los war und fühlte sich hilflos. Ich bekam Zyprexa und die Symptome wurden besser. Danach war ich eine Weile in der Tagesklinik

Als es mir langsam besser ging wollte ich wieder studieren und meinen Bachelor machen. Nach einigem bürokratischen Hin und Her bekam ich einen Platz an der Hochschule der Medien wo ich mein Medieninformatikstudium fortsetzen konnte. Mein Vordiplom von der Uni Ulm wurde mir anerkannt. Es war eine Herausforderung. Ich hatte immernoch Ängste und sah mich oft im Hörsal sitzen und musste die Zähne zusammenbeißen um die Angst zu besiegen.

Dann kam ich in die Theatergruppe der Hochschule und wir hatten eine Aufführung. Ich war begeistert und blühte richtig auf. Ich lernte viele neue Leute kennen, einige von Ihnen sind bis heute meine guten Freunde. Das Studium war nicht ganz so abgehoben wie an der Uni und es gab viel mehr Projekte mit Praxisbezug. Das machte mir Spaß und ich machte viele tolle Projekte. Später wurde ich in der Theatergruppe Co-Regisseur für die nächste Produktion.

Theaterproduktion „Sofortige Erleuchtung inkl. Mwst“

Dann gründete ich die Improgruppe Kanonenfutter und es wurde eine Erfolgsgeschichte. Mein Kumpel aus Ulm bei dem ich zum ersten mal Impro gesehen hatte kam für einen Workshop vorbei, wir übten regelmäßig und es machte einfach Riesenspaß. Die ersten Auftritte kamen und das Feedback war überwältigend. Ich hatte ein großartiges Spielniveau und liebte es auf der Bühne zu stehen. Kanonenfutter ist bis heute aktiv und vieler Meinung nach die beste Gruppe im Stuttgarter Raum. Das Theater hat mich gerettet, es ging mir deutlich besser.

Ich gewann viele neue Freunde und wir hatten viele Hauspartys oder hingen im Studentenclub Boddschamber herum wo ich ein Jahr als ehrenamtlicher Wirt war so dass ich noch mehr Leute kennen lernte. Auf einer dieser Parties war ich richtig gut drauf und fand mich auf der Couch neben einer hübschen, rothaarigen jungen Frau wieder. Wir saßen nur nebeneinander und haben nicht miteinander gesprochen. Aus irgendeinem Grund, ohne darüber nachzudenken nahm ich ihre Hand und wir begannen uns zu küssen. So kam Susi in mein Leben und die schönste Zeit in meinem Leben begann. Wir hatten die Nacht durchgemacht und saßen am nächsten Morgen in einem Cafe und redeten. Ich habe mich wohl als ganz sympathisch erwiesen und sie mochte mich. Wir trafen uns öfter und verliebten uns. Ich stellte sie meiner Familie vor und besuchte wiederum ihre Familie im Allgäu die mich sehr freundlich aufnahmen. Auch mit ihrem Bruder Max freundete ich mich an.

Ausflug im Allgäu

Im Jahr 2010 verbrachte ich einen 2-monatigen Studienaufenthalt in Schottland. Es war eine aufregende und tolle Zeit mit vielen neuen Kommilitonen, Parties und Sitins im Studentenwohnheim. Ich erforschte die Stadt Paisley bei Glasgow und war von der schottischen Kultur begeistert. Ich lernte Tim aus Holland kennen und wir waren uns auf Anhieb sympathisch. Mit einer kleinen Gruppe von Studenten mieteten wir uns ein Auto und fuhren die Westküste entlang über die inneren Hebriden und die Isle of Skye.

walking the cobbler

Die Highlands waren wunderschön und wir besuchten viele tolle Restaurants. Als die Summer School zu Ende war kam Susi nach Schottland geflogen und wir verbrachten 2 Tage in meinem engen Zimmer im Studentenwohnheim. Dann machten wir uns reisefertig. Ich mietete ein Auto und wir fuhren die Ostküste entlang. Wir übernachteten in einem Schlosshotel, besuchten die Steps of Whaligoe, Lake Cathrine und fuhren mit der Fähre bis hoch auf die Orkney Islands wo wir 2 Tage verbrachten. Ich besuchte die Highland Park Distillery und Susi erkundete die Stadt Falkirk. Wir hatten ein wunderschönes Bed and Breakfast.

Edinburgh 01

Edinburgh 02

Edinburgh 03

Edinburgh 04

Danach machten wir uns auf die Rückreise und verbrachten 5 Tage in Edinburgh. Es war magisch. Die Stadt ist wunderschön. Wir besuchten viele Bars wie die Black Rose Tavern oder das Jeckyll und Hyde. Zu dieser Zeit war in Edinburgh das Fringe Festival und die ganze Stadt war voll mit Musik, Theater und Comedy. Wir besuchten eine Comedy Show nach der anderen und tummelten uns in den Bars. Susi und ich waren begeistert. Wir freundeten uns mit einem Künstlerpärchen an und verlebten eine gute Zeit. Dann wurde es Zeit Abschied zu nehmen und ich fuhr mit dem Auto zurück nach Glasgow wo ich mich mit anderen Kommilitonen aus Stuttgart, Belgien, Schweden und Schottland traf. Es folgte das einwöchige Multicultural Design Camp.

Mein Studium kam dem Ende zu und ich fand eine Stelle als Programmierer in einer Automotive Firma. Einige Tage bevor der Job losgehen sollte begann ich wieder abzudriften. Die Nacht vor dem ersten Arbeitstag hatte ich keinen Schlaf und fiel in eine Traumwelt. Am nächsten morgen machte ich einen Spaziergang im Park und setzte mich auf eine Bank. Ich dachte „Ich bin der Gott meines Universums“. Alles fühlte sich traumhaft und bedeutungsschwanger an. Ich war mitten in der Psychose und bemerkte es nicht. Ich ging zur Firma und begann meinen ersten Arbeitstag. Nach einer Einweisung bei der ich die Gesichter der Kollegen überintensiv wahrnahm setzte ich mich an meinen Computer und die Kollegin wollte mir etwas zeigen. Ich sah ihren Arm und stellte mir vor wie dieser verwittert und zum Skelett wird. Ich war sehr erschrocken und sagte der Kollegin das es mir nicht gut geht. Ich versuchte mich in einem Nebenzimmer auf der Couch auszuruhen aber ich war total verwirrt. Ich ging nach hause und in der Wohnung meiner Mutter verlor ich völlig den Bezug zur Realität. Ich kam wieder ins Krankenhaus und war die ersten 2 Tage fixiert, ich erinnere mich nur bruchstückhaft daran wie es dazu kam. Ich sah Susi an meinem Bett stehen. Ich kam auf die offene Station und fühlte mich dort sehr schlecht.

Bewusstsein 04

Der Klinikalltag hatte mich wieder und ich stand große Ängste aus- Jeden Tag nach der Arbeit kam Susi vorbei und wir holten uns was beim Bäcker. Obwohl es mir nicht gut ging suchten wir eine gemeinsame Wohnung wobei ich keine gro´ße Hilfe war. Wir zogen in eine hübsche Wohnung und Susi, die ein großes kreatives Talent für Inneneinrichtung hat, sorgte dafür das wir es schön und gemütlich hatten. Wir hatten einen Beamer und eine Playstation und sahen uns Filme und Serien an. Wir kochten zusammen und besuchten viele Restaurants. Ich war krank und für Susi war es eine schwere Zeit. Sie begleitete mich gelassen durch meine Krankheitsphase, bis es mir irgendwann nach einigen Monate besser ging – doch etwas ist in dieser Zeit kaputt gegangen. Susi fand sich in einer Mama Rolle wieder und mit der Zeit empfand ich sie als selbstverständlich, das war ein großer Fehler. Wir gewöhnten uns zu sehr aneinander. Nach 6 Jahren Beziehung zog Susi Berufswegen nach Finnland. Von dort aus schickte sie mir eine E-Mail in der sie schrieb dass sie mich nicht so sehr vermisst wie sie dachte und das sie nicht wisse wie es mit ihren Gefühlen aussähe. Ich flog nach Finnland um Susi zu besuchen und dort einigten wir uns darauf das die Beziehung zu Ende ist. Ich versprach ihr damals das wir Freunde sein können und wir sind es bis heute.

Meinen ersten richtigen Job begann ich 2013 in einer Digitalagentur. Dort blieb ich 3 Jahre bis die nächste Krankheitsphase begann. Ich hatte etwa ein Jahr Pause und als ich zurück in den Beruf gehen wollte wurde ich gekündigt. Ich zog aus der ehemals gemeinsamen Wohnung in Stuttgart aus und zog in eine WG mit 3 befreundeten Informatikern. Auf Grund meiner Unordentlichkeit eckte ich dort oft an. Ich absolvierte ein Jahr im Beruflichen Trainingszentrum in Stuttgart. Dort begann ich mit einem Praktikum bei einer Softwarefirma und wurde danach für ein Jahr übernommen. Auch dort wurde ich gekündigt. Ich bekam einen neuen Job bei einer großen Digitalagentur in Ludwigsburg, wo ich sehr glücklich war. Dort blieb ich 3 Jahre und programmierte und war kreativ mit Werbekampagnen für Porsche. 2019 zog ich dann nach Ludwigsburg um näher bei der Arbeit zu sein. Ich fand eine sehr schöne 2,5 Zimmer Wohnung. Es folgte eine weitere Krankheitsphase in der mich meine Mutter sehr unterstützte. Meine Mutter wohnte in meiner Wohnung während ich im Klinikum war und nachdem ich entlassen wurde verbrachten wir 2 Monate bei mir zuhause.

Mit etwa 30 entdeckte ich meine Leidenschaft für das Singen. Ich hatte davor schon als Gitarrist in mehreren Bands gespielt und war manchmal unzufrieden mit dem Gesang. Befreundete Künstler rieten mir „sing it yourself“ und so begann ich wie ein Besessener zu üben. Auch lernte ich mit youtube Videos und hatte mehrere Gesangslehrer. Ich hatte zwei langjährige Bands in denen ich aktiv war und erreichte ein sehr hohes Amateurniveau als Sänger. Ich schrieb auch Texte und das Singen wurde zu einer großen Freude in meinem Leben. Bei einer Band war ich ein Jahr und die Musik war sehr gut. Wir hatten einen Auftritt im Fellbacher Jugendhaus und bekamen tolles Feedback. Leider benahm sich unser Bassist und sein Kumpan komplett daneben. Zudem mobbte er unseren Schlagzeuger und die Bandmitglieder hatten teilweise rechtsradikale Tendenzen. Da wurde zum Beispiel das Wort „Jude“ als Schimpfwort gebraucht und ich konnte mich nicht mehr mit der Band identifizieren, daher zog ich mich aus der Band zurück.

Später gründete ich mit ein paar Freunden eine neue Band, die ich auf den Namen „Phantom Detective“ taufte. Wir besorgten uns einen top ausgestatteten Proberaum und Equiment. Dann begannen wir Songs zu schreiben und ich schrieb die Texte und sang. Wir hatten einen Hit den wir immer wieder spielten: Photon Star Monster. Leider bekamen sich die zwei Gitarristen in die Haare und es wurde schnell persönlich verletzend. Die Band brach auseinander und wir kamen leider nicht mehr dazu den Hitsong aufzunehmen. Ich hatte zudem einige Auftritte mit meiner Musikschule vor etwa 300 Leuten. Vor jedem Auftritt bin ich durch Lampenfieber fast gestorben vor Angst und hätte die Auftritte fast abgesagt. Doch ich überwand mich und hatte tolle Auftritte mit hervorragendem Feedback.

Etwa zeitgleich mit meiner musikalischen Karriere war ich im Improvisationstheater Kanonenfutter aktiv, die es bis heute gibt. Wir machten Workshops, intensives Training und hervorragende Auftritte an der Hochschule. Es hat mir Riesenspaß gemacht und ich liebte es auf der Bühne zu stehen. Ich hatte auch ein passables Spielniveau erreicht und ging auf Workshops um mich weiterzubilden.

Während der Pandemie 2017 war ich sehr einsam zuhause und trank trotz der Tabletten viel Alkohol. Ich war kein Alkoholiker aber ich trank jeden Tag zwei bis drei Bier und lenkte mich mit Serien ab. Das würde mich noch teuer zu stehen kommen. Der Freundeskreis mit dem ich soviel Spaß hatte früher driftete zunehmend auseinander. Viele heirateten und bekam Kinder, so das für Parties keine Zeit mehr blieb.

Die Jahre nach meiner Arbeitsstelle in der Digitalagentur hatte ich viel Pech mit meiner Karriere. Ich hatte in einem Zeitraum von etwa 3 Jahren 4 mal den Job gewechselt und flog jedes mal in der Probezeit raus weil meine Leistungen nicht gut genug waren. Nach dem ich 11 Jahre als Webentwickler gearbeitet hatte – also Programmierung, wollte ich meine Karriere verändern und User Experience Designer werden. Dieses Thema hat mir schon während des Studiums Spaß gemacht und ich glaubte durch meine vielen Erfahrungen im Designbereich dass das der richtige Weg für mich ist. Ich kontaktierte meine Arbeitsagentur und diese bezahlten mir einen Zertifikatslehrgang. Diesen Onlinekurs absolvierte ich in Kroatien wo ich wieder begann abzudriften. Ich versuchte mich krampfhaft durch den Lehrgang zu beißen und dabei assoziierte ich alles gelesene mit etwas aus meinem Seelenleben oder mit Teufel und Hölle. Ich begann panische Angst vor der Hölle zu bekommen und ich fing an mich zu schütteln und durch das Haus in Kroatien zu rennen und laut zu schreien. Meine Angehörigen waren schockiert und überfordert. Irgendwann war es nicht mehr auszuhalten und ich kam in eine kroatische Psychiatrie. Ich war dort 3 Wochen und es war die Hölle. Ich hatte gedankliche Aussetzer in denen ich auf die Wand einschlug und ich wurde mehrmals fixiert. Ich bekam Unmengen Tabletten und als ich einmal festgebunden war wurde das Bett in einen Nebenraum geschoben. Ich schrie nach Hilfe weil ich Durst hatte, doch die groben Pfleger ließen mich die ganze Nacht dort schmoren und niemand reagierte auf meine Rufe.

Trotz des katastrofalen Umfelds konnte ich nach 3 Wochen nach Hause. Meine Mutter, meine Schwester und mein Schwager fuhren mit mir im Auto zurück nach Deutschland und meine Mutter blieb eine Weile bei mir in Ludwigsburg. Ich war immernoch hochgradig psychotisch. Ich fürchtete mich vor der Zahl 666 und suchte zwanghaft in jedem Autoschild nach dieser Zahl. Dann bekam ich schon Angst vor der Zahl 66 und schließlich schon vor der Zahl 6. Ich war immer noch fixiert auf das Thema Hölle.

Ich hatte den Gedanken das die Zahl eins mit dem Katholizismus, die 2 mit der evangelischen Religion und die 3 mit dem Islam assoziert sei. Vielleicht kennen Sie die alte Kindersendung Eins, Zwei oder Drei. Dort gibt es auf eine Quizfrage 3 Türen mit den Antworten. Weiter hieß es in der Sendung „Ob Ihr wirklich richtig steht seht ihr wenn das Licht angeht“. Ich hatte den Gedanken das ich mich für eine der Religionen entscheiden muss und das wenn ich falsch läge in die Hölle käme. So begann ich mich vor den Zahlen 1,2 und 3 zu fürchten weil ich vermutete das mit meiner Wahl implizit die finale Entscheidung getroffen wird. Einmal bekam ich eine neue Brille und musste mir ein passendes Modell aus den Regalen suchen. Ich stand heftige Ängste aus weil ich dachte wenn ich mich für das erste, zweite oder dritte Regal mit Brillen entscheide dann wäre das eine Festlegung auf die gefürchtete Entscheidung für die richtige Tür die zum Himmel führt.

Meine Mutter fuhr irgendwann nach Kroatien zurück nachdem es mir besser ging und ich war wieder alleine in meiner Wohnung in Ludwigsburg. Ich versuchte bei einigen Bands Anschluss zu finden und hatte große Ängste vor jeder Probe. Es machte Spaß, aber ich hatte leider keinen Erfolg. Ich flog nach wenigen Wochen aus den vier Bands raus die ich im Internet gefunden hatte. Ich war sehr in meiner eigenen Welt versunken und kommunizierte daher nicht so gut mit den Bandkollegen und musste oft Proben absagen oder früher gehen.

Zudem engagierte ich mich bei den „Ottern im Glashaus“ die Nachwuchs Improgruppe von Kanonenfutter. Dort lernte ich viele neue Leute kennen. Kanonenfutter hatten dagegen weiterhin fabelhafte Auftritte im Merlin die regelmäßig ausverkauft waren. Als ich die Vorstellungen besuchte und die vielen begeisterten Leute sah wurde ich mit großem Stolz erfüllt und dachte „Die sind alle nur wegen mir da. Ich habe die Gruppe gegründet“. Ich glaube das ich diese Welt ein bisschen besser gemacht habe mit dieser Gruppe. Sowohl für die Schauspieler als auch die Besucher.

Bewusstsein 05

Im Frühjahr 2023 besuchte ich die Luisenklinik in Bad Dürrheim und ambulant 4 Wochen in Stuttgart. Die Therapien taten mir gut und wir hatten eine starke Patientengemeinschaft mit vielen gemeinsamen Unternehmungen. Besonders gefiel mir das therapeutische Kochen.

Später war ich wieder alleine zuhause und es ging mir nicht gut. Ich konnte schlecht schlafen und begann dadurch wieder zu spinnen. Ich entschied mich dafür wieder ins Klinikum zu gehen um die Medikamente besser einzustellen. Ich hatte immernoch den Medikamentenplan aus meinem Psychiatrieaufenthalt in Kroatien. Es ging mir bald besser und ich ging in die Tagesklinik. Ich wollte unbedingt wieder arbeiten. Mittlerweile war ich zum Bewerbungsprofi geworden und schaffte es mich gut zu verkaufen. Ich schrieb etwa 80 Bewerbungen und hatte Glück. Ich bekam eine 80% Stelle als UX Designer in einer Augsburger Softwarefirma und wollte die Tagesklinik nach 3 Wochen beenden um mit der Arbeit beginnen zu können. Meine Therapeutin war gar nicht begeistert von meinem Ehrgeiz und warnte mich vor einer erneuten Überforderung. Aber ich wollte meine Einschränkungen und Grenzen nicht wahr haben und machte weiter wie die letzten erfolglosen Male auch.

Ich startete den Job und wurde herzlich aufgenommen. Anfang Juli 2023 reiste ich mit zittrigen Knien nach Augsburg um dort zwei Tage zu meiner Einarbeitung zu verbringen. Es war die Hölle. In einer fremden Stadt, in einer neuen Firma, ohne die Möglichkeit zu haben früher Schluss zu machen und mich zurückzuziehen quälte ich mich trotz heftigster Ängste durch die Einarbeitungsphase. Das gemeinsame Geschäftsessen sagte ich ab worüber die Kollegen sehr enttäuscht waren. Ich arbeitete weitere 3 Wochen mehr schlecht als recht von zuhause aus und hatte kaum Erfolg. Ich zwang mich trotz der Ängste immer wieder an den Laptop. Ich machte Fehler und verstand die Arbeitsaufträge nicht. Nach den ersten paar Wochen kam die Kündigung. Ich war erschüttert und rutschte ab. Gleichzeitig war ich aber auch froh das der Alptraum vorbei war.

Ich ging zurück in die Tagesklinik aber es ging mir nicht gut. Nicht nur hatte ich immernoch heftige Zwangsgedanken, ich litt auch an Derealisierung und Verlust der Selbstverständlichkeit. Die Personen erschienen wie scharf ausgeschnitten und ich sah Gesichter von Menschen überintensiv und teilweise verzerrt. Die massive Überforderung der letzten Arbeitsstelle forderte ihren Tribut. Ich quälte mich durch die Tagesklinik und steckte mitten in der Psychose. Ich bekam wieder Schlafprobleme und gemeinsam mit den Ärzten entschied ich nochmal einen stationären Aufenthalt im Klinikum anzutreten.

Ich kam auf eine offene Station und es ging mir schlecht. Mein Zimmernachbar war eine Katastrophe. Ich hatte intensive Ängste wieder zu schreien und begann mich wieder so wie zu meiner Krisenzeit in Kroatien zu fühlen. Ich warnte die Ärzte das ich spüre wie ich die Kontrolle verliere. Wir beratschlagten uns und hatten die Idee das ich in ein Kopfkissen schreie um die Energie loszuwerden. Das klappte leider nicht. Es schien als sei alles aus und ich komme endgültig in die Hölle. Eine Mitpatientin die ich sehr mochte versuchte mir Mut zuzureden und mich zu trösten aber in meinem Kopf war nur noch eins: Ich kann nicht mehr, ich gebe auf. Ich viel auf den Boden. Danach legte ich mich hin und begann mich heftig zu schütteln. Die Ärzte und das Personal redeten auf mich ein aber ich war schon jenseits aller Hilfe. Am Schluss machte ich in die Hose und die Pfleger transportierten mein Krankenbett auf die Geschlossene. Die Dämonen johlten vor Freude und ich erlebte ein intensives Gefühl während ich nach unten kam, in der Sicherheit das es sich so anfühlt wenn man stirbt und in die Hölle kommt.

Ich blieb etwa 10 Tage auf der Geschlossenen. Die Leute dort waren sehr krank und die Pfleger ruppig. In der Psychiatrie dreht sich alles um Zigaretten. Wo bekomme ich welche her, wer hat noch welche, wer schnorrt zu viel. Als ich wieder einmal merkte das ich die Kontrolle verliere ließ ich mich freiwillig fixieren. Ich war überzeugt in der Hölle zu sein. Ich wiederholte implizit das Trauma aus Kroatien wo ich die ganze nacht festgebunden war. Ich schrie so laut ich konnte und schüttelte mich heftig. Zudem hatte ich den Gedanken das ich von einem Dämonen besessen war. Ich war überzeugt das bliebe jetzt so bis ich sterbe. Doch schon nach einer halben Stunde hatte ich mich ausgetobt. Dazu muss ich sagen das die Pfleger und Ärzte immer in der Nähe waren und mit mir redeten und mich nicht alleine ließen wie in Kroatien.

Ich zeichnete viel und begann mich sportlich zu betätigen. Auf der Station gab es ein Fahrradergometer und ich begann intensiv zu trainieren und Frühgymnastik zu machen. Mein psychisches Überleben hing davon ab und ich balancierte gefühlt tagelang am Abgrund.

In der Visite konnte ich mich sehr gut artikulieren und die Ärzte wollten mich bald zurück auf die offene Station verlegen. Das wurde morgens in der Visite angekündigt und ich musste leider einige Stunden warten bis die Verlegung stattfand. In dieser Zeit begann ich mich wieder reinzusteigern und ich musste Bedarfsmedikation nehmen und geriet in eine erneute Krise. An einem Tag überrumpelten mich die Ärzte und sagten „So jetzt kommen Sie nach oben. Ohne Verzögerungen“. Es klappte und ich kam auf die selbe Station wo ich 2018 schon war. Dort bin war ein bekanntes Gesicht.

Es war eine sehr schwierige Zeit. Es ging mir oft nicht gut und ich bekam Diazepam. Ich hatte manchmal Schreikrämpfe vor denen ich große Angst hatte. Ich konnte oft schlecht einschlafen. Einmal ging es mir so schlecht dass ich die Nacht auf der Geschlossenen verbrachte. Am nächsten Tag durfte ich aber wieder zurück auf die offene Station. Ich freundete mich mit Mitpatienten an und ging sehr gerne zum Morgensport. Ich malte viel in meinem Malbuch und rauchte eine nach der anderen. Es gab zudem noch Bewegungstherapie, Yoga und Musiktherapie. Die Leiterin Frau Brost, die ich schon von früher kannte ist eine hervorragende Musiktherapeutin und wir hatten ein paar mal Einzeltherapie, was mir Spaß gemacht hat.

Ich bekam Besuch von der Gemeinde und von Freunden. Ich sprach etwa ein mal die Woche mit einem Klinikseelsorge und ging in den Klinikgottesdienst.

Nach insgesamt 2 Monaten Krankenhaus kam ich in die psychiatrische Tagesklinik, wo ich abends immer zuhause war. Es war eine intensive Zeit. Die Mitpatienten, Pfleger und Ärzte waren nett, aber ich musste oft früher gehen wenn der Druck zu groß wurde. Ein schwer zubeschreibendes Gefühl, in dem alles intensiv und anstrengend ist. Zuhause nahm ich dann immer eine Diazepam und schrieb Krisentagebuch. Die Therapien in der Tagesklinik waren ok, ich musste aber oft die Zähne zusammenbeißen um durchzuhalten. Morgens auf dem Weg war ich nervös, kommt heute wieder ein schlechter Tag?

Nach 10 Wochen war die Tagesklinik vorbei und ich war wieder zuhause. Pünktlich zur Entlassung kam meine Mutter aus Kroatien zu mir und ist während ich dies schreibe seit 2 Monaten da. Sie unterstützt mich so gut sie kann mit Essen. Haushalt und Gesprächen, aber wenn es mir mal richtig schlecht geht kann sie mir nicht helfen und ist hilflos und frustriert.

Es ist ein auf und ab. Ich habe immernoch Ängste und Derealisierung. Ich war ein paar mal beim Improtheater, manchmal klappt es, manchmal habe ich zu starke Ängste und musste nach hause.

Vor zwei Tagen waren wir beim Poetry Slam und ich erlebte einen Rückschlag. Wir waren zu früh da und ich wurde immer stiller und psychotischer. Ich hatte schlimme Gedanken und Ängste. 10 Minuten vor Beginn der Show sind wir nach hause aufgebrochen. Meine Mutter war enttäuscht, aber ich kann nichts dafür. Es ging einfach nicht mehr weiter.

Was meine Perspektive angeht habe ich einiges vor. Die Rentenversicherung hat meinen Antrag zur Teilhabe am Arbeitsleben bewilligt und ich habe bald einen Termin beim Rehaberater. Ich will eine Fortbildung zum Design Thinking Expert machen und danach ins berufliche Trainingszentrum gehen.

Zudem gibt es bei Ex-In noch die Ausbildung zum Genesungsbegleiter, das interessiert mich sehr, nur weiß ich nicht ob es zuviel wird.

Ich habe noch einen weiten Weg vor mir, aber meine Geschichte hat eben erst begonnen. Ich hoffe mit diesem Blog Menschen mit ähnlichen Lebensgeschichten zu erreichen, so das sie von meinen Erfahrungen profitieren können. Meine größte Herausforderung ist dabei mich an meine eigenen Ratschläge zu halten. Ich bin zuversichtlich dass dies gelingen kann. Und Ihnen möchte ich ans Herz legen ebenso weiterzumachen und den Weg in Richtung psychischer Gesundheit zu gehen und niemals aufzugeben.