Die Feinde nachhaltiger Entwicklung

Warum führen wir manchmal nicht das Leben das wir gerne führen würden? Um ein gutes, werteorientiertes Leben zu führen brauchen wir positive Gewohnheiten. Aber warum ist es so schwer sich zu verändern und diese zu entwickeln? Warum melden wir uns im Fitnesstudio an und statt hinzugehen versumpfen wir auf der Couch obwohl wir wissen das Training gut für uns ist?

Hier sind die 11 Feinde nachhaltiger Entwicklung

1) Angst zu scheitern

Nehmen wir an wir liegen mal wieder im Bett und denken „Eine Runde Singen würde mir jetzt gut tun“. Aber da ist eine Sperre, eine Barriere die uns daran hindert so dass wir lieber liegen bleiben. Das Gehirn bevorzugt altes und Bekanntes auch wenn der Zustand unbefriedigend ist. Es scheut das Risiko.

Da ist das diffuse Gefühl „was wenn es keinen Spaß macht und ich abbreche? Dann bin ich enttäuscht von mir und es geht mir noch schlechter als jetzt. Rein logisch ist es Unsinn so zu denken, wenn wir scheitern und tatsächlich nach 3 Minuten aufhören zu singen dann sind wir genau so weit wie vorher, hätten es aber wenigstens versucht. Wir verpassen die Chance dass es uns vielleicht doch eine halbe Stunde Freude gemacht hätte. Der Erste Schritt ist der schwerste und wenn man ihn wagt ist es oft doch besser als gedacht. Gehe das Risiko ein scheitern zu dürfen. Im Improvisationstheater ist die Erlaubnis zu scheitern ein Kerngedanke. „Scheiter heiter“ sagen wir im Impro denn im Risiko liegt die besondere Chance das etwas großartiges gelingt. Zum Beispiel eine super gelungene Gesangseinlage bei der spontan gereimt wird und großartige Szenen entstehen. Kein Risiko (wir bleiben auf Nummer sicher) – keine Belohnung. Und wenn es krachend schief geht, na und? Es passiert nichts schlimmes! Sich einmal auf der Bühne knochentief zu blamieren hat etwas sehr befreiendes. Die Angst davor ist nur in unseren Köpfen.

Ein guter Improspieler geht spontan Risiken ein weil er auf sein Talent vertraut und das ist die große Kunst die die Zuschauer beeindruckt. „Was der sich traut, das könnte ich nie“. So habe ich als Zuschauer früher auch oft gedacht, dann gründete ich irgendwann eine Improgruppe und stand oft auf der Bühne. Auch wenn ich vor jedem Auftritt gestorben bin vor Lampenfieber. Ich habe gelernt mir und meinen Mitspielern zu vertrauen und zu liefern. Wer nicht wagt der nicht gewinnt

2) Schlechtes Gewissen

Manche Menschen haben einfach keine Energie um irgendwas zu tun. Manchmal nicht mal Zähne putzen am abend, oder die Wäsche oder den Einkauf machen. Das hat nichts mit Faulsein zu tun, es gibt solche Situationen und die kenne ich sehr gut aus meinem Leben. Das Schlimme, wir versumpfen auf der Couch und verachten uns dafür auch noch, als wäre die Passivität nicht schon schlimm genug. Sie denken „Ach ich sollte und müsste dies oder jenes und ich schaffe es nicht“. Daraus folgt schließlich der Gedanke „Ich bin ein Versager, der nichts auf die Reihe bekommt. Dieser Feind der Veränderung ist besonders tückisch. Denn wir blockieren die Energie die wir eigentlich bräuchten um in die Aktivität zu kommen. Mein Tipp: Ruhe ist auch mal ok. Wenn du schon liegen musst dann genieße es wenigstens. Verabschiede dich vom schlechten Gewissen und nutze die Spielräume wenn es dir mal ein bisschen besser geht.

3) Unrealistische Ziele

Jeder hat irgendwann mal den Gedanken „Das geht so nicht weiter, ab morgen krempel ich mein Leben komplett um“. „Ich gehe jeden Tag 2 Stunden intensiv trainieren und bekomme einen Traumkörper, dann werde ich glücklich sein“. Das funktioniert einfach nicht, wer unrealistische Ziele hat und allein auf Willenskraft setzt dessen Enttäuschung ist vorprogrammiert. Selbst wenn man das selbstauferlegte Pensum einen Tag durchhält, schnell fällt man wieder in das gewohnte Muster und es ändert sich langfristig: überhaupt nichts. Setze dir minimale erreichbare Ziele, wie, ich nehme täglich 10 Minuten die Gitarre in die Hand, danach mach ich etwas anderes. Nur 10 Minuten, aber dafür jeden Tag. Wenn es Spaß macht darf ich die Zeit verlängern. Die Kontinuität ist der Schlüssel. Lieber 10 Minuten/Tag bewusstes üben statt einen 2 Stunden Gewaltakt ein mal die Woche. Das wird dir jeder Gitarrenlehrer bestätigen. Und so ist es mit allen Aktivitäten und Gewohnheiten

4) Unkonkrete Ziele

Wünsche gibt es viele, aber unkonkrete Ziele gehören zu den häufigsten Ursachen für Stillstand, weil sie dem Gehirn keinen klaren Handlungsauftrag geben. Formulierungen wie „Ich will mich gesünder ernähren“ oder „Ich möchte mehr Sport machen“ klingen zwar gut, bleiben aber schwammig und unverbindlich. Ohne klare Parameter – was genau, wann, wie oft und wo getan werden soll – fehlt der konkrete Reiz zur Umsetzung. Sobald der Alltag stressig wird schlägt die Gewohnheit zu und wir verhalten uns so wie wir uns immer verhalten haben. Denn das Gehirn liebt es Energie zu sparen, so ist es konstruiert. Mache konkrete Ziele, zum Beispiel ich mache mir jeden morgen ein Müsli aus Haferflocken mit Beeren und Nüssen für die nächste Woche.

5) Perfektionismus

Mein Perfektionismus und Leistungsdruck hat mich in meinem Leben in große Schwierigkeiten gebracht und dazu geführt dass ich im Studium und beruflich immer wieder in die Überforderung gerannt bin. Der Gedanke „ich muss es perfekt machen und funktionieren“ führt dazu dass wir über unsere Grenzen gehen und die Ressourcen für Stabilität verbrannt werden. Wer sich nachhaltig verändern will muss nicht perfekt sein, sehr gut ist völlig ausreichend. Perfektionismus hat oft damit zu tun dass wir den anderen etwas beweisen wollen. Ein mangelndes Selbstwertgefühl ist die Keimzelle. Wer langfristig sich verändern will (hinsichtlich mentaler Stabilität) muss lernen auf die Bremse zu treten. Auch das Aufmachen zu vieler Baustellen auf einmal, sich Termine reinknallen und Projekte zu verfolgen sobald es einem ein bisschen besser geht ist sehr problematisch und kann dazu führen dass das Kartenhaus schnell wieder in sich zusammenfällt. Das Ziel ist nachhaltige Veränderung des Verhaltens.

6) Alles oder nichts Denken

Ein Beispiel aus meinem Leben: Ich bin seit 3 Monaten in Heilbronn zur Langzeittherapie und hatte mir vorgenommen noch ein mal neu Gitarre zu lernen, denn obwohl ich seit 20 Jahren spiele ist meine Technik schlampig. Ich sehe die großen Vorbilder auf Youtube die mühelos die krassesten Soli und Riffs abliefern. Ich hingegen dümple auf einem sehr durschnittlichen Niveau vor mich hin und werde nie so gut sein wie meine Idole, das tötet sofort jegliche Motivation zum Üben. Gitarrenlehrer sagten mir ich sei gut und solle auf keinen Fall mit Gitarre aufhören, aber das alles oder nichts denken ist mir im Weg mich zu entwickeln und zu einem passablen Gitarristen zu werden. Immerhin kann ich ganz anständig Blues improvisieren, nichts großartiges, aber wenn ich es tue macht es Spaß. Warum glaube ich dass ich absoluter Profi sein muss und wenn ich dass nicht erreiche es lieber ganz bleiben lasse? Alles-oder-nichts-denken, das die Freude am Spiel zunichte macht.

Bei einer anderen Gelegenheit wollte ich an meine Improerfahrung anknüpfen und hatte den Gedanken ich MUSS mein sehr gutes Spielniveau wieder erreichen und so gut performen wie früher! Dadurch konnte ich kleine Erfolge und schöne Interaktionen gar nicht wertschätzen und hatte den Gedanken: „Ich habe abgebaut und werde nie wieder so sein wie früher“, ein klassischer Fall von alles-oder-nichts-denken

7) Das „Ich bin halt so“ Denken

„Ich bin einfach ein Sportmuffel“, „Ich kann nicht zeichnen“, „ich kann nicht singen“ „ich kann nicht vor Leuten sprechen“ „Ich bin halt ein Angsthase“. „Ich war schon immer ein Loser“. Mit solchen Glaubenssätzen ersticken wir jegliche Veränderung im Keim. Und die stecken sehr tief in unserem System.

Diese Glaubenssätze wirken wie ein innerer Schutzschild, der uns vor Enttäuschungen bewahren soll, uns aber gleichzeitig komplett lähmt. Indem wir ein negatives Verhalten als festen Teil unserer Identität abstempeln, geben wir die Verantwortung ab und verweigern uns selbst die Chance, uns überhaupt zu entwickeln. Wir deuten dann jeden Rückschlag nicht als normalen Lernprozess, sondern als endgültigen Beweis für unsere Unfähigkeit. Wenn wir unsere Festlegungen – das starre „Ich bin halt so“ – nicht aufweichen und durch ein offeneres „Ich kann das noch nicht“ ersetzen, bleibt jeder Wunsch nach Veränderung nur ein theoretischer Gedanke.

8) Fokus auf Motivation statt System

Wenn ich darauf warte dass ich mal Lust/Motivation auf Sport oder bessere Ernährung warte, kann ich ewig warten. Die wird nicht kommen oder wenn dann nicht nachhaltig. Stattdessen sollten wir uns auf ein System fokussieren. Die art und weise welche Regeln in unserem Leben herrschen. Ein Fokus auf Motivation bedeutet zu fragen „Habe ich heute Lust auf joggen“, Ein „System“ ist die Regel Montag, Mittwoch und Freitag um 15 Uhr gehe ich ins Fitness und mache mein Minimalziel von 15 Minuten Laufband. Danach mache ich Feierabend und gehe nach hause, wenn ich mehr machen will darf ich mehr machen. Aber Hauptsache ich gehe hin. Das ist ein „System“ und dass ist viel effektiver als dass wir einfach hoffen irgendwann fühle ich mich danach.

9) Sofortbelohnungen bevorzugen

Das Gehirn ist süchtig nach Dopamin, dem Belohnungsbotenstoff. Ein gutes Computerspiel oder ein süchtig machender Glücksspielautomat, oder Instagram Reels sind so gebaut dass sie dem Gehirn möglichst viele Dopaminkicks liefern. Schon die Chat Nachrichten einer KI liefert kleine Dosen Dopamin und das ist auch der Grund warum wir immer mehr davon haben wollen. Man nennt dass auch Instant Gratification. Unser modernes Leben ist vollgestopft mit hochgezüchteten Belohnungssystemen die unsere Aufmerksamkeit haben wollen.

Im Gegensatz dazu: Wenn ich studiere und für meine Prüfungen büffeln und auswendig lernen muss dann macht das keinen Spaß (kein oder wenig Dopaminausschüttung). Wenn ich aber einen Abschluss haben will weil ich im Leben voran kommen möchte dann habe ich eine „nachgelagerte Belohnung“. Ich bekomme sie erst Monate oder Jahre später! Doch der Fakt ist: ein Uni Abschluss ist für unsere Entwicklung und unser Leben sehr viel wertvoller als 10 Minuten TikTok oder Nachrichten zu scrollen. Es spricht nichts dagegen hin und wieder social media zu scrollen. Aber echte Veränderung (und damit Lebensfreude) gewinnen wir nur wenn wir auf langfristige Belohnungen setzen. Geduld und Frustrationstoleranz sind hier gefragt.

10) Mangelnde Fantasie

In Punkt 3 habe ich über unrealistische Ziele gesprochen. Gleichzeitig ist es jedoch essenziell, eine konkrete Vision für das eigene Leben zuzulassen. Was würde ich tun, wenn Geld keine Rolle spielte? Wie sähe mein Leben aus, wenn es richtig klasse wäre? Ein solcher übergeordneter Kompass treibt uns an und hilft dabei, im Alltag die richtigen Entscheidungen zu treffen, um dieser Vision Schritt für Schritt näherzukommen und daraus realistische Teilziele abzuleiten. Ohne die Vorstellungskraft davon, wie unser Leben aussehen soll, fehlt uns schlichtweg die Orientierung für unser tägliches Verhalten.

11) Chronische Unzufriedenheit

Wer vergleicht verliert sagt der Volksmund, wenn wir ständig den Fokus auf das haben was uns fehlt werden wir unglücklich. Das Leben der anderen scheint perfekt zu sein. Die Gesellschaft und die Werbung gaukeln uns vor dass was wir brauchen um glücklich zu sein sind ein tolles Haus, ein schickes Auto, den perfekten Körper, tolle Urlaubsziele und vieles mehr.

Erstens raubt uns der Fokus auf das Mangelnde die Energie zum Handeln. Wer permanent darauf starrt, was im eigenen Leben im Vergleich zu den polierten Fassaden anderer fehlt, landet schnell in einer Haltung der Hilfosigkeit oder dem Gefühl, ohnehin nie „genug“ zu sein. Wenn das Ziel (der perfekte Körper, das Traumhaus) unerreichbar scheint, gibt man oft auf, bevor man überhaupt angefangen hat.

Zweitens führt chronische Unzufriedenheit dazu, dass wir den Blick für den eigenen Ist-Zustand und die kleinen, realen Fortschritte verlieren. Entwicklung passiert nicht durch einen riesigen Sprung ins Perfekte, sondern durch viele kleine Schritte. Wer Erfolge nicht schätzen kann, weil sie im Vergleich zum Ideal immer noch zu klein wirken, entzieht sich selbst die Motivation, weiterzugehen. Statt aus eigener Überzeugung und eigenen Werten heraus zu wachsen, rennt man fremden Maßstäben hinterher – und verliert dabei die Orientierung für den eigenen Weg.

Fazit und Lösung

Veränderung scheitert selten am mangelnden Wollen, sondern meist an den unsichtbaren Hürden, die unser Gehirn, unsere Gewohnheiten und gesellschaftliche Prägungen uns in den Weg legen. Ob unkonkrete Ziele, die Angst vor dem Scheitern, der Sog der Sofortbelohnung oder der ständige Vergleich mit anderen – all diese Faktoren halten uns in alten Mustern fest und rauben uns die Energie für das, was uns wirklich wichtig ist.

Was wirklich Erfolg bringt, ist die Macht der Babyschritte. Kleine, minimale Veränderungen und Verbesserungen in Systemen statt überfordernder Großprojekte. Kleine, sicher erreichbare Ziele. Den ersten Schritt wagen und feststellen, dass es meist leichter ist als gedacht – und selbst kleinste Fortschritte wertschätzen. Genau so, wie man ein kleines Kind ermutigt und lobt, wenn es die ersten Schritte macht, selbst wenn es nur ein einziger wackliger Schritt war.

Wenn wir uns der Feinde der nachhaltigen Entwicklung bewusst sind und sie umgehen, kann es gelingen echte Veränderung anzustreben und auch zu erreichen.

Was ist dein persönlicher Feind deiner Entwicklung? Schreibe es gerne in die Kommentare.

Werde ich wieder ganz gesund?

Viele Jahre lang habe ich mich mit Händen und Füßen gegen meine Diagnose Schizophrenie gewehrt und wollte einfach nicht wahrhaben, dass ich nicht so belastbar bin wie andere Menschen. Ich hatte den Gedanken ich MUSS gesund werden und arbeiten! Wieder der Perfektionismus. Der führte die letzten Jahre dazu, dass ich immer wieder beruflich und in der Reha in die Überforderung gerannt und gescheitert bin. Ich war frustriert und enttäuscht dass es einfach nicht so läuft in meinem Leben wie ICH das gerne hätte.

Früher hatte ich große Erfolge mit meinem Impro und als Sänger und schaffe es (noch) nicht, diese wieder aufleben zu lassen und wieder auf mein altes Spielniveau zu kommen. Vielleicht werden diese Zeiten „nie“ wieder kommen? Schwer zu sagen. Es hilft nicht, sich unter Druck zu setzen.

Nun bin ich seit 3 Monaten im Therapeutikum in Heilbronn zur Langzeittherapie und arbeite in einem sicheren Rahmen Schritt für Schritt an meiner Belastbarkeit und habe gute Erfolge vorzuweisen. Aber: Ich sehe auch ein dass ich eine chronische psychische Erkrankung habe. Ich habe immernoch starke Ängste und Krisen alle 5 bis 6 Tage. Das geht nun seit Jahren so und geht vielleicht nie wieder weg. Zwar bleibe ich von schweren psychotischen Episoden verschont und bin „einigermaßen“ stabil, aber Unwohlsein und schlechte Gedanken begleiten mich jeden Tag. Das muss ich einfach akzeptieren.

Bis auf die Ängste läuft es eigentlich ganz gut. Ich habe in der Arbeitstherapie meinen Laptop dabei, mache Webdesign, neue Dokumente und schaue mir Videokurse an. Die letzte Stunde in der AT mache ich etwas handwerkliches zur Abwechslung, zur Zeit bastle ich eine Schachtel. Ich halte mich handwerklich für sehr unbegabt aber es macht trotzdem Spaß! Es ist eine schöne Ergänzung zu meinen digitalen Themen.

Ich habe eine gute Perspektive. Die Arbeitszeit wird schrittweise in einem angenehmen Tempo erhöht und ich habe die Zusage dass meine medizinische Phase um 3 Monate verlängert wird und danach eine berufliche Phase kommt. Dafür habe ich schon viele, konkrete und realistische Ideen. Auch mit der Freizeitgestaltung läuft es etwas besser. Ich mache jeden Tag meine Mental Health Stunde oder gehe 3 mal die Woche ins Fitness. Diese Woche war ein Mitpatient dabei mit dem ich mich angefreundet habe und vielleicht trainieren wir jetzt gemeinsam. Freitags machen wir Spieleabende mit meinem Lieblingskartenspiel „Munchkin“, wir sind eine lustige Runde und haben viel Spaß zusammen.

In der WG wird gemeinsam gekocht und gegrillt und diese Woche am Sonntag gehen wir ins Kino. Mit singen, Gitarre, Serien und Lesen habe ich weitere schöne Beschäftigungen.

Ich bin morgens sehr entspannt und motiviert und fahre gemütlich ins Thera. Dort ist immer der Start etwas holprig und ich muss manchmal etwas kämpfen und die Zähne zusammenbeißen damit ich den Tag schaffe. Ich bin dabei mich immer wieder trotz des Unwohlseins ins hier und jetzt zurückzuholen.

Das ist einerseits sehr unangenehm, aber gleichzeitig weiß ich, das nichts schlimmes passiert! Ich darf jederzeit in den Ruheraum, ich darf jederzeit mein Bedarfsmedikament nehmen, ich darf jederzeit nach hause, ich darf jederzeit in die Psychiatrie nach Weinsberg wenn es mir mal richtig schlecht gehen sollte. Das sind meine „Verteidigungslinien“.

Das ich ins Krankenhaus komme ist sehr unwahrscheinlich, ich habe die letzten 14 Wochen jeden Theratag gemeistert, kann immer gut schlafen auch wenn ich mal eine Krise habe und die Wahrscheinlichkeit ist hoch dass es weiter so laufen wird. Meine Ärzte und Betreuer sind angetan von meinen Plänen und Fortschritten und im Großen und Ganzen sitze ich fest im Sattel, trotz meines Ringens um Stabilität.

Da läuft trotz aller Erfolge immer (seit Jahren) ein Film mit, das Gefühl dass sich das Gehirn bedroht fühlt obwohl objektiv alles in Ordnung ist und es keine Gefahr für Leib und Leben gibt (ich nenne es „Abgrundgefühle“). In meinem Alltag habe ich ein sehr positives Selbstgespräch entwickelt dass mich zuverlässig durch den Thera-Alltag und meine Freizeit trägt. Blöde Gedanken, Gefühle und Ängste sind aber immer noch da. Und die werden auch nicht so schnell weg gehen. Ich habe Zeit!

Früher war es so, dass ich mir in guten Phasen sobald es etwas besser lief mir Termine reingeknallt habe und diese und jene große Idee verfolgte bis der nächste Dämpfer in Form einer Krise kam. Hier habe ich dazugelernt und weiß die „Thera-Basics“ und meine Alltagsstabilität haben Vorrang vor großen Träumen und Ideen. Meine Psychologin sagte immer „Lieber langsam und sicher, statt schnell und riskant“. Das möchte ich in Zukunft beherzigen.

Werde ich wieder ganz gesund (mein Motto lautet ja „Die Seele will gesund werden“)? Vielleicht nein! Aber das ist überhaupt nicht schlimm, denn das Leben ist immernoch lebenswert, auch MIT einer chronischen, psychischen Erkrankung. Ich genieße meinen Morgenkaffee mit Zigarette, habe Freude am Webdesign und Texte schreiben (wie diesen Blog), das gute Essen in der Kantine, das Training, das Lesen schöner Bücher, ich bin schmerzfrei, ich habe essen und trinken. Ich habe meinen Glauben, meine zuverlässige Technik und genug Geld auf dem Konto! Ich habe tolle Freunde im Thera gefunden und ich bin gut in die Patientengemeinschaft eingebunden. Ich habe eine berufliche Perspektive mit Webdesign oder dem Schreiben meiner Texte.

Alles Gründe sich zu freuen. Schizophrenie und Ängste hin oder her. Ich kann nicht alles machen was ich gerne würde und vielleicht muss ich noch eine ganze Weile mit Einschränkungen leben. Das ist OK! Mein Leben ist gut so wie es ist und ich finde es einfach „geil“ am Leben zu sein, noch lange auf dieser perfekten Erde leben und mich entfalten zu dürfen. Ich bin zuversichtlich und habe Vertrauen ins Leben.

Mein Ziel ist jetzt nicht mehr „100% gesund werden“ sondern „stabil bleiben“ und Freude am Leben haben! Dafür habe ich noch viel Zeit und werde jeden Tag besser – in meinem Tempo und ohne Druck. Genau darum geht es beim Begriff „Recovery“.

Wie steht es mit deiner Krankheitsakzeptanz? Ich freue mich über E-Mails und Kommentare.

„Die Seele will gesund werden“ in der Psychologie Heute

In der September-Ausgabe der Psychologie Heute wird mein Buch „Die Seele will gesund werden“ rezensiert.

Besonders gefreut hat mich, dass die Redaktion die Balance aufgreift, die mir beim Schreiben so wichtig war: Neben den schweren Momenten Raum für Lebenswillen, Alltagsstruktur und konkrete Hilfestellungen zu schaffen – auch für Angehörige.

Das Fazit der Redaktion: 💬 „Sowohl die Schwere seiner persönlichen Erfahrungen als auch der Lebenswille prägen sein Buch und dürften vielen Betroffenen Mut machen. […] Eine wichtige Lektüre für Betroffene und Angehörige.“

Herzlichen Dank an die Redaktion für die fundierte Besprechung! Das aktuelle Heft (09/2026) findet ihr ab sofort am Kiosk oder hier:

https://www.psychologie-heute.de/abo-shop/detailseite/44375-psychologie-heute-92026-aussen-stark-innen-zweifel.html

15 Minuten Body Scan

Was ist ein Body Scan?

Beim Body Scan – der „Körperreise“ – wanderst du gedanklich schrittweise von den Zehen bis zum Scheitel durch deinen Körper. Es geht nicht darum, Empfindungen zu bewerten oder krampfhaft Entspannung zu erzwingen, sondern schlicht wahrzunehmen, was im Moment da ist.

Auf YouTube gibt es viele tolle Body Scan Videos. Nun habe ich mein eigenes aufgenommen.

Wirkung & Nutzen

  • Gedanken beruhigen: Der Fokus auf körperliche Signale unterbricht das Grübeln und verankert dich im Hier und Jetzt.
  • Nervensystem regulieren: Die konzentrierte Ruhe hilft dem Körper, vom Stress- in den Erholungsmodus umzuschalten.
  • Körpergefühl stärken: Du lernst, mentale Verspannungen und Stresssignale früher zu erkennen.

Gönn dir eine kurze Pause, starte das Video und begleite die Übung Schritt für Schritt.

Sinnvolle Beschäftigung (RPK Update)

Liebe/r Leser/in,

ich bin nun in der 12. Woche meiner Langzeittherapie in Heilbronn und stelle seit einer Weile eine deutliche Verbesserung meiner mentalen Gesundheit fest. Seit längerer Zeit hatte ich keine Krise mehr – fast schon ungewohnt, aber eine sehr erfreuliche Abwechslung. Auch Außentermine wie Restaurantbesuche mit Freunden und der WG klappen weitestgehend ohne die Ängste, die ich von früher kenne.

Ein großer Baustein dafür ist positives „Denkfutter“ in meinem Kopf. Ich ertappe mich immer öfter dabei, wie ich Sätze denke wie:

  • Kein Stress, keine Gefahr.
  • Ich bin in Sicherheit.
  • In der Ruhe liegt die Kraft.
  • Alles ist gut, wie es ist.
  • Realität ist gut, wie sie ist.

Durch Neuroplastizität haben sich diese guten Gedanken mit der Zeit eingeschliffen und kommen immer öfter wie von selbst in mein Bewusstsein. Das Gehirn will schließlich ständig etwas denken – warum also nicht etwas Erbauliches? Auch das Summen oder Denken von Lieblingssongs ist eine tolle Strategie, um den Kopf auf sanfte Art zu beschäftigen.

Wenn du selbst in einem Umbau deiner Verfassung steckst, gilt: Hab Geduld! Es dauert ein paar Monate, bis die Gefühlswelt nachzieht. Bleib dran, langfristig spürst du eine Veränderung.

Die Ängste sind zwar noch nicht ganz weg, aber ich kann sie viel besser akzeptieren und mich stattdessen um meine Aufgaben kümmern.

Ich sitze oft in der Arbeitstherapie und denke „Ok, hier bin ich richtig um an mir zu arbeiten“, „Ich bin hier in Heilbronn auf der Erde und das ist gut so“, „was ist jetzt?“, „was kann ich sehen und anfassen?“. Ich versuche den Fokus weg von der Innenwelt zu bekommen und nach außen zu richten: „Ah, da ist der blaue Himmel“, „Da ist ein Auto“, „Aha, da ist ein anderer Mensch, wie sehen seine Schuhe aus?“. Auf dem Weg ins Thera sitze ich im Bus und denke „Ok, stinknormaler Alltag auf der perfekten Erde. Was brauche ich heute, damit es mir gut geht?“. Manchmal höre ich dazu meine Lieblingsmusik.

Oft führe ich einen kleinen Plausch mit meinen Mitpatienten, alle sind super nett. Der Vormittag ist strukturiert, ich mache jeden morgen meine Morgenroutine mit duschen, Frühsport, beten, frühstücken und fahre gemütlich mit dem Bus 10 Minuten ins Therapeutikum. Dort angekommen habe ich noch etwas Freizeit bis Therapiebeginn und sitze draußen im Café und trinke einen Kaffee und rauche eine Zigarette.

Der Start ist manchmal etwas holprig und die alten Ängste klopfen wieder an die Tür. Aber kein Problem, ich lebe damit und konzentriere mich auf meine Aufgaben, Schritt für Schritt! Meine Maßnahme dauert bis 15.11.26 aber es kommt vielleicht danach eine berufliche Phase. Dann wird es Zeit für Praktika und die Gelegenheit meine Belastbarkeit in einem realen Setting auszutesten.

Der Gamechanger: Eine sinnvolle Beschäftigung. Dieser Punkt ist für die langfristige Genesung extrem wichtig! In meinem Fall habe ich das Webdesign wiederentdeckt, das mir früher so viel Freude bereitet hat. Letzte Woche war ich im absoluten Designrausch und habe drei Webdesigns erstellt. Ich kann mich darauf hochfokussiert einlassen, die Zeit in der Arbeitstherapie vergeht wie im Fluge, und es ist eine super Übung für ein späteres Praktikum. Mein Tag füllt sich mit sinnvoller Arbeit, Sorgen treten in den Hintergrund.

Eine RPK (Rehabilitation psychisch Kranker) wird von der Rentenversicherung finanziert um psychisch kranke Menschen einen Weg zurück auf den ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Viele Menschen haben bemerkenswerte Fähigkeiten kommen aber mit Arbeit nicht mehr zu recht und kämpfen mit ihren Symptomen. Diese Form der Langzeittherapie ist für solche Menschen geeignet. Ich finde es großartig und bin dankbar dass die Rentenversicherung so viel Geld in mich investiert. Wenn du mit deinen Symptomen in einer Sackgasse steckst, gerne wieder arbeiten würdest aber noch nicht so leistungsfähig bist wie früher, vielleicht wäre so eine Maßnahme auch etwas für dich?

Ich für meinen Teil fühle mich hier sehr wohl und mache deutliche Fortschritte. Die vielen sozialen Kontakte in Thera und WG tun mir auch sehr gut. Wir sind eine gute Patientengemeinschaft, kochen viel zusammen und unternehmen etwas in unserer Freizeit.

Ein weiterer Anker ist die Achtsamkeit durch kleine Micro-Awareness-Inseln im Alltag:

  • „Ah, das ist der Boden, der mich trägt.“
  • „Wie schmecken eigentlich meine Haferflocken?“
  • „Da ist der blaue Himmel.“

Meine Reha ist nun zu etwa einem Drittel vorbei, und mein Protokoll belegt die Fortschritte: Seit zwei Wochen keine nennenswerte Krise und kein Diazepam nötig.

Wie ist es bei dir? Vielleicht passt eine Teilzeitarbeit aktuell nicht in deine Lebenssituation. Aber was könnte stattdessen deine Beschäftigung sein? Die Möglichkeiten sind vielfältig:

  • Origamis falten und auf Instagram stellen: Schult die Feinmotorik, bringt Ruhe durch repetitive Handgriffe und sorgt für kleine Erfolgserlebnisse.
  • Mandalas ausmalen oder Zeichnen: Senkt den Stresspegel und bietet sichtbare Ergebnisse ganz ohne Leistungsdruck.
  • Mini-Kräutergarten anlegen: Gibt eine sanfte, tägliche Struktur und erdet durch den Kontakt mit der Natur.
  • Gitarre spielen: Spricht andere Hirnareale an und vermittelt durch das Erlernen kleiner Passagen schnelle Fortschritte.
  • Strategie- und Aufbauspiele: Fordern das logische Denken und erlauben kreatives Gestalten in geschützter Umgebung.

Was hilft dir in schwierigen Phasen oder beim Abschalten? Schreib es mir gerne in die Kommentare!

Ein neuer Lebensabschnitt in Heilbronn

Der Moment ist gekommen und vor 2 Wochen bin ich nach Heilbronn zur Langzeittherapie gefahren und bin die nächsten 6 Monate hier. Ich wohne mit 10 weiteren Mitpatienten zusammen, ich bin auf dem 3. Stock. In der WG gibt es meistens 2 Betreuer die das WG-Leben organisieren. Es gibt einen schönen Garten mit Grill und eine Top-ausgestattete und moderne Küche. Die Mitpatienten sind sehr ruhig aber alle nett.

Morgens stehe ich wie gehabt um 5 Auf und hab das Haus für mich alleine. An jedem Werktag fahre ich mit dem Bus ins Therapeutikum. Ich finde meinen Weg mittlerweile ohne Navi und bin täglich 3 Stunden in der Arbeitstherapie. Am Anfang habe ich einfach nur in meinem Malbuch gemalt gestern habe ich angefangen einen Korb zu flechten. Macht Spaß!

Meine Tage und mein Befinden waren die letzten 2 Wochen gemischt, morgens habe ich noch leichte Ängste und fühle mich in der AT etwas psychisch unter Druck, die üblichen Tagesschwankungen. Die Kantine ist ziemlich gut!

Ich habe eine freundliche Psychologin und einen hervorragenden Chefarzt als Psychiater.

Am Donnerstag hatte ich eine kleine Krise und habe es mit Mühe und Not in die WG zurückgeschafft. Ich konnte mich aber, ohne Notfallmedikament, regulieren mit chatten und Krisentagebuch. Der Tag danach, der Freitag war wieder deutlich besser und der beste Tag bisher.

Ich denke dass ich hier am richtigen Ort um langfristig gesund zu werden und mich fit für mein „new business“ zu machen. Die vielen sozialen Kontakte tun mir sehr gut, muss mich aber erst mal wieder daran gewöhnen, ich war die letzten Jahre sehr viel alleine.

Hier kann ich 6 Monate aushalten und stabil werden. Ein neuer Lebensabschnitt hat begonnen.

Radikale Akzeptanz

Manchmal hadern wir mit unserer Krankheit und würden am liebsten einfach alles hinschmeißen. „Warum ist das schon wieder so schwierig?“, „Was ist wenn es mir heute wieder schlecht geht?, „Ich kann nicht mehr“, „ich halte das nicht aus“, „wann ist dieser Alptraum vorbei?“.

Aber: Jammern und hadern bringt uns nicht weiter, am Ende müssen wir ja doch weitermachen und das Beste in jeder Situation geben. Das gute: Jede Krise geht vorbei! Ein Blick auf das Stimmungsprotokoll zeigt oft: Es ist eigentlich besser als man in einer Krise denkt. Wir denken, es gibt keine Fortschritte und das wird jetzt immer so schwierig bleiben. Das ist aber nicht so. Es wird auch wieder besser! Der Tag geht vorbei, auch wenn es uns mal nicht gut geht. Ich habe den Gedanken: „Ich habe schon weit schlimmere Situationen ausgehalten, ich werde auch diese meistern.“

Der Heilungsweg ist nicht linear und es gibt Umwege und Rückschritte. Es ist wie Fahrrad fahren lernen. Manchmal fallen wir hin, stehen wieder auf, lernen etwas daraus und machen weiter. Das Hinfallen tut etwas weh, aber es gehört zum Lernprozess dazu.

Ich habe die Erkenntnis gewonnen, verzweifeln bringt nichts! Stattdessen übe ich mich in radikaler Akzeptanz. Es ist der Widerstand gegen den Schmerz der das eigentliche Problem ist, nicht der Schmerz selbst! Es kommt wie es kommt. Ich akzeptiere alles was da in mein Leben kommt. Da kommt eine Krise? Ok, dann ist das einfach so, geht vorbei. Ich habe schlechte Gedanken und Gefühle? Ok, dann ist das einfach so, geht vorbei. Ich lasse zu. Ich lasse fließen. Ich lasse los. Ich kehre immer wieder langmütig zurück zur Realität. Ich gebe den Widerstand auf. Ich akzeptiere. Es ist nicht alles schlecht. Es gibt oft auch Lichtblicke und Momente über die man sich freuen kann! Ich gehe in die Aktivität so gut ich kann und halte mich so gut wie möglich an meinen Tagesplan. Wenn ich mal auf der Couch lande bin ich nicht böse mit mir.

Gestern hatte ich wieder eine typische Situation die mich früher in die Krise gestürzt hätte. Ich war bei der Tafel einkaufen und wieder mal waren die Reize und vielen Leute zu viel für mich. Ich geriet wieder in meinen alt bekannten Denktunnel mit den Zwangsgedanken. Ich lag mal wieder auf der Couch und hatte schlechte Gedanken. Wenn ich überlastet bin spielt mein Gehirn verrückt. Ich dachte aber auch „Ok, das ist jetzt einfach so. Es ist nur eine Überlastungsreaktion und das geht vorbei. Ich beobachte einfach die Gedanken und lasse los so gut ich kann.“ Meine neuen, positiven Denkstrukturen zeigen Wirkung und tragen mich durch solche schwierigen Zeiten. Ich konnte wieder aufstehen und Besorgungen machen, danach griff ich zum Buch und konnte 2 Stunden lesen. Da war immer noch das Bedrohungsgefühl und ich dachte „Ich lasse los. Ich brauche diese Gedanken nicht. Hier in der Realität ist es doch viel schöner als in meinem Kopf“.

Danach habe ich mir was zu essen gemacht, mich früh schlafen gelegt und die radikale Akzeptanz hat mir auch den Rest des Tages geholfen, zur Ruhe zu kommen und gut zu schlafen. Das alles konnte ich ohne mein Notfallmedikament meistern. Ich hätte es aber jederzeit nehmen können.

Mein Leben ist gut. So wie es ist, auch wenn es manchmal schwierig ist. Es ist meins und ich würde mit niemandem tauschen.

Fazit

Radikale Akzeptanz ist der Schlüssel zur mentalen Gesundheit und hilft uns ein gutes Leben auch mit Schizophrenie zu führen. Verzweifeln bringt nichts. Wir machen aus jeder Situation das Beste. Wir lassen los und lassen fließen. Krisen sind erlaubt und gehören dazu. Es passiert nichts schlimmes. Wenn es nicht mehr auszuhalten ist darf ich jederzeit einen Notfalltermin mit meinem behandelnden Arzt wahrnehmen oder in die Notaufnahme meines Krankenhauses gehen. Ich klettere und bin gesichert.

Was tun wenn Fremde Hilfe brauchen

Wenn wir im Alltag durch die Stadt gehen, treffen wir manchmal Menschen denen es ganz offensichtlich nicht gut geht. Sie starren ins Leere, haben eine ungewöhnliche Körperhaltung oder sprechen oder schimpfen laut mit sich selbst oder mit Personen die nicht da sind (manche Menschen sind aber nur am telefonieren). Oder sie reden lautstark auf andere Fußgänger oder Wartende an der Bushaltestelle ein und sagen Dinge die keinen Sinn ergeben.

Diese Menschen könnten Hilfe brauchen. Vielleicht haben sie Anzeichen einer Psychose? Eine psychotische Episode draußen „in der Wildniss“, kann für den Betroffenen oder andere Menschen sehr gefährlich sein. Je nach dem was sich diese Person gerade „zusammenspinnt“.

Solche Betroffene sind unter extremem Stress und suchen durch das Selbstgespräch oder das Einreden auf Andere eine Lösung. Es ist wichtig dass sie professionelle Hilfe bekommen. Der erste Schritt ist die Person anzusprechen und zum Beispiel zu fragen „Entschuldigen Sie, ich sehe dass sie gerade sehr unter Stress sind. Wollen Sie mir sagen was los ist?“ Viele Menschen mit Psychosen sind extrem misstrauisch und manche haben Angst vor der Psychiatrie oder der Polizei. Hier sollten Sie einfühlsam und höflich sein.

Wenn die Person Wahnideen äußert bringt es nichts diese abzutun „Ach das kann doch gar nicht sein“. Für diese Person ist der Wahn Realität. Validieren Sie erst ein mal nur die Emotionen. „Ja, ich glaube dass sich das sehr belastend anfühlt“. Versuchen Sie die fremde Person dazu zu bewegen Hilfe zuzulassen. „Wäre es ok für sie wenn ich einen Arzt anrufe der Ihnen hilft? Ich bleibe so lange bei Ihnen“.

Dann rufen Sie die 112 an, nennen den Ort und warten auf Hilfe. „Hallo, hier an der Haltestelle xy ist jemand mit einer psychischen Krise, der Hilfe braucht, können Sie einen Krankenwagen schicken?“. Bleiben Sie bei der fremden Person und hören geduldig zu und versuchen Sie sie zu beruhigen.

Wenn die Situation eskaliert und die Person wegläuft oder agressiv wird müssen Sie die Polizei rufen. Das tut man nicht gerne, aber für diese Person ist es langfristig besser wenn sie in einer Psychiatrie untergebracht wird, dort bekommt sie Hilfe und kann sich in wenigen Wochen stabilisieren und darf wieder nach hause. Psychiatrie ist kein schöner Ort, aber es ist ein sicherer Ort wo Menschen wieder gesund werden.

Fazit

Fremden Menschen mit Psychosen zu helfen kostet etwas Überwindung, aber Sie sollten nicht einfach nur wegschauen. Es kann gut sein dass sie im Leben und der Gesundheit dieses Menschen einen echten Unterschied machen. Es ist ein Akt der Courage und Nächstenliebe. Diese Menschen sind krank und können nichts dafür. Deswegen brauchen sie professionelle Hilfe bevor etwas passiert.

Die Welt der Comics

Haben Sie als Kind gerne Comics wie Donald Duck oder Micky Maus gelesen? Es gibt auch ganz tolle Comics für Erwachsene! In unserer Stadtbibliothek in Ludwigsburg gibt es eine Riesenauswahl, vielleicht auch in Ihrer Bibliothek? Ich gehe ein mal die Woche dort hin und decke mich mit Comics ein, am Liebsten Batman und andere Superhelden Comics. Aber auch spannende Exemplare aus den Bereichen Krimi und Abenteuer gibt es.

Comics zu lesen ist eine schöne Freizeitbeschäftigung die Spaß macht und niederschwellig ist. Wenn man psychische Einschränkungen hat sind dicke Fachbücher, trockene Ratgeber und tiefgründige Romane manchmal eine Überforderung. Comics entführen uns in tolle Bildwelten und spannende Geschichten. Es ist leichte Kost und gutes Futter fürs Gehirn. Manche Comics und Graphic Novels für Erwachsene sind sehr düster, suchen Sie sich lieber etwas Leichtes aus.

Comics sind ein ganzes Universum für sich und eine hochkarätige Kunstform, nicht nur was für Kinder. Mit genialen Zeichnungen und Geschichten. Für jeden Geschmack ist etwas dabei.

Hier kommen 3 Empfehlungen:

  1. Agatha Christie Classics: Tod auf dem Nil: Ein Hercule-Poirot-Krimi

Ein bekannter Krimiklassiker, mit schönen Zeichnungen. Spannend von der ersten bis zur letzten Seite.

    2. DC Must-Have: Batman: Hush

    Ein bildgewaltiges Epos mit Intrigen und Wendungen und viel Action. Batman ist der beliebteste Superheld der Comic Welt und begeistert Millionen von Lesern. Nicht zu düster. Ideal für Comic Einsteiger

    3. Scotland

    Ein spannender Mystery Krimi

    Haben Sie selbst einen Lieblings-Comic oder eine Reihe, die Sie gerade verschlingen? Schreiben Sie es mir gerne in die Kommentare – ich bin immer auf der Suche nach neuem Lesestoff für meinen nächsten Bibliotheksbesuch!“

    Resilienz entwickeln

    Haben Sie in Ihrer Stadt eine Bibliothek? Wenn ja, besuchen Sie sie doch einmal und leihen sich einen der vielen psychologischen Ratgeber aus. Auf dem Markt gibt es inzwischen 50.000 Veröffentlichungen. Eine Bibliothek ist ein Tempel des Wissens und Bibliotheksausweise sind in der Regel sehr günstig. Die Literatur ist voll von hilfreichen Tipps, nützlichen Tools, spannenden Biografien und mutmachenden Strategien von denen kranke Menschen unbedingt erfahren müssen. So ließe sich viel unnötiges Leid vermeiden. Dafür möchte ich mit diesem Blog einen Beitrag leisten.

    Heute empfehle ich das Buch „Stärker als das größte Leid: In drei Schritten unerschütterlich durchs Leben“ von Thomas Hohensee.

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    Thomas Hohensee ist einer der erfolgreichsten Sachbuchautoren im deutschsprachigen Raum. Er hat mehrere Bestseller veröffentlicht, darunter „Gelassenheit beginnt im Kopf“ und „Glücklich wie ein Buddha“. Seine Bücher haben eine Gesamtauflage von 500.000 Exemplaren erreicht. Sie sind in sieben Sprachen übersetzt.

    Als Coach und Seminarleiter vermittelt er seinen KlientInnen in kurzer Zeit einfache Strategien, die zu mehr Glück, Gelassenheit und den gewünschten Zielen führen.

    Wie entsteht Leiden?

    Leiden entsteht laut Buddhismus nicht durch das Ereignis selbst (z. B. eine Psychose oder ein Verlust), sondern durch unsere Reaktion darauf.

    • Anhaften (Upadana): Wir wollen, dass schöne Momente ewig dauern. Wenn sie gehen, leiden wir.
    • Ablehnung (Vibhavatanha): Wir wollen, dass Schmerz sofort aufhört. Je mehr wir gegen die Angst kämpfen („Das darf nicht sein!“), desto stärker wird sie. Das ist der Widerstand, der das Leid verdoppelt.
    • Unwissenheit (Avidya): Wir glauben, wir seien unser Ego oder unsere Krankheit. Wir sehen nicht, dass alles im Fluss ist (Anicca – Vergänglichkeit).

    Die Erkenntnis dieser uralten Tradition deckt sich mit der modernen Verhaltenstherapie. Nicht die äußeren Umstände erzeugen das Leid, sondern unsere Interpretation. Hayes, der Begründer der „Acceptance Commitment Therapy“ spricht in diesem Zusammenhang von „sauberen“ und „schmutzigen Leid“. Was ist damit gemeint?

    Sauberes Leid wäre in meinem Fall zum Beispiel der Gedanke an den Verlust meiner Mutter. Das ist reales Leid über einen Schicksalsschlag wie er jeden Menschen ereilen kann. Es gehört zum Leben dazu und ist ganz normal. Dagegen schmutziges Leid: Dieses Leid erschaffen wir uns selbst – meist unbewusst. Es ist der „Schmutz“, den wir auf den ursprünglichen Schmerz draufpacken, indem wir gegen ihn kämpfen, ihn bewerten oder uns Vorwürfe machen.

    Beispiele: „Warum passiert mir das schon wieder?“, „Ich sollte nicht so fühlen“, „Ich bin ein Versager, weil ich wieder Angst habe“, oder das Grübeln über die Vergangenheit.

    „Schmutziges Leid“ ist unnötiges Leid, dass wir selbst mit unserem Geist erschaffen. Dagegen hilft nur die Akzeptanz. Diese ist eine der Säulen welche Hohensee in seinem Buch beschreibt.

    Die 3 Säulen der Resilienz

    1. Akzeptieren: Manche Lebensumstände lassen sich nicht kontrollieren, Schicksalsschläge wie Tod eines Verwandten, Jobverlust oder Krankheit können jeden unvorhersehbar treffen. Für nichts im Leben gibt es eine Garantie. Oft prüft uns das Leben und stellt uns Hindernisse in den Weg die es zu bewältigen gilt, so wie Prüfungen in der Schule. Das geht das ganze Leben so weiter. Wenn wir nicht bereit sind zu Lernen schubst uns das Leben immer wieder in Situation die gemeistert werden wollen. Nur so entwickeln wir uns weiter. Wer sich weigert zu lernen wird nicht in die nächste Klasse versetzt. Das worüber wir keine Kontrolle haben müssen wir akzeptieren. Dazu gehört auch das unausweichliche Ende unserer Existenz. Alt werden, Krankheit und Sterben gehören einfach zum Leben dazu. Das ist völlig natürlich und kein Problem. Auch im Angesicht einer schlimmen Diagnose oder des nahenden Todes können wir gelassen bleiben. Das ist Resilenz. Viele Menschen mit erheblichen Einschränkungen führen ein gutes, erfolgreiches Leben. Zum Beispiel Nick Vujicic. Er wurde ohne Beine und Arme geboren. Trotzdem reist er um die ganze Welt und macht Millionen Menschen Mut, gründete eine Familie mit 4 Kindern und macht sogar Sportarten wie das Surfen (sein Buch hat den Titel Life Without Limits) Nichts hält ihn auf. Oder nehmen Sie nur Stephen Hawking. Trotz schwerer Krankheit (Amyotrophische Lateralsklerose) machte er bahnbrechende Beiträge zur modernen Physik.
    2. Sinnhaftigkeit: Gibt es einen Sinn hinter dem wenn etwas schlimmes passiert? Meistens ja: Hohensee beschreibt in seinem Buch die Geschichte einer Frau deren Tochter durch einen alkoholisierten Autofahrer ums Leben kam. Ein schwerer Schlag. Allerdings gründete sie eine erfolgreiche Initiative die das Thema „Alkohol am Steuer“ thematisierte und sich beispielsweise für härtere Strafen einsetzt. So bekam die Tragödie einen Sinn. Mit meinem Blog ist es genauso. Seit 20 Jahren kämpfe ich mit Schizophrenie. Ohne diese Krankheit wäre ich nie auf den Gedanken gekommen den Blog oder mein Buch zu schreiben und anderen Menschen helfen zu wollen. All das Leid dass ich durchmachen musste, und das war sehr intensiv, bekommt einen Sinn. Gestern schrieb mir eine Forumsteilnehmerin zu einem meiner Beiträge dass er ihr „Mut und Hoffnung gebe“. Ist das nicht genial? Ich betrachte meine schlimmen Erfahrungen, von denen ich manche heute noch habe, als mein persönliches Trainingslager für mentale Gesundheit. Ich beobachte und dokumentiere ganze genau was in meinem Kopf auf dem Weg aus der Hoffnungslosigkeit in die geistige Gesundheit passiert. Daher mein Motto: „Die Seele will gesund werden“. Ich bin überzeugt davon. Wenn ich anderen Menschen helfen kann eine Hospitalisation zu vermeiden, eine bessere Einstellung herbeizuführen oder einfach nur einen mutmachenden Impuls zu geben, dann hat all das Erlittene einen Sinn. Dieser gibt mir Kraft und die Resilienz die ich brauche um meinen Alltag zu meistern. Wer ein „warum“ hat für den ist das „wie“ viel leichter erträglich.
    3. Improvisation: Hier geht es um Flexibiltät die uns gesund hält. Ein Bambus ist biegsam und passt sich den Gegebenheiten an, während etwas Starres bei Gegenwind brechen kann. Wasser fließt flexibel um Hindernisse herum. An meiner Hochschule habe ich eine Gruppe für Improvisationstheater gegründet und stand schon oft auf der Bühne. Es geht dabei um das „Ja-Sagen“, das Annehmen von Spielangeboten, das erschaffen von Geschichten und Situationen aus dem nichts, das Aufgeben von Kontrolle. Ohne Skript und ohne Plan, das ist psychische Flexibilität, Team-Work und Intuition auf dem höchsten Niveau. Improtheater als Kunstform ist nicht nur eine spannende und lustige Unterhaltung, es ist für die Schauspieler ein Riesenspaß und fördert die persönliche Entwicklung und eben Resilienz. Einen Impro-Spieler bringt nichts aus dem Konzept und aus der Ruhe, insbesondere Vorstellungsgespräche, Präsentationen und knifflige unvorhersehbare soziale Situationen. In diesen brilliert der Impro-Schauspieler mit seiner Kreativität. Er kann souverän in verschiedenste Rollen schlüpfen und lernt so die vielen Aspekte seines eigenen Charakters besser kennen. Das ist Persönlichkeitsentwicklung pur! Vielleicht gibt es auch Improgruppen in Ihrer Stadt. Schauen Sie sich doch mal eine Vorstellung an, das ist eine hervorragende Abendunterhaltung. Vielleicht werden sogar Workshops angeboten oder man kann in die Gruppe hineinschnuppern und mitmachen. Es lohnt sich. Wer improvisieren kann, ist flexibel und kann sich anpassen wenn etwas unvorhersehbares passiert. Im Impro sagen wir auch „Scheiter heiter“, das nimmt uns den Druck perfekt sein zu müssen und Risiken einzugehen. Scheitern ist erlaubt! Mit dieser Einstellung nimmt man sich selbst den Druck und brilliert damit um so mehr in allen möglichen Situationen. Ja-sagen ist auch ein „Ja“ zum Leben.

    Fazit

    Forrest Gump sagt im gleichnamigen Film:

    „Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel, man weiß nie was man bekommt.“

    Seien Sie flexibel und nehmen Sie das Leben nicht so todernst. Es kommt wie es kommt. Freuen Sie sich über neue Herausforderungen in Ihrer Lebensschule. Akzeptieren Sie sauberes Leid als natürlichen Teil des Lebens und lassen Sie das schmutzige Leid einfach weg. Finden Sie das was Ihrem Leben einen Sinn verleiht. Am Ende zählt welchen positiven Effekt wir auf die Welt hatten und nicht welche Sorgen wir uns gemacht haben. Entdecken Sie die Freude am Improvisieren und schauen Sie sich doch mal eine Impro-Vorstellung an.