Nachtgedanken

Glauben Sie bloß nicht was Sie nachts denken! Nachts verwandeln sich kleine Sorgen oft in existenzielle Bedrohungen. Ich will das Kind beim Namen nennen: Einige meiner „Lieblingsgedanken“ in der Nacht sind zum Beispiel: „Dir geht das Geld aus, du kannst deine Miete nicht zahlen und landest auf der Straße“, oder „Der Teufel kommt dich holen und du landest in der Hölle“, oder „Heute wirst du nicht schlafen können, drehst durch und landest in der Geschlossenen“. Dieser Gedankenmüll soll Sie nicht beunruhigen, sondern deutlich machen: Ich kenne die Abgründe und weiß wovon ich rede.

In der Nacht erscheinen Gedanken und Sorgen oft viel bedrohlicher als sie es tagsüber ohnehin schon tun:

Dafür gibt es mehrer Gründe:

1. Der Wegfall der Ablenkung (Sensorische Deprivation)

Tagsüber sind wir ständig von Reizen umgeben: Licht, Geräusche, Arbeit, Gespräche. Unser Gehirn ist mit der Verarbeitung der Außenwelt beschäftigt. Nachts fällt dieser „Lärm“ weg.

  • Der Effekt: Das Gehirn richtet den Fokus nach innen. In der Stille werden die eigenen Gedanken plötzlich laut. Ohne äußere Referenzpunkte verlieren wir den Maßstab dafür, wie wichtig oder unwichtig ein Gedanke eigentlich ist.
2. Die Biologie: Sinkendes Cortisol und Melatonin

Nachts verändert sich unser Hormonhaushalt massiv.

  • Niedriger Cortisolspiegel: Cortisol hilft uns eigentlich, mit Stress umzugehen. In der Nacht ist der Spiegel am niedrigsten. Wir sind also biologisch gesehen weniger widerstandsfähig gegen Sorgen.
  • Präfrontaler Cortex im Standby: Der Teil des Gehirns, der für Logik, Planung und rationales Abwägen zuständig ist (dein innerer „CEO“), fährt nachts herunter. Das emotionale Zentrum (das limbische System) bleibt hingegen aktiv.
  • Das Ergebnis: Wir fühlen intensiv, können aber nicht logisch gegensteuern. Der „Wahrheitscheck“ fehlt.
3. Das „Evolutionäre Erbe“ (Wachsamkeit)

Früher war die Nacht für den Menschen die gefährlichste Zeit (Raubtiere, Dunkelheit). Wer nachts wach lag, musste besonders wachsam sein.

  • Negativ-Bias: Unser Gehirn scannt die Umgebung (und die eigenen Gedanken) nach potenziellen Gefahren ab. Da es im Schlafzimmer keine Säbelzahntiger gibt, sucht sich das Gehirn „mentale Gefahren“: Existenzängste, soziale Fehler aus der Vergangenheit oder Sorgen um die Zukunft.

Indem wir diese Gedanken als das entlarven, was sie sind – biologisch bedingter Müll –, können wir anfangen, ihnen den Glauben zu entziehen.


Gestern war für mich ein Riesenerfolg. Während ich am Morgen noch mut- und kraftlos auf der Couch lag, absolut keine Lust auf meine Morgenroutine hatte und über die Notaufnahme nachgrübelte, hat sich der Tag im Verlauf radikal gewandelt.

Es fing damit an dass ich eine erste zögerliche Networking Mail für meinen Blog und mein Buch geschrieben habe. Daraufhin kam ich richtig in den Flow und habe die nächsten 3 Stunden weiter nach Kooperationspartnern recherchiert und Networking betrieben. Dann habe ich gespürt dass ich genug geleistet habe für den Tag und ein Regenerationsprogramm brauche. Genug geleistet für heute.

Ich habe mir Essen gemacht, habe ausgeruht, war eine Runde joggen an der frischen Winterluft, habe meine Mental Health Stunde gemacht (siehe Artikel Meine Mental Health Stunde), gesungen, Keyboard und Gitarre gespielt, und 2 Kapitel in meinem Fantasy Roman gelesen. Danach habe ich mir zur Belohnung ausnahmsweise ein Chicken Tikka Masala bestellt, was mir sehr gut geschmeckt hat. Im Laufe des aktiven nachmittags und abends, schlichen sich doch wieder die schlechten Gedanken an, die mir schon wohlvertraut sind. Was wenn es wieder schlimm wird? Ich konnte die Reste der Schatten nicht abschütteln, also habe ich sie angenommen so wie sie sind!

Ich übte mich in radikaler Akzeptanz. Ich hatte den Gedanken dass ich schon so viel geleistet habe heute, diese Erfolge kann mir keiner mehr wegnehmen. Ich legte mich gegen 18 Uhr hin und ließ locker, ließ fließen, nahm die Gedanken einfach nur wahr und bekämpfte sie nicht. Ich dachte, ok, ich akzeptiere. Ich akzeptiere dass Schatten und Gedanken kommen und gehen. Ich habe sehr lange zum Einschlafen gebraucht, aber dass hat mich nicht in Panik und Anspannung versetzt wie früher. Ich beobachtete neugierig und interessiert und ließ sie wie Wellen eines Meeres über mich schwappen, ich bin nicht in Gefahr. Wenn ich heute nicht schlafen kann, dann ist das einfach so und ich gehe damit um. Es kommt wie es kommt. Eine durchwachte Nacht kann ich mir leisten. Ich habe schon Dutzende male die Erfahrung gemacht dass ich trotz schlechter Gedanken einschlafen kann und es am nächsten morgen wieder gut ist. Diese Erfahrung habe ich abgespeichert und konnte die Gedanken langmütig und gelassen vorüberziehen lassen. Ich habe Vertrauen in meinen Körper.

Das hat, glaube ich, nur funktioniert weil ich den Tag über proaktiv war und Selbstwirksamkeit erfahren durfte. Mit meinem Networking, meinem Sport, meiner Mental Health Stunde und dem kreativen, musikalischen Ausdruck, der Leselust und meine Belohnung am Abend. Ich hatte das Gefühl: „Ja, jetzt habe ich richtig was geleistet heute und diese Erfolge kann mir keiner mehr wegnehmen. Der Rest des Tages kann nun kommen wie er kommt“. Wäre ich am Vormittag liegen geblieben und hätte weiter gegrübelt wäre der Tag kein Erfolg geworden.

Ich habe gelernt dass konsequente und radikale Akzeptanz die beste Strategie ist um mit schlechten Gedanken und Gefühlen umzugehen. Die Krisen werden wieder kommen, da mache ich mir keine Illusionen, aber ich habe einen besseren Umgang damit gefunden, das können Sie auch! Sie kommen und gehen, ich gehe damit um und bleibe in der Aktivität so gut ich kann.

Es klingt paradox: Erst indem ich akzeptiert habe, dass ich vielleicht gar nicht schlafen werde, konnte mein Körper zur Ruhe kommen. Der Druck, schlafen zu müssen, um funktionsfähig zu bleiben, ist oft der größte Schlaf-Killer. Radikale Akzeptanz bedeutet in diesem Moment zu sagen: ‚Okay Schatten, wenn ihr hierbleiben wollt, dann setzt euch in die Ecke. Ich gehe jetzt trotzdem in den Ruhemodus.‘ In dem Moment, in dem wir den Kampf aufgeben, verliert der Gegner sein Interesse

Heute morgen bin ich frisch und erholt, genieße meinen Morgenkaffee und freue mich auf weiteres Networking und Aktivität an diesem Samstag. Ich bin zuversichtlich und gelassen.

Hier noch ein Eintrag in meinem Traumtagebuch von heute morgen:

3.1.2026

Ich bin mit Freunden in einem dunklen Korridor. Die Freunde sagen Sie werden von Geistern mit Schwertern angegriffen. Ich sage dass das völlig ungefährlich ist und sie uns nichts tun können. Ich habe keine Angst. Ich sehe einen kleinen grünen Goblin mit einem Schwert vorbeilaufen.

Bedeutung

Passt perfekt zu der Akzeptanz meiner Ängste von gestern und meinem Mantra: “Gedanken sind völlig ungefährlich”

Transformation

Meine Freunde und ich verlassen den Korridor und gelangen in einen riesigen, hellen Thronsaal. Wir stehen dem König auf seinem Thron gegenüber und er beglückwünscht uns zu unserer erfolgreichen Mission. Er schenkt uns eine Kiste voller Gold und Juwelen.

Fazit

Nachtgedanken brauchen uns nicht zu beunruhigen. Es gibt keinen Grund sich zu fürchten. Nehmen Sie sich den Druck schlafen zu müssen und üben sich in Akzeptanz, Langmut und Gelassenheit. Denken Sie an den grünen Goblin, er ist völlig ungefährlich und tut Ihnen nichts, er ist von einem großen gefährlichen Monster zu einem kleinen Kobold geschrumpft. Er darf da sein und wir lassen ihn einfach stehen. Achten Sie darauf tagsüber in die Aktivität zu kommen und ausreichend Bewegung zu bekommen, es ist sehr wichtig für die mentale Gesundheit. Belohnen Sie sich wenn ein Tag gelungen ist mit einem leckeren Essen, einer Tafel Schokolade oder einem alkoholfreien Bier.

Ein frohes Neues 2026

Der Herr spricht: „Siehe, ich mache alles neu.“

Offenbarung 21,5

Lieber Leser, liebe Leserin,

2025 ist nun vorbei. Ein neuer Tag und ein neues Jahr beginnt. Neue Möglichkeiten, neue Erlebnisse und neue Chancen für mehr mentale Gesundheit!

Das letzte Jahr war für mich nicht einfach und für unser Land auch nicht. Es gab viele Krisen und Enttäuschungen, aber auch viele Fortschritte, Entwicklungen und Erfolge. Ich habe viel Zeit auf der Couch mit Grübeln verbracht, andererseits habe ich mich oft an meine Tagesstruktur gehalten, mein Stimmungsprotokoll etabliert, war oft trainieren und habe viele Blog Artikel veröffentlicht, von denen Ihnen vielleicht einige geholfen haben. Auch mein Buchprojekt ist auf dem Weg und hat nun den letzten Schliff bekommen und ist bereit für den Druck. Im März 2026 wird es veröffentlicht.

Gute Vorsätze zu Neujahr sind oft nicht sehr nachhaltig, ich will mir aber trotzdem einige Veränderungen vornehmen und commitments eingehen:

  • 3 mal die Woche Sport mit Geräten und einer Stunde Fahrrad Ergometer
  • Rauchen aufhören sobald ich stabil werde (2 gute Wochen)
  • Gesunde Ernährung mit viel Proteinen und ein mal die Woche Cheat Day mit Burger, Schokolade und Cola
  • in der Kirchenband singen
  • eine erfolgreiche RPK im Therapeutikum in Heilbronn machen
  • gut mit meinem Geld umgehen und sparen, meine Finanzen in Ordnung bringen
  • weniger auf der Couch liegen und mehr Aktivität und Ablenkung

„Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was vorne ist.“

Philipper 3,13-14

Ich reflektiere wo ich stehe mit meiner mentalen Gesundheit. Da sind immer noch deutlich spürbare Ängste und Abgrundgefühle. Letztes Jahr gab es viele mentale Krisen, aber das ist ok. Ich habe seelische Narben, das ist auch OK.

Kennen Sie Kintsugi? Es handelt sich dabei um eine traditionelle japanische Reparaturmethode für Keramik oder Porzellan. Anstatt den Bruch zu verstecken, wird er bewusst hervorgehoben und die Bruchlinien werden mit Gold veredelt.

Die Philosophie dahinter ist dass unsere Brüche und Narben uns wertvoll und einzigartig machen. Wir brauchen sie nicht zu verstecken, sondern können stolz darauf sein, denn sie sind ein wichtiger Teil unserer Geschichte und unserer Identität.

Vor Gott müssen wir nicht perfekt sein. Er nimmt uns an so wie wir sind, mit all unseren Narben, Fehlern und Schwächen. Sie machen das Menschsein erst aus. Wir werden eine neue Schöpfung, eine neue Kreatur. „Siehe, ich mache alles neu“ verspricht uns der Herr.

2025 bin ich mit meiner Krankheitsakzeptanz einen guten Schritt weitergekommen. Ich akzeptiere, dass ich eine chronische, psychische Erkrankung habe und es nicht immer so läuft wie ICH das gerne hätte. Ich erkenne es an als Teil meines Lebens, ohne mich mit der Krankheit zu identifizieren und es mir mit meiner Diagnose bequem zu machen. Ich kämpfe. Für meine Gesundheit und für mein Glück. Ich vertraue auf meine Stärke. Ich bin für mein Leben verantwortlich und diese Verantwortung gebe ich nicht her. Ich bin frei. Ich kann tun und lassen was ich will. Ich bin sicher. Ich bin geborgen. Ich bin nicht alleine und das Leben hat mir wertvolle Menschen an die Seite gestellt die mich unterstützen. Ich kämpfe für alle meine Freunde, Familie und Gemeindemitglieder, denn alle glauben an mich. ICH glaube an mich. Jesus glaubt an mich.

Es gab viele Krisen. Momente der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Ich lag oft auf der Couch und gab mich den schlechten Gedanken hin. Wie eine Lawine aus Zwangsgedanken, wie festgenagelt, erstarrt, wie eingeschlossen in Ängsten und Gedanken. Aber diese Krisen gehen vorbei! Am nächsten Tag ist der Spuk vorbei und ich darf jeden morgen neuen Mut und neue Kraft schöpfen. Ich bin zu keiner Zeit in Gefahr denn der Herr ist bei mir auch wenn ich ihn manchmal nicht spüren kann. Manchmal sah ich keinen Ausweg und keine Lösung und keinen Sinn. Manchmal habe ich den Mut verloren. Aber das Leben geht weiter! Rückschläge gehören zum Genesungsweg absolut dazu! Die Heilung verläuft nicht linear und es gibt Umwege und Rückschritte. Die Hauptsache ist: Wir sind auf dem Weg und geben unser Bestes! Gott macht den Rest. Die Hoffung trägt uns durch die schwierigsten Zeiten. Die Ewigkeit ist mein zuhause.

Einige male war ich reif für die Notaufnahne, aber ich habe jedes mal wieder die Kurve gekriegt und nach einer guten Nacht ging es mir jedes mal wieder besser. Nach einem schlimmen Tag kommt immer ein guter Tag. Dieses Muster kenne ich seit Jahren.

Es fällt schwer diese Höhen und Tiefen, dieses Wechselbad der Gefühle zu akzeptieren. Aber was bleibt mir anderes übrig? Ich gebe mein Bestes. Jeden Tag. Ich bemühe mich und versuche mich in eine Lebensrealität zu bewegen in der alles leicht und schön ist. Ich habe Zeit. Ich bin immer noch jung, gesund und gesegnet und kann meine Träume verfolgen und meine Ziele erreichen. Ich werde Genesungscoach. Ich werde das Meer wieder sehen. Ich werde wieder auf der Bühne stehen. Gott hat mir Begabungen und Talente ins Herz gelegt. Die will ich nutzen und IHM nachfolgen. Ich lasse mich nicht unterkriegen von schlechten Gefühlen und Gedanken. Schatten dürfen kommen und gehen. Das ist ok. Ich mache einfach weiter und konzentriere mich auf Chancen und Lösungen, statt auf Sorgen und Probleme.

Vielleicht werde ich nicht zu 100% gesund, aber hauptsache stabil so dass ich das Leben das ich geschenkt bekommen habe genießen und das beste daraus machen kann. Ich nutze meine Spielräume. Es ist nicht immer schlecht und ich habe tolle Fortschritte gemacht.

Ich bin gelassen, fröhlich und dankbar für all die tollen Dinge und Menschen in meinem Leben.

Vielleicht wird 2026 mein Jahr. Ich freue mich über neue Chancen und Gelegenheiten. Mein Buch kommt und das Therapeutikum kommt. Ich gehe fröhlich und gelassen in ein neues Jahr und schreibe noch viele weitere Blog Artikel die Sie, liebe(r) Leser(in) hoffentlich auf Ihrem eigenen Weg begleiten und Mut machen.

Ich freue mich über E-Mails und Kommentare.

Für Ihre mentale Gesundheit 2026 alles gute!

Gott versorgt mich

„Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?“

Der Bibeltext aus der Bergpredigt (Matthäus 6,26) ist einer der zentralen Texte der christlichen Seelsorge. Er richtet sich direkt an das menschliche Grundbedürfnis nach Sicherheit und die Urangst vor dem Mangel.

Ich will ehrlich sein. 2025 war ein schwieriges Jahr. Ich hatte phasenweise nicht genug Geld für die Miete und musste Kippenstummel aus dem Aschenbecher fischen, weil ich kein Geld für Zigaretten hatte. Wie erniedrigend.

Doch, es ging immer irgendwie weiter und ich konnte den finanziellen Engpass managen. Oft habe ich mir aber katastrophisierende Gedanken gemacht wie ich im Januar meine Rechnungen und die Miete nicht zahlen kann und aus meiner Wohnung fliege, da mein Wohngeld Ende des Jahres ausläuft und beim Geld vom Amt gibt es Komplikationen mit der Zuständigkeit. Was mir geholfen hat, war, mich auf Chancen und Lösungen zu konzentrieren. Ich habe alle Anträge gewissenhaft und sorgfältig erledigt, meine Sozialarbeiterin engagiert sich für mich und ich habe meine Freunde und Familie um Hilfe gefragt. Mit Mut und Geduld lässt sich jedes Problem lösen!

Einer der Freunde versorgt mich mit Tabak, ein anderer leiht mir Geld für die Miete und einer meiner Verwandten und jemand aus der Gemeinde helfen mir mit Lebensmittel einkaufen. Ich stehe nicht alleine da! Ich brauche mich nicht zu schämen Hilfe anzunehmen wenn ich in Not bin. Gott versorgt mich und hat mir Menschen an die Seite gestellt die mir helfen.

Gott weiß um alles was ich brauche und versorgt mich. Die Existenzängste die ich dieses Jahr ausgestanden habe waren völlig unnötig! Gott versorgt mich! Nun habe ich Essen, Trinken, Tabak und genug Geld für Miete und Rechnungen für Anfang nächstes Jahr. Damit habe ich nun den Kopf frei mich auf meine Tagesstruktur und mentale Gesundheit zu konzentrierern und mich auf die RPK in Heilbronn vorzubereiten.

Danke Herr, du siehst mich und weißt was ich brauche. Herr, du versorgst.

„Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen?“

Der Jahreswechsel steht bevor und gestern hatte ich einen besinnlichen Heilig Abend Gottesdienst in dem ich mich sehr wohl gefühlt habe. Wir haben schöne Weihnachtslieder gesungen und es gab eine einfühlsame Predigt über die Geburt von Jesus.

Mein Stimmungsprotokoll sieht seit 4 Tagen gut aus. Ich gehe zuversichtlich ins neue Jahr, ich vertraue auf Gott dass er mich auch 2026 mit allem versorgt was ich brauche. Das Therapeutikum kommt in mein Leben, da bekomme ich langfristig die Hilfe die ich brauche um wieder fit für den Beruf zu werden und wieder auf die Füße zu kommen.

Vertrauen auch Sie auf Gottes Versorgung und darauf dass es immer irgendwie weitergeht und dass es Ihnen nicht mangeln wird. Konzentrieren Sie sich auf ein Leben in Fülle und das Universum (Gott) wird es Ihnen schenken. Sie haben es verdient!

Psalm 23
Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquickt meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Heilung ist keine Belohnung für gutes Benehmen oder harte Arbeit. Sie ist ein Geschenk der Gnade. Sie müssen nicht perfekt sein, um versorgt zu werden. Sie musst nicht „funktionieren“, um geliebt zu werden. Gott schenkt die Fülle nicht, weil wir so toll sind, sondern weil ER so gut ist.

Plötzlich tauchen Menschen auf, die uns unterstützen; Türen öffnen sich, die jahrelang verschlossen schienen; und ein tiefer Frieden zieht ein, der über unseren Verstand hinausgeht.

Das Geheimnis ist, im „Heute“ zu leben und darauf zu vertrauen, dass für das „Morgen“ bereits gesorgt ist.

Ich wünsche Ihnen ein erfolgreiches Jahr 2026

Brief ans innere Kind

Lieber kleiner Niko,

mein Schatz du hattest es wirklich sehr schwer und hast es immer noch. Papa war so krank und nur mit sich selbst beschäftigt. Du hast dich von ihm verraten gefühlt als er ging. Mama und Papa haben sich getrennt, du hast dich so schlecht gefühlt deswegen. Kleiner Niko, du kannst nichts dafür, es ist nicht deine Schuld, Papa wollte mit dir reden, aber du warst nicht bereit dafür. Er und sein blödes Pflegeheim, seine Depressionen und seine blöde MS. Du hattest den Eindruck dass Papa dich nicht liebt und nicht stolz auf dich ist. Oft tust du Dinge in deinem Leben um ihm zu gefallen und dass er dich liebt.

Er hat dir nicht geholfen, als deine Mitschüler und Verwandten gemein zu dir waren. Das hätte er tun sollen! Du hast dich so alleine gefühlt und die Videospiele haben dich getröstet. Schon im Kindergarten und später in der Schule waren die anderen Kinder gemein zu dir und haben dich gehänselt. Du kannst nichts dafür, du hattest einfach Pech. Du wolltest doch einfach nur geliebt und angenommen werden und mit den anderen befreundet sein. Du hast wirklich viel mitgemacht. Einmal im Tae Kwon Do standest du einem anderen Jungen gegenüber und der ärgerte dich und sagte „Ich will dass er weint“. Die Mitschüler haben dich als Weichei beschimpft und dir unzählige Gemeinheiten zugefügt. Es war wie eine Folter für die Seele, du hast so gelitten und warst so einsam. Niemand hat dir geholfen. Später hast dich dem Haschich und dem Satanismus zugewandt um diese schreckliche innere Leere zu betäuben. Ich habe uns viel zugemutet.

Mama war immer für dich da aber letztes Jahr ist sie von uns gegangen, das hat dich sehr traurig gemacht. Sie hat sich so viele Sorgen um dich gemacht, dafür kannst du nichts. Sie wird nicht mehr für dich singen, für dich kochen und mit dir spazieren gehen. Aber in deinem Herzen lebt sie weiter. Dort wo sie jetzt ist geht es ihr gut, sie schaut auf dich herab und ist stolz auf dich! Sie hat Kinder so sehr geliebt und vor allem ihre eigenen, Lucija und dich. Sie war so ein wunderbarer Mensch, der wichtigste in deinem Leben. Jetzt ist sie nicht mehr da, aber irgendwann wirst du sie wiedersehen.

Diese Welt war sehr gemein zu dir und du musstest viel aushalten und durchmachen. Ich sehe wie sehr du gelitten hast. Du hast dich ein bisschen versteckt, weil du den Schmerz einfach nicht mehr ausgehalten hat. Der Stress im Studium und bei der Arbeit den ich uns zugemutet habe waren so schwer für dich und ich habe nicht gut genug auf dich gehört und auf dich aufgepasst. Kleiner Niko, es tut mir leid.

Aber nun bin ich, der erwachsene Niko für dich da. Du darfst zurückkommen. Du willst lachen und spielen und dich freuen. Das darfst du! Ich passe jetzt gut auf uns auf und wir gehen nicht mehr in die Überforderung wie früher. Lieber kleiner Niko, ich sende dir heute eine extra Portion Liebe und Fürsorge, komm zurück, du brauchst dich nicht mehr verstecken, denn ich passe jetzt gut auf dich auf und tröste dich.

Denk dran wie toll dir deine Freunde diesen Monat geholfen haben und dass wir bald nach Heilbronn zur Langzeittherapie gehen dürfen. Da bekommen wir Hilfe. Denk auch dran dass du einen himmlischen Papa hast, der für uns sorgt und uns nicht im Stich lässt. Auf IHN können wir vertrauen. Er macht uns gesund. Verlass dich drauf. Du bist nicht allein! Du hast so viele tolle Menschen um dich herum, die dich mögen und schätzen. Die gemeinen Menschen habe ich aussortiert und sie tun mir nichts. Die Welt ist jetzt gut zu dir und alle glauben an dich. Denk daran wie toll wir das Buchprojekt hinbekommen haben. Denk dran wie toll wir in der Kirchenband gesungen und Menschen berührt haben. Ist das nicht toll?

Denk an Mamas Wiegelied mit dem Marienkäfer. Das ist die schönste und eine der ersten Erinnerungen deines Lebens. Es symbolisiert dein Urvertrauen in diese Welt. Das Vertrauen und die Geborgenheit in Mama als du noch ganz klein warst

Buba Mara

Jedne noći bubamara
jako tužna bila,
neko joj je sakrio
tačkice sa krila.
Plakala je u samoći
na mirisnom cvetu,
niko od nje nije bio
tužniji na svetu.
U zoru je došlo sunce,
presrećna je bila,
ono joj je vratilo
tačkice na krila…

Übersetzung

Hier ist die direkte Übersetzung deines Textes ins Deutsche, so nah wie möglich am Original:

Eines Nachts war ein Marienkäfer sehr traurig, jemand hat ihm versteckt die Punkte von den Flügeln.

Er weinte in der Einsamkeit auf einer duftenden Blume, niemand auf der Welt war trauriger als er.

Im Morgengrauen kam die Sonne, da war er überglücklich, sie hat ihm zurückgegeben die Punkte auf die Flügel…

Wenn du mal traurig bist, denk an dieses Lied dass Mama für dich gesungen hat und erkenne: Du bist getröstet und geborgen und die Welt meint es gut mit dir.

Denk daran dass du bald das Meer wiedersehen und Gemeinschaft mit deiner Schwester Lucija haben wirst.

Lieber kleiner Niko, sei fröhlich und trotz aller Schmerzen die du erleiden musstest, sei gewiss dass nun auch die Heilung geschehen darf. Wir werden ein Vorbild für psychisch, kranke Menschen sein und so vielen wie möglich helfen. Hab Vertrauen in Gott und ins Leben, kleiner Niko. Die Welt meint es gut mit dir, du kannst jetzt heilen und Vertrauen fassen und neuen Mut schöpfen. Zusammen schaffen wir das! Wir sind ein unschlagbares Team, du und ich.

Dein (erwachsener) Niko

Der Staudamm-Effekt

Der emotionale Stausee

Seit Jahren beobachte ich ein Muster bei mir. Ich habe eine intensive Krise mit heftigen Zwangsgedanken, danach kommt immer ein sehr entspannter, erfolgreicher Tag, dann 2 bis 3 Tage gemischt, dann kommt eine neue Krise. Diese kündigt sich oft vorher an und ich merke ganz deutlich dass sich da was „zusammenbraut“. Ich kann mich den Gedanken nicht entziehen und lande auf der Couch, kämpfe mit meinen Gedanken und leide, manchmal nehme ich Bedarfsmedikation und kann irgendwann einschlafen. Am nächsten Morgen ist der Spuk vorbei und ich schöpfe neuen Mut und neue Kraft.

Dieses Muster ist sehr belastend und anstrengend. Was ist da los mit mir? Und was kann ich dagegen tun? Ich habe etwas recherchiert und bin dabei auf ein Phänomen gestoßen welches diesen Teufelskreis seht gut auf den Punkt bringt: Die Rede ist vom sogenannten Staudamm-Effekt.

Mein Selbstbild und die Rolle des präfontalen Kortex

Es ist so dass ich ein gewisses Bild von mir habe: Ich möchte erfolgreich, lieb und gesund sein. Ängste, schlechte Gedanken und Sorgen passen nicht in dieses idealisierte Bild und deswegen versuche ich sie (unbewusst) konstant zu unterdrücken. Diese Aufgabe übernimmt der präfontale Kortex (PFC), welcher in diesem Fall stets bemüht ist die Emotionen aus tiefergehenden Gehirn Arealen zu stoppen und auszumerzen (emotionale Suppression). Ich erlaube mir diese Gedanken nicht so als wären sie „verboten“. Alle paar Tage ermüdet dieser PFC und die angestauten Gedanken brechen sich Bahn. So erlebe ich es seit Jahren und das Muster wiederholt sich wieder und wieder. Die Gedanken die da auf mich einprasseln sind die verstörendsten die sich mein Gehirn nur ausdenken kann. Ja, es sucht richtig nach den Gedankeninhalten die größtmöglichen Ängste verursachen. Das sind sexuelle, aggressive und blasphemische Gedanken die oft mit vergangenen Psychosen, Bildern aus Horrorfilmen und Videospielen assoziiert sind. Beispiele aus diesen Denkinhalten möchte ich Ihnen an dieser Stelle ersparen, ich schäme mich etwas dafür.

Es ist wie ein Karussel dass ich immer schneller dreht und ich verliere die Fähigkeit meine Gedanken zu steuern und handlungsfähig zu sein. Alle 15 Minuten gehe ich roboterhaft auf den Balkon um zu rauchen. Wenn es nicht mehr auszuhalten ist nehme ich das Diazepam was in der Regel ganz gut hilft so dass ich irgendwann einschlafen kann.

Diese Unterdrückung von Gedanken und Gefühlen füllen den Stausee und sind nicht nur sehr anstrengend sondern auch sinnlos.

Ein neuer Lösungsansatz

In meinem letzten Artikel „Ich akzeptiere mich so wie ich bin“ habe ich über eine bessere Krankheitsakzeptanz berichtet. Ich möchte anerkennen dass ich eine chronische , psychische Erkrankung habe und das schlechte Gedanken und Gefühle noch einfach zu meiner Realität dazugehören. Wie finde ich einen besseren Umgang damit, so dass ich erfolgreich und glücklich meine Ziele und Träume verfolgen kann?

Wie gehe ich mit diesem Staudamm-Effekt in meinem Leben auf eine proaktive und gesunde Weise um?

Ich bin auf eine Technik gestoßen die sich „Sorgenzeit“ nennt. Sie stammt aus der kognitiven Verhaltenstherapie und wird oft bei generalisierter Angststörung empfohlen. Ich habe mit meiner Ärztin Rücksprache gehalten und sie hat mir empfohlen es auszuprobieren.

Die Idee ist simpel: Ein mal am Tag zu einer festen Uhrzeit, nimmt man sich (schriftlich) 30 Minuten Zeit um sich hemmungslos zu sorgen und negative Gedanken zu haben und zu ängstigen. So finden Sorgen und Ängste ein mal täglich ihren Raum und werden „externalisiert“, d.h. man bekommt sie auf den Kopf statt sie wie bisher zu unterdrücken. Ich habe es ausprobiert und meine tägliche Mental Health Stunde um 15 Uhr angepasst. Ich nehme mir eine halbe Stunde um in, ich nenne es so, mein Mülltagebuch zu schreiben. Ich setze mir einen Timer. In dieses Mülltagebuch schreibe ich die verstörendsten und düstersten Gedanken die sich mein Gehirn nur ausdenken kann, ich lasse alles ungefiltert heraus. Schlechte Gedanken, Ängste, Sorgen und Katastrofenszenarien. Bis der Timer klingelt. Dann ist die Zeit für Ängste und SOrgen vorbei und ich kann mich wieder dem Alltag zuwenden. Wenn ich nun tagsüber schlechte Gedaken habe, lasse ich sie zu und vorbeiziehen und sage mir „Ok, da habe ich in meiner SOrgenzeit Zeit dafür“ und schiebe den Gedanken sanft beiseite.

Meine neue „Mental Health“-Stunde

Nach der Sorgenzeit (wichtig) entsorge ich die Inhalte, in meinem Fall in dem ich die angelegten Texte lösche. Es ist wie ein Ritual. Danach tanze ich, mache eine heiß/kalte Dusche (wie eine symbolische Reinigung), dann ist Zeit für Progressive Muskelrelaxation, Body scan und eine kurze Sitzmeditation und Gebet. Details zu meiner mental health Stunde finden sich in diesem Artikel.

Diese neue Mental Health Stunde habe ich nun fest in meinem Alltag eingeplant, mit dem Ziel dem Staudammeffekt proaktiv entgegenzutreten.

In den nächsten Tagen will ich davon berichten ob meine neue Strategie Erfolg hat. Ich halte Sie auf dem Laufenden.

Vielleicht profitieren auch Sie von der „Sorgenzeit“ und finden, wie ich, einen besseren Umgang mit dem gefürchteten „Staudamm-Effekt“.

Ich akzeptiere mich so wie ich bin

Gestern hatte ich ein erhellendes Gespräch mit meiner Psychiaterin. Wir haben den Staudammeffekt besprochen, die Tatsache dass ich im Alltag Gedanken und Gefühle unterdrücke und sich diese alle 3,4 Tage Bahn brechen.

Meine Ärztin ist der Meinung ich habe ein zu starres Selbstbild von mir und versuche krampfhaft zu funktionieren und eine Fassade zu wahren. Ich soll akzeptieren dass ich eine chronische, psychische Erkrankung habe und flexibler werden.

Da könnte etwas dran sein. Ich bin in meinem Denken sehr auf Erfolg getrimmt und möchte es immer allen recht machen. Es gibt bei der ganzen Sache einen Gedanken der mir große Angst macht: „Was wenn ich nicht gesund werde?“ Ganz gesund zu werden ist das was mir immer Hoffnung und die Kraft weiterzumachen gegeben hat!

Ich muss gestehen, auch auf diesem Blog habe ich es oft propagiert (verzeihen Sie mir das), dass Gesundheit eine Entscheidung, ein Akt der Willenskraft ist und sich der Erfolg automatisch einstellt wenn man sich nur genügend optimiert und anstrengt. So einfach ist es leider nicht. Das Thema mentale Gesundheit ist viel komplexer.

Ich hatte vorgestern das Erlebnis, dass trotz Tagesstruktur, trotz Sport und Entspannungstraining doch wieder eine Krise kam. Dann war ich wütend, traurig und enttäuscht. Ich fand es unfair vom Leben dass ich wieder in Schwierigkeiten kam obwohl ich mir solche Mühe gebe gegenzusteuern.

Ich war deprimiert, warum soll ich mich noch anstrengen und mich weiter abstrampeln wenn ich eh chronisch krank bin und es nicht besser wird?

Dann kam aber eine wichtige Erkenntnis. Die Krankheit als Teil meines Lebens zu akzeptieren, ist kein resigniertes Aufgeben, im Gegenteil! Es ist ein Akt der Selbstliebe und Selbstfürsorge! Es geht darum eine realistische Perspektive auf das eigene Leben zu gewinnen, die Spielräume zu nutzen die man hat, sich über kleine Dinge zu freuen.

Ok, vielleicht werde ich nicht zu 100% gesund, aber dass ist doch nicht so schlimm. Mein Leben ist immer noch gut und lebenswert! Ich habe mein Leben im Griff. Ich kann immer noch meine Träume und Ziele verfolgen, ich kann sie erreichen, ich kann glücklich sein und das ist doch die Hauptsache. Es geht um ein mitfühlendes Anerkennen von dem was ist. Eine neue, positive Perspektive MIT einer chronischen, psychischen Erkrankung.

Ich akzeptiere mich nun so wie ich bin. Ich bin ok! Ich bin genug! Ich bin wertvoll! Ich bin was Besonderes. Auch wenn ich Schwierigkeiten habe, ich lebe mein Leben gerne!

Ich freue mich über all das was positiv in meinem Leben ist: Mein guter Schlaf, mein regelmäßiges Training, meine Freude am Lesen, meine Freunde und Familie, meine tägliche Morgenroutine und Tagesstruktur, der erste Morgenkaffee.

Bald kommt die Langzeittherapie in Heilbronn in mein Leben und ich treffe meine neuen WG-Freunde. Für das Geld findet sich eine Lösung.

Im ersten Moment fühlte sich das Thema Krankheitsakzeptanz wie eine große Niederlage an. Das ist verständlich. Es ist aber kein Scheitern sondern die Chance mit einem ewigen Kampf und Dauerstress alles kontrollieren zu wollen aufzuhören. Sehr viel Energie verschwende ich darauf meine Emotionen und Gedanken auszumerzen und im Griff haben zu wollen, weil ich unbedingt funktionieren will. Ich mache meinen Mitmenschen etwas vor und trage eine Maske die signalisiert: „Ich bin gut. Ich bin toll. Mein Leben ist super. Gib mir Anerkennung“

Wenn ich lerne diese Gedanken und Gefühle loszulassen und zuzulassen habe ich mehr Energie für meine Träume und Ziele! Das ist Selbstmitgefühl! Ich bin oft hart und grausam zu mir. Ich will lernen loszulassen und etwas flexibler zu werden. Ich will mich annehmen so wie ich bin: Unvollkommen aber einzigartig! Mit all meinen Fehlern und Erfolgen. Ich will aufhören gegen mich selbst zu kämpfen und ich darf einfach nur „sein“. Ich bin ein Mensch und darf Fehler und Schwächen haben. Ich darf schlechte Gedanken und Gefühle haben, ich darf mich manchmal unwohl fühlen, dann ist das einfach so. Ich bin wertvoll auch wenn ich nicht perfekt bin und nicht das alles leisten kann was ich gerne leisten würde.

Ich bin gar nicht so weit von einer guten Lebensrealität weg, aber ich habe noch einen weiten Weg vor mir, das ist ok. Heute gehe ich fröhlich und gelassen in meinen Alltag MIT Schizophrenie. Ich schenke mir heute eine extra Portion Liebe, Mitgefühl und Selbstfürsorge.

Schluss mit Doom Scrolling

Eine etwas überspitzte Behauptung, die oft zitiert wird lautet: Der moderne Mensch der Informationsgesellschaft konsumiert an einem Tag so viele Informationen wie ein Bauer im Mittelalter in seinem ganzen Leben. Auch wenn dieser Vergleich etwas gewagt ist, so verdeutlicht er doch dass wir in der heutigen Zeit massiv von Werbebotschaften, Nachrichten und Informationsschnippseln bombardiert werden (Informationskonfetti). Unser Smartphone verbindet uns zu jeder Zeit mit der ganzen Welt, in allen Cafés hängen Bildschirme, wir nutzen Laptop, Tablet, Fernseher und an auch an Haltestellen hängen digitale Screens.

Der Informationsflut kann man sich nur schwer entziehen. Was konsumieren wir da an Informationen Tag für Tag?

Negative Berichterstattung

Es ist so dass im letzten Jahrzehnt die Negativität von Schlagzeilen und Berichterstattungen massiv zugenommen hat. Untersuchungen zeigen dass Wörter wie „Angst“ oder „Krise“ immer stärker vertreten sind. Wir leben in unsicheren Zeiten. KI revolutioniert gerade unsere Gesellschaft, am Rande Europas herrscht Krieg, es gibt soziale Spannungen, der Wirtschaft geht es schlecht. All das erzeugt in uns tiefe Unsicherheit. Das Lesen von Nachrichten, auch wenn sie schlecht sind vermittelt uns ein Gefühl von Kontrolle.

Nun ist es so dass unser menschliches Gehirn, negative Nachrichten priorisiert und als wichtiger empfindet als positive (negativity bias). Das hat einen guten Grund. Der Steinzeitmensch musste auf Gefahren wie wilde Tiere stärker reagieren und Stress auslösen, damit er weglaufen oder fliehen kann. Das negative Bewerten, das Gefühl von Gefahr war lebensnotwendig. Das führt dazu dass Journalisten und Influencer heute immer düsterere Schlagzeilen produzieren, welche fleißig in Social Media geteilt werden, denn negative Nachrichten bekommen mehr klicks, likes und shares, die Währung unserer Informationsgesellschaft. Klicks bedeuten platzieren von Werbung und das widerum bedeutet Geld für die Informationsproduzenten.

Doom Scrolling

Ein Phänomen unserer Zeit in diesem Zusammenhang ist das sogenannte „Doom Scrolling“ (Doom zu deutsch: Verderben/Untergang): Das exzessive Konsumieren negativer Nachrichten. Studien zeigen dass ein nur 5 minütiger Konsum negativer Nachrichten am morgen zu Erschöpfung am Abend führen kann. Doom Scrolling macht krank. Mann spricht auch von sog. „Infoviren“. So wie mit einem Schnupfen können wir uns auch mit solchen Infoviren anstecken, wenn wir nicht immun dagegen sind. Wie ein Virus verbreiten sich schädliche Informationen im Netz in dem sie kopiert und geteilt werden. Sie schaden unserer mentalen Gesundheit. Wer zu viel negative Nachrichten konsumiert, neigt mehr zu Angst, Erschöpfung und Depression.

Zudem sind viele dieser Nachrichten einfach nicht wahr! Sie sind durch ihre Dramatik hervorragendes „click-bait“, und nur darum geht es den Verbreitern dieser „fake news“. Wer in einer negativen „filter bubble“ steckt bekommt immer wieder Inhalte präsentiert, die nicht nur schwarzmalerisch sind, sondern auch immer das bestätigen was die Person oder Gruppe ohnehin schon denkt. Zum Beispiel: Unsere Gesellschaft steht kurz vor dem Kollaps und Bürgerkrieg. Oder (auch sehr beliebt): Der dritte Weltkrieg steht kurz bevor.

Verschwörungstheorien immer beliebter

Auch Verschwörungstheorien werden so verbreitet, zum Beispiel: „Das Covid Virus wurde von geheimen Eliten in die Welt gebracht um die Bevölkerung zu reduzieren“ und weitere vermeintlich dunkle Machenschaften. Sie liefern einfache Erklärungen für eine chaotische, ungewisse Welt. Sie liefern einfache Feindbilder die man bekämfen oder denen man ausweichen kann und liefern Sicherheit in Zeiten der Komplexität. Das ist weniger beängstigend als eine unsichtbare Bedrohung (z.bsp Covid). Dazu kommt das Gefühl man habe „den Plan“ durchschaut und es kann eine Gruppenidentität von gleichgesinnten Anhängern der Theorie entstehen (stillt ein soziales Bedürfnis)

Die Realität wird so in der Wahrnehmung vieler Menschen verzerrt und der Bezug zu ihr geht verloren. Teile der Bevölkerung steigern sich so in einen kollektiven Wahn. (dieser ist strukturell ähnlich wie der Wahn in der parnoiden Schizophrenie, aber nicht identisch) Das ist sehr gefährlich für unsere Gesellschaft und ein friedliches Miteinander.

Informationshygiene

Es ist daher sehr empfehlenswert, das Doom Scrolling zu vermeiden und etwas für die mentale Gesundheit zu tun. Man spricht auch von Informationshygiene. Interessanterweise haben Studien ergeben dass sich Testpersonen nach dem Konsum negativer Nachrichten besser fühlen wenn sie sich danach die Hände waschen.

Die Welt ist wie sie ist: ungewiss und wechselhaft. Sollten wir nun Nachrichten grundsätzlich vermeiden? Nicht ganz, es ist sinnvoll einigermaßen informiert zu sein, damit sich der Mensch für wichtige Themen in unserer Gesellschaft engagieren kann die uns alle betreffen. Aber: seien Sie sparsam und beschränken sich auf maximal eine Stunde pro Tag, idealerweise in der Mittagszeit. Wählen Sie seriöse Nachrichtenquellen, zum Beispiel eine gute Zeitung wie „die Zeit“ oder die „FAZ“. Verzichten Sie auf das Informationskonfetti und nehmen sich Zeit für Artikel die gut recherchiert, relevant sind und Hintergrundinformationen bieten. Das kann dazu beitragen, die Welt in der wir leben besser zu begreifen und realistisch einzuschätzen. So werden wir handlungsfähig als Akteure unserer Gesellschaft.

Tun Sie etwas für Ihre mentale Gesundheit und setzen Sie Nachrichten sparsam ein. Empfehlenswert sind auch „digitale Diäten“ (auch digital detox genannt), so dass man abends oder am Sonntag, oder manchmal sogar für eine Woche ganz bewusst auf Smartphone und Nachrichten verzichtet.

Viel Erfolg beim gesunden Umgang mit Nachrichten.

Meine tägliche „Mental Health“-Stunde

Liebe Leser,

heute geht es um ein sehr wichtiges Thema und es ist mir ein Herzensanliegen ausführlich darüber zu berichten, denn in den letzten Wochen fand ich für mich persönlich einen wertvollen Schlüssel zur mentalen Gesundheit.

´´Das Stichwort lautet „Prophylaxe“ im Kontext von aktiver Entspannung. Es ist wichtig nicht erst entspannen zu wollen wenn es einem schlecht geht um kurzfristig das miese Gefühl loszuwerden. Langfristig viel effektiver ist es sich eine feste Stunde am Tag für ein mentales Erholungsprogramm zu reservieren.

Ich mache das mittlerweile täglich um 15 Uhr. Die Morgenroutine hilft mir für einen gelungenen Start in den Tag (auch wichtig, siehe Artikel Morgenroutine), dann gestalte ich meinen Alltag, mache meine Mittagspause und gegen 15 Uhr startet jeden Tag mein mental health Programm. Es dauert etwa 60 Minuten und hält mich langfristig geistig gesund.

Und so sieht meine Mental Health Stunde aus:

  1. Tanzen

Ich mache mir eine fröhliche Technomusik an und ein bis zwei Lieder bewege ich mich hemmungslos zur Musik. Das verbraucht überschüssige Energie im System, reduziert Stress und den Kortisol-level im Blut. Das wichtigste: Es macht einfach Spaß! Haben Sie einfach Freude an der Bewegung und tanzen Sie so wie es sich für Sie am Besten anfühlt. Es geht dabei um „Ausdruck“ und Verarbeitung von Gedanken und Gefühlen.

hier ein paar Beispiele für Songs auf youtube die besonders geeignet sind:

Oder wenn Sie es rockiger mögen

2. heiß/kalt duschen

Wechselduschen oder andere Kälteanwendungen wirken als mental-physischer Reset, indem sie dem Körper einen kontrollierten Stressreiz (Hormesis) auslösen. Dieser Kälteschock aktiviert das sympathische Nervensystem und führt zu einer sofortigen, starken Ausschüttung von Neurotransmittern wie Dopamin, Noradrenalin und Beta-Endorphinen, was einen Euphorie-Kick und gesteigerte Wachheit zur Folge hat. Es ist gut für die Durchblutung, das Immunsystem und ist super entspannend

3. Progressive Muskelrelaxation (PMR)

Als nächstes lege ich mich auf mein Bett und suche mir auf youtube eine geführte PMR aus, je nach Lust und Laune 10, 15, 20 oder sogar 30 Minuten. Die Progressive Muskelrelaxation (PMR) reduziert effektiv körperliche und mentale Anspannung, indem sie durch das bewusste An- und Entspannen spezifischer Muskelgruppen tiefe Entspannung und Stresslinderung ermöglicht.

Hier ein Link:

4. Body Scan

Mittlerweile sollten Sie schon einen deutlich entspannteren Grundzustand erreicht haben und richtig gut alle mentalen Anspannungen loslassen können, nun geht es noch einen Schritt weiter, mit einem geführten Body Scan. Der Body Scan fördert durch die achtsame und nicht-wertende Wahrnehmung aller Körperregionen von Kopf bis Fuß die tiefe Entspannung und schärft das Körpergefühl. Im Anschluss werden Sie in sich ruhen und ein wohliges Gefühl breitet sich in Körper und Geist aus. Wenn Gedanken abschweifen, das ist ganz normal! Holen Sie sich immer wieder freundlich zur Übung zurück

Link:

5. Formale Meditation

Haben Sie ein Meditationskissen und eine Glocke? Wenn ja, nutzen Sie dieses für eine 15 minütige formale Sitzmeditation. Sie können sich dafür einen Timer stellen und wenn Sie mögen sich eine Entspannungsmusik anmachen (Link). Fokussieren Sie sich auf den Atem und lassen Sie alle Gedanken vorbeiziehen wie Wolken am Himmel

6. Abschluss

Die Mental Health Stunde ist nun absolviert. Bedanken Sie sich bei sich selbst dass Sie sich nun Zeit für sich und Ihre mentale Gesundheit genommen haben.

Das klare Fazit ist: Durch die tägliche, bewusste Reservierung dieser Stunde schaffen Sie einen unverrückbaren Anker der Erholung im Alltag, trainieren nachhaltig Ihre Resilienz (Widerstandsfähigkeit) gegen Stress und kultivieren ein tiefes, wohliges Gefühl der Gelassenheit und mentalen Stärke, das weit über den Moment der Entspannung hinaus Bestand hat. Probieren Sie es aus!

Viel Erfolg mit Ihrem neuen Tool, der täglichen „Mental Health“-Stunde.

Der Weg zum authentischen Selbst

Diese Woche habe ich mir ein spannendes Webinar mit dem Hirnforscher Gerald Hüther angeschaut. Das Thema war „zu sich selbst finden“.

Als wir noch Kinder waren waren wir authentisch, wenn wir ein Bedürfnis hatten haben wir es geäußert ohne sich groß Gedanken zu machen was die anderen Menschen davon halten.

Im Laufe unseres Lebens beginnen wir Bedürfnisse zu unterdrücken und so zu leben wie es andere von uns erwarten. Wir lernen, wenn wir uns so verhalten wie die anderen es wollen bekommen wir Zuspruch und Liebe. Wir „funktionieren“.

Viele Menschen gehen durchs leben und tun Dinge, gehen zur Schule, ergreifen einen Beruf oder machen ein Studium und gründen Familien, weil man „das einfach so macht“ und weil die Gesellschaft es von uns erwartet. Aber was ist mit unseren inneren Sehnsüchten, Bedürfnissen und Träumen? „Mach was vernünftiges“ ist oft ein Ratschlag gut meinender Eltern. Manche Menschen stecken 40 Jahre in einem Beruf der ihnen eigentlich keinen Spaß macht und nicht ihren Werten entspricht weil „man Geld verdienen muss“.

Wir bewegen uns weg von unserem authentischen Selbst. Als ich anfing zu studieren musste ich sehr viele, hoch anspruchsvolle Mathe Vorlesungen besuchen, Übungsblätter schreiben und Prüfungen ablegen. Es war eine Qual. Ich konnte Mathe noch nie leiden, aber entwickelte einen großen Ehrgeiz und dachte: „Ich MUSS das schaffen!“ Wem wollte ich damit etwas beweisen? Meiner Familie? Der Gesellschaft? Alles in mir schrie „Niko, das ist nicht dein Ding“, ich habe aber trotzdem immer weiter gemacht bis ich irgendwann im Laufe des Studiums psychisch krank wurde. Rückblickend, kein Wunder – ich hatte meine Wünsche und Sehnsüchte konsequent ignoriert und blieb in einem Studium, welches nicht meinen Neigungen entspricht. Ich wollte es unbedingt schaffen und das habe ich auch. Aber der Preis dafür war ein Schaden an meiner mentalen Gesundheit.

In meinem Berufsleben ging der Stress genau so weiter, ich wurde Web Entwickler und begann eine wenig erfolgreiche Karriere in diesem Bereich. Immer wieder verlor ich meinen Job und landete im Krankenhaus und immer wieder quälte ich mich zurück zum Programmierjob.

Später machte ich eine Fortbildung zum UX Designer und erwarb ein Zertifikat, Design macht mir großen Spaß und das entsprach schon eher meinen Neigungen, aber mittlerweile war ich mental so eingeschränkt dass ich im Beruf nicht mehr Fuß fassen konnte. Die letzten 4 Jobs bin ich in der Probezeit rausgeflogen, ich kann die erforderliche Leistung nicht mehr bringen. Ich habe mich rückblickend Jahre lang einfach nur gequält.

Das Ich-Konstrukt

Wenn wir uns die Frage stellen „Wer bin ich?“ was könnte die Antwort sein? In meinem Fall zum Beispiel:

  • Ich heiße Niko
  • ich stamme aus Kroatien
  • Ich bin Informatiker
  • ich singe
  • ich spiele Gitarre
  • ich blogge
  • ich bin Buchautor
  • ich bin in Rente

Das sind verschiedene „Ich-Konstrukte“, die Rollen die wir in unserem Leben spielen, die Geschichte die wir uns selbst (und anderen) von uns erzählen. Ein Bild. Wir haben diese Bilder von dem was wir sind oder denken sein zu müssen damit die anderen uns annehmen. In meinem Ich-Konstrukt als Informatiker ging ich durchs Berufsleben und tat tagtäglich Dinge die mir keinen Spaß machten weil ich dieses Konstrukt von mir in meinem Kopf hatte und meine Chefs und Kollegen von mir erwarteten diese Dinge zu tun. Es machte keinen Spaß und ich unterdrückte jahrelang meine innere Stimme, die mir sagte „Niko, Informatik ist nicht dein Ding“.

Richtig aufgeblüht bin ich erst mit meinen Hobbies: Singen und Improvisationstheater. Auf der Bühne fühlte ich mich lebendig und hatte große Erfolge. Kreativität ist ein Ausdruck meines authentischen Selbst. Wie merken wir dass wir authentisch leben? Ein Merkmal ist, es wird plötzlich alles ganz leicht und mühelos.

Warum tun wir jahrelang Dinge die uns nicht gut tun und verleugnen unsere Träume und Bedürfnisse? Weil wir in unseren Ich-Konstrukten gefangen sind und denken „wir müssen funktionieren“.

Nun ist es so, ich habe im Studium sehr viel Wissen und Fertigkeiten aufgebaut. Ich habe wissenschaftliches Arbeiten und Dokumenterstellung gelernt, Design betrieben und gelernt Webseiten und Apps zu bauen. Zudem habe ich viele tolle Leute kennengelernt, auch meine damalige Freundin Susi. Ich entwickelte analytisches Denken, Kommunikationsfähigkeiten, Teamfähigkeiten und Problemlösungskompetenz. Ich liebte es, vorne zu stehen und Präsentationen zu halten.

Ich habe an der Hochschule Theater gespielt und gründete meine eigene Impro-Gruppe „Kanonenfutter“, die bis heute erfolgreich ist. Ich studierte 2 Monate in Schottland. All das wäre ohne das Studium nicht möglich gewesen. Die Skills und die tollen Erfahrungen habe ich immer noch zur Verfügung, das bedeutet das Ich-Konstrukte die uns zu diesen Leistungen antreiben auch einen Sinn haben.

Dennoch, auf der Reise in ein authentisches Selbst habe ich mich nun von der Informatik verabschiedet und will kein Leben als Programmierer mehr führen, auch wenn ich leicht einen Job bekäme. Es ist nicht mein Ding und ich habe es eingesehen.

Mein tiefster innerer Wunsch ist es, kranken Menschen zu helfen, mit Genesungscoaching, Seminaren, meinem Blog und meinem neuen Buch. Das ist meine Berufung. Ich kann viele meiner Skills aus Studium und Beruf dafür einsetzen. Ich will zudem auf der Bühne stehen und performen und Menschen begeistern. Mit meiner Stimme arbeiten. Das ist mein authentisches Selbst. Diese Arbeit verleiht meinem Leben einen Sinn. Ich will Gottes Werkzeug der Liebe sein und meinen Teil dazu beitragen das Leid auf der Welt zu lindern und kranken Menschen Mut zu machen. Gott hat es mir ins Herz gelegt.

Ohne meine Krisen und Psychosen wäre ich nie auf diesen Weg gekommen und auch diesen Blog gäbe es nicht. Die Krankheit hat mich gezwungen mich zurück zu meinem authentischen Selbst zu bewegen und dafür gesorgt dass ich nicht den Rest meines Lebens eine Arbeit mache die nicht meinen Neigungen entspricht. Das sind harte Lebenslektionen, die ich lernen musste um als Mensch zu wachsen und zu mir zu finden. In jeder Krise steckt eine Chance.

Tief in unserem Inneren, wollen wir einfach nur glücklich sein. Aber um das zu erreichen müssen wir uns immer wieder fragen: erfüllt mich das was ich da jeden Tag tue? Wenn nicht, was kann ich tun? Und: was sind jetzt meine Bedürfnisse? Was brauche ich damit es mir gut geht?

Ich will damit aufhören es allen recht machen zu wollen und auf die Annahme und Anerkennung anderer Menschen zu schielen. Ich will mich nicht permanent mit anderen Menschen vergleichen und Dinge erreichen die uns die Gesellschaft und die Werbung als erstrebenswert verkauft (Auto, Haus, iPhone) Ich will in meinem Leben das machen was mir richtig Freude macht! Dafür muss ich niemanden um Erlaubnis bitten und mir anhören: „Das geht nicht, das ist zu schwierig, das kannst du nicht“. Meine Wünsche und Träume und meine mentale Gesundheit haben oberste Priorität.

Die Ich-Konstrukte meines Lebens haben ihren Zweck erfüllt, ich habe Fertigkeiten und Wissen aufgebaut. Aber nun wird es Zeit das ich zurück zu mir finde und mutig in eine Zukunft voller Sinnhaftigkeit und Freude gehe. Herr, gib mir den Mut und die Kraft dafür. Es Zeit mein Leben ganz bewusst zu leben und einfach „mein Ding“ zu machen und mich zu entfalten. Ich habe alles was ich dafür brauche. Ich will auf meine Stärken vertrauen und an mich glauben.

Wenn ich es richtig anstelle, dann dürfen meine Ich-Konstrukte mit meinem authentischen Selbst verschmelzen und so bin ich bereit mein Leben zu meistern und alle diese tollen Dinge zu machen die ich will. Das ist ein Privileg und eine Herausforderung. Es ist eine zutiefst menschliche Erfahrung. Das Leben will wachsen, sich entwickeln und entfalten. Die Seele will gesund werden.

Was sind Ihre Ich-Konstrukte in Ihrem Leben? Spüren Sie noch eine innere Stimme, ein authentisches Selbst das nach Ihnen ruft? Werden Sie auf diese Stimme hören und umkehren wenn nötig?

Für Ihre mentale Gesundheit alles Gute.

Portrait von Chris Pascal Landwehr (Betroffener und Entwickler der mental health app „Aki“)

Ich habe Chris über seinen erfolgreichen Instagram Kanal leben.mit.paranoia entdeckt der mittlerweile etwa 480 Follower hat. Chris klärt auf über Schizophrenie und gibt als selbst Betroffener hilfreiche Tipps für Menschen mit dieser Diagnose. Schizophrenie, Paranoia und Psychosen sind Begriffe die für sehr viele Missverständnisse sorgen und viele Betroffene fühlen sich mit ihren Symptomen alleine gelassen. Wie auch ich mit meinem Blog und Buch engagiert er sich für psychisch kranke Menschen, macht ihnen Mut und leistet einen echten Beitrag zur Psychoedukation und Entstigmatisierung von Schizophrenie in unserer Gesellschaft.

Zudem hat Chris seine eigene Firma „Leben mit Paranoia“ gegründet und entwickelt gerade die vielversprechende mental health App „AKI“, die nach seinem schwarzen Kater Aki benannt ist. Hier folgt ein Portrait von Chris, seiner Geschichte und seiner Arbeit.

1) Kurz zu mir

Ich bin 27 Jahre alt und komme aus der Region Bielefeld (NRW). In meiner freien Zeit gehe ich viel spazieren, programmiere und betreibe meinen Instagram-Kanal „Leben mit Paranoia“.

2) Diagnoseweg

Erste Auffälligkeiten traten 2021 durch wahnnahe Gedanken auf, 2022 erfolgte die Diagnose. Der erste Schritt in Richtung Hilfe kam durch meine damalige Freundin, die mir spiegelte, dass etwas nicht stimmt, und mich aktiv beim Hilfeholen unterstützte. Der härteste Punkt – und zugleich die stärkste Lernquelle – war unsere Trennung Mitte 2025. Daran arbeite ich bis heute täglich.

3) Auswirkungen auf mein Leben

2020 verlor ich meinen Job. Von 2021–2023 versuchte ich in mehreren Branchen neu zu starten, hielt aber wegen geringer Belastbarkeit selten lange durch. Meine Beziehung litt, zudem geriet ich in eine starke Stimulanzien-Abhängigkeit, baute Schulden auf und vernachlässigte Termine, Rechnungen und Kontakte.

Heute erkenne ich Frühwarnzeichen deutlich früher, informiere mein Umfeld und betreibe aktive Psychoedukation – u. a. über meinen Kanal. 2024 startete ich eine schulische Ausbildung zum Chemisch-technischen Assistenten, musste sie krankheitsbedingt abbrechen.

4) Familie & Freunde

Ich habe einen kleinen, starken Freundeskreis (ca. vier enge Freunde) und meine Familie, die mich aufnahm, als ich Wohnung und Beziehung verlor. Mein Tipp an Angehörige: Stellt die erlebte Realität Betroffener nicht grundsätzlich in Frage. Sanft bleiben, nicht in Vorwürfe oder Grundsatzdiskussionen gehen – das hilft am meisten.

5) Medikamente

Ich nehme aktuell mehrere Medikamente (u. a. Antipsychotika/Antidepressiva). Sie helfen mir, Schübe und Stimmenhören zu stabilisieren. Nebenwirkungen wie Müdigkeit manage ich über Schlafrhythmus und Routinen – manchmal gelingt das besser, manchmal schlechter. Ich bin in laufender Behandlung bei einer Psychiaterin.

Hinweis: Das sind persönliche Erfahrungen, keine Therapieempfehlung.

6) Alltag heute

Frühwarnzeichen sind u. a. Gereiztheit, Grübeln oder wenn Kleinigkeiten gehäuft misslingen. Dann nutze ich Atemübungen und Bedarfsmedikation – frühzeitig intervenieren macht den Unterschied. Dazu: Spaziergänge, regelmäßige Treffen mit Freunden und offene Gespräche mit meinem Vater.

7) Was half am meisten?

  • Psychoedukation
  • Routinen und Struktur
  • Meine Instagram-Arbeit
    Mini-Tipp: Frühzeitig eine Vertrauensperson einbinden, wenn sich ein Engpass abzeichnet.
  • Freunde / Familie

8) Erfahrungen in der Psychiatrie/Entzug

Meine Entzugs-/Klinikerfahrungen waren sehr positiv: wertschätzende Pflege, ernst genommen werden, jederzeit ansprechbar. Dieses Erleben hat mich getragen.

9) Rolle von Instagram (~400 Follower)

Instagram ist mein Aufklärungs- und Erfahrungsraum: Ich teile Alltag, konkrete Tipps für Betroffene und Angehörige und mache Stigma sichtbar. Ziel ist, Orientierung zu geben und niedrigschwellig ins Gespräch zu kommen.

10) Meine Firma „Leben mit Paranoia“

  • Gründungs-Story: Es kam zur Gründung, da ich E-Books, PDF-Guides etc. veröffentliche und ich noch ganz viel weiteres geplant habe
  • Angebot/Leistung heute: Content, 1:1 Beratung, PDF-Guides, E-Books – Einfach für einander da sein.
  • Vision (5 Jahre): Messbare Ziele/KPIs – Reichweite, App-Adoption, Community-Programme
  • Mission-Statement (1 Satz): Meine Mission ist es das ganze Krankheitsbild zu entstigmatisieren und mehr Verständnis für Menschen mit Schizophrenie und Psychose zu schaffen

11) Projekt „Aki“

Die Idee kam durch den Kater „Aki“ meiner Ex-Partnerin: Er hat gespürt, wenn es mir schlecht ging – blieb, kuschelte, munterte auf. Das Prinzip „zugewandt, aufmerksam, stabilisierend“ übertrage ich in eine App.

Geplante Features:

  • Medikamentenplanung & Erinnerung
  • Stimmungs- und Symptomtracking
  • Tagebuch
  • weitere Module in Planung
    Zielgruppen: Betroffene, Angehörige, Fachpersonen.
    Timeline: Ursprünglich August 2026; aufgrund privater/organisatorischer Herausforderungen verschiebt sich der Start.
    Status: aktiv in Entwicklung; Fokus auf Datenschutz, Usability und alltagsnahe Stabilisierung.

12) Wie kann man mich unterstützen?

13) Meine Botschaft

Gebt euch nicht auf. Der Weg ist schwer und lang – und die Erkrankung bleibt ein Teil des Lebens. Entscheidend ist der Umgang: früh beraten/behandeln lassen, Medikation zuverlässig nehmen, Routinen leben und mindestens eine Vertrauensperson halten.