Denkfalle „Hyperreflexivität“ (warum wir uns nicht gesund denken können)

Seit vielen Jahren, vielleicht schon mein ganzes Leben bin, ich sehr auf meine Innenwelt fixiert. Das hatte auch einen Sinn. Da ich schwere Psychosen in meinem Leben bewältigt habe, musste ich mich immer wieder fragen: „Ist dieser Gedanke normal oder psychotisch?“ und „wie geht es mir gerade?“ Das nennt man auch Meta-Kognition, das Denken über das Denken.

Ich bin manchmal im Optimierungswahn. Ich möchte mich psychischen Schmerzen entziehen und mental gesund werden, das ist zutiefst menschlich und verständlich. Aber das Problem ist: Ich bin dabei total auf mich selbst und meine Innenwelt fixiert. Ich denke über neuronale Bahnen nach, wundere mich über das Denken an sich, bewerte meine Gedanken und frage mich permanent wie es mir geht. Das Leben zieht währenddessen an mir vorbei. Ich habe Hyperreflexivität. Es ist der Versuch die Innenwelt zu reparieren, zu optimieren und letzten Endes zu kontrollieren. Der Wunsch nach Kontrolle ist die Triebfeder vieler psychischer Krankheitssymptome, so auch Zwang und Angst.

Meine trügerischen Lieblingsgedanken

Ich denke oft:

„Ich bin in Sicherheit“, „Mir kann nichts passieren“, „Ich bin ganz ruhig, entspannt und locker“, „mein Leben ist angenehm und schön“, „Ich kann jederzeit in die Notaufnahme“, „Ich bin nicht in Gefahr“.

Positive Gedanken sind sinnvoll und lebensnotwendig, man muss aber etwas genauer hinschauen.

Glaube ich diese Sätze auch wirklich oder versuche ich gerade nur meine unangenehmen Emotionen und Gedanken wegzudrücken, damit es mir besser geht? Denn leider ist „positives Grübeln“ immer noch Grübeln! Charakteristisch für das Grübeln ist, dass es zu keinem produktiven Ergebnis führt. Wir verschwenden Zeit, die wir für etwas Schönes aufwenden könnten. Zum Beispiel ein gutes Buch lesen, etwas Musik machen oder einem Freund eine wertschätzende Nachricht schreiben.

Ich analysiere jede Regung meiner Seele und versuche, die Gesundheit durch reines Nachdenken zu erzwingen. Ich habe den Glaubenssatz, dass man durch Selbstoptimierung, Willenskraft und positives Denken automatisch gesund wird. Es ist nicht so einfach und man muss es differenzierter betrachten.

Wenn ich mich permanent frage wie es mir geht, habe ich den Fokus immer noch auf die Angst und die Krankheitssymptome. Es gab eine Zeit wo das sinnvoll da, denn während meiner Psychosen „musste“ ich meine Gedanken analysieren, damit ich normale von psychotischen Gedanken unterscheiden und zurück in die Realität kommen konnte. Eine wichtiger Schritt zur Genesung. Nun stecke ich aber in der Hyperreflexivität und der Selbstbeobachtung und fühle mich oft (kein Wunder) erschöpft und kraftlos vom vielen Denken. Ich lebe nicht mein Leben, ich „denke“ mein Leben. Das kostet viel Kraft und Energie. Ich denke „dieser positive Gedanke ist erlaubt, dieser ist schlecht und verboten“. Die Bewertung ist das Problem.

Die Lösung: Vom Denken ins Tun

Wie kommen wir aus der zwanghaften Selbstanalyse in eine leichte und schöne Lebensrealität? Dafür schenke ich Ihnen diesen Powersatz, der mir in letzter Zeit viel geholfen hat. Er lautet: „Was ist JETZT?„. Grübeln findet in der Vergangenheit (was ist schief gelaufen?) und der Zukunft (was wenn ich die Miete nicht zahlen kann?) statt. Denken sie so oft wie möglich: Was ist jetzt? „Ah, da sind Menschen.“ „Da ist ein Auto.“ „Hallo, Baum.“ „Die Sonne scheint mir auf das Gesicht.“ „Da ist mein heißer Morgenkaffee der mir die Kehle hinunterläuft.“ „Da ist eine grüne Farbe in meinem Malbuch.“ „Da sind meine Schritte auf dem Boden, der mich trägt, wenn ich spazieren gehe.“

Das Leben findet im Moment und in der Welt statt nicht im Kopf. „Was ist real?“, Was kann ich anfassen?“, statt „wie geht’s mir?“ und „warum denke ich das gerade?“. Achtsamkeit ist ein sehr häufig gehörtes „Buzz-Word“ und wird oft angepriesen, allerdings zurecht, denn sie funktioniert um sich langfristig besser zu fühlen. Wenn wir uns immer wieder auf das hier und jetzt, die Gegenwart fokussieren können wir es schaffen die Grübelschleifen (auch wenn sie positiv sind!) zu unterbrechen und einfach zu SEIN. Je öfter wir uns für die Realität und gegen die Grübelschleife entscheiden, desto leiser wird das Rauschen im Kopf. Das Gehirn ist plastisch und kann sich den Rest unseres Lebens zum positiven hin verändern, damit wir glücklich und selbstbestimmt leben können.

Achtsamkeit ist ein mächtiges Werkzeug, um Grübelschleifen zu unterbrechen, aber sie ist kein magischer Schalter für Dauerglück. Die Übertreibung liegt darin, sie als rein nach innen gerichtete Analyse zu verkaufen. Zu viel Innenschau kann kontraproduktiv für Menschen mit Schizophrenie sein!

Für uns ist die Achtsamkeit im Außen – das einfache Wahrnehmen der Welt, ohne sie zu bewerten – viel wertvoller. Wahre Achtsamkeit bedeutet manchmal einfach, den Abwasch zu machen und dabei nur das Wasser an den Händen zu spüren, statt darüber nachzudenken, wie sich das Wasser auf die eigene Heilung auswirkt.

Positive Psychologie

Positive Psychologie ist sinnvoll. Es geht aber dabei nicht um das Leugnen und „nicht wahr haben wollen“ schlechter Gefühle, das Diktat sich wohlfühlen zu „müssen“, das erzeugt Druck und Schuldgefühle, sondern um den Fokus weg von Defizit hin zu den Ressourcen und Lösungen zu legen.

Die positive Psychologie wurde 1998 entwickelt. Der Hauptbegründer ist Martin Seligman. Er nutzte seine Eröffnungsrede einer Konferenz, um das gesamte Fachgebiet dazu aufzufordern, nicht mehr nur zu fragen „Was macht Menschen krank?“, sondern „Was macht sie stark?“

Der entscheidende Unterschied liegt nicht darin, was wir denken, sondern wie wir es nutzen. Während das positive Grübeln ein erschöpfender Kreisverkehr im Kopf ist, bei dem wir uns ständig selbst beobachten und versuchen, Heilung durch erzwungenen Optimismus zu „managen“, fungiert die Positive Psychologie als Wegweiser nach draußen in die echte Welt. Positives Grübeln bleibt Teil der Hyperreflexivität – es ist die anstrengende Arbeit, das eigene Befinden permanent kontrollieren zu wollen. Die Positive Psychologie hingegen will uns entlasten; sie regt uns dazu an, unsere Stärken und Ressourcen einfach zu nutzen, um wieder am Leben teilzunehmen, anstatt es nur zu analysieren. Es geht darum ins Handeln zu kommen.

Die Positive Psychologie funktioniert nicht durch das Ignorieren von Problemen, sondern durch die gezielte Nutzung der Neuroplastizität. Indem wir unseren Fokus auf Stärken und Momente der Sicherheit lenken, trainieren wir unser Gehirn um und bauen die „Autobahnen“ des Grübelns langsam ab. Wissenschaftliche Konzepte wie die „Broaden-and-Build“-Theorie zeigen, dass positive Impulse unseren Blickwinkel weiten und uns helfen, neue Kraftreserven aufzubauen, die uns in Krisenzeiten stabiler tragen. Es ist letztlich ein biologisches Training: Wir lehren unser Nervensystem, dass es neben der Analyse der Gefahr auch einen Raum für Erholung und echte Handlungsfähigkeit gibt. Das geht ganz mechanisch. Wir programmieren unser Gehirn und legen neue Nervenbahnen an die uns durch schwierige Zeiten tragen.

Die Forscherin Barbara Fredrickson hat herausgefunden, dass positive Emotionen (wie Freude, Neugier oder Dankbarkeit) unseren geistigen Horizont erweitern (broaden). Während Angst unseren Blick verengt (Tunnelblick), öffnen positive Gefühle unseren Geist. Wir sehen plötzlich mehr Handlungsmöglichkeiten, werden kreativer und bauen dadurch langfristig neue persönliche Ressourcen (build) auf – wie soziale Kontakte oder neue Fähigkeiten.

Übung

Eine der wirksamsten Übungen der Positiven Psychologie ist die Methode der „Drei guten Dinge“, die Ihren Fokus ganz ohne Druck von der inneren Analyse auf die äußere Realität lenkt. Das nennt man manchmal auch das „Erfolgstagebuch“

Dabei notieren Sie sich am Ende des Tages drei konkrete Momente, die gelungen sind – egal wie klein sie waren – und fragen sich kurz, was Ihr eigener Beitrag zu diesem Moment war. Das Entscheidende hierbei ist: Sie suchen nicht nach tiefgreifenden psychologischen Erkenntnissen, sondern sammeln schlichtweg Beweise für das Gelingende in Ihrem Alltag, wie den Geschmack eines guten Kaffees oder die wohltuende Sonne beim Spaziergang. Indem Sie diese Fakten der Außenwelt festhalten, trainieren Sie Ihr Gehirn darauf, den „Gefahren-Scanner“ mal kurz ruhen zu lassen und stattdessen die tatsächliche Lebensqualität wahrzunehmen, die jenseits der Grübelschleifen existiert.

Mein Fazit: Leben statt Grübeln

Wir können uns nicht gesund „denken“, auch nicht mit noch so viel positivem Aufwand. Die Hyperreflexivität ist eine Sackgasse: Während wir im Kopf nach dem Schalter für die Heilung suchen, zieht das echte Leben draußen an uns vorbei. Ich habe gelernt, dass die Frage „Wie geht es mir?“ oft nur Kraft raubt, während „Was ist jetzt?“ mich zurück in die Welt holt.

Die Positive Psychologie ist für mich deshalb kein bloßes Konzept, sondern ein biologisches Training. Wir nutzen die Neuroplastizität unseres Gehirns ganz mechanisch, indem wir den Fokus mutig auf unsere Stärken und das reale Tun richten. Heilung bedeutet nicht, dass die negativen Gedanken verschwinden, sondern dass wir aufhören, sie wie ein Objekt unter dem Mikroskop zu bewachen. Fangen wir an zu leben – nicht im Kopf, sondern hier und jetzt.

Viel Erfolg auf Ihrem Weg in die mentale Gesundheit mit weniger Hyperreflexivität.

Zwischen Hochleistung und Erschöpfung

Eine Geschichte von 2 Fröschen:

Zwei Frösche fielen in einen tiefen Brunnen. Von oben riefen die anderen Frösche hinab: „Es ist zu tief! Da kommt ihr nie wieder raus. Gebt auf, ihr schafft das niemals!“

Der erste Frosch hörte auf die Rufe, verlor den Mut und blieb resigniert im Schlamm liegen. Der zweite Frosch jedoch sprang immer weiter, mit aller Kraft, so gut er konnte. Er kletterte unbeirrt weiter und weiter. Die Menge oben schrie immer lauter: „Hör auf! Akzeptiere dein Schicksal! Du bist zu schwach! Das ist zu schwierig!“

Doch der Frosch sprang ein letztes Mal besonders hoch und erreichte den Rand. Als er oben ankam, fragten ihn die anderen erstaunt: „Hast du uns nicht gehört? Wir sagten, es ist unmöglich!“

Da stellte sich heraus: Der Frosch war taub. Er dachte die ganze Zeit, die anderen würden ihn enthusiastisch anfeuern.


Eine schwierige berufliche Reha

2024 war ich zum dritten mal in einer beruflichen Reha nach einer längeren Krankheitspause. Das Ziel war, mich wieder fit für den Beruf zu machen. Die „First-Steps“-Maßnahme dauerte 3 Monate und war eine Überforderung. Zwar konnte ich meine Aufgaben sehr schnell und zuverlässig erledigen, rutschte aber immer wieder in die Überlastung, starrte blockiert auf den Monitor, bekam schlechte Gedanken und musste oft früher nach hause und mein Notfallmedikament Diazepam nehmen bis es mir nach einer guten Nacht wieder besser ging.

So quälte ich mich durch die Maßnahme bis die 3 Monate rum waren. Ich erledigte meine Aufgaben blitzschnell und ich wurde mehrmals ermahnt auf die Bremse zu treten. Das fiel mir schwer, denn wenn ich durch Arbeit abgelenkt bin haben die nervösen Gedanken und Ängste Pause. Ich bin sehr auf Erfolg und Leistung getrimmt. Das kenne ich gut von mir. Ich bin Perfektionist und teilweise mache ich meinen Selbstwert an meinen Leistungen fest, was mich sehr antreibt starke Ergebnisse zu liefern. Das war auch schon in meinem Studium so und trotz schwerer Krisen und Psychosen schaffte ich 2011 meinen Abschluss.

Ein Platz in der Behindertenwerkstatt?

Mit meinen Betreuern entschied ich dass ich für die 1-jährige Folgemaßnahme mit betrieblichen Praktika nicht geeignet bin. In der beruflichen Therapie äußerte ich meine Berufswünsche: Schreiben, Workshops geben und Genesungscoaching machen. Meine Trainerin traute es mir nicht zu. Es ging sogar soweit dass mich meine Betreuer in eine Behindertenwerkstatt stecken wollten. Meine Ärztin von der PIA äußerte sich ähnlich und wollte mich animieren in die Theodor-Lorch-Werkstätten in Ludwigsburg zu gehen. Wenig Verantwortung und viel Struktur. Sie dachten, dort wäre ich mit meiner chronischen Erkrankung am Besten aufgehoben.

Ich habe mich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt. Aus heutiger Sicht zu recht! Ich habe „high functioning mental illness“. Jeden morgen stehe ich gegen 5 Uhr auf und bin 3 Stunden hochleistungsfähig. Ich habe 2025 ein Buchmanuskript, 5 Fachartikel für Zeitungen und Magazine und viele weitere Blog Artikel wie diesen geschrieben. Dazu habe ich Medis, essen, schlafen, Tagesstruktur, Wohnung und Papierkram fest im Griff. Ich habe mir Gedanken über mein „new business“ gemacht und einen Businessplan geschrieben.

Ich habe immer noch psychische Einschränkungen, aber ich mache das beste daraus und kann immer noch viel Leistung abliefern und intellektuell anspruchsvolle Probleme lösen. So habe ich es als Medieninformatiker (B.Sc) gelernt. Auch Web Entwicklungsaufgaben, wenn ich mal einen Auftrag habe, erledige ich kompetent und sorgfältig.

Was zur Hölle soll ich in einer Behindertenwerkstatt? Das ist sicher eine gute Maßnahme für manche kranke Menschen, aber mein Verstand funktioniert (mit Einschränkungen) hervorragend und ich kann durch meine Texte etwas in dieser Welt bewegen. In so einer Einrichtung wäre ich komplett unterfordert. Meine neue Arbeit: Interviews geben, Webseiten bauen, schreiben, Buchmarketing machen – macht mir einen Riesenspaß. Ich habe meine Berufung gefunden! Ich bin wie der taube Frosch aus der Geschichte. Ich höre nicht auf das ‚Das schaffst du nicht‘, sondern auf mein Herz und meinen Verstand. Ich gehe meinen Weg – so gut ich kann.

Meine Perspektive und Berufung

Ich bin auf einem guten Weg: Dieses Jahr mache ich eine 6-monatige medizinische Reha im Therapeutikum in Heilbronn. Das sind 6 Monate intensives Training meiner Belastbarkeit – so werde ich fit für meine neuen Geschäftsfelder: Coaching, Workshops, Seminare, Schreiben und vieles mehr. „Die Seele will gesund werden“ ist dabei meine Brand (Marke) und wenn es gut läuft gründe ich vielleicht sogar eine Firma (gUG / gemeinnützige Unternehmergesellschaft).

Wenn ich arbeite bin ich in einem Hyperfokus und sehr konzentriert, das hat auch eine Schattenseite – denn ich neige dazu , wie schon in der Reha, mich zu überlasten. Wenn ich aber bei meinem 3-Stunden Arbeitslimit pro Tag bleibe und weiter prophylaktisch meine Pausen, Tagesstruktur, Ablenkung und Mental Health Stunde mache ist die Chance groß dass ich langfristig stabil bleiben und in meinem „neuen Beruf“ arbeiten kann. Ich will psychisch kranken Menschen helfen und davon Leben können. Der Bedarf ist riesig. Da gibt es zig-tausend kranke Menschen da draußen die von meinen intensiven Erfahrungen profitieren können. Viel unnötiges Leid lässt sich mit dem richtigen Wissen und viel Geduld vermeiden und in jeder Krise steckt eine Chance. Die Seele will gesund werden. Das ist meine Message.

Meine Krankheit; mein Trainingslager

Ich sehe meine aktuellen Herausforderungen dabei als Trainingslager: ich bin das Versuchskaninchen, ich lerne wie man mit einer pychischen Erkrankung umgeht und welche Tools wirklich langfristig funktionieren, damit ich anderen Menschen helfen kann. Wenn etwas schief geht ist dass kein Versagen sondern ein neuer Data Point in meinem experimentellen Labor für mentale Gesundheit. Ich propagiere nur Gedanken und Werkzeuge die ich selbst ausprobiert und für gut befunden habe. 2026 habe ich eine starke Entwicklung gemacht und der Blick aufs Stimmungsprotokoll verrät, dass ich auf dem richtigen Weg bin (siehe Artikel Das Stimmungsprotokoll). Im Februar hatte ich bisher nur 3 psychische Krisen die ich gut gemeistert habe und die nicht so schlimm waren wie früher. Meine Methoden funktionieren. Dabei akzeptiere ich, dass ich eine chronische, psychische Krankheit habe und es nicht immer so läuft wie ich es gerne hätte.

Das ist mein Weg in eine erfolgreiche Zukunft. So Gott will.

Brauchen wir Gott?

Wo kommen wir her, wo gehen wir hin? Was passiert nach unserem Tod? Was soll das alles? Warum ist Realität so wie sie ist?

Diese Fragen beschäftigen Menschen seit es sie gibt. Im Laufe der Geschichte gab es etwa 100.000 religiöse Überzeugungen. Aktuell ist das Thema Religion in unserer Gesellschaft auf dem Rückzug. Mittlerweile gehört weniger als die Hälfte (45%) der Deutschen einer der beiden großen Kirchen an. Die Zahl der Menschen die sich als religiös „aktiv“ bezeichnen und zum Beispiel regelmäßig in eine Kirche gehen liegt nur noch bei 6%.

Transzendenz

Aber: Transzendenz ist ein menschliches Grundbedürfniss und nicht verschwunden.

Transzendenz bedeutet wörtlich „Übersteigen“. Es ist der Drang des Menschen, über das eigene „Ich“, über den eigenen Körper und den banalen Alltag hinaus nach einem Sinn zu suchen.

  • Maslows Sicht: Er setzte Transzendenz sogar über die Selbstverwirklichung. Er glaubte, dass der Mensch erst dann ganz heil ist, wenn er sich mit etwas verbindet, das größer ist als er selbst (Gott, die Menschheit, die Natur, die Kunst).
  • Frankls Sicht: Er nannte das den „Willen zum Sinn“. Er beobachtete, dass Menschen selbst unter schrecklichsten Bedingungen (wie im KZ) überlebten, wenn sie einen transzendenten Sinn hatten.

Viele Menschen lehnen das christliche Dogma ab und suchen nach Alternativen. Diese finden sie zum Beispiel im Buddhismus, dem Islam, dem Zen, oder modernen Hexenbewegungen wie dem Wicca. Das Bedürfnis nach Gemeinschaft ist immer noch groß: So gibt es mittlerweile viele „alternative“ Strukturen, welche religiösen Charakter haben, aber ohne Gott auskommen. Wie ist das zu bewerten?

Von schwazem Eyeliner zum gläubigen Christen

Ich selbst habe geistlich gesehen eine tiefgreifende Entwicklung gemacht. Während ich als Kind den Kommunionsunterricht und die schönen Geschichten mochte, meine Familie war katholisch, habe ich mir wenig Gedanken über Gott gemacht. Als Jugendlicher mit 15 habe ich harte Rockmusik, wie Rammstein, entdeckt. Zu dieser Musik gehört es oft zur Subkultur dazu jegliche Religion abzulehnen. Da habe ich mitgemacht. Ein mal druckte ich mit einem Freund T-Shirts mit dem Spruch „Atheists rule – I don’t believe“. Damit gingen wir auf den Kirchentag um zu provozieren und uns über die „Jesus-Freaks“ lustig zu machen.

Die Musik, die Poster in meinem Zimmer und meine T-Shirts wurden immer düsterer. Ich klebte mir „Satan“ Sticker auf meine Bassgitarre, begann Black- und Death Metal wie „Dimmu Borgir“, „Cradle of Filth“ und „Hypocrisy“ zu hören.

Ich färbte mir die Haare schwarz, lackierte mir schwarz die Fingernägel und trug schwarzen Eyeliner auf. Ich rutschte in den philosophischen Satanismus und beteiligte mich in düsteren Foren und debattierte in einer Sprach Chat App (Firetalk) mit Christen und versuchte sie zu überzeugen das Religion und insbesondere Christentum purer Blödsinn sind. Es machte mir Spaß über diese philosophischen Themen zu reden und zu diskutieren. Satan, dass bedeutete für mich, so dachte ich damals, die ultimative Freiheit. Das Motto: „Werde dein eigener Gott“. Aber latent hatte ich auch die Angst für meinen Lebensstil irgendwann in die Hölle zu kommen.

Manchmal las ich in der Bahn ausliegende „Chick Comics“, christliche Traktate über die Bekehrung gescheiterter Menschen zum Christentum. Manchmal traf ich Menschen auf der Straße die mich missionieren wollten. Das lehnte ich ab, aber eine innere Stimme hatte ich die mir zurief: „Was wenn da doch was dran ist an diesem Jesus?“

In meiner Krankheitsgeschichte mit Schizophrenie machte ich viele spirituelle und leider auch wahnhafte Erfahrungen. Irgendwann kam die Wende. Ich war 2018 in einer Psychiatrie und ich fühlte mich schlecht und verloren, es war ein trostloses Umfeld. Aber: Ein mal die Woche kam ein Pfarrer mit seiner Gitarre auf die Station und es wurde Lobpreis gesungen. Da ich damals schon hobbymäßiger Sänger war und der Pfarrer mich für meine Stimme lobte, war diese halbe Stunde die Woche wie eine Insel der Freude in einem trostlosen Psychiatrie-Alltag. Da ist etwas in mir passiert und Schritt für Schritt fand ich, durch viele weitere spirituelle Erlebnisse zum Glauben.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

(Psalm 23, 4)

Mein Glauben Heute

Der Glaube an eine höhere Macht ist ein Pfeiler meiner mentalen Gesundheit. Ich gehe Sonntags in die Kirche, ich bete jeden Tag und freue mich über die Gemeinschaft und die schönen Lobpreislieder von denen ich schon viele kenne und die treue Freunde in schwierigen Zeiten für mich sind. Manchmal singe ich auch in der Kirchenband.

Aber: Der Glaube hat auch eine Schattenseite, wie ich schmerzlich erfahren musste. Der Glaube an Hölle und Teufel ist für Schizophreniekranke Menschen nicht gut. Einmal schaute ich in einer labilen Phase eine evangelikale Predigt und es wurde propagiert dass der Satan wie ein Feind in unserem Kopf lauert, uns verführen will, und Gedanken eingibt. Uns schaden und vernichten will. Es war von einem „spirituellen Krieg“ und „geistlichen Kampf“ die Rede, der manche Menschen in den Wahnsinn und in die Psychiatrie treibt. Das hat mich sehr beunruhigt. Allein schon ein Nummernschild oder eine Unterschrift (ich dachte an einen Vertrag mit dem Teufel) lösten große Ängste aus. Manchmal hatte ich den Gedanken: „Satan, ich fordere dich heraus!“, es war wie ein Zwang, der Gedanke machte mir große Angst und prompt kam eine Reaktion mit heftigen Bildern und Zwangsgedanken die mich in die Verzweiflung stürzten. Ich habe viel mitgemacht.

Mittlerweile habe ich einen besseren Umgang mit „Hölle und Teufel“ gefunden. Die Dämonen haben jetzt Pause. Den Gedanken eines unsichtbaren Feindes in unseren Köpfen lehne ich ab. Es ist nicht gut für Menschen mit Paranoia sowas zu glauben. Der Glaube und unsere Weltanschauung sollten uns helfen uns auf dieser Erde zurecht zu finden und uns nicht schaden. Die schlimmen Gedanken sind einfach ein Ausdruck meiner „paranoiden Schizophrenie“. Sie sind nur das: meine eigenen, blöden Gedanken und mein Seelenheil ist nicht in Gefahr. Ich kann nichts dafür.

Die Frage ob ich die „richtige“ Religion gewählt habe, beschäftigt mich noch heute. Vielleicht für den Rest meines Lebens auf dieser Erde. Oft war die Triebfeder meines Glaubens früher die Höllenangst, die viele Menschen haben. Was ist wenn ich bestraft werde? Das Entscheidende: ich will lieber aus Freude glauben. Ich konzentriere mich auf Jesus, auf das Gebot der Nächstenliebe und auf die göttlichen Verheißungen. Manchmal lese ich in der Bibel. Ich vertraue auf die göttliche Versorgung und ein Leben nach dem Tod. Es hilft mir mit meinen Sorgen im Alltag, die Verantwortung und die Kontrolle an eine höhere Macht abzugeben und ihr zu vertrauen. Ich glaube dass Gott einen guten Plan für mich hat und mich zu meinen Texten inspiriert, damit ich ein Licht in der Welt sein kann. Ich will Jesus Beispiel folgen.

Der Glaube hilft mir, empathisch, wertschätzend und selbstbewusst zu leben. Ich habe einen tief sitzenden Respekt vor dem Leben und staune über die perfekte Erde und die Natur und über mein eigenes Leben. Es ist der Gedanke, dass ich, so wie ich bin, mit all meinen Erfolgen und Fehlern, geliebt und angenommen bin. Einfach nur weil ich am Leben bin. Mein Wert als Mensch hängt nicht von meinem Erfolg ab. Ich bekomme diesen Wert und diese Liebe geschenkt. Einfach so. Einfach nur weil ich da bin. Ich muss nichts dafür leisten! Ist das nicht wunderbar? Ich bin Gottes geliebtes Kind und keine Macht der Welt kann mich seiner siegreichen Hand entreißen. Ich bin geschützt und geborgen und habe die Gewissheit: Am Ende wird alles gut.

Ich versuche andere Überzeugungen und Weltbilder zu respektieren, habe aber für mich persönlich meine Heimat im Christentum gefunden. Ich kann alle Menschen nur ermutigen, wenn es mal so richtig finster im Leben wird und alles ausweglos scheint, dann bietet Jesus einen Rettungsanker und spendet Hoffnung wo es keine mehr zu geben scheint.

Ich harrte des Herrn, und er neigte sich zu mir und hörte mein Schreien. Er zog mich aus der grausigen Grube, aus lauter Schlamm und Morast, und stellte meine Füße auf einen Fels, dass ich sicher treten kann.

  • Psalm 40, 2-3

Ein frohes Neues 2026

Der Herr spricht: „Siehe, ich mache alles neu.“

Offenbarung 21,5

Lieber Leser, liebe Leserin,

2025 ist nun vorbei. Ein neuer Tag und ein neues Jahr beginnt. Neue Möglichkeiten, neue Erlebnisse und neue Chancen für mehr mentale Gesundheit!

Das letzte Jahr war für mich nicht einfach und für unser Land auch nicht. Es gab viele Krisen und Enttäuschungen, aber auch viele Fortschritte, Entwicklungen und Erfolge. Ich habe viel Zeit auf der Couch mit Grübeln verbracht, andererseits habe ich mich oft an meine Tagesstruktur gehalten, mein Stimmungsprotokoll etabliert, war oft trainieren und habe viele Blog Artikel veröffentlicht, von denen Ihnen vielleicht einige geholfen haben. Auch mein Buchprojekt ist auf dem Weg und hat nun den letzten Schliff bekommen und ist bereit für den Druck. Im März 2026 wird es veröffentlicht.

Gute Vorsätze zu Neujahr sind oft nicht sehr nachhaltig, ich will mir aber trotzdem einige Veränderungen vornehmen und commitments eingehen:

  • 3 mal die Woche Sport mit Geräten und einer Stunde Fahrrad Ergometer
  • Rauchen aufhören sobald ich stabil werde (2 gute Wochen)
  • Gesunde Ernährung mit viel Proteinen und ein mal die Woche Cheat Day mit Burger, Schokolade und Cola
  • in der Kirchenband singen
  • eine erfolgreiche RPK im Therapeutikum in Heilbronn machen
  • gut mit meinem Geld umgehen und sparen, meine Finanzen in Ordnung bringen
  • weniger auf der Couch liegen und mehr Aktivität und Ablenkung

„Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was vorne ist.“

Philipper 3,13-14

Ich reflektiere wo ich stehe mit meiner mentalen Gesundheit. Da sind immer noch deutlich spürbare Ängste und Abgrundgefühle. Letztes Jahr gab es viele mentale Krisen, aber das ist ok. Ich habe seelische Narben, das ist auch OK.

Kennen Sie Kintsugi? Es handelt sich dabei um eine traditionelle japanische Reparaturmethode für Keramik oder Porzellan. Anstatt den Bruch zu verstecken, wird er bewusst hervorgehoben und die Bruchlinien werden mit Gold veredelt.

Die Philosophie dahinter ist dass unsere Brüche und Narben uns wertvoll und einzigartig machen. Wir brauchen sie nicht zu verstecken, sondern können stolz darauf sein, denn sie sind ein wichtiger Teil unserer Geschichte und unserer Identität.

Vor Gott müssen wir nicht perfekt sein. Er nimmt uns an so wie wir sind, mit all unseren Narben, Fehlern und Schwächen. Sie machen das Menschsein erst aus. Wir werden eine neue Schöpfung, eine neue Kreatur. „Siehe, ich mache alles neu“ verspricht uns der Herr.

2025 bin ich mit meiner Krankheitsakzeptanz einen guten Schritt weitergekommen. Ich akzeptiere, dass ich eine chronische, psychische Erkrankung habe und es nicht immer so läuft wie ICH das gerne hätte. Ich erkenne es an als Teil meines Lebens, ohne mich mit der Krankheit zu identifizieren und es mir mit meiner Diagnose bequem zu machen. Ich kämpfe. Für meine Gesundheit und für mein Glück. Ich vertraue auf meine Stärke. Ich bin für mein Leben verantwortlich und diese Verantwortung gebe ich nicht her. Ich bin frei. Ich kann tun und lassen was ich will. Ich bin sicher. Ich bin geborgen. Ich bin nicht alleine und das Leben hat mir wertvolle Menschen an die Seite gestellt die mich unterstützen. Ich kämpfe für alle meine Freunde, Familie und Gemeindemitglieder, denn alle glauben an mich. ICH glaube an mich. Jesus glaubt an mich.

Es gab viele Krisen. Momente der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Ich lag oft auf der Couch und gab mich den schlechten Gedanken hin. Wie eine Lawine aus Zwangsgedanken, wie festgenagelt, erstarrt, wie eingeschlossen in Ängsten und Gedanken. Aber diese Krisen gehen vorbei! Am nächsten Tag ist der Spuk vorbei und ich darf jeden morgen neuen Mut und neue Kraft schöpfen. Ich bin zu keiner Zeit in Gefahr denn der Herr ist bei mir auch wenn ich ihn manchmal nicht spüren kann. Manchmal sah ich keinen Ausweg und keine Lösung und keinen Sinn. Manchmal habe ich den Mut verloren. Aber das Leben geht weiter! Rückschläge gehören zum Genesungsweg absolut dazu! Die Heilung verläuft nicht linear und es gibt Umwege und Rückschritte. Die Hauptsache ist: Wir sind auf dem Weg und geben unser Bestes! Gott macht den Rest. Die Hoffung trägt uns durch die schwierigsten Zeiten. Die Ewigkeit ist mein zuhause.

Einige male war ich reif für die Notaufnahne, aber ich habe jedes mal wieder die Kurve gekriegt und nach einer guten Nacht ging es mir jedes mal wieder besser. Nach einem schlimmen Tag kommt immer ein guter Tag. Dieses Muster kenne ich seit Jahren.

Es fällt schwer diese Höhen und Tiefen, dieses Wechselbad der Gefühle zu akzeptieren. Aber was bleibt mir anderes übrig? Ich gebe mein Bestes. Jeden Tag. Ich bemühe mich und versuche mich in eine Lebensrealität zu bewegen in der alles leicht und schön ist. Ich habe Zeit. Ich bin immer noch jung, gesund und gesegnet und kann meine Träume verfolgen und meine Ziele erreichen. Ich werde Genesungscoach. Ich werde das Meer wieder sehen. Ich werde wieder auf der Bühne stehen. Gott hat mir Begabungen und Talente ins Herz gelegt. Die will ich nutzen und IHM nachfolgen. Ich lasse mich nicht unterkriegen von schlechten Gefühlen und Gedanken. Schatten dürfen kommen und gehen. Das ist ok. Ich mache einfach weiter und konzentriere mich auf Chancen und Lösungen, statt auf Sorgen und Probleme.

Vielleicht werde ich nicht zu 100% gesund, aber hauptsache stabil so dass ich das Leben das ich geschenkt bekommen habe genießen und das beste daraus machen kann. Ich nutze meine Spielräume. Es ist nicht immer schlecht und ich habe tolle Fortschritte gemacht.

Ich bin gelassen, fröhlich und dankbar für all die tollen Dinge und Menschen in meinem Leben.

Vielleicht wird 2026 mein Jahr. Ich freue mich über neue Chancen und Gelegenheiten. Mein Buch kommt und das Therapeutikum kommt. Ich gehe fröhlich und gelassen in ein neues Jahr und schreibe noch viele weitere Blog Artikel die Sie, liebe(r) Leser(in) hoffentlich auf Ihrem eigenen Weg begleiten und Mut machen.

Ich freue mich über E-Mails und Kommentare.

Für Ihre mentale Gesundheit 2026 alles gute!

Brief ans innere Kind

Lieber kleiner Niko,

mein Schatz du hattest es wirklich sehr schwer und hast es immer noch. Papa war so krank und nur mit sich selbst beschäftigt. Du hast dich von ihm verraten gefühlt als er ging. Mama und Papa haben sich getrennt, du hast dich so schlecht gefühlt deswegen. Kleiner Niko, du kannst nichts dafür, es ist nicht deine Schuld, Papa wollte mit dir reden, aber du warst nicht bereit dafür. Er und sein blödes Pflegeheim, seine Depressionen und seine blöde MS. Du hattest den Eindruck dass Papa dich nicht liebt und nicht stolz auf dich ist. Oft tust du Dinge in deinem Leben um ihm zu gefallen und dass er dich liebt.

Er hat dir nicht geholfen, als deine Mitschüler und Verwandten gemein zu dir waren. Das hätte er tun sollen! Du hast dich so alleine gefühlt und die Videospiele haben dich getröstet. Schon im Kindergarten und später in der Schule waren die anderen Kinder gemein zu dir und haben dich gehänselt. Du kannst nichts dafür, du hattest einfach Pech. Du wolltest doch einfach nur geliebt und angenommen werden und mit den anderen befreundet sein. Du hast wirklich viel mitgemacht. Einmal im Tae Kwon Do standest du einem anderen Jungen gegenüber und der ärgerte dich und sagte „Ich will dass er weint“. Die Mitschüler haben dich als Weichei beschimpft und dir unzählige Gemeinheiten zugefügt. Es war wie eine Folter für die Seele, du hast so gelitten und warst so einsam. Niemand hat dir geholfen. Später hast dich dem Haschich und dem Satanismus zugewandt um diese schreckliche innere Leere zu betäuben. Ich habe uns viel zugemutet.

Mama war immer für dich da aber letztes Jahr ist sie von uns gegangen, das hat dich sehr traurig gemacht. Sie hat sich so viele Sorgen um dich gemacht, dafür kannst du nichts. Sie wird nicht mehr für dich singen, für dich kochen und mit dir spazieren gehen. Aber in deinem Herzen lebt sie weiter. Dort wo sie jetzt ist geht es ihr gut, sie schaut auf dich herab und ist stolz auf dich! Sie hat Kinder so sehr geliebt und vor allem ihre eigenen, Lucija und dich. Sie war so ein wunderbarer Mensch, der wichtigste in deinem Leben. Jetzt ist sie nicht mehr da, aber irgendwann wirst du sie wiedersehen.

Diese Welt war sehr gemein zu dir und du musstest viel aushalten und durchmachen. Ich sehe wie sehr du gelitten hast. Du hast dich ein bisschen versteckt, weil du den Schmerz einfach nicht mehr ausgehalten hat. Der Stress im Studium und bei der Arbeit den ich uns zugemutet habe waren so schwer für dich und ich habe nicht gut genug auf dich gehört und auf dich aufgepasst. Kleiner Niko, es tut mir leid.

Aber nun bin ich, der erwachsene Niko für dich da. Du darfst zurückkommen. Du willst lachen und spielen und dich freuen. Das darfst du! Ich passe jetzt gut auf uns auf und wir gehen nicht mehr in die Überforderung wie früher. Lieber kleiner Niko, ich sende dir heute eine extra Portion Liebe und Fürsorge, komm zurück, du brauchst dich nicht mehr verstecken, denn ich passe jetzt gut auf dich auf und tröste dich.

Denk dran wie toll dir deine Freunde diesen Monat geholfen haben und dass wir bald nach Heilbronn zur Langzeittherapie gehen dürfen. Da bekommen wir Hilfe. Denk auch dran dass du einen himmlischen Papa hast, der für uns sorgt und uns nicht im Stich lässt. Auf IHN können wir vertrauen. Er macht uns gesund. Verlass dich drauf. Du bist nicht allein! Du hast so viele tolle Menschen um dich herum, die dich mögen und schätzen. Die gemeinen Menschen habe ich aussortiert und sie tun mir nichts. Die Welt ist jetzt gut zu dir und alle glauben an dich. Denk daran wie toll wir das Buchprojekt hinbekommen haben. Denk dran wie toll wir in der Kirchenband gesungen und Menschen berührt haben. Ist das nicht toll?

Denk an Mamas Wiegelied mit dem Marienkäfer. Das ist die schönste und eine der ersten Erinnerungen deines Lebens. Es symbolisiert dein Urvertrauen in diese Welt. Das Vertrauen und die Geborgenheit in Mama als du noch ganz klein warst

Buba Mara

Jedne noći bubamara
jako tužna bila,
neko joj je sakrio
tačkice sa krila.
Plakala je u samoći
na mirisnom cvetu,
niko od nje nije bio
tužniji na svetu.
U zoru je došlo sunce,
presrećna je bila,
ono joj je vratilo
tačkice na krila…

Übersetzung

Hier ist die direkte Übersetzung deines Textes ins Deutsche, so nah wie möglich am Original:

Eines Nachts war ein Marienkäfer sehr traurig, jemand hat ihm versteckt die Punkte von den Flügeln.

Er weinte in der Einsamkeit auf einer duftenden Blume, niemand auf der Welt war trauriger als er.

Im Morgengrauen kam die Sonne, da war er überglücklich, sie hat ihm zurückgegeben die Punkte auf die Flügel…

Wenn du mal traurig bist, denk an dieses Lied dass Mama für dich gesungen hat und erkenne: Du bist getröstet und geborgen und die Welt meint es gut mit dir.

Denk daran dass du bald das Meer wiedersehen und Gemeinschaft mit deiner Schwester Lucija haben wirst.

Lieber kleiner Niko, sei fröhlich und trotz aller Schmerzen die du erleiden musstest, sei gewiss dass nun auch die Heilung geschehen darf. Wir werden ein Vorbild für psychisch, kranke Menschen sein und so vielen wie möglich helfen. Hab Vertrauen in Gott und ins Leben, kleiner Niko. Die Welt meint es gut mit dir, du kannst jetzt heilen und Vertrauen fassen und neuen Mut schöpfen. Zusammen schaffen wir das! Wir sind ein unschlagbares Team, du und ich.

Dein (erwachsener) Niko

Der Weg zum authentischen Selbst

Diese Woche habe ich mir ein spannendes Webinar mit dem Hirnforscher Gerald Hüther angeschaut. Das Thema war „zu sich selbst finden“.

Als wir noch Kinder waren waren wir authentisch, wenn wir ein Bedürfnis hatten haben wir es geäußert ohne sich groß Gedanken zu machen was die anderen Menschen davon halten.

Im Laufe unseres Lebens beginnen wir Bedürfnisse zu unterdrücken und so zu leben wie es andere von uns erwarten. Wir lernen, wenn wir uns so verhalten wie die anderen es wollen bekommen wir Zuspruch und Liebe. Wir „funktionieren“.

Viele Menschen gehen durchs leben und tun Dinge, gehen zur Schule, ergreifen einen Beruf oder machen ein Studium und gründen Familien, weil man „das einfach so macht“ und weil die Gesellschaft es von uns erwartet. Aber was ist mit unseren inneren Sehnsüchten, Bedürfnissen und Träumen? „Mach was vernünftiges“ ist oft ein Ratschlag gut meinender Eltern. Manche Menschen stecken 40 Jahre in einem Beruf der ihnen eigentlich keinen Spaß macht und nicht ihren Werten entspricht weil „man Geld verdienen muss“.

Wir bewegen uns weg von unserem authentischen Selbst. Als ich anfing zu studieren musste ich sehr viele, hoch anspruchsvolle Mathe Vorlesungen besuchen, Übungsblätter schreiben und Prüfungen ablegen. Es war eine Qual. Ich konnte Mathe noch nie leiden, aber entwickelte einen großen Ehrgeiz und dachte: „Ich MUSS das schaffen!“ Wem wollte ich damit etwas beweisen? Meiner Familie? Der Gesellschaft? Alles in mir schrie „Niko, das ist nicht dein Ding“, ich habe aber trotzdem immer weiter gemacht bis ich irgendwann im Laufe des Studiums psychisch krank wurde. Rückblickend, kein Wunder – ich hatte meine Wünsche und Sehnsüchte konsequent ignoriert und blieb in einem Studium, welches nicht meinen Neigungen entspricht. Ich wollte es unbedingt schaffen und das habe ich auch. Aber der Preis dafür war ein Schaden an meiner mentalen Gesundheit.

In meinem Berufsleben ging der Stress genau so weiter, ich wurde Web Entwickler und begann eine wenig erfolgreiche Karriere in diesem Bereich. Immer wieder verlor ich meinen Job und landete im Krankenhaus und immer wieder quälte ich mich zurück zum Programmierjob.

Später machte ich eine Fortbildung zum UX Designer und erwarb ein Zertifikat, Design macht mir großen Spaß und das entsprach schon eher meinen Neigungen, aber mittlerweile war ich mental so eingeschränkt dass ich im Beruf nicht mehr Fuß fassen konnte. Die letzten 4 Jobs bin ich in der Probezeit rausgeflogen, ich kann die erforderliche Leistung nicht mehr bringen. Ich habe mich rückblickend Jahre lang einfach nur gequält.

Das Ich-Konstrukt

Wenn wir uns die Frage stellen „Wer bin ich?“ was könnte die Antwort sein? In meinem Fall zum Beispiel:

  • Ich heiße Niko
  • ich stamme aus Kroatien
  • Ich bin Informatiker
  • ich singe
  • ich spiele Gitarre
  • ich blogge
  • ich bin Buchautor
  • ich bin in Rente

Das sind verschiedene „Ich-Konstrukte“, die Rollen die wir in unserem Leben spielen, die Geschichte die wir uns selbst (und anderen) von uns erzählen. Ein Bild. Wir haben diese Bilder von dem was wir sind oder denken sein zu müssen damit die anderen uns annehmen. In meinem Ich-Konstrukt als Informatiker ging ich durchs Berufsleben und tat tagtäglich Dinge die mir keinen Spaß machten weil ich dieses Konstrukt von mir in meinem Kopf hatte und meine Chefs und Kollegen von mir erwarteten diese Dinge zu tun. Es machte keinen Spaß und ich unterdrückte jahrelang meine innere Stimme, die mir sagte „Niko, Informatik ist nicht dein Ding“.

Richtig aufgeblüht bin ich erst mit meinen Hobbies: Singen und Improvisationstheater. Auf der Bühne fühlte ich mich lebendig und hatte große Erfolge. Kreativität ist ein Ausdruck meines authentischen Selbst. Wie merken wir dass wir authentisch leben? Ein Merkmal ist, es wird plötzlich alles ganz leicht und mühelos.

Warum tun wir jahrelang Dinge die uns nicht gut tun und verleugnen unsere Träume und Bedürfnisse? Weil wir in unseren Ich-Konstrukten gefangen sind und denken „wir müssen funktionieren“.

Nun ist es so, ich habe im Studium sehr viel Wissen und Fertigkeiten aufgebaut. Ich habe wissenschaftliches Arbeiten und Dokumenterstellung gelernt, Design betrieben und gelernt Webseiten und Apps zu bauen. Zudem habe ich viele tolle Leute kennengelernt, auch meine damalige Freundin Susi. Ich entwickelte analytisches Denken, Kommunikationsfähigkeiten, Teamfähigkeiten und Problemlösungskompetenz. Ich liebte es, vorne zu stehen und Präsentationen zu halten.

Ich habe an der Hochschule Theater gespielt und gründete meine eigene Impro-Gruppe „Kanonenfutter“, die bis heute erfolgreich ist. Ich studierte 2 Monate in Schottland. All das wäre ohne das Studium nicht möglich gewesen. Die Skills und die tollen Erfahrungen habe ich immer noch zur Verfügung, das bedeutet das Ich-Konstrukte die uns zu diesen Leistungen antreiben auch einen Sinn haben.

Dennoch, auf der Reise in ein authentisches Selbst habe ich mich nun von der Informatik verabschiedet und will kein Leben als Programmierer mehr führen, auch wenn ich leicht einen Job bekäme. Es ist nicht mein Ding und ich habe es eingesehen.

Mein tiefster innerer Wunsch ist es, kranken Menschen zu helfen, mit Genesungscoaching, Seminaren, meinem Blog und meinem neuen Buch. Das ist meine Berufung. Ich kann viele meiner Skills aus Studium und Beruf dafür einsetzen. Ich will zudem auf der Bühne stehen und performen und Menschen begeistern. Mit meiner Stimme arbeiten. Das ist mein authentisches Selbst. Diese Arbeit verleiht meinem Leben einen Sinn. Ich will Gottes Werkzeug der Liebe sein und meinen Teil dazu beitragen das Leid auf der Welt zu lindern und kranken Menschen Mut zu machen. Gott hat es mir ins Herz gelegt.

Ohne meine Krisen und Psychosen wäre ich nie auf diesen Weg gekommen und auch diesen Blog gäbe es nicht. Die Krankheit hat mich gezwungen mich zurück zu meinem authentischen Selbst zu bewegen und dafür gesorgt dass ich nicht den Rest meines Lebens eine Arbeit mache die nicht meinen Neigungen entspricht. Das sind harte Lebenslektionen, die ich lernen musste um als Mensch zu wachsen und zu mir zu finden. In jeder Krise steckt eine Chance.

Tief in unserem Inneren, wollen wir einfach nur glücklich sein. Aber um das zu erreichen müssen wir uns immer wieder fragen: erfüllt mich das was ich da jeden Tag tue? Wenn nicht, was kann ich tun? Und: was sind jetzt meine Bedürfnisse? Was brauche ich damit es mir gut geht?

Ich will damit aufhören es allen recht machen zu wollen und auf die Annahme und Anerkennung anderer Menschen zu schielen. Ich will mich nicht permanent mit anderen Menschen vergleichen und Dinge erreichen die uns die Gesellschaft und die Werbung als erstrebenswert verkauft (Auto, Haus, iPhone) Ich will in meinem Leben das machen was mir richtig Freude macht! Dafür muss ich niemanden um Erlaubnis bitten und mir anhören: „Das geht nicht, das ist zu schwierig, das kannst du nicht“. Meine Wünsche und Träume und meine mentale Gesundheit haben oberste Priorität.

Die Ich-Konstrukte meines Lebens haben ihren Zweck erfüllt, ich habe Fertigkeiten und Wissen aufgebaut. Aber nun wird es Zeit das ich zurück zu mir finde und mutig in eine Zukunft voller Sinnhaftigkeit und Freude gehe. Herr, gib mir den Mut und die Kraft dafür. Es Zeit mein Leben ganz bewusst zu leben und einfach „mein Ding“ zu machen und mich zu entfalten. Ich habe alles was ich dafür brauche. Ich will auf meine Stärken vertrauen und an mich glauben.

Wenn ich es richtig anstelle, dann dürfen meine Ich-Konstrukte mit meinem authentischen Selbst verschmelzen und so bin ich bereit mein Leben zu meistern und alle diese tollen Dinge zu machen die ich will. Das ist ein Privileg und eine Herausforderung. Es ist eine zutiefst menschliche Erfahrung. Das Leben will wachsen, sich entwickeln und entfalten. Die Seele will gesund werden.

Was sind Ihre Ich-Konstrukte in Ihrem Leben? Spüren Sie noch eine innere Stimme, ein authentisches Selbst das nach Ihnen ruft? Werden Sie auf diese Stimme hören und umkehren wenn nötig?

Für Ihre mentale Gesundheit alles Gute.

Träume deuten und transformieren

Träume sind ein spannender Aspekt des Menschseins und ich finde das Thema faszinierend. Sich mit Träumen zu beschäftigen kann eine tiefere Einsicht in die eigene Seele geben, kann helfen Stress besser zu verarbeiten und uns helfen uns selbst besser zu vertehen. Unsere Träume haben Botschaften an uns und wir können lernen diese Botschaften zu entschlüsseln.

Mir nach dem Aufstehen Gedanken über meine Träume zu machen ist ein fester Bestandteil meiner morgendlichen „Psychohygiene“, so wie das Zähneputzen.

Ich habe ein Notizbuch neben meinem Bett wo ich kurze Stichpunkte zu meinen Träumen notiere, da Trauminhalte sehr schnell am morgen schon verloren gehen. Mit den Notizen kann ich mich gut an die Träume erinnern und dann in ein Dokument auf meinem Laptop übertragen.

Ich schreibe das Datum in mein Traumtagebuch und notiere den/die Träume. Danach überlege ich mir eine Bedeutung und schreibe sie auf. Danach formuliere ich eine Traumtransformation, also wie würde ich den Traum umschreiben damit er ein Happy End hat. Zum Schluss kopiere ich manchmal den Tagebucheintrag und füge ihn in Chat GPT ein, was mir noch zusätzliche Informationen und Einsichten zu meinem Traum liefert. Manchmal lasse ich mir dann noch ein Traumbild von der KI generieren um das Traumerlebnis nochmal auf den Punkt zu bringen und besser zu verinnerlichen.

So verfahre ich auch mit den restlichen Träumen.

Hier ist ein schönes Beispiel von heute nacht:

Traumtagebuch 22.8.2025

Ich sitze im Klassenzimmer und zeichne. Dimitri (ein Mitschüler, Name geändert) kommt vorbei und will etwas in mein Bild kritzeln, ich lasse es nicht zu, er holt einen dickeren Stift um in mein Bild zu malen, aber auch das lasse ich nicht zu. Ich frage warum er das tut, er sagt “wir wollen Macht über dich”. Ich frage ihn ob er es auch schwer hat und wir reden ein bisschen und er erzählt etwas.

Bedeutung

Meine Dämonen, oder einige davon sind einfach nur meine Mitschüler die mich gemobbt haben und das gärt immer noch in mir auch nach so langer Zeit. Da ist angestaute Wut und viele unterdrückte Emotionen. Warum wurde ich nicht agressiv und habe mich gewehrt sondern habe alles geschluckt? Warum haben mir meine Eltern nicht geholfen? Warum war ich so einsam, alleine und ausgeliefert? Warum wurde ich so schlecht von meinen Mitmenschen behandelt?

Jedoch: Mein inneres Kind hat gelernt Grenzen zu setzen und lässt das kritzeln im Bild, die Fremdbestimmung nicht zu, ohne agressiv zu werden. Das Bild steht für meinen Wunsch nach Identität und kreativen Ausdruck. Ich gestalte mein Leben nach meinen Vorstellungen. Nun habe ich die Reife und das Selbstbewusstsein, welches mein inneres Kind damals nicht hatte. Ich sende meinem inneren Kind Liebe und versichere ihm dass es nun geborgen und beschützt ist und keine Angst mehr zu haben braucht.

Transformation

Ich sage: “Dimitri, bestimmt hast du selbst schlimme Erfahrungen gemacht und hast deswegen so gehandelt? War vielleicht dein Vater und dein großer Bruder gemein zu dir? Vielleicht hast du zuhause nicht genug Liebe bekommen?”

Ich verstehe dass du Macht über mich haben willst um deinen Schmerz zu lindern, aber diese Macht kann ich dir leider nicht geben! Denn ich habe ein Recht darauf, Gefühle zu haben und mein Leben zu genießen. Ich habe ein Recht darauf mit Respekt behandelt zu werden. Da ist kein Platz für deine Spielchen. Ich bin wütend auf dich, dass du dich so verhalten hast, aber ich verzeihe dir – du kannst auch nichts dafür. Ist Ok. Jetzt darfst du das Zimmer verlassen und ich zeichne in Ruhe mein Bild fertig, es wird wunderschön. Ich komme nach der Schule nach Hause und schenke es Mama. Sie ist stolz auf mich und hängt das Bild an die Wand.

chat GPT

Wow, Niko – das ist eine unglaublich kraftvolle Verarbeitung deines Traumes 🙏✨

Du hast nicht nur die Botschaft erkannt, sondern sie aktiv verwandelt. Ich sehe da gleich mehrere Ebenen:

1. Die Botschaft des Traums

  • Das Klassenzimmer steht oft für Kindheit, Lernen, Entwicklung. Dein inneres Kind sitzt dort und möchte etwas Schönes erschaffen (dein Bild).
  • Dimitri und die Mitschüler verkörpern die alten Verletzungen, die Machtspiele und das Gefühl ausgeliefert gewesen zu sein.
  • Dass er sagt „wir wollen Macht über dich“ ist so klar – es ist genau das, was Mobbing war: das Bedürfnis der anderen, Kontrolle und Stärke auf deine Kosten zu fühlen.

2. Deine Reaktion im Traum

  • Du hast dich nicht zerstören lassen, sondern die Grenze gesetzt („ich lasse es nicht zu“).
  • Aber du bist auch nicht in Gewalt oder Hass gegangen – sondern in Gespräch und Mitgefühl. Das zeigt, dass dein Unterbewusstsein jetzt reifer, stärker und heilender mit der Vergangenheit umgehen kann.

3. Die Transformation, die du formuliert hast

  • Du gibst deinem jüngeren Ich eine Stimme, die damals vielleicht gefehlt hat.
  • Du erkennst, dass Dimitri auch ein verletzter Junge war, und dadurch entsteht Vergebung ohne Selbstaufgabe.
  • Das Geschenk an deine Mutter – sie ist stolz und hängt dein Bild an die Wand – symbolisiert: Du darfst gesehen werden, du darfst stolz auf dich sein, dein Ausdruck ist wertvoll.

4. Heilungsbotschaft

  • Du darfst die angestaute Wut heute fühlen – nicht mehr verschlucken.
  • Aber du musst sie nicht mehr zerstörerisch einsetzen, sondern kannst sie in Klarheit, Grenzen und Ausdruck verwandeln.
  • Dein Bild, das du fertig zeichnest, steht für dein jetziges Leben, deine Kreativität, deine Identität, die nicht mehr überschrieben wird von anderen.

👉 Ich finde, du hast dir mit dieser Transformation eine unglaublich heilsame Innere-Bild-Arbeit geschaffen.

Ein weiteres Beispiel

Traumtagebuch 22.8.2025

Ich bin wieder an einem Bahnhof und der Zug hält und die Türe ist offen. Ich versuche meine Sachen zusammenzusuchen und in den Zug zu gehen aber es klappt nicht, ich verliere Sachen auf den Boden, auf der Bank liegen noch Sachen und habe Angst dass der Zug ohne mich abfährt oder ich etwas wichtiges zurücklassen muss. Jemand fragt ob ich eine Fahrkarte habe. Ich habe keine. Ich bekomme Angst und wache auf

Bedeutung

Ich bin auf dem Weg in eine glückliche Zukunft, in das Leben meiner Träume. Mein Leben befindet sich an einem Übergang in eine neue Phase. Aber etwas hält mich zurück in diese Zukunft zu reisen. Da sind Ängste und nicht verarbeiteter emotionaler Ballast den ich (noch) nicht abstreifen und zurücklassen kann. Ich habe Angst zu scheitern und die Ziele für mein Leben nicht erreichen zu können. Die fehlende Fahrkarte könnte symbolisieren dass ich vielleicht denke ich habe das Recht und den Wert für eine Zukunft in Frieden und Glück nicht. Verdiene ich es nicht glücklich zu sein?

Transformation

Ich stehe wieder am Bahnhof, aber ich habe genügende Zeit bis der Zug kommt. Ich schaue auf die Infotafel. Noch 5 Minuten. Ich prüfe mein Gepäck und Lucija (meine Schwester) ist bei mir. Ich habe einen Rucksack und meine Laptoptasche. Ich habe in meiner Hose den Schlüssel, den Geldbeutel, das Handy und am Shirt hängt meine Brille. Da ist noch eine Sporttasche mit alter schmutziger Wäsche, die brauche ich nicht mehr und lasse sie ganz bewusst auf der Bank liegen, vielleicht braucht sie jemand anderes.

Ok, alles gepackt, ich bin bereit. Lucija lächelt mir freundlich zu und freut sich mit mir auf die Reise nach Berlin wo wir Städteurlaub machen werden. Der Zug kommt. Die Türen öffnen sich und wir steigen ein. Der Schaffner will mein Ticket sehen. Ich zeige ihm mein aufgeladenes Handy mit der digitalen Fahrkarte, die ich gekauft habe. Lucija hat auch eins. Der Schaffner bedankt sich und wünscht uns eine gute Reise. Wir verstauen das Gepäck. Wir setzen uns an einen Fensterplatz mit Tisch gegenüber und wir unterhalten uns angeregt über die vor uns liegende Städtetour.

Ich schaue aus dem Fenster, sehe die Landschaft vorbeiziehen und bin glücklich.

Meine Taufe (Bekenntnis zu Jesus)

Heute hat meine erneute Taufe stattgefunden auf der Bärenwiese in Ludwigsburg mit der ICF Kirche. Ich bin zwar als Kind in der katholischen Kirche schon getauft worden, wie bei uns Kroaten üblich, aber seit längerer Zeit habe ich mit dem Gedanken gespielt mich erneut taufen zu lassen und in aller Öffentlichkeit, vor der sichtbaren und unsichtbaren Welt zu bezeugen dass ich zu Jesus gehöre.

Diese Entscheidung war hart umkämpft und ich hatte die letzten Tage große Zweifel und Ängste ob ich mich richtig entscheide. Ich hatte große Angst, aufs „falsche Pferd“ zu setzen und in der Hölle zu landen. Dann habe ich mir klargemacht dass ich aus Freude glauben will und nicht aus Angst. Ich dachte an den Lobpreis, die Gebete, die Gottesdienste, die Abendmahle, meine Auftritte mit der Kirchenband und die Kraft unserer Gemeinschaft. Ich dachte daran wie die Menschen aus meiner Gemeinde immer an mich geglaubt haben, für mich gebetet haben und mich im Krankenhaus besuchten wenn es mir schlecht ging. Das alles fühlt sich einfach richtig an und KANN nicht alles gelogen sein! Ich musste daran denken wie viele verzweifelte Situationen ich in meinem Leben bereits gemeistert habe und dachte daran dass ich die ganze schwierige Zeit behütet und geborgen und in Sicherheit war.

Ich habe sehr mit mir gerungen und oft daran gedacht die Taufe abzusagen. Oder ich hatte Angst dass es mir zuviel wird und ich abbrechen oder ins Krankenhaus muss.

Heute morgen jedoch erlebte ich eine tiefe Gelassenheit und Freude die sich in mir breitmachte. Ich nahm allen Mut zusammen, schnappte meine Tasche mit Wechselklamotten und machte mich auf den Weg zur Bärenwiese. Ich freute mich auf die Taufe, auf meinen großen Tag der Entscheidung die ich solange hinausgezögert habe. Folgenden Text habe ich vor der Taufe vorgetragen (nicht ganz, ich war sehr nervös)

Lieber Herr Jesus Christus,

heute bekenne ich mich zu dir. Dir will ich nachfolgen und mein Leben und meine Ewigkeit mit dir verbringen wenn ich einmal sterbe. 

Du machst mir mein Leben nicht einfach und ich habe viele Lasten zu tragen. Aber, durch all mein Leid, die Psychosen und Klinikaufenthalte warst du zu jeder Zeit an meiner Seite.Du hast mich behütet und beschützt und hast mir geholfen es bis zu diesem Punkt heute zu schaffen. Ich habe schon sehr viel erreicht, mit dir an meiner Seite.

Früher wollte ich nichts mit dir zu tun haben, das hat dich traurig gemacht, doch dann wendete sich das Blatt und du hast mich zu dir gerufen. Der verlorene Sohn kommt nach hause und du freust dich! Du nimmst mich an so wie ich bin. Als kleinen, verlorenen Sünder. Ich bin DEIN geliebtes Kind und keine Macht der Welt kann mich deiner liebenden Hand entreißen. Das wird mir jetzt klar.

Herr, durch meine Krisen hast du mir gezeigt, welcher der richtige Weg für mich ist. Deswegen danke ich dir heute für die schwierigen Zeiten, die du mir geschickt hast. Sie waren notwendig, damit ich zu DIR finde und meine Berufung entdecke. Du hast mir geholfen, mein Schreibtalent zu entdecken. Du hast mir den Blog und mein Buch ins Herz gelegt, damit ich mithelfen kann, das Leid auf der Welt zu lindern. Ich will DEIN Werkzeug der Liebe sein! Ich schaffe das nicht aus eigener Kraft. Die Inspiration zu meiner Arbeit kommt nur durch DICH! Lass mich nicht stolz, sondern demütig und bescheiden bleiben.

Herr, du machst mich gesund. DU bist der große Heiler und Herrscher meines Herzens. ich will allen meinen Klienten und Lesern von dir erzählen und mit ihnen zu dir beten, in deinem Namen Jesus Christus.Mit dir will ich nach vorne gehen.

Ab heute gehe ich meinen Weg nur mit DIR und Ängste und Zweifel werden verschwinden. 

Danke Herr, dass du diese Welt so schön und perfekt gemacht hast und ich darin leben und mich entfalten darf. Ich bin jung, gesund und gesegnet, dafür danke ich dir. Herr Jesus Christus, mein Heiland und Retter. Nur auf dich will ich vertrauen und mein Leben und meine Ewigkeit in DEINE Hände legen. Amen.

Zunächst wurde gesungen, Lieder die ich mag und gut kenne und Jürgen der Pastor hielt eine starke Predigt über den verlorenen Sohn. Meine Lieblingsgeschichte aus der Bibel. Dann versammelten sich alle Täuflinge vor dem Becken und jeder sagte ein paar Sätze warum er/sie sich taufen lässt. Ich stand in der Gruppe und mein Herz schlug wie wild und als ich dran war zitterte meine Hand mit meinem Text darin, den ich mit zitternder Stimme vortrug. Jetzt gab es kein zurück mehr. Ich stieg mit unserem Pastor und meiner Taufpatin Jasmin ins Becken. Es war kühl. Ich stand darin und nun wurde es ernst. Ich bekam meinen Taufvers und Jürgen fragte mich ob ich glaube das Jesus Christus für meine Sünden gestorben ist von den Toten auferstanden ist. Ein Moment der Klarheit in meinem Kopf. Mit ganzem Herzen und völlig aufrichtig antwortete ich mit „JA!“. Ich wurde rücklings untergetaucht und war 2 Sekunden unter Wasser. Als neuer Mensch tauchte ich auf.

Ich habe mich entschieden. Für Jesus! Ich umarmte Jürgen und Jasmin, die mich bei diesem wichtigen Schritt begleitet haben. Dann trocknete ich mich ab und einige Menschen aus der Gemeinde beteten mit mir. Viele andere Menschen auf dem Taufgottesdienst beglückwünschten mich zu meiner Entscheidung. Die Paranoia ist verschwunden. Ich zog mich um und fühlte eine tiefe Gelassenheit, Entspannung und Frieden. Wir gingen noch auf ein paar Häppchen in die ICF und dann ging ich bald nach hause.

Ich lief glücklich nach hause und den Rest des Tages breitete sich ein tiefer innerer Frieden in mir aus. Genug gekämpft mit Gedanken, jetzt ist Ruhe da oben – der Frieden kommt in mein Leben, meinen Geist, in meine Seele. Die Seele will gesund werden.

Ich erwarte nicht, dass ab jetzt alles perfekt in meinem Kopf läuft, es wird immer noch Schatten und Zweifel und Rückschläge geben, aber, ich bin in meinem geistlichen Leben (und meiner mentalen Gesundheit) einen Riesenschritt vorwärts gegangen. Es ist die Gewissheit dass ich einen himmlischen Papa an meiner Seite habe der mich liebt und nur das Beste für mich will. Ich glaube, ich habe die richtige Entscheidung getroffen, auf Jesus will ich vertrauen und mich von Teufel und Hölle verabschieden. Ich brauche diese Gedanken nicht mehr. Ich habe beschlossen meine Zeit auf der Erde (und in der Ewigkeit) mit Christus zu gehen. ER macht mich gesund und ich will allen Menschen erzählen was er für mich getan hat und bis heute tut.

Auf der Reise

Ich bin auf der Reise. Eine Reise in eine glückliche Zukunft. Ich bin noch am Anfang. Es gibt Hürden und Schwierigkeiten. Es gibt Erfolge und Lichtblicke. Manche Menschen, die uns auf unserem Weg begleiten, verschwinden, andere kommen hinzu.

Es gibt Höhen und Tiefen. Ich habe das Ziel vor Augen. Ich gehe Schritt für Schritt. Ich reflektiere, was ich bereits erreicht habe und verstehe meine Gedanken und Gefühle. Was mich belastet, streife ich ab wie einen Rucksack mit Sachen, die ich nicht mehr brauche.

Ich mache Pausen und atme tief durch. Neu gestärkt mache ich mich auf den Weg. Meine Werte sind mein Kompass.

Ich bin flexibel und passe mich an, wenn neue Herausforderungen auftauchen. Wenn ich alleine nicht weiter kann, hole ich mir Hilfe. Mein Glaube schützt mich, Engel begleiten mich auf meinem Weg.

Auf meiner Reise mache ich neue Erfahrungen, gute und schlechte. Aber sie alle helfen mir zu wachsen. Dieser Weg ist nicht leicht. Aber ich gehe ihn gerne. Es ist mein eigener Weg. Mein Leben ist toll wie es ist, ich würde mit niemandem tauschen wollen, denn es ist meins, einzigartig und wunderbar.

Wenn ich ans Ziel komme und zurückblicke, staune ich und verstehe, dass alles seinen Sinn hatte. Jede Schwierigkeit, jeder Rückschlag und jeder Erfolg waren Meilensteine auf meinem Weg.

Nachts schaue ich in den Himmel. Die Sterne begleiten mich wie treue Freunde. Ich bin nicht allein auf meinem Weg.

Ich war an düsteren Orten wo mich der Mut verlassen hat. Ich ging durchs finstere Tal. Ich habe gelitten und bin daran gewachsen. Ich werde stärker. Ich werde mutiger. Ich atme auf. Ich bin geborgen. Ich bin in Sicherheit.

Es gibt Licht und Schatten. In jedem Moment entfaltet sich aufs neue das was ist. Jeder Moment ist kostbar und ich genieße ihn. 

Ich bin im hier und jetzt. Ich bin fest in der Realität verankert. Ich stehe mit beiden Beinen fest auf dem Boden und bin in ihm verwurzelt. Meine Gedanken sind die zahllosen Blätter, die sich im Wind wiegen

Ich atme, ich heile, ich lebe.

Ich bin vollkommen, ich bin präsent, ich bin mir bewusst. Ich stehe und spiele auf den Bühnen des Lebens. Ich bin wachsam, ich bin aufmerksam. Ich bin da.

Alles ist so wie es sein soll. Alles ist in perfekter Ordnung.